Zahn raus oder WSR? (langer Text)

Hallo liebe Wissende,
mein ZA empfiehlt mir eine WSR am oberen rechten 6er. Auf dem Röntgenbild ist eine Entzündung an der Wurzelspitze zu sehen und ich habe mal mehr mal weniger Druckschmerz dort. Außerdem ist das Zahnfleisch entzündet und es schmeckt fies.
Der Zahn wurde vor etwa einem Jahr wurzelbehandelt, allerdings nur in zwei von drei Kanälen. Der dritte war auch in mehreren Sitzungen nicht auffindbar. Der ZA hat die Wurzelbehandlung damals durch die Krone ausgeführt. Der Zahn hat nämlich eine große Krone, die innen bis an die Wurzel reicht. Weil entweder die Krone oder der Zahn oder beide das Entfernen der selben wahrscheinlich nicht überstanden hätte, wurde sie eben drauf gelassen.
Ich bin mir nun nicht sicher, ob es unbedingt eine WSR sein muss oder ob es nicht besser ist, den Zahn zu ziehen. Folgende Gedanken hab ich dazu:

  1. Um nach der WSR den Wurzelkanal zu füllen, würde doch die Krone entfernt werden müssen, oder? Und wenn der Zahn-Rest dabei draufgeht? Abgesehen davon kann ich mir eine neue Krone zur Zeit auch nicht wirklich leisten…
  2. Von der WSR geht doch der blöde Geschmack nicht weg, die Entzündung ist aber recht hartnäckig (Spülungen helfen nur wenig und mit Zahnseide komme ich nicht hin wegen Platzmangel).
  3. Falls die WSR erfolglos bleibt (wie wahrscheinlich ist das?), muss er ja sowieso raus, der Zahn.
  4. Ich hab im Kiefer einen ziemlichen Platzmangel. Wenn nun der 6er draußen ist, könnte dann die Lücke nicht, evtl. mit Hilfe eines Kieferorthopäden, mit meinen eigenen Zähnen „zuwachsen“? Brücke oder Implantat kämen aus verschiedenen Gründen eher nicht in Frage. Würde eine solche Behandlung bezuschusst werden?

Hat vielleicht jemand einen Tipp, der mir die Entscheidung leichter machen würde?

Vielen Dank und entschuldigt den langen Text
Ulla

Mitleidende…
Hallo Ulla,

ich hatte FAST dasselbe Problem, oben am Sechser…!
Drei Kanäle gefunden, vier waren es, Nummer vier hat sich infiziert an der Wurzelspitze, Krone vorhanden…und die restlichen Kanäle bereits behandelt…
Mein ZA hat es geschafft den Zahn zu erhalten, allerdings braucht das etwas Geduld.
Kanal hat er gefunden, und er hat ihn aufbereitet. Im Zeitraum von jeweils 6 Wochen kam ein Medikament hinein, zuvor wurde der Kanal gespült.
Das ganze so etwas viermal, dann konnte die Wurzel gefüllt werden- UND- Zahn steht! :smile:

Zur Krone: In diese hat er ein Loch gebohrt, man kann es sich vorstellen wie einen runden kleinen „Deckel“ mittendrin.
Dieses „Loch“ ermöglicht raschen „Einstieg“ an die Problemstelle, die Krone selbst bleibt auf dem Zahn.
Hinterher wird sie wieder verschlossen, zuerst provisorisch, (solange das Medikament dort wirken muss), später fest.
Der „Druck“ auf dem Zahn ist bei mir zwei Tage nach der ersten Behandlung verschwunden- und Erleichterung!
Dann muss man nur etwas mit dem Kauen aufpassen, Nichts zu Hartes, da man sonst das Provisorium „hineindrückt“, was dann wieder „Druck macht“…
Ich kann es nur empfehlen, denn eine WSR ist VIEL schmerzhafter!

Vielleicht ist das Procedere auch bei Dir möglich?

Das Zahnfleisch sollte Dein ZA vielleicht mit einem Antibiotikum behandeln, dass er an die betroffenen Stellen gibt.
Gut hilft auch „Dontisolon D“ in der Apotheke.

Gute Besserung!

Spotvolta,
die das alles auch mitgemacht hat…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Ulla,

Ich kann Dir weder das eine noch das andere empfehlen, wäre ja eine Ferndiagnose, so ganz ohne Röntgenbild, bin auch kein Zahnarzt. Ich hab mal vor Ewigkeiten Zahnarzthelferin gelernt und (eine) meine® Ausbilderin vertrat die Auffassung daß wurzeltote Zähne im Mund nichts verloren haben und nur potentielle Eiterherde sind und auch andere Gebiete im Körper stören (ich kann mich an eine Schautafel erinnern in der die Meridiane die von den Zähnen ausgehen gezeigt wurden (die 1er z.B. können die Verdauung stören, jeder Zahn steht in Verbindung mit anderen Organen, Körperregionen)

Ich bin mir nun nicht sicher, ob es unbedingt eine WSR sein
muss oder ob es nicht besser ist, den Zahn zu ziehen. Folgende
Gedanken hab ich dazu:

  1. Um nach der WSR den Wurzelkanal zu füllen, würde doch die
    Krone entfernt werden müssen, oder? Und wenn der Zahn-Rest
    dabei draufgeht? Abgesehen davon kann ich mir eine neue Krone
    zur Zeit auch nicht wirklich leisten…

Die Krone muß für eine Wurzelbehandlung nicht entfernt werden, der Zahnarzt bohrt, wie bei einem natürlichen Zahn, bis zum Wurzelkanal
auf und säubert und füllt den Kanal. Passieren kann natürlich immer was, z.B weil der Zahn schon sehr spröde ist, bricht ein Stück der natürlichen Zahnsubstanz raus. Dann ist es aber Zufall und wäre dir daheim beim Essen passiert.
Möglicherweise ist der Herd recht groß und der ZA will die Entzündung mit mehreren Mitteln bekämpfen, also zusätzlich die Wurzelkanäle reinigen, Medikament einlegen und proviorisch verschliessen, dir ein Antibiotikum verschreiben, wie von meinem Vorredner beschrieben? Klar den Zahn zu ziehen wäre, wenn danach eine dauerhafte Versorgung erfolgt, wahrscheinlich sicherer und einfacher, aber für dich mit Kosten verbunden.

