Warum wird einem warm, wenn man sich anstrengt?

Hallo, ich möchte gerne verstehen, warum einem warm wird, wenn man sich körperlich anstrengt. Ich vermute mal, dass körperliche Anstrengung nur möglich ist, wenn man mit entsprechender Energie versorgt wird. Und bei der Umwandlung von Kohlehydraten oder Fett zu Energie wird Wärme frei (durch den chemischen Prozess) und darum wird einem warm. Ist das die Erklärung?
Danke
Peter

Hi!

Und bei der Umwandlung
von Kohlehydraten oder Fett zu Energie wird Wärme frei (durch
den chemischen Prozess) und darum wird einem warm. Ist das die
Erklärung?

Ja, aber es spielt noch anderes eine Rolle. Denn die Wärmeentwicklung resultiert bei Anstrengung hauptsächlich in den Muskeln. Folglich dürften nach dieser Erklärung nur die Muskeln warm werden.
Darum muß man auch betrachten, daß bei Anstrengung viel mehr Blut in die Peripherie bzw. Muskeln gepumpt wird (die brauchen ja bei Anstrengung mehr Sauerstoff und weiteres). Dabei wird die Wärme aus dem Körperinneren nach außen bzw. in Arme und Beine geleitet. Dadurch steigt die Wärme auch dort.
Und wenn die Muskeln nun stärker durchblutet werden, wird auch die von den Muskeln gebildete zusätzliche Wärme mehr verteilt - Blut ist ein hervorragender Wärme-„Transporter“ :wink:

Gruß,
Sharon

Hi,

Darum muß man auch betrachten, daß bei Anstrengung viel mehr
Blut in die Peripherie bzw. Muskeln gepumpt wird (die brauchen
ja bei Anstrengung mehr Sauerstoff und weiteres).

danke für den Hinweis. Ich hab aber noch ne Frage. Im Sport (z.B. Fußball) wo man viel läuft und gewinnen will, müsste ja das vegetative Nervensystem und zwar der Sympathikus aktiviert sein. D.h. es müsste zu einer Gefäßverengung und damit zu Kühle kommen. … Wenn der Körper aber viel Wärme transportieren will über das Blut, müsste er doch die Gefäße weiten. Jetzt wird einem warm, aber die Blutgefäße sind verengt. das verstehe ich nicht.
Gruß
Peter

Hi!

Im Sport
(z.B. Fußball) wo man viel läuft und gewinnen will, müsste ja
das vegetative Nervensystem und zwar der Sympathikus aktiviert
sein.

Sagen wir mal, er überwiegt, aber im Grunde ist es richtig :wink:

D.h. es müsste zu einer Gefäßverengung und damit zu
Kühle kommen. … Wenn der Körper aber viel Wärme
transportieren will über das Blut, müsste er doch die Gefäße
weiten. Jetzt wird einem warm, aber die Blutgefäße sind
verengt. das verstehe ich nicht.

Es ist auch etwas kompliziert :wink:
Es stimmt schon, daß der Sympathikus Gefäße normalerweise verengt. Allerdings ist der Sympathikus nicht der einzige, der die Gefäßstellung reguliert. Wie weit oder eng das Gefäß also gestellt wird, hängt davon ab, welcher Einflußfaktor überwiegt.

Beim Sport wäre das so:
a) Vereinfacht gesagt: Durch die Muskelarbeit enstehen im Muskel gewisse Produkte bzw. werden freigesetzt, die die Wirkung des Sympathikus vor Ort hemmen. Das heißt, die Gefäße verengen sich nicht, sondern werden im Gegenteil weit gestellt.

b) kompliziert formuliert (und aus dem Physiobuch abgetippt *hust*):
Zunächst werden aus den tätigen Muskelzellen lokal Metaboliten wie anorganisches Phosphat, Wasserstoff- und Kaliumionen freigesetzt. Gleichzeitig wandern Na±Ionen und Wasser in die Zellen. Daraus resultiert eine Osmolalitätssteigerung im Interstitium. Alle diese Faktoren zusammengenommen hemmen die Noradrenalinfreisetzung aus den adrenergen Nervenendigungen in den glatten Gefäßmuskelzellen, so daß deren Fähigkeit zur Kontraktion vermindert bzw. ganz aufgehoben wird. Hinzu kommen noch endotheliale Faktoren, die über NO ebenfalls eine Dilatation einleiten. Die daraus resultierende Mehrdurchblutung hat stromaufwärts eine Dilatation der Arterien zur Folge.

(Lehrbuch der Physiologie, Klinke & Silbernagel, 2. Auflage, S. 520)

Gruß,
Sharon

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Hi Sharon

b) kompliziert formuliert (und aus dem Physiobuch abgetippt
*hust*):

(Lehrbuch der Physiologie, Klinke & Silbernagel, 2. Auflage,
S. 520)

vielen Dank für Deine Mühe. Jetzt hab ichs im Prinzip :wink: kapiert. Ist das ein Kapitel über Muskelarbeit oder über das autonome Nervensystem? Ich bin ja positiv überrascht, dass der Autor über die Wechselwirkung dieser beiden Systeme schreibt.

Gruß
Peter

Hi!

Ist das ein Kapitel über Muskelarbeit oder über das
autonome Nervensystem? Ich bin ja positiv überrascht, dass der
Autor über die Wechselwirkung dieser beiden Systeme schreibt.

In dem Buch wurde das Prinzip zwar auch in den Kapiteln über Muskulatur und autonomen Nervensystem erwähnt, aber leider nur teilweise (es wurde nur auf die Engstellung eingegangen).
Der abgetippte Text stammte jedoch aus dem Kapitel „Leistungsphysiologie“ und dem Unterkapitelchen „Muskeldurchblutung“. Nur an dieser Stelle wurde auch der Gegenmechanismus zur Sympathikusaktivität erwähnt :wink:

Gruß,
Sharon

Moin,

Hallo, ich möchte gerne verstehen, warum einem warm wird, wenn
man sich körperlich anstrengt.

Zu den anderen Antworten kommt noch dazu, dass der Wirkungsgrad der Muskulatur mur ungefähr 25% beträgt.
75% der einesetzten Energie wird in Wärme umgewandelt.
Wenn Du dich also bewegst, also mehr Energie umsetzt,um mehr Leistung zu erzielen, entsteht schlichweg mehr „Abwärme“, d.h. die Muskeltempertur und damit auch die Körpertemperatur steigt allmählich an.
Das kann soweit gehen, dass z.B. bei Marathonläufern bei moderaten Bedingungen(12°-15°) die Körperkerntemperatur auf 40° steigen kann.

CU

Axel

Hi Sharon!

Sieh mal einer an, wie kompliziert das mittlerweile ist. Früher hat man uns einfach gesagt: über die Erregung der Beta2Rezeptoren werden Gefäße im Muskel durch Adrenalin weitgestellt (wie auch die Bronchien) und gut war’s.
Tja, der Lernstoff wird nicht weniger :wink:

Gruß
Peter

Hi!

Sieh mal einer an, wie kompliziert das mittlerweile ist.
Früher hat man uns einfach gesagt: über die Erregung der
Beta2Rezeptoren werden Gefäße im Muskel durch Adrenalin
weitgestellt (wie auch die Bronchien) und gut war’s.

Tjo, ein bißchen komplizierter ist das schon:
Adrenalin wirkt ja sowohl auf alpha- wie auch auf beta-Rezeptoren - allerdings abhängig von der Konzentration: bei geringer Adrenalinkonzentration werden vor allem die beta-Rezeptoren angesprochen, bei hoher Konzentration werden alle Rezeptoren (alpha und beