Wie gefährlich sind Streptokokken?

Hallo liebe Mediziner,

mich würde interessieren, wie gefährlich Streptokokken für einen Erwachsenen sein können?

Grüße, Cesmy

Hi!

mich würde interessieren, wie gefährlich Streptokokken für
einen Erwachsenen sein können?

Allgemein gesagt:

Von überhaupt nicht (einige Arten gehören zur normalen Haut-/Mundflora)

über einige Erkrankungen (Lungenentzündung, Hautinfektionen wie Erysipel o. Phlegmonen, Mandelentzündung, Mittelohrentzündung, Scharlach)

bis hin zu tödlich (Sepsis z.b. beim Toxic Shock Syndrom)

ist alles drin.

Kommt wohl auf vieles an, insbesondere welcher Streptokokkus genau dich interessiert (es gibt ja mehrere Arten) und ansonsten kommt es auf den allgemeinen Zustand desjenigen wie z.b. Immunstatus an. Schließlich trägt jeder zb. vergrünende Strept. im Mund, aber nicht jeder erkrankt zb. an Mittelohrentzündung - ich zb. hatte noch nie eine :wink:

Also, was genau willst du wissen?

Gruß,
Sharon

Hallo Cesmy
Eine der bekannten Probleme ist die nicht-(antibiotisch)behandelte Streptokokken-Angina (Halsentzündung). Die Streptokokken können sich aufs Herz und auf die Gelenke „legen“ und dort viel Unbill nach sich ziehen.
Gruss, Branden

Hallo Sharon,

ich wusste nicht, dass es so viele verschiedene Arten von Streptokokken gibt. Und ich hätte nicht gedacht, dass sie einem gesunden Menschen gefährlich werden können.

Ich wollte eigentlich nur eine zweite Aussage zur Gefährlichkeit dieser Bakterien hören, weil mein Vertrauen in die Kompetenz mancher Mediziner vor kurzem wieder stark erschüttert wurde. :´(

Ein sportlicher 24-jähriger Mann klagt über Schmerzen im Knie… die Untersuchung ergibt einen Kreuzbandanriss… der Hausarzt soll weiterbehandeln… die Schmerzen im Knie werden im Verlauf eines Tages immer unerträglicher… das Knie schwillt an… er kommt ins Krankenhaus… er bekommt Schmerzmittel… es ist Wochenende… die Schwellung greift auf das gesamte Bein über… sein Allgemeinzustand verschlechtert sich zusehend… am Montag heißt es dann plötzlich sein Bein müsste amputiert werden(!?)… die Operation erfolgt noch am selben Tag… zwölf Stunden später ist er tot… die Begründung des behandelnden Arztes lautete: eine Streptokokken-Infektion!

Seine Familie bleibt ratlos und fassungslos zurück und mancher fragt sich, ob da nicht etwas falsch gelaufen ist…

Cesmy

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi Cesmy,

doch doch, Streptokokken in einer Wunde oder Entzündung (kann auch länger innerlich geschwelt haben) können dann sehr schnell durch deren Toxine zum Tode führen.
Und wenn man sich die im KH nach einer OP einfängt, hat man oftmals keine Chance mehr, weil sie gegen nahezu alle Antibiotika resistent sind, oder aber man es zu spät erkannt hat.
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,2048455,00.html
http://www.hospvd.ch/swiss-noso/d31a1.htm

Gruß
Maja

Staphylokokken???
Hey Maja

Und wenn man sich die im KH nach einer OP einfängt, hat man
oftmals keine Chance mehr, weil sie gegen nahezu alle
Antibiotika resistent sind, oder aber man es zu spät erkannt
hat.

Äh, korrigiert mich, wenn ich was falsches sage.
Aber sind das nicht die Staphylokokken??
Dann im Krankenhaus ORSA bzw. MRSA genannt, das sind doch die gefürchtetsten Krankenhaus-Keime, oder??? Wobei das jeweils für …R=resistent S=Staphylokokkus A=aureus steht, nich??

Gruß
Kerstin

Hi!

Aber sind das nicht die Staphylokokken??
Dann im Krankenhaus ORSA bzw. MRSA genannt, das sind doch die
gefürchtetsten Krankenhaus-Keime, oder??? Wobei das jeweils
für …R=resistent S=Staphylokokkus A=aureus steht, nich??

MRSA und ORSA ist praktisch das gleiche und bedeutet:
Multiresistenter Staphylokokkus Aureus (MRSA) oder
Methicillin-resistenter Staphylokokkus Aureus (MRSA) oder
Oxacillin-resistenter Staphylokokkus Aureus(ORSA)

Erklärung:
In der USA wird/wurde hauptsächlich Methicillin verwendet, in der BRD bzw. Europa Oxacillin. Daher die unterschiedlichen Namen. Bedeutet aber im Grunde dasselbe, nämlich das der Staph. aureus gegen sogenannte ß-Laktamantibiotika unempfindlich ist.

Das bedeutet erst mal aber nicht, daß der Keim supergefährlich ist (im Allgemeinen)! Denn auch hier gilt: viele tragen diesen Keim. Und einem gesunden Menschen tut er nichts. Das Problem ist, wenn man krank wird/ist und sich dieser Keim ausbreitet, dann hat man erst Probleme. Denn der Keim ist selbst nicht weiter gefährlich, lediglich die BEhandlung ist schwer, da man nur eine begrenzte kleine Anzahl an Antibiotika hat, die bei ihm wirken.

