Re^3: Gehbeschwerden durch Schwindel?
Hallo Peter !
Bei Schwindel ist es wichtig, zunächst eine grobe Einteilung vorzunehmen und nicht wild drauf los zu spekulieren. Aus meiner Sicht sollte dabei die Suche nach der oder den Ursachen zunächst an 2. oder 3. Stelle stehen. Wichtig ist :
- Lassen sich neurologisch bzw. hno-medizinisch Schwindelsymptome objektivieren, d.h. liegt ein sog. Nystagmus (rhythmische Augenbewegungen vor oder nicht). Dies ist schon mal entscheidend, weil man danach eine Beteiligung des Gleichgewichtsorgans bzw. des zentralen Nervensystems beurteilen kann.
- Ist der Schwindel lageabhängig? Dies bezieht sich auf den schon erwähnten benignen Lagerungsschwindel
- Handelt es sich um einen Schwank- oder Drehschwindel oder aber eher um ein subjektives Gefühl von "Unsicherheit", Schwarzwerden vor den Augen? Ggf. eine Mischung der einzelnen Typen? Also, wann und in welchen Situationen tritt der Schwindel auf?
- liegen medikamentöse Ursachen vor ?
- Liegen zwar keine objektiven neurologischen Symptome im Sinne eines Nystagmus (bzw. auffälliger Werte in Gleichgewichtsmessungen) vor, so käme auch ein phobischer Attacken-Schwankschwindel zu diskutieren. Diese sehr häufige Form von Schwindelsymptomen tritt gerade dann auf, wenn schon mal eine organische Ursache (z.B. starke Übelkeit mit Erbrechen und Schwindel bei einer sog. Neuronitis vestibularis) auftrat und sich dann nachfolgend eher eine "Angst" vor dem Schwindel ergeben hat, d.h. eher die Befürchtung dass es zu erneuten Schwindelattacken kommt. Diese Patienten leiden sehr und haben z.B. die Sorge, das Gleichgewicht zu verlieren oder vom Stuhl zu fallen.
- Beim Vorliegen einer diabetischen Polyneuropathie und vielleicht auch noch Sehstörungen kann ich mir auch vorstellen, dass schlicht und ergreifend die Ausgleichsmöglichkeiten des Gehirns erschöpft sind. Ich habe dies bei einigen Patienten erlebt, die z.B. beim guten Sichtverhältnissen noch gut zurecht kommen, dann aber bei Dunkelheit Schwindelsymptome haben.
- Natürlich sollte man auch an Gefäßprobleme denken (d.h. auf jeden Fall einmal die Halsschlagader durch eine Duplexsonographie untersuchen lassen) und eine Bildgebung des Gehirns um höherwertige Durchblutungsstörungen auszuschliessen.
- Meniere ist ein anfallsartig auftretender Schwindel, der von Übelkeit und Tinnitus begleitet ist. Die Beschreibung klingt so überhaupt nicht nach Meniere, dass ich diese Idee beiseitelassen würde.
- Nicht zu vernachlässigen wären psychische Gründe (Depressionen, Angststörungen bzw. andere Formen des psychogenen Schwindels).
Ich persönlich werde immer skeptisch, wenn Ärzte vorschnell von Durchblutungsstörungen, Meniere, vertebrogenem Schwindel oder sowas reden. Soll nicht heissen, dass es dies nicht gibt oder es relevant wäre. Aber : Meistens ergibt sich daraus eine Wischi-Waschi-Therapie (wie z.B. Durchblutungsförderung, Ozontherapie, Druckkammer, Ohrkerzen, Kortison oder was gerade angesagt oder teuer ist...). Meistens hilft nichts davon.
Ich persönlich halte bei einem Lagerungsschwindel gezielte Krankengymnastik für sinnvoll bzw. allgemein derartige Massnahmen für angezeigt. Der Tip mit einer Schwindelambulanz würde ich voll und ganz unterstützen.
MFG
Martin
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