Babies kommen mit wesentlich mehr Nervenzellen zur Welt als sie brauchen. Während der Entwicklung wird ca. die Hälfte all dieser Zellen „aussortiert“.
Normalerweise sollten am Ende dieses Prozesses die verschiedenen Module des Gehirns klar voneinander abgegrenzt sein.
Man vermutet dass bei Synaestheten nicht alle dieser Verbindungen entfernt worden sind, d.h. es gibt Nervenzellen (oder überlebende synaptische Verbindungen) die genau zwischen den Bereichen liegen und die auf beide Inputs reagieren.
Das Zahlenareal und ein Areal für Farbe liegen genau nebeneinander - deswegen sind Synaestheten die Farben wahrnehmen wenn sie Zahlen sehen auch am häufigsten.
Das gleiche Prinzip ist aber auch anders anwendbar:
bei Phantomschmerzen z.B. bleiben die Nervenzellen (im Gehirn)die für den amputierten Körperteil zuständig waren ja erhalten; die benachbarten Gebiete (z.B. Gesicht) fangen dann an nach und nach „einzuwandern“. Nach einiger Zeit spürt man dann Empfindungen aus dem amputierten Arm im Gesicht (v.a. auf der Wange der gleichen Seite). Hier wird allerdings noch diskutiert ob es sich um die Aussprossung von neuen Synapsen handelt oder ob es alte Synapsen sind die „in Reserve“ bereitgehalten werden.
Bei chronischen Rückenschmerzen „verschmelzen“ z.b. die Areale für den Rücken und die der Beine. Deshalb beschreiben die Patienten oft auch v.a. beidseitig ausstrahlende Beinschmerzen die man sich nicht erklären kann.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter und vermutet dass Synaesthesie die Grundlage für unsere Sprachentwicklung ist. Auch dabei werden verschiedene Sinneswahrnehmungen kombiniert - in Form von Metaphern.
Frau Dr. Hafner von der vhs Augsburg hat sich meines Wissens nach damit mal in vielerlei Form beschäftigt (ein ganzes Semester war das auch Thema an der vhs).
Da wird detailliert erklärt, was im Hirn abläuft (bzw. was VERMUTLICH abläuft), wenn ein Synästhetiker eben z.B. ein Wort liest und dieses farbig sieht.
Gruss,
Ursu (die es immer noch nicht fassen kann, dass es ein Fachwort gibt für das, was für sie bis anhin das normalste der Welt war