Hirndruck - Behandlung

Hallo zusammen,

vielleicht treiben sich hier ja ein paar Ärzte wahlweise Betroffene rum, die mir ein paar Info geben können.

Diagnose: erhöhter Hirndruck. Die Verdachtsdiagnose des Augenarztes (Untersuchung aufgrund von Sehstörungen und nachher festgestellter stark ausgeprägter Stauungspapille) wurde nach einer Lumbalpunktion bestätigt. Hierbei wurde auch zur Druckentlastung Liquor abgelassen, was nun im ca. 2-Monats-Rhytmus geschehen soll begleitend zur drucksenkenden Medikation.

Jetzt finde ich im Netz gerade diese Aussage:

Die Lumbalpunktion zur Druckentlastung ist absolut kontraindiziert, da nach kurzer Entlastung die Gefahr einer Hirneinklemmung im hinteren Schädel besteht (Lebensgefahr).

Weiß von euch einer etwas darüber, ob eine Lumbalpunktion zur Druckentlastung wirklich kontraindiziert ist (im Internet steht ja auch viel Mist).

Danke für Antworten
Gruß
Xelya

Hi,

Der durchführende Neurologe lässt nicht Unmengen von Gehirn-Rückenmerks-Flüssigkeit aus dem Rückenmark rauströpfeln. Sondern nach genauen Richtlinien, damit eben nichts passieren kann.

Klar im Netz steht immer alles was ev. möglich sein könnte, allerdings sind solche Ausagen nicht für jeden zutreffend, sondern nur für Info-Zwecke angeführt!

sorglose Gruesse

Schneeflöckchen

Servus Xelya,
das ist zwar nun überhaupt nicht mein Fachgebiet, aber mir sind halt einige Quellen zugänglich, die man nur als Weißkittel zur Verfügung hat.

ich stelle einen Text hier ein, damit Du sehen kannst, daß Das kein einfaches Problem ist. Vielleicht ist der Augenarzt allein da nicht ganz der Richtige. Also - laß Dir von einem Neurochirutgen erklären, wie dieser Text zu verstehen ist.

Mechanisms behind postspinal headache and brain stem compression following lumbar dural puncture–a physiological approach.

Grande PO

Acta Anaesthesiol Scand 2005 May;49(5):619-26.
Department of Anesthesia and Intensive Care, University and University Hospital of Lund, SE-221 85 Lund, Sweden. [email protected] FAU - Grande, P-O
PMID: 15836674 [PubMed - indexed for MEDLINE]

BACKGROUND: The cause of postspinal headache and its specific characteristics are unknown, and whether lumbar dural puncture (LP) triggers brain-stem compression in patients with brain oedema is still controversial. METHODS: Hydrostatic effects of distal opening of the dural sac towards the atmosphere are described and applied to the normal brain and the brain with disrupted BBB. Analogue analyses from previous results using an isolated skeletal muscle enclosed in a rigid shell were applied to the brain in an attempt to simulate and verify the haemodynamic effects of distal opening of the spinal canal. RESULTS: The theoretical considerations and the experimental results are compatible with the hypothesis that hydrostatic effects of distal opening of the fluid-filled spinal canal may obliterate the normal subdural venous collapse after a change from the horizontal to vertical position, which may be compatible with postural postspinal headache as occurring close to pain-sensitive meningeal regions. The hydrostatic forces may also initiate transcapillary filtration and aggravate oedema when permeability is increased, which may cause a narrower situation in the brain stem region, perhaps aggravated by venous stasis and a Cushing reflex-induced increase in blood pressure. An magnetic resonance imaging (MRI) picture illustrates how this scenario may separate the subdural space into an upper high- and a lower low-pressure cavity, pressing the brain downwards with sagging of the brain. A life-threatening positive feedback situation for brain-stem compression may develop. CONCLUSION: The present study strongly suggests that postspinal headache and brain-stem compression and other LP-related effects are predictable following LP, without involving CSF leakage, and can be explained by hydrostatic effects triggered by distal opening of the normally closed dural space to the atmosphere.

