Schwachsichtigkeit bei Kleinkindern

Hallo,

bei unserem Sohn wurde vor 4 Tagen eine Schwachsichtigkeit entdeckt. Er ist jetzt 4 Jahre und 11 Monate alt. Vor 15 Monaten, hatte er auf beiden Augen noch 1,0 (100 Prozent?) und nun auf dem rechten Auge 1,0 und links nur noch 0,3. Er hat eine Brille der Stärke + 4,5 (links) und + 2,5 (rechts) verordnet bekommen. Wir waren bisher regelmäßig zur Untersuchung beim Augenarzt mit ihm. Wozu eigentlich? Als er 6 Monate alt war, schickte uns der Kinderarzt zum Augenarzt, da er eine Sehschwäche vermutet hat. Beim Augenarzt wurde damals aber nichts festgestellt. Danach hat der Augenarzt ebenfalls nie etwas festgestellt und nun der Schock. Nun wurden auch erstmals die Pupillen weitgetropft. Zusätzlich zur Brille sollen wir sein gutes Auge täglich 2 Stunden abkleben. Wir wissen, dass die Chancen zur Heilung einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) mit zunehmendem Kindesalter extrem sinken. Er schielt leicht, hat kein räumliches Sehen. Aufgefallen ist das Ganze meiner Frau, als bei unserem Sohn vor 4 Tagen plötzlich das linke Auge extrem nach innen gewandert ist. Ansonsten kann man sein Schielen kaum erkennen. Was bringen jährliche augenärztliche Untersuchungen, wenn meine Frau die Probleme entdecken muss?

Wie hoch sind seine Chancen, irgendwann mit Brille auf 100 Prozent zu kommen?
Wie kann es sein, dass innerhalb von 15 Monaten sich alles derart dramatisch verschlechtert?
Können wir sonst noch irgendetwas zur Heilung beitragen, z.B. Augübungen, etc.?
Wir haben gelesen, dass sich eine Schwachsichtigkeit meist innerhalb der ersten Lebensmonate bildet. Ist davon auszugehen, dass bei ihm ebenfalls schon seit Jahren eine unerkannte Schwachsichtigkeit vorliegt (warum wurde sie dann nicht erkannt?) oder ist davon auszugehen, dass sich die Schwachsichtigkeit bei ihm tatsächlich erst in den vergangenen 15 Monaten ausgebildet hat? Hat er dann doch noch größere Chancen auf Heilung, als die im Internet angegebenen 40 Prozent???

Wir sind dankbar für jeden Hinweis.

Moin,

die wenigstens Augenärzte sind auf Kinder spezialisiert. Habt ihr euer Kind mal bei einer Sehschule (Orthoptistin) vorgestellt?

http://www.vincentius-kliniken.de/vincentius/export/…

Falls ihr nicht wisst, wohin, wenndet euch an die nächste Sehbehinderten- und Blindenschule oder Frühförderstelle für blinde und sehbehinderte Kinder, die können euch unter Umständen Adressen geben. Leider schreibst du in deinem Profil ja nicht, wo du wohnst.

Gruß
Marion

Hallo Marion,

vielen Dank fuer die Zeilen. Wir waren von Anfang an bei einer für Kinder spezialisierten Augenarztpraxis mit Sehschule und Orthoptisten. Deshalb verstehen wir nun auch die Welt nicht mehr. Zur Absicherung der Diagnose waren wir gestern noch in der Uniklinik. Diagnose deckt sich mit derjenigen der Augenärzte,…

P.S.: Wir kommen aus der Nähe von Ulm.

Hallo Thomas,

klingt so, als wärt ihr fachlich eigentlich in guten Händen. Habt ihr eure Fragen mal dort gestellt? Ja, ich weiß wie das ist, da sitzt man beim Arzt, kriegt irgendwelche Diagnosen, fällt erstmal aus allen Wolken, und wenn man wieder zu Hause ist, fallen einem erst die ganzen Fragen ein… Also mein Tipp: Fragen aufschreiben, beim nächsten Termin stellen und erst lockerlassen, wenn diese für euch zufriedenstellend beantwortet wurden.

Lieben Gruß und lasst euch nicht schrecken (weder von irgendwelchen Diagnosen, noch von einer möglichen Beeinträchtigung),

Marion

Hallo Thomas,

auch für geübte Kinderaugenärzte usw. ist es nicht immer leicht eine Fehlsichtigkeit bei kleinen Kindern zu diagnostizieren, da die Kooperation der Kleinen ja nicht denen von Erwachsenen entspricht, sind die Fehlsichtigkeiten also geringfügig, sind sie manchmal nicht wirklich zu diagnostizieren, dazu kommt, daß deine Frau z.B. euer Kind täglich sieht, und sofort Veränderungen feststellen kann, die ja auch nicht immer da sind, also im Zweifelsfall vielleicht gerade im Moment der Untersuchung nicht „sichtbar“ waren.

Kinder wachsen in Schüben, nicht immer wächst alles gleichzeitig, so kann also eine Fehlsichtigkeit sich in relativ kurzer Zeit entwickeln, wenn die Sehnerven und andere für das Sehen zuständige anatomische Gegebenheiten langsamer oder später Entwicklungsschübe bekommen.

Wie genau sich das „verwachsen“ kann, oder geheilt werden kann bleibt somit abzuwarten.

Wenn du ein gutes Gefühl hast, die Diagnosen übereinstimmen und du adäquate Antworten von den behandelnden Ärzten auf deine Fragen bekommst, würde ich mich erst einmal auf die Behandlung einlassen.