Ein mögliches Antibiotikum, das bei MRSA/ORSA noch (!) wirkt, ist Vancomycin. Dieses gilt als Reserveantibiotikum und darf NUR bei MRSA-Fällen gegeben werden, damit sich nicht auch noch auf dieses letzte Mittel Resistenzen bilden.

Leider sind die Americaner in der Gabe von Vancomycin nicht so zurückhaltend wie hier in der BRD, sodaß in der USA bereits Fälle aufgetreten sind, bei denen auch Vancomycin nicht mehr hilft…
Bei denen gibts also schon den VRSA : Vancomycin-resistenter Staph. aureus!

Wollen wir nur hoffen, daß VRSA nicht zu uns rüberschwappt… :frowning:

Bei den Streptokokken gibt es dieses Problem nicht, sie sprechen noch relativ gut auf Penicilline an.

Gruß,
Sharon

1 „Gefällt mir“

Hi Kerstin,

doch, Du hast recht. Die resistenten Bakties, sind sie Staphylo und Enterokokken…bei den anderen werden deren Toxine einem zum Verängnis, wenn man zu spät Antibiotikum einsetzt.

Was aber nicht heisst, dass man sich die Streptokokken nicht auch im KH einfangen kann. War kürzlich von der BBC etwas im TV über Streptokokken.

Gruß
Maja

Anwalt? (etwas lang)
Hi!

Ja, die Geschichte ist ziemlich schockierend… :frowning:

Doch leider weiß man zuwenig, um übers Forum eine Stellungsnahme machen zu können. Befürchtet ihr eine Fehlbehandlung, wäre die Einschaltung eines Anwalts anzuraten, der die Unterlagen sichert und Gutachten erstellen läßt etc., aber dazu wird euch der Anwalt beraten.

Aber Nachfragen hab ich doch, die für euch (bzw. das Verfahren) auch geklärt werden müßten:

Ein sportlicher 24-jähriger Mann klagt über Schmerzen im
Knie… die Untersuchung ergibt einen Kreuzbandanriss…

wie ist das festgestellt worden?
Hier wäre die Frage wichtig, wie und wann (!) die Keime ins Knie kamen. Gab es vorher eine äußere Verletzung? Ging die Verletzung so tief, daß das Kniegelenk eine offene Verbindung zur Haut hatte (ev. eine Art Stichkanal)?
Oder wurde bei der Untersuchung invasiv ins Kniegelenk geschaut (Arthroskopie)? Wurden Spritzen ins Knie gegeben? etc.

er kommt ins Krankenhaus… er bekommt
Schmerzmittel… es ist Wochenende… die Schwellung greift auf
das gesamte Bein über… sein Allgemeinzustand verschlechtert
sich zusehend…

was ist am Wochenende veranlaßt worden, um die Infektion zu erkennen und zu behandeln?
Ich kann mir nicht vorstellen, daß da nichts geschah, ansonsten wäre das ganz klar ein Fall für den Anwalt.

am Montag heißt es dann plötzlich sein Bein
müsste amputiert werden(!?)… die Operation erfolgt noch am
selben Tag… zwölf Stunden später ist er tot… die
Begründung des behandelnden Arztes lautete: eine
Streptokokken-Infektion!

Wußte er das schon vorher oder ist das erst im Nachhinein festgestellt worden (und wie)? Und wenn man das vorher wußte (siehe oben), ist vorher schon was unternommen worden?
Wenn nicht - Anwalt.

Die Fragen mußt du natürlich nicht beantworten, sondern sie sollen lediglich als Hilfe für die Vorgehensweise dienen. Vollständig sind sie auch nicht, da man als Außenstehender zu wenig weiß (ev. Vorerkrankungen des Mannes, zusätzliche Infektion anderer Organe was aufs Knie übergeschlagen ist… etc). Es sind nur so die Sachen, bei denen ich als erstes nachhaken würde.

Ich muß aber auch dazu sagen, daß auch manchmal Menschen plötzlich versterben aus scheinbar völlig aus dem Himmel gegriffenen Gründen und teilweise mit recht tragischen Verläufen, obwohl alles mögliche aus medizinischer Sicht gemacht worden ist. Ich hatte auch schon zwei oder drei Patienten, junge Leute, die mit Bagatellen ins KH kamen und plötzlich ergab sich aus nicht vorhersehbaren Gründen ein dramatischer Verlauf, der nicht mehr beherrschbar war…
Es wurden keine Fehler gemacht, aber dennoch konnte nichts mehr getan werden…

Es ist tragisch und schrecklich, aber sowas passiert auch.

Ist euch jetzt sicher keine Hilfe, denn in eurem Fall - so wie du das schilderst -, klingt es so danach, als ob etwas schief gelaufen ist.
Jedenfalls würde ich mich mit der Erklärung „war halt 'ne Strepokokkeninfektion“ nicht so schnell abspeisen lassen, wenn es einen jungen gesunden Mann betrifft. Da würde ich schon genauer nachfragen.

Fast schon wichtiger als die Schuldfrage ist jedoch, wie die Angehörigen das verarbeiten. Ich weiß jetzt nciht, ob du dazu gehörst, aber daran sollte man auch denken und neben vielen Gesprächen untereinander auch ev. professionelle Hilfe suchen.

Gruß,
Sharon