Verhalten bei Herzinfarkt

Hallo Medizinkundige,

ich habe gelesen:

bei Herzinfakt soll der Betroffene tief Luft holen und Husten, bis Hilfe kommt. Tief Luft holen wg. der Sauerstoffversorgung, Husten um Druck auf das Herz auszuüben zwecks Regulierung des Herzschlags und um Blutkreislauf zu stabilisieren.

Ist dieser Rat sinnvoll und auch ausführbar (solange man bei Bewustsein ist)?

Danke für Eure Meinungen.

Wolfgang D.

Hi!

Also, das mit dem Husten hab ich noch nie gehört…

Ist dieser Rat sinnvoll und auch ausführbar (solange man bei
Bewustsein ist)?

Tief Luft holen klingt auf den ersten Blick gut, aber ich befürchte, daß der Pat., sofern er bei Bewußtsein ist, doch meist in Panik und Todesangst ist und er wird daher nicht nach bestimmten Regeln atmen können. Zudem denke ich, daß aus dem tiefen Atmen auf diese Weise eine Hyperventilation entstehen dürfte :wink:

Nicht selten gibt man panischen Pat. im Gegenteil den Rat, ruhiger und langsamer zu atmen :wink:
(bzw. Rat geben hilft meist nicht, man sollte lieber „mitatmen“ bzw. den Rhythmus „voratmen“)
Helfen würde auch eher: enge Kleidung öffnen, Fenster aufmachen und ähnliches.

Außerdem bedeutet tiefes Atmen eine gewisse Anstrengung - und diese sind dringend bei Verdacht auf Herzinfarkt zu vermeiden!!

Dasselbe sehe ich auch beim Husten: es ist eine nicht unbeachtliche Anstrengung. Und ich könnte mir vorstellen, daß provozierte Hustenanfälle Herzrhythmusstörungen begünstigen könnten - und genau dies ist ja die Haupttodesursache beim Herzinfarkt.
Aber da ich das bezüglich Husten nicht genau weiß, wie gesagt, möge man mich ggfs. berichtigen :wink:

Die richtige Vorgehensweise wäre - wenn der Pat. bei Bewußtsein ist -

  • umgehend den Notruf tätigen
  • weitere, anwesende Personen/Passanten um Hilfe bitten!
  • Pat. auf keinen Fall alleine lassen!!!
  • Pat. beruhigen
  • Anstrengungen und unnötige Bewegung des Pat. vermeiden
  • ggfs. Erste-Hilfe-Maßnahmen bzw. Reanimation durchführen bis Rettungsdienst eintrifft.

Gruß,
Sharon

Hallo !

Ich hatte einen.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, zu husten oder tief Luft zu holen. Vor lauter Angst und Schmerzen, fängt man nicht auch noch an zu husten.

Man soll ruhig liegen bleiben und man soll den Notarzt rufen. Bis er da ist, ruhig liegen bleiben und nicht auch noch hustend rumhampeln. Luft zu bekommen, ist nicht das Problem. Das Problem ist die eiserne Hand, die Deine Pumpe umkrallt.
Ein Herzinfarkt kommt oft anders, als man denkt. Aber meistens eben so, dass man Angstzustände hat. Ich bin, da niemand zu Haus war, drei Kilometer zum Arzt gelaufen. Ich ahnte ja nicht, dass es ein Infarkt war. Und so geht es den meisten.
Der Arzt meinte, das wären wohl die Bronchien. Drei Monate später stellte sein Kollege bei mir einen Hinterwandinfarkt fest und ich bekam vier Bypässe.

mfgConrad

Hallo !

Das klingt alles so, als hätte man ein Display auf der Stirn, auf dem „Herzinfarkt, Herzinfarkt“ steht.

mfgConrad

Hi,

Das klingt alles so, als hätte man ein Display auf der Stirn, auf dem „Herzinfarkt, Herzinfarkt“ steht.

Bei den Hunderten von Herzinfarkten, die ich gesehen habe, waren vielleicht einzelne ( aufrecht hinsetzen, für Frischluft sorgen
Beklemmung -> Hemd, Krawatte lockern
Todesangst -> Beruhigen, nicht mehr aufstehen lassen (auch nicht - gerade nicht! - auf’s Klo!)

Viel mehr ist es gar nicht, außer - natürlich - sofort einen Notruf abzusetzen, was aber rein vom äußeren Eindruck der Situation schon zwingend ist.

Die anderen Symptome (ausstrahlende Schmerzen etc.) schränken die Diagnose dann noch ein, sind aber für die Erstmaßnahmen gar nicht mehr relevant.