Stichworte:
Adolescent, Brain Stem/*injuries, Dura Mater/*physiology, Female, Headache/cerebrospinal fluid/*etiology/*physiopathology, Humans, Intracranial Pressure/physiology, Magnetic Resonance Imaging, Meningitis, Bacterial/cerebrospinal fluid/pathology, Spinal Puncture/*adverse effects

Kai

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Hi,

Der durchführende Neurologe lässt nicht Unmengen von
Gehirn-Rückenmerks-Flüssigkeit aus dem Rückenmark
rauströpfeln. Sondern nach genauen Richtlinien, damit eben
nichts passieren kann.

Moin,

ja, das wäre eine Möglichkeit den Hirndruck zu lindern. Allerdings ist so eine sogenannte Lumbalpunktion (LP) oft im ersten Moment hilfreich, um den Hirndruck zu lindern.

Falls das Problem längerfristig gelöst werden soll, empfiehlt es sich einen Shunt legen zu lassen. Dabei wird eine Art „Schlauchsystem“ von den Ventrikelräumen durch die dickeren Venen in Richtung Herz oder Magen gelegt und die zuviel produzierte Liquormenge („Nervenwasser“) wieder in den Körperkreislauf zurückgeführt und somit eine dauerhafte Linderung des Hirndrucks erreicht.

Hier ist eine graphische Darstellung am Beispiel eines Kindes:
http://www.med.uni-marburg.de/stpg/ukm/lb/neurochir/…

In jedem Fall empfiehlt es sich eine genaueste Aufklärung durch einen Neurochirurgen. Dieser kann aufgrund der vorliegenden Diagnose dann entsprechend die beste Entscheidung für die richtige Therapie treffen.

levi

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Na, ganz so sorglos würde ich das nicht sehen,wenn der Augenarzt eine Stauungspapille festgestellt hat, muß die Ursache dafür aber nicht unbedingt ein (Pseudo)Tumor oder eine Blutung sein, es ist da auch an eine maligne Hypertonie zu denken. Wenn Sehstörungen Dich zum Arzt geführt haben, wäre u.U auch an eine anteriore Neuritis nervi optici oder eine ischämische Optikusneuropathie zu denken, beides oft einseitig stärker ausgeprägt. Liegen denn Gesichtsfeldausfälle vor, wenn ja, welche, wie hoch war der Hirndruck, welche Medis sollst Du nehemn? Die Shunt-Lösung ist u.U. indiziert, aber da muß erst mal ein Neurochirurg befragt werden nach CCT oder/und MRT.

Ich drück mal die Daumen, aber ohne genaue neurologische Diagnostik ist da erst mal ein großes Fragezeichen.

Heidi

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Hallo,

danke für deine Antwort.

Na, ganz so sorglos würde ich das nicht sehen,wenn der
Augenarzt eine Stauungspapille festgestellt hat, muß die
Ursache dafür aber nicht unbedingt ein (Pseudo)Tumor oder eine
Blutung sein, es ist da auch an eine maligne Hypertonie zu
denken.

Die Ursache ist ein Pseudotumor c. als Medikamentennebenwirkung (Doxycyclin), wobei sich auch hier alles widerspricht :smile: Aussage der Neurologen in der Uniklinik: „Das geht nicht einfach so durch Absetzen des Medikaments wieder weg“; der Beipackzettel sagt:„Nach Absetzen des Medikaments reversibel“.

Liegen denn Gesichtsfeldausfälle vor, wenn
ja, welche, wie hoch war der Hirndruck, welche Medis sollst Du
nehemn? Die Shunt-Lösung ist u.U. indiziert, aber da muß erst
mal ein Neurochirurg befragt werden nach CCT oder/und MRT.

Keine Gesichtsfeldausfälle (was alle irritiert), ich weiß nicht genau in welcher Maßeinheit der Hirndruck gemessen wird, aber mir schwebt ein Wert von 27 im Gedächtnis. Medikation ist Diamox 500 mg/Tag.

Ich drück mal die Daumen, aber ohne genaue neurologische
Diagnostik ist da erst mal ein großes Fragezeichen.

Das ist alles gelaufen und es wurden keine Ursachen gefunden (MRT unauffällig)

Mich hat halt nur irritiert, dass ich an einigen Stellen im Netz gelesen habe, dass eine Lumbalpunktion zur Druckreduktion kontraindiziert sei, da sich das Hirn verklemmen können. Das will ich ja nun nicht unbedingt :-/
Vielen Dank noch mal
Gruß
Xelya

Heidi

Hi,

Der durchführende Neurologe lässt nicht Unmengen von
Gehirn-Rückenmerks-Flüssigkeit aus dem Rückenmark
rauströpfeln. Sondern nach genauen Richtlinien, damit eben
nichts passieren kann.

Klar im Netz steht immer alles was ev. möglich sein könnte,
allerdings sind solche Ausagen nicht für jeden zutreffend,
sondern nur für Info-Zwecke angeführt!

sorglose Gruesse

Schneeflöckchen

Hallo noch mal,

vielen Dank für eure Antworten.

Ich werde meinen Ärzten (und nicht nur meinen) wohl noch mal richtig auf die Zehen steigen und sie ausquetschen, bis ich das Gefühl habe, selbst entscheiden zu können, ob die nächste Lumbalpunktion stattfinden wird oder nicht.

Als ich die Diagnose bekam, war ich wohl ungewohnt fügsam :smile: aber eine Woche in Wartezimmern diverser Ärzte verbringen zu müssen, hat dazu geführt, dass ich nur noch froh war, dass sie endlich eine Ursache gefunden hatten.

Erschreckend finde ich im Übrigen, dass kein einziger niedergelassener Arzt, ob Augenarzt oder Neurologe auch nur ansatzweise einen Schimmer hatte, woher die Stauungspapille kommen könnte… aber vielleicht ist das auch eine unangemessene Erwartung.

Nochmals herzlichen Dank & ebensolche Grüße
Xelya

Hallo Xelya,

die Diagnose eines Pseudotumor c. kann man meines Wissens sowieso erst nach gewissenhaftem Ausschluß einer intracraniellen Raumforderung stellen. Als Ursache stehen hormonelle Regulationsstörungen, Hypertonie, Krankheiten der Arachnoidea (Arachnitis opticochiasmatica ?), aber auch pharmakotoxische Faktoren (Pille, Steroide)in der Diskussion. Auch Doxy macht solche „Nebenwirkungen“, nach meinen Infos verschwinden sie jedoch nach Absetzen der Medikation in fast allen Fällen. Warum hast Du denn gerade Doxy genommen und wie lange? (Reine Neugier). Was die Gefahr der Einklemmung bei Liquorentnahme betrifft, so ist das sehr von der (geringen) Menge abhängig. Die (Gefahr)ist aber auch beim erhöhten Hirndruck gegeben, je nach Lokalisation des auslösenden Prozesses. Wenn Du aber keinen Unfall oder ähnliches gehabt hast, liegt die Drucksteigerung (die ja auch offenbar nicht so schwere Ausmaße hat, wenn Deine Angaben stimmen) einfach an den Tabletten und nach Absetzen wird sich das wieder regeln. Es ist aber natürlich auch eine augenärztliche Fehldiagnose nicht unmöglich: Es kann eine Drusenpapille oder ein (Pseudo)papillenödem vorliegen, das je nach Erscheinungsform alles gar nicht immer so sicher auseinander zu halten ist. Aber da mußt Du Dich halt um einen guten Augenarzt (Augenklinik) kümmern. Laß jetzt mal den Mut nicht sinken und bleibe am diagnostischen Ball.

Alle Gute

Heidi

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Hallo Heidi,

die Diagnose eines Pseudotumor c. kann man meines Wissens
sowieso erst nach gewissenhaftem Ausschluß einer
intracraniellen Raumforderung stellen.

Ja, das wurde ausgeschlossen, zumindest bezogen auf diese Symptomatik. Also, ich meine, es wurde was gefunden, aber das hat wohl nichts mit den vorliegenden Symptomen zu tun haben. Aber da bin ich auch gerade dran.

Auch Doxy macht solche „Nebenwirkungen“, nach meinen Infos
verschwinden sie jedoch nach Absetzen der Medikation in fast
allen Fällen.

Interessant (genau das hab’ ich nämlich auch aus verschiedenen Quellen vernommen, die Neurologen der Uniklinik fanden es sei „witzig“ zu behaupten, der Pseudotumor verschwinde nach Absetzen von Doxy und fragten sich, wie man das denn wohl sagen könne… nun ja.

Warum hast Du denn gerade Doxy genommen und wie
lange? (Reine Neugier).

:smile: Knapp 4 Monate 50mg/Tag gegen Spätakne.

Wenn Du aber keinen Unfall oder ähnliches gehabt
hast, liegt die Drucksteigerung (die ja auch offenbar nicht so
schwere Ausmaße hat, wenn Deine Angaben stimmen) einfach an
den Tabletten und nach Absetzen wird sich das wieder regeln.

Das hoffe ich sehr. Die Ärzte haben die Sache wirklich sehr ernst gemacht und ich habe die ganze Zeit gehofft, dass das Ganze doch reversibel ist.

Es ist aber natürlich auch eine augenärztliche Fehldiagnose
nicht unmöglich: Es kann eine Drusenpapille oder ein
(Pseudo)papillenödem vorliegen, das je nach Erscheinungsform
alles gar nicht immer so sicher auseinander zu halten ist.
Aber da mußt Du Dich halt um einen guten Augenarzt
(Augenklinik) kümmern.

Drusenpapille und Pseudopapillenödem sind absolut ausgeschlossen. Da sind sich 2 Augenärzte und die Augenklinik der Uni sicher :smile:

Laß jetzt mal den Mut nicht sinken und
bleibe am diagnostischen Ball.

Das werde ich. Vielen vielen Dank, Heidi!

Liebe Grüße
Xelya

Hallo,

danke für deine Antwort.

Na, ganz so sorglos würde ich das nicht sehen,wenn der
Augenarzt eine Stauungspapille festgestellt hat, muß die
Ursache dafür aber nicht unbedingt ein (Pseudo)Tumor oder eine
Blutung sein, es ist da auch an eine maligne Hypertonie zu
denken.

Die Ursache ist ein Pseudotumor c. als
Medikamentennebenwirkung (Doxycyclin), wobei sich auch hier
alles widerspricht :smile: Aussage der Neurologen in der
Uniklinik: „Das geht nicht einfach so durch Absetzen des
Medikaments wieder weg“; der Beipackzettel sagt:„Nach Absetzen
des Medikaments reversibel“.

Liegen denn Gesichtsfeldausfälle vor, wenn
ja, welche, wie hoch war der Hirndruck, welche Medis sollst Du
nehemn? Die Shunt-Lösung ist u.U. indiziert, aber da muß erst
mal ein Neurochirurg befragt werden nach CCT oder/und MRT.

Keine Gesichtsfeldausfälle (was alle irritiert), ich weiß
nicht genau in welcher Maßeinheit der Hirndruck gemessen wird,
aber mir schwebt ein Wert von 27 im Gedächtnis. Medikation ist
Diamox 500 mg/Tag.

Ich drück mal die Daumen, aber ohne genaue neurologische
Diagnostik ist da erst mal ein großes Fragezeichen.

Das ist alles gelaufen und es wurden keine Ursachen gefunden
(MRT unauffällig)

Mich hat halt nur irritiert, dass ich an einigen Stellen im
Netz gelesen habe, dass eine Lumbalpunktion zur Druckreduktion
kontraindiziert sei, da sich das Hirn verklemmen können. Das
will ich ja nun nicht unbedingt :-/
Vielen Dank noch mal
Gruß
Xelya

Heidi

Hi,

Der durchführende Neurologe lässt nicht Unmengen von
Gehirn-Rückenmerks-Flüssigkeit aus dem Rückenmark
rauströpfeln. Sondern nach genauen Richtlinien, damit eben
nichts passieren kann.

Klar im Netz steht immer alles was ev. möglich sein könnte,
allerdings sind solche Ausagen nicht für jeden zutreffend,
sondern nur für Info-Zwecke angeführt!

sorglose Gruesse

Schneeflöckchen