Gehbeschwerden durch Schwindel?

Hallo,
seid ca. 2 Jahren hat meine Schwiegermutter (72 Jahre) Gehbeschwerden, die auf Schwindel oder ähnliches zurückzuführen sind. Sie spricht von einem taumeligen Gang, der Boden schwimmt unter ihren Füßen, sie hat ein schwaches Gefühl in den Beinen und im Oberschenkel Anzeichen wie bei Muskelkater. Wenn sie den Kopf schnell bewegt, bekommt sie Drehschwindel. Im Liegen bei geschlossenen Augen dreht sich alles um sie herum, wobei die Symptome von Drehschwindel erst in den letzten Tagen sich verstärken. Ab und zu hat sie Druck auf den Ohren und Ohrgeräusche, dann, wenn der Schwindel besonders groß ist. Morgens nach dem Aufstehen geht es ihr besser und es verschlimmert sich tagsüber. Natürlich war sie auch schon bei einigen Ärzten, was leider nicht half. Der Hausarzt vermutet Neuropathien, da sie seid 30 Jahren Diabetes hat. Seine Tabletten gegen Schwindel halfen nicht. Der Nervenarzt konnte ihr mit Nerventabletten auch nicht helfen. Der HNO versuchte es vergebens mit Übungen und Sauerstofftherapie, der Orthopäde steckte sie in der Röhre und röntgte sie, ohne Ergebnis. Nur das er Kortison verschreiben wollte, was aber Probleme mit dem Zucker bringt. Da sie als Witwe eines Bundesbahnbeamten vor vielen Jahren in die private Krankenkasse musste, sind möglicherweise einige Behandlungen zweckfremd gewesen. Jetzt hat es sich verschlimmert und sie kann seid 2 Wochen gar nicht mehr aus dem Haus. Wir wissen uns einfach keinen Rat mehr und sind für jede Hilfe dankbar.

Viele Grüße
Peter

Hallo Peter.
Zuerst fallen mir folgende Dinge dazu ein:
Nimmt deine Schwiegermutter regelmässig Medikamente ein, die solche Symptome begünstigen könnten?
Wie verhält sich der Blutdruck?
Und: Kann eventuell eine Dehydration (Austrocknung aufgrund von Wassermangel) vorliegen? Ältere Menschen trinkt oft viel zu wenig, weil der Durst nachlässt…

Ab und zu hat sie Druck
auf den Ohren und Ohrgeräusche, dann, wenn der Schwindel
besonders groß ist.

Auch Wassermangel kann dies verursachen. Wurden die Nasennebenhöhlen untersucht? Bei chronischer Verlegung dieser kann es ebenso zu Ohrgeräuschen und Schwindel (wegen des Druckausgleichs) kommen.

Hausarzt vermutet Neuropathien, da sie seid 30 Jahren Diabetes
hat.

…ja, das ist leider eine häufige Folge. Wurde ein B12-Mangel ausgeschlossen?

Der HNO versuchte es vergebens mit Übungen und
Sauerstofftherapie, der Orthopäde steckte sie in der Röhre und
röntgte sie, ohne Ergebnis.

Regelmässig Sonnenlicht (senkt u.a. den Blutzuckerspiegel) und Sauerstoff am besten in Form von Bewegung im Freien sind essentiell, damit sich der STOFFWECHSEL so weit wie möglich REGULIERT. Also wenn irgendwie möglich: Mit ihr hinausgehen! Und WASSER trinken!
Zusammenhänge von Diabetes und Wassermangel beschreibt F.Batmanghelidj in „Wasser die gesunde Lösung“ sehr schön.

o.k., wenn du noch Fragen hast, meld dich. Da ist ein sehr weites Gebiet abzuklären, aus diesem Grunde rate ich gern zu einem Arzt- oder Heilpraktiker- oder Klinikbesuch mit ganzheitlich naturheilkundlicher Ausrichtung.
gruss engelsauge

Hallo Engelsauge
erst mal vielen dank für die Infos. Was die Medikamente angeht, das könnte eine Spur sein. Sie nimmt einiges gegen Herz-Kreislaufbeschwerden und Bluthochdruck. Wir werden uns die Neben- und Wechselwirkungen noch mal anschauen. Flüssigkeitsmangel würde ich eher ausschliessen, da sie aus gesundheitsfördernden Gründen schon zwangsläufig mehr trinkt, z.B. Tee, Brottrunk zur Zuckerseenkung etc. Vitamin B12 - sie ist zwar kein Vegetarier, aber nicht auszuschliessen, das sie den Fleischkonsum als alleinstehende Person minimiert hat. Auch da werde ich mal nachhaken. Was ist mit der Menierschen Krankheit. Fällt Dir da was zu ein? Oder zu der Störung des Gleichgewichtsorganes im Innenohr? Sind nur wage Vermutungen.