  1. Von der WSR geht doch der blöde Geschmack nicht weg, die
    Entzündung ist aber recht hartnäckig (Spülungen helfen nur
    wenig und mit Zahnseide komme ich nicht hin wegen
    Platzmangel).

Der blöde Geschmack kommt von der Entzündung um die Wurzelspitze (reizt auch das Zahnfleisch) und er müßte auch weggehen wenn der Herd weg ist. Bei der WSR wird das entzündete Gewebe und die Wurzelspitze die da drin steckt weggenommen. Zahnseide muß überall reinpassen, wenn die Handhabung der Zahnseide beherrscht wird, ansonsten ist der Kontakt zwischen den Zähnen zu streng, da kann der ZA aber was machen.

  1. Falls die WSR erfolglos bleibt (wie wahrscheinlich ist
    das?), muss er ja sowieso raus, der Zahn.

Ob die WSR Erfolg haben wird oder nicht kann man schwer sagen, kommt auf die Größe des Herdes an, ob du zusätzlich Antibiotikum nimmst…
Wenn alles erfolglos bleibt muß der Zahn irgendwann raus. Aber falls er sich beruhigt hast du wieder ein bißchen Zeit.

  1. Ich hab im Kiefer einen ziemlichen Platzmangel. Wenn nun
    der 6er draußen ist, könnte dann die Lücke nicht, evtl. mit
    Hilfe eines Kieferorthopäden, mit meinen eigenen Zähnen
    „zuwachsen“? Brücke oder Implantat kämen aus verschiedenen
    Gründen eher nicht in Frage. Würde eine solche Behandlung
    bezuschusst werden?

Ich weiß nicht ob das mit der kieferorthopädischen Behandlung klappen könnte, wäre aber, denke ich, sicher auch mit Kosten verbunden, weiß leider nicht ob bezuschusst wird oder nicht (wenn nicht ist es sicher teurer als eine Brücke). Wenn man ihn einfach nur zieht, ist die Gefahr recht groß daß
a. der Antagonist im Unterkiefer, im Laufe der Zeit durch den mangelnden Gegenbiß rauswächst.
b. der benachbarte 7er in die entstandene Lücke reinkippt

Also, wenn Geldmangel (mitunter) das Problem ist, dann würde
ich persönlich eine WSR riskieren und versuchen den Zahn zu halten, auch wenn das mehrere Termine beim Zahnarzt bedeuten würde und ev. erfolglos bleibt.
In dem Fall würde ich auch ein Antibiotikum nehmen und hoffen (ein anderer Ausbilder hat immer zusätzlich Wobenzym empfohlen, ein (glaube ich) verschreibungsfreies Medikament, daß Entzündungen mit Enzymen bekämpfen soll).
Wenn du einfach nur erst mal Ruhe haben willst, oder deinen Körper nicht mit einem toten Zahn, Antibiotikum usw. belasten willst, und Du dir in naher Zukunft eine Versorgung mit Brücke oder Kieferorthopädie leisten kannst, raus damit. Besprech dich nochmal mit deinem ZA, sag ihm welches Ziel du hast und welche Mittel er vorschlagen würde. Die ZA und auch die ZAH, die ich bisher kennengelernt habe, haben sich immer über Patienten gefreut die sich interessiert gezeigt haben, dann wird auch viel mehr erklärt.

Hat vielleicht jemand einen Tipp, der mir die Entscheidung
leichter machen würde?

Leider musst du ihn dem Fall selber abwägen, was für dich wichtiger ist…

Vielen Dank und entschuldigt den langen Text

Meiner ist länger!

Grüße Emina

Erfahrungen mit 2 WSR
Hallo Ulla,

das Wichtigste zum Thema WSR ist ja eigentlich schon gesagt worden. Ich möchte hier nur noch einmal persönliche Erfahrungen beisteuern.

Ich habe zwei WSR hinter mir. Die erste vor 10 Jahren war so schlimm (der damalige ZA hat insgesamt viermal geröntgt zum Nachschauen und immer wieder „nachgefasst“), dass ich, als meine ZA vor ca. einem Jahr wieder eine WSR empfahl, erst einmal vor Panik im Behandlungsstuhl erstarrte.
Doch sie ist eine gute ZA, hat es geschafft, mich zu beruhigen, und mich zum Kiefernchirurgen überwiesen, für den das ein Routineeingriff ist. Dort erlebte ich dann meine Überraschung: Nach 15 Minuten war der Spuk vorbei, er hatte gut gespritzt, es war zwar nicht angenehm, tat aber nicht weh und meine Panik vor WSR war ein für allemal verflogen.

Kommentar meiner ZA später, als ich sie noch einmal auf diese unterschiedlichen Erfahrungen ansprach: „Naja, manche Kollegen haben ein Problem mit Überweisungen.“

Deswegen mein Ratschlag: Lass es von jemandem machen, der es im Schlaf kann, dann ist es alles halb so wild. Und soviel Zahn wie möglich zu erhalten, ist es definitiv wert.

Grüße,
Christiane