Angeregt durch 'Farbige Sprache'im Deutschbrett

Hallo ihr,

ich habe auch schon von der „Synästhesie“ gehört…
Leider bin ich nicht dazu in der Lage. Aber mich interessiert folgendes-

Wie kommt es dazu?
Was ist in einem Gehirn eines Synästhetikers anders?
Mehr neuronale Verknüpfungen im Gehirn zwischen Visus und Gehör?

(Oder sollte ich das lieber im Biobrett posten??)

Danke,

herzlicher Griß
Spovolta

Hallo!

Babies kommen mit wesentlich mehr Nervenzellen zur Welt als sie brauchen. Während der Entwicklung wird ca. die Hälfte all dieser Zellen „aussortiert“.
Normalerweise sollten am Ende dieses Prozesses die verschiedenen Module des Gehirns klar voneinander abgegrenzt sein.

Man vermutet dass bei Synaestheten nicht alle dieser Verbindungen entfernt worden sind, d.h. es gibt Nervenzellen (oder überlebende synaptische Verbindungen) die genau zwischen den Bereichen liegen und die auf beide Inputs reagieren.
Das Zahlenareal und ein Areal für Farbe liegen genau nebeneinander - deswegen sind Synaestheten die Farben wahrnehmen wenn sie Zahlen sehen auch am häufigsten.

Das gleiche Prinzip ist aber auch anders anwendbar:
bei Phantomschmerzen z.B. bleiben die Nervenzellen (im Gehirn)die für den amputierten Körperteil zuständig waren ja erhalten; die benachbarten Gebiete (z.B. Gesicht) fangen dann an nach und nach „einzuwandern“. Nach einiger Zeit spürt man dann Empfindungen aus dem amputierten Arm im Gesicht (v.a. auf der Wange der gleichen Seite). Hier wird allerdings noch diskutiert ob es sich um die Aussprossung von neuen Synapsen handelt oder ob es alte Synapsen sind die „in Reserve“ bereitgehalten werden.

Bei chronischen Rückenschmerzen „verschmelzen“ z.b. die Areale für den Rücken und die der Beine. Deshalb beschreiben die Patienten oft auch v.a. beidseitig ausstrahlende Beinschmerzen die man sich nicht erklären kann.

Ein schöner Vortrag zu dem Thema:
http://www.meta-library.net/events/stanford-frame.html
Unter Session 6 - Prof. Ramachandran.

Er geht sogar noch einen Schritt weiter und vermutet dass Synaesthesie die Grundlage für unsere Sprachentwicklung ist. Auch dabei werden verschiedene Sinneswahrnehmungen kombiniert - in Form von Metaphern.

Tschüss

Matthias

Hallo,

Frau Dr. Hafner von der vhs Augsburg hat sich meines Wissens nach damit mal in vielerlei Form beschäftigt (ein ganzes Semester war das auch Thema an der vhs).

Möchtest Du sie vielleicht mal anmailen?

www.vhs-augsburg.de

Dort findest Du auch Telefon-Nr. und email-Adresse.

Ich denke, dort bekommst Du sachkundige Auskunft. (Ist übrigens eine sehr sehr nette Dame)

Wendy

Hallo,

zu Matthias Artikel gibt es nicht viel hinzuzufügen. Falls du Englisch kannst, empfehle ich dir aber noch diesen Artikel:

http://psy.ucsd.edu/~edhubbard/papers/SciAm.pdf

Da wird detailliert erklärt, was im Hirn abläuft (bzw. was VERMUTLICH abläuft), wenn ein Synästhetiker eben z.B. ein Wort liest und dieses farbig sieht.

Gruss,
Ursu (die es immer noch nicht fassen kann, dass es ein Fachwort gibt für das, was für sie bis anhin das normalste der Welt war :wink:

danke für die Infos!
Danke euch allen!
Wirklich sehr interessant!!!

Grüße
Spotvolta