Viele Grüße
Peter

Hallo Peter,

es gibt unzählige Gründe, warum jemand unter Schwindel leidet. Ich vermute, daß es bei Deiner Schwiegermutter für den Schwankschwindel und den Drehschwindel unterschiedliche Ursachen gibt. Die häufigste Ursache für Drehschwindel, gerade bei älteren Leuten ist der gutartige Lagerungsschwindel, der besonders im Liegen auftritt und bei heftigen Kopfbewegungen und der trotz seiner Häufigkeit vielen Ärzten nicht bekannt ist. Ein guter Neurologe müßte Deine Schwiegermutter daraufhin untersucht haben. Schau mal hier: http://www.neuro24.de/s3.htm . Oder Du googelst mal ein bißchen mit den Begriffen „gutartiger Lagerungsschwindel“ oder "benigner Lagerungsschwindel. Ansonsten würde ich Dir raten, wenn irgendmöglich in der Uni-Klinik der nächstgrößeren Stadt die Schwindelambulanz aufzusuchen,falls Ihr so etwas in der Nähe habt, das ist weitaus effektiver als die Odyssee von einem Arzt zum anderen.

Viele Grüße und gute Besserung für Deine Schwiegermutter
soneji

Hallo Peter !

Bei Schwindel ist es wichtig, zunächst eine grobe Einteilung vorzunehmen und nicht wild drauf los zu spekulieren. Aus meiner Sicht sollte dabei die Suche nach der oder den Ursachen zunächst an 2. oder 3. Stelle stehen. Wichtig ist :

  • Lassen sich neurologisch bzw. hno-medizinisch Schwindelsymptome objektivieren, d.h. liegt ein sog. Nystagmus (rhythmische Augenbewegungen vor oder nicht). Dies ist schon mal entscheidend, weil man danach eine Beteiligung des Gleichgewichtsorgans bzw. des zentralen Nervensystems beurteilen kann.

  • Ist der Schwindel lageabhängig? Dies bezieht sich auf den schon erwähnten benignen Lagerungsschwindel

  • Handelt es sich um einen Schwank- oder Drehschwindel oder aber eher um ein subjektives Gefühl von „Unsicherheit“, Schwarzwerden vor den Augen? Ggf. eine Mischung der einzelnen Typen? Also, wann und in welchen Situationen tritt der Schwindel auf?

  • liegen medikamentöse Ursachen vor ?

  • Liegen zwar keine objektiven neurologischen Symptome im Sinne eines Nystagmus (bzw. auffälliger Werte in Gleichgewichtsmessungen) vor, so käme auch ein phobischer Attacken-Schwankschwindel zu diskutieren. Diese sehr häufige Form von Schwindelsymptomen tritt gerade dann auf, wenn schon mal eine organische Ursache (z.B. starke Übelkeit mit Erbrechen und Schwindel bei einer sog. Neuronitis vestibularis) auftrat und sich dann nachfolgend eher eine „Angst“ vor dem Schwindel ergeben hat, d.h. eher die Befürchtung dass es zu erneuten Schwindelattacken kommt. Diese Patienten leiden sehr und haben z.B. die Sorge, das Gleichgewicht zu verlieren oder vom Stuhl zu fallen.

  • Beim Vorliegen einer diabetischen Polyneuropathie und vielleicht auch noch Sehstörungen kann ich mir auch vorstellen, dass schlicht und ergreifend die Ausgleichsmöglichkeiten des Gehirns erschöpft sind. Ich habe dies bei einigen Patienten erlebt, die z.B. beim guten Sichtverhältnissen noch gut zurecht kommen, dann aber bei Dunkelheit Schwindelsymptome haben.

  • Natürlich sollte man auch an Gefäßprobleme denken (d.h. auf jeden Fall einmal die Halsschlagader durch eine Duplexsonographie untersuchen lassen) und eine Bildgebung des Gehirns um höherwertige Durchblutungsstörungen auszuschliessen.

  • Meniere ist ein anfallsartig auftretender Schwindel, der von Übelkeit und Tinnitus begleitet ist. Die Beschreibung klingt so überhaupt nicht nach Meniere, dass ich diese Idee beiseitelassen würde.

  • Nicht zu vernachlässigen wären psychische Gründe (Depressionen, Angststörungen bzw. andere Formen des psychogenen Schwindels).

Ich persönlich werde immer skeptisch, wenn Ärzte vorschnell von Durchblutungsstörungen, Meniere, vertebrogenem Schwindel oder sowas reden. Soll nicht heissen, dass es dies nicht gibt oder es relevant wäre. Aber : Meistens ergibt sich daraus eine Wischi-Waschi-Therapie (wie z.B. Durchblutungsförderung, Ozontherapie, Druckkammer, Ohrkerzen, Kortison oder was gerade angesagt oder teuer ist…). Meistens hilft nichts davon.

Ich persönlich halte bei einem Lagerungsschwindel gezielte Krankengymnastik für sinnvoll bzw. allgemein derartige Massnahmen für angezeigt. Der Tip mit einer Schwindelambulanz würde ich voll und ganz unterstützen.

MFG
Martin

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