Allerdings fände ich es wichtig, diese Fragen vorort zu klären, vor allem die nach weiteren „Übungsmöglichkeiten“, das Internet bietet zwar viele Anhaltspunkte, jedoch selten individuelle Hilfestellungen, so nach dem Motto: jeder Mensch ist anders…

Gruß
Iris

Hallo Thomas!

Habe ich das richtig verstanden, dass das Kind in 15 Monaten nicht kontrolliert wurde?

Bei Kleinkindern mit Brille sollte eigentlich alle 4-6 Monate das Sehvermögen, räumliches Sehen etc. kontrolliert werden.Dann fällt auch auf, wenn sie plötzlich (ja, das gibt es wirklich) anfangen zu schielen.
Und sei es auch nur so minimal, dass es nur einem Augenarzt oder einer Orthoptistin auffällt!

Da jetzt eine Behandlung mit Verkleben des schlechteren Auges begonnen wurde kann man davon ausgehen, dass durch sorgfältiges Pflasterkleben das Sehvermögen des schlechteren Auges trainiert wird und die Sehschärfe ansteigt.

Häufig kommt auch das räumliche Sehen wieder zurück.

Ihr solltet aber das Pflaster genau kontrollieren, denn Kiddies sind da sehr erfinderisch!

Angelika

Hallo Angelika,

vielen Dank fuer Deine Zeilen!

Wir waren mit unserem Sohn zum ersten Mal mit 6 Monaten beim Augenarzt/Sehschule/Orthoptist. Dann mit 1 Jahr, mit 2 Jahren, mit 3.5 Jahren und eben jetzt mit knapp 5 Jahren. Bisher hatte das Kind keine Brille, da er laut Augenarzt/Orthoptist bisher immer keine Auffälligkeiten zeigte, nicht schielte, und volles Sehvermögen hatte. Die Brille hat er seit heute. Ab morgen werden wir konsequent die vorgegebenen 2 Stunden täglich abkleben und peinlich genau darauf achten, dass wir die Zeiten korrekt einhalten und er ständig Brille trägt, egal zu welcher Gelegenheit vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.

Räumliches Sehen hatter er bisher noch nie, kann also nicht zurückkommen. Zum Thema, ob räumliches Sehen irgendwann kommt, war bisher kein Arzt bereit, irgendeine Prognose abzugeben. Wir haben bereits mehrfach nachgefragt. Aus dem Internet wissen wir, dass das Abkleben nicht dabei hilft, räumliches Sehen zu erlernen. Wie auch, räumliches Sehen zu erlernen bedarf ja der Bildinformationen beider Augen, die dann im Gehirn zu einem räumlichen Bild zusammengesetzt werden.

Hallo,

niedergelassener Augenarzt/Orthoptist mit Sehschule verordnet am 16.02.07 Brille mit +4,25 links und +2,0 rechts. Augen wurden weitgetropft, Sehleistung angeblich links 0,3 und rechts 1,0 jeweils mit Brille.

Augenarzt/Orthoptist mit Sehschule an Uniklinik verordnet am 19.02.07 Brille mit +4,5 links und +2,5 rechts. Zusätzlich Empfehlung, gutes Auge tgl. 2 Std. abzukleben. Augen wurden weitgetropft, Sehleistung angeblich links 0,6 und rechts 1,0 jeweils mit Brille.

Wir haben die Brille mit +4,5 links und +2,5 rechts anfertigen lassen und am 21.02.07 abgeholt.

Sohn trägst sie seitdem ununterbrochen. Aber: er sagt, dass er ohne Brille in die Ferne viel besser sieht. Also heute zum Samstagsdienst (Augenärztin mit Orthoptist und Sehschule). Ergebnis: Brille mit links +2,5 und rechts +0,5 verordnet. Augen nicht weitgetropft. Sehleistung mit Brille links 0,7 und rechts 1,0. Empfehlung: gutes Auge täglich ca. 4 Stunden abdecken. Unter drei Stunden würde nichts bringen, ebenso über 6 Stunden sinnlos. Tatsächlich hat unser Sohn bei der Augenärztin heute plötzlich relativ gut gesehen. Zum erstenmal hat er auch ein einziges Motiv beim Test des räumlichen Sehens erkannt. Die Ärztin meinte, dass nach Schulbuch die Pupillen erweitert würden und die Brille entsprechend den am betäubten Muskel/Nerv gemessenen Werten ermittelt würde. Aber sie sagte auch, dass es Quatsch wäre, so eine starke Brille zu tragen und dass wir vorerst mal die schwächere ausprobieren sollten. Sie hat als bisher einzige Ärztin auch Wert auf das räumliche Sehen gelegt. Und zur Ermittlung der Brillenstärke hat sie den Sehtest gemacht ohne Pupullenerweiterung, etc.

So nun die Frage: wem sollen wir denn nun glauben?

Fakt ist, dass unser Sohn mit seiner starken Brille in die Ferne erheblich schlechter sieht, als ohne Brille. Fakt ist auch, dass er bei der schwachen Brille erstmals spontan ein räumliches Sehen hatte und dass er damit die beste Sehleistung erreicht.

Wir halten die letzte Aussage für plausibel, allerdings sind die Ärzte-Aussagen 2:1 dagegen,…

Also nochmal Brille kaufen wo die andere gerade mal 2 Tage alt ist???

Gruß,
Thomas