Insofern kann man schon sagen, dass den meisten der HI tatsächlich auf der Stirn steht, und das noch ergänzen um die Aussage „Erste Hilfe ist einfach!“ - wenn man sie denn mal gelernt hat. Es sei bei der Gelegenheit nochmal jeder angehalten, seinen EH-Kurs aufzufrischen!

Gruß,

Malte

PS: Von Husten oder sowas halte ich gar nichts, die Fachorganisationen übrigens auch nicht.

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Hallo Malte!

PS: Von Husten oder sowas halte ich gar nichts, die
Fachorganisationen übrigens auch nicht.

Würde man nicht normalerweise bei dieser merkwürdigen Hustenatmung nach dem Husten häufig und stark einatmen und so noch den Preload des rechten Ventrikels erhöhen?

VG, Stefan

Hi,

PS: Von Husten oder sowas halte ich gar nichts, die
Fachorganisationen übrigens auch nicht.

Würde man nicht normalerweise bei dieser merkwürdigen
Hustenatmung nach dem Husten häufig und stark einatmen und so
noch den Preload des rechten Ventrikels erhöhen?

Vermutlich, aber soweit ins Detail musst Du gar nicht gehen - dieses Husten ist schlicht anstrengend, und allein der Blutdruckanstieg dadurch kann schon fatal sein. Bei HI-Patienten verbietet sich jede Art von Anstrengung (selbst Stuhlgang hat schon so manchen HI zum Ausbruch gebracht, kein Scherz), siehe auch die Anmerkungen von Sharon.

Gruß,

Malte

Hallo Medizinkundige,

ich habe gelesen:

bei Herzinfakt soll der Betroffene tief Luft holen und Husten,
bis Hilfe kommt. Tief Luft holen wg. der Sauerstoffversorgung,
Husten um Druck auf das Herz auszuüben zwecks Regulierung des
Herzschlags und um Blutkreislauf zu stabilisieren.

Ist dieser Rat sinnvoll und auch ausführbar (solange man bei
Bewustsein ist)?

Danke für Eure Meinungen.

Hallo Wolfgang,

ich war lange Zeit im Rettungsdienst und hatte dementsprechend täglich
oft mehrmals Herzinfarktpatienten.

Zuerst muss ich Sharon anschließen:
Einen Herzinfarktpatienten dazu zu bewegen absichtlich zu husten halte ich für Unsinn. Wie schon gesagt: Dieser hat Todesangst, schlimme Schmerzen oder befindet sich u.U. in einem präfinalen Zustand.

Husten strengt an - das ist auf jeden Fall zu vermeiden, so wie jede andere Anstrengung auch.

Ich halte es für sehr viel wichtiger, dass bekannter wird wie ein Herzinfarkt erkannt wird, und dass dann zwingend der Rettungsdienst
gerufen wird.
Der Notruf und eine gute Betreuung steht für einen Ersthelfer hierbei
an erster Stelle. Kommt es zum Herzkreislauf - Stillstand ist unverzüglich mit der Reanimation zu beginnen. Die Zeit wann mit dieser angefangen wird sind entscheidend ob der Patient erfolgreich reanimiert werden kann oder nicht.
Ist der Patient noch bei Bewustsein, ist es zwingend notwendig, dass der Patient nichts mehr aktiv tun darf - absolut nichts - nur noch liegen bleiben.
Was leider oft noch vor kommt: Keine i.m. Spritze geben lassen - die sind kontraindiziert wegen der nachfolgenden Therapiemöglichkeiten.
Nichts mehr Essen, nicht rauchen, nichts trinken.
Nicht mehr in die Hausarztpraxis und schon garnicht alleine. Hier ist einzig und alleine der Notarzt (Rettungsdienst) angesagt - sonst nichts mehr.

viele Grüße
Hagen

Mahlzeit,

ich kann den Vorschreibern beipflichten. Ich hatte zwar keinen Herzinfarkt, sondern nur Angina pectoris, aber:

  • das Husten stellte sich automatisch ein, begleitet von Atemnot
  • es war anstrengend und tat verdammt weh.

Ich denke, wenn mir da jemand geraten hätte, absichtlich zu husten, hätte ich dem den Vogel gezeigt.

Gruß

Sancho

Hustenreanimation bei Herzstillstand
Moin,

wahrscheinlich hast Du das gemeint? durch kontinuierliches Husten liess sich bei Herzstillstand in Einzelfä#llen ein Minimalkreislauf aufrechterhalten (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pub…).
Das geht aber nie lange „gut“ und ist zB geeignet bei beobachtetem Herzstillstand, damit die Helfer mehr Zeit haben, die Reanimation vorzubereiten.
Für einen Infarkt als Basismaßnahme eher nicht zu empfehlen.

Schöne Grüße,

Chris