Diabetes I und Lebensdauer

Hallo,

wie lange „überlebt“ ein Insulinpflichtiger Diabetiker, wenn er das Insulin „einfach“ weglassen würde?

Was passiert, wenn man einem Nichtdiabetiker Insulin spritzt, fällt er in den Unterzucker oder kann sein gesunder Organismus die zusätzliche Insulinzufuhr durch das „Umschalten“ auf den Fettstoffwechsel (Leber) ausgleichen?

Danke für eure Antworten.

Gruß
Michael

Hi!

wie lange „überlebt“ ein Insulinpflichtiger Diabetiker, wenn
er das Insulin „einfach“ weglassen würde?

Hach, was für eine wunderschöne theoretische Frage *g*
Ok, fangen wir an zu überlegen…
Beim Typ I Diabetiker herrscht ein absoluter Insulinmangel (Typ II ist ja bekannt für relativen Insulinmangel bzw. Insulinresistenz). Auf den Blutzuckerspiegel wirken ja auch noch andere Faktoren ein, andere Hormone z.b., die ihn auch erhöhen, und auch Faktoren aus dem Leben, wie Bewegung, Stress, Infekte, Essen… usw.

Der Typ I Diabetiker könnte theoretisch also ganz plötzlich versterben, wenn eines der Faktoren überwiegt. Er könnte plötzlich in eine Unter- oder Überzuckerung rutschen, daraus resultiert Koma und unbehandelt könnte er dann schon versterben.

Andererseits, wenn man annimmt, daß derjenige ein völlig gemäßigtes Leben führt, kein Stress, keine Erkrankung, ißt einigermaßen diabetesgerecht… - ok, das ist ziemlich hypothetisch, denn wer kann so ein gemäßigtes Leben auf Dauer garantieren? :wink:
Jedenfalls wäre bei diesem Leben davon auszugehen, daß der Blutzuckerspiegel meistens mehr oder weniger erhöht ist. Und dies würde recht bald Folgen nach sich ziehen, weil der hohe Blutzucker viele Organschäden verursacht: Arteriosklerose, Retinopathie mit Blindheit, Herzinfarkt, Nierenschwäche bis zum -versagen, Neuropathie (Nervenschäden) mit den daraus resultierenden Schäden…usw…usw…

Mit den ganzen Folgekomplikationen wird man leider auch nicht sehr alt…

Was passiert, wenn man einem Nichtdiabetiker Insulin spritzt,
fällt er in den Unterzucker oder kann sein gesunder Organismus
die zusätzliche Insulinzufuhr durch das „Umschalten“ auf den
Fettstoffwechsel (Leber) ausgleichen?

Je nachdem, wieviel man spritzt, und wie der Blutzucker vor der Gabe war, wird der jenige „nur“ etwas unterzuckern oder aber ins Koma fallen. Aber das würde ich niemals ausprobieren - das kann schnell ins Auge gehen!

Gruß,
Sharon

Hi,

ich danke dir für deine Antwort, aber sie reicht nicht ganz aus:smile:
Angenommen, der Typ 1 würde eine Packung „Marsriegel“ (mindestens 10 Stück)essen und nicht spritzen, wie weit würde sein Zucker steigen? Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Werte von über 600 mir selbst nichts anhaben, keine Zeichen von Müdigkeit oder Durst oder Kopfschmerzen. Im Gegenteil, ich fühle mich gut.
Im unteren Bereich hatte ich zwar schon unangenehme Erfahrungen mit Werten um die 19, aber in´s Koma fiel ich bisher nicht.
Kann der Diabetiker plötzlich versterben, wenn er so „hartnäckig“ ist, wie ich es bin?

Lieber Gruß
Michael

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Hallo, Michael,
wenn du wirklich so ungesund lebst, wie Du es angibst, würde ich Dir empfehlen keinen Fortsetzungsroman mehr anzufangen.
Gruß
Eckard

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Auch Hi,

10 Mars-Riegel entsprechen ca. 400 KH - Du kannst Dir sicher selbst ausrechnen um wieviel Dein Blutzucker da ansteigt? Gehen wir mal von einem Anstieg von ca. 60 an je BE, dann wäre ein Anstieg auf weit über 2000 sicherlich nicht unrealistisch. Immer vorausgesetzt: insulinpflichtiger Diabetiker spritzt bei 10 Mars-Riegeln kein Insulin zu. Bei diesem Wert ist sicherlich mit einem hyperglykämischen Schock zu rechnen. Extrem hohe Blutzuckerwerte sind lebensbedrohliche Komplikationen, welche in einem Zusammenbruch des Stoffwechsels mit Bewusstseinstrübung münden und zum Koma führen. Und letzendlich wohl auch zum Tod führen können.
Bei länger andauerndem Überzucker (ich rede hier von anderen Werten als den 2000er von eben) kommt es auch zu den Anzeichen (Müdigkeit, Durst und Kopfschmerz), die langfristig auch erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen. Und gerade bei hohen Werten kommt es auf die Dauer an. Iss mal einen Apfelstrudel mit Eiscreme und Vanille-Soße… auch mit Insulingabe wirst Du nach einer halben Stunde im Normalfall stark erhöhte Werte haben (die hat man da selbst als „Gesunder“). Bei richtiger Versorgung mit Insulin kommst Du schnell runter. Gib Dir zu wenig/kein Insulin und Du wirst unweigerlich die Begleiterscheinungen haben. (Das ist jetzt kein Tipp - das wäre nur dämlich es zu tun!:wink:)

Wenn Du einem Nicht-Diabetiker eine entsprechende Menge Insulin verabreichst, wirst Du ihn in eine Hypoglykämie bringen. Daß die, je nach Menge und Art des Insulins, innerhalb kürzester Zeit tödlich sein kann ist klar.

Niedrige Werte werden wohl sehr subjektiv erlebt. Ich kenne Diabetiker, die mit einem Wert von über 50 völlig lahm gelegt sind. Meine Tochter hatte bei 29 noch keinerlei Ausfallerscheinungen - leider!

Und: Ja! ein Diabetiker, der sich mal auf Wert 19 bringt und dann mal wieder eben ohne Insulin 10 Mars-Riegel reindrückt hat gute Chancen bald zu versterben.

Das war jetzt aber alles nur rein hypothetisch, oder?

Herzliche Grüße

Uschi

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Hallo Michael,

Was passiert, wenn man einem Nichtdiabetiker Insulin spritzt,

bei geringen Mengen unterzuckert die Person, bei größeren Mengen kann es zu einem hypoglykämischen Schock kommen, dann Koma und wenn die Mengen ausreichend sind, stirbt die Person.
Es war mal ne beliebte Methode, um ungeliebte Zeitgenossen zu töten, irgend ein Prinz hat mal versucht, so seine Frau um die Ecke zu bringen.

Gandalf

Hallo Uschi,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
+++

10 Mars-Riegel entsprechen ca. 400 KH - Du kannst Dir sicher
selbst ausrechnen um wieviel Dein Blutzucker da ansteigt?

+++
Das habe ich noch nicht nachgerechnet, aber in der letzten Zeit werden immer wieder solche Fragen an mich herangetragen, deshalb möchte ich mal antworten können.
+++

Gehen wir mal von einem Anstieg von ca. 60 an je BE, dann wäre
ein Anstieg auf weit über 2000 sicherlich nicht unrealistisch.
Immer vorausgesetzt: insulinpflichtiger Diabetiker spritzt bei
10 Mars-Riegeln kein Insulin zu. Bei diesem Wert ist
sicherlich mit einem hyperglykämischen Schock zu rechnen.
Extrem hohe Blutzuckerwerte sind lebensbedrohliche
Komplikationen, welche in einem Zusammenbruch des
Stoffwechsels mit Bewusstseinstrübung münden und zum Koma
führen. Und letzendlich wohl auch zum Tod führen können.

+++
Das es so schnell gehen kann, hätte ich nicht gedacht.
+++

Bei länger andauerndem Überzucker (ich rede hier von anderen
Werten als den 2000er von eben) kommt es auch zu den Anzeichen
(Müdigkeit, Durst und Kopfschmerz), die langfristig auch
erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen. Und gerade bei hohen
Werten kommt es auf die Dauer an. Iss mal einen Apfelstrudel
mit Eiscreme und Vanille-Soße… auch mit Insulingabe wirst Du
nach einer halben Stunde im Normalfall stark erhöhte Werte
haben (die hat man da selbst als „Gesunder“). Bei richtiger
Versorgung mit Insulin kommst Du schnell runter. Gib Dir zu
wenig/kein Insulin und Du wirst unweigerlich die
Begleiterscheinungen haben. (Das ist jetzt kein Tipp - das
wäre nur dämlich es zu tun!:wink:)

Wenn Du einem Nicht-Diabetiker eine entsprechende Menge
Insulin verabreichst, wirst Du ihn in eine Hypoglykämie
bringen. Daß die, je nach Menge und Art des Insulins,
innerhalb kürzester Zeit tödlich sein kann ist klar.

+++
Das wundert mich sehr, dachte ich doch, daß der Fettstoffwechsel bei erhöhter Insulinzufuhr bei einem Gesunden angekurbelt wird? Ich denke, die Menge muß sehr hoch sein…
+++

Niedrige Werte werden wohl sehr subjektiv erlebt. Ich kenne
Diabetiker, die mit einem Wert von über 50 völlig lahm gelegt
sind. Meine Tochter hatte bei 29 noch keinerlei
Ausfallerscheinungen - leider!

Und: Ja! ein Diabetiker, der sich mal auf Wert 19 bringt und
dann mal wieder eben ohne Insulin 10 Mars-Riegel reindrückt
hat gute Chancen bald zu versterben.

+++
Warum? Natürlich ist ein Wert von 19 nicht erstrebenswert, manchmal kommt es eben vor, daß man sich versieht und falsch spritzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ein guter HBA 1C - Wert meist mit häufigen Unterzuckerungen einhergeht, was nicht besonders angenehm ist.

Das war jetzt aber alles nur rein hypothetisch, oder?

+++
Ja :smile:

Gruß
Michael

Hallo Michael,

allein von der Logik - ein schnell wirkendes Insulin (nach etwa 1 Stunde den Höhepunkt der Wirkung). Ich denke, daß da eine Menge von 10 Einheiten reicht, daß ein gesunder Mensch so absackt, daß Du ihn nicht mehr aus dem Unterzucker holen kannst. Ein Gesunder hat i.d.R. einen Blutzucker von 70 bis 120 (sagen wir mal so, ja? Das kann abweichen, ist klar) Gehen wir weiter davon aus, daß eine Einheit um ca. 60 senkt.
So schnell kann der Körper gar nicht so viel Glukagon ausschütten, um sich dann noch selbst helfen zu können.

Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Diabetiker der „Hypo-surft“, irgendwann einmal doch zu niedrig kommt, ist deutlich höher als bei einem gut eingestellten Diabetiker. Genauso ist eine dauerhafte Hyperglykämie sicherlich der Gesundheit nicht förderlich. Die Belastung des „Rauf- und Runter“ ist nach meinem Wissen auch nicht ohne für den Körper.

Wenn man sich mal eben falsch spritzt, sollte man evtl. die Möglichkeit einer Pumpentherapie in Betracht ziehen. Oder sich zumindest einen Pen zu legen, an dem man die zuletzt abgegebene Insulinmenge ablesen kann.
Das hilft, wenn man sich über die abgegebene Menge unsicher ist.

Selbst wenn ich eine gewisse Schwankung beim Messen einbeziehe, halte ich ein Unterzuckerung mit einem BZ von 19 für extrem.

Viele Grüße

Uschi

Hallo Michael!

wie lange „überlebt“ ein Insulinpflichtiger Diabetiker, wenn
er das Insulin „einfach“ weglassen würde?

Aus eigener -saudummer- Erfahrung weiss ich, dass ich nach etwa 12 Stunden die ersten Anzeichen hatte, dass es mir nicht gut geht. Einige Stunden später steigerte es sich in Gliederschmerzen und ein heftiges Gefühl von „mir gehts nicht gut“. Wiederum einige Stunden später fiel der Groschen, woran das alles liegt (Insulin in Insulinpumpe hatte keine Wirkung mehr). D.h. etwa 20 Stunden nach Beginn des Ganzes habe ich begonnen, die richtigen Gegenmassnahmen zu treffen.
Trotzdem musste ich nochmal einen halben Tag später ins Krankenhaus, um Infusionen zu bekommen, da ich die erforderliche Flüssigkeitsmenge, um das Keton aus dem Körper zu bekommen, nicht trinken konnte und mich auch immernoch nicht sonderlich gut fühlte.

