Hallo Ulla,
Ich kann Dir weder das eine noch das andere empfehlen, wäre ja eine Ferndiagnose, so ganz ohne Röntgenbild, bin auch kein Zahnarzt. Ich hab mal vor Ewigkeiten Zahnarzthelferin gelernt und (eine) meine® Ausbilderin vertrat die Auffassung daß wurzeltote Zähne im Mund nichts verloren haben und nur potentielle Eiterherde sind und auch andere Gebiete im Körper stören (ich kann mich an eine Schautafel erinnern in der die Meridiane die von den Zähnen ausgehen gezeigt wurden (die 1er z.B. können die Verdauung stören, jeder Zahn steht in Verbindung mit anderen Organen, Körperregionen)
Ich bin mir nun nicht sicher, ob es unbedingt eine WSR sein
muss oder ob es nicht besser ist, den Zahn zu ziehen. Folgende
Gedanken hab ich dazu:
- Um nach der WSR den Wurzelkanal zu füllen, würde doch die
Krone entfernt werden müssen, oder? Und wenn der Zahn-Rest
dabei draufgeht? Abgesehen davon kann ich mir eine neue Krone
zur Zeit auch nicht wirklich leisten…
Die Krone muß für eine Wurzelbehandlung nicht entfernt werden, der Zahnarzt bohrt, wie bei einem natürlichen Zahn, bis zum Wurzelkanal
auf und säubert und füllt den Kanal. Passieren kann natürlich immer was, z.B weil der Zahn schon sehr spröde ist, bricht ein Stück der natürlichen Zahnsubstanz raus. Dann ist es aber Zufall und wäre dir daheim beim Essen passiert.
Möglicherweise ist der Herd recht groß und der ZA will die Entzündung mit mehreren Mitteln bekämpfen, also zusätzlich die Wurzelkanäle reinigen, Medikament einlegen und proviorisch verschliessen, dir ein Antibiotikum verschreiben, wie von meinem Vorredner beschrieben? Klar den Zahn zu ziehen wäre, wenn danach eine dauerhafte Versorgung erfolgt, wahrscheinlich sicherer und einfacher, aber für dich mit Kosten verbunden.
- Von der WSR geht doch der blöde Geschmack nicht weg, die
Entzündung ist aber recht hartnäckig (Spülungen helfen nur
wenig und mit Zahnseide komme ich nicht hin wegen
Platzmangel).
Der blöde Geschmack kommt von der Entzündung um die Wurzelspitze (reizt auch das Zahnfleisch) und er müßte auch weggehen wenn der Herd weg ist. Bei der WSR wird das entzündete Gewebe und die Wurzelspitze die da drin steckt weggenommen. Zahnseide muß überall reinpassen, wenn die Handhabung der Zahnseide beherrscht wird, ansonsten ist der Kontakt zwischen den Zähnen zu streng, da kann der ZA aber was machen.
- Falls die WSR erfolglos bleibt (wie wahrscheinlich ist
das?), muss er ja sowieso raus, der Zahn.
Ob die WSR Erfolg haben wird oder nicht kann man schwer sagen, kommt auf die Größe des Herdes an, ob du zusätzlich Antibiotikum nimmst…
Wenn alles erfolglos bleibt muß der Zahn irgendwann raus. Aber falls er sich beruhigt hast du wieder ein bißchen Zeit.
- Ich hab im Kiefer einen ziemlichen Platzmangel. Wenn nun
der 6er draußen ist, könnte dann die Lücke nicht, evtl. mit
Hilfe eines Kieferorthopäden, mit meinen eigenen Zähnen
„zuwachsen“? Brücke oder Implantat kämen aus verschiedenen
Gründen eher nicht in Frage. Würde eine solche Behandlung
bezuschusst werden?
Ich weiß nicht ob das mit der kieferorthopädischen Behandlung klappen könnte, wäre aber, denke ich, sicher auch mit Kosten verbunden, weiß leider nicht ob bezuschusst wird oder nicht (wenn nicht ist es sicher teurer als eine Brücke). Wenn man ihn einfach nur zieht, ist die Gefahr recht groß daß
a. der Antagonist im Unterkiefer, im Laufe der Zeit durch den mangelnden Gegenbiß rauswächst.
b. der benachbarte 7er in die entstandene Lücke reinkippt
Also, wenn Geldmangel (mitunter) das Problem ist, dann würde
ich persönlich eine WSR riskieren und versuchen den Zahn zu halten, auch wenn das mehrere Termine beim Zahnarzt bedeuten würde und ev. erfolglos bleibt.
In dem Fall würde ich auch ein Antibiotikum nehmen und hoffen (ein anderer Ausbilder hat immer zusätzlich Wobenzym empfohlen, ein (glaube ich) verschreibungsfreies Medikament, daß Entzündungen mit Enzymen bekämpfen soll).
Wenn du einfach nur erst mal Ruhe haben willst, oder deinen Körper nicht mit einem toten Zahn, Antibiotikum usw. belasten willst, und Du dir in naher Zukunft eine Versorgung mit Brücke oder Kieferorthopädie leisten kannst, raus damit. Besprech dich nochmal mit deinem ZA, sag ihm welches Ziel du hast und welche Mittel er vorschlagen würde. Die ZA und auch die ZAH, die ich bisher kennengelernt habe, haben sich immer über Patienten gefreut die sich interessiert gezeigt haben, dann wird auch viel mehr erklärt.
Hat vielleicht jemand einen Tipp, der mir die Entscheidung
leichter machen würde?
Leider musst du ihn dem Fall selber abwägen, was für dich wichtiger ist…
Vielen Dank und entschuldigt den langen Text
Meiner ist länger!
Grüße Emina