D.h. nach knapp 24 Stunden KANN man noch leben und auch rumlaufen, aber gut fühlt man sich nicht mehr. Ich vermute, dass es nur wenige Stunden gebraucht hätte, und ich wäre so oder so im KH gelandet.

Es kann natürlich auch wesentlich schneller gehen oder langsamer ablaufen, da kommts auch sehr viele Faktoren an.

Ich rate Dir (habe unten von der „Idee“ mit den Mars gelesen), es nicht auszuprobieren. Es ist eine Erfahrung, auf die man bestens verzichten kann. Und es braucht noch nichtmal ein paar Mars dazu, einfach mal einen oder zwei Tage lang keine BZ-Messungen und eine Penfüllung/Pumpenfüllung/Flasche verdorbenes Insulin, und Du liegst absolut flach.
Und ja, man lernt daraus :stuck_out_tongue:

Liebe Grüsse
Bine :smile:

PS: Auch mit einem HbA1c von 5,2 hat man bei richtigem Umgang nicht mehr Unterzucker als sonst - selbst erlebt *g*

Hi!

Wenn Du einem Nicht-Diabetiker eine entsprechende Menge
Insulin verabreichst, wirst Du ihn in eine Hypoglykämie
bringen. Daß die, je nach Menge und Art des Insulins,
innerhalb kürzester Zeit tödlich sein kann ist klar.

+++
Das wundert mich sehr, dachte ich doch, daß der
Fettstoffwechsel bei erhöhter Insulinzufuhr bei einem Gesunden
angekurbelt wird?

Nicht ganz. Insulin sorgt dafür, daß Fett in Fettzellen aufgebaut wird und verhindert gleichzeitig, daß Fett abgebaut wird.
Beim Typ I Diabetiker ist ja kein Insulin vorhanden (absoluter Insulinmangel), daher rutscht er bei Überzuckerung ins sog. Ketoazidotische Koma, weil Ketonkörper beim Abbau von Fett entstehen. Beim Typ II Diabetiker und beim Nicht-Diabetiker dagegen ist Insulin vorhanden. Und dieses verhindert, wie gesagt, die Fettverbrennung, sodaß der Typ II Diabetiker kein ketoazidotisches, sondern ein hyperosmolares Koma erleidet, weil eben die geringe Insulinmenge ausreicht, um die Fettverbrennung zu verhindern.

Beim Gesunden würdest du mit einer Insulingabe den Fettstoffwechsel also auch drosseln, sodaß der Körper damit die Unterzuckerung nciht bekämpfen kann.

Gruß,
Sharon

Hi!

Angenommen, der Typ 1 würde eine Packung „Marsriegel“
(mindestens 10 Stück)essen und nicht spritzen, wie weit würde
sein Zucker steigen?

Man kann es theoretisch ausrechnen, aber zwei Dinge behindern die Rechnung: zum einen gibt es ziemliche individuelle Unterschiede, wie der Blutzucker reagiert, zum anderen hängt auch dies von einigen Faktoren ab: wie ist der Ausgangszucker? Wurden vorher „langwirkende“ Kohlenhyddrate gegessen? Was und wann wurde vorher überhaupt gegessen? Wann war die letzte Insulininjektion? Wie sind die Hormonspiegel (Insulin, Glucagon, Adrenalin, Kortison usw.)? etc…

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Werte
von über 600 mir selbst nichts anhaben, keine Zeichen von
Müdigkeit oder Durst oder Kopfschmerzen. Im Gegenteil, ich
fühle mich gut.

Ehrlich gesagt, habe ich in diesem Punkt zu wenig Erfahrung mit Typ I DM. Aber bei Typ II Diabetikern ist diese Gewöhnung eher ein schlechtes Zeichen.

Gruß,
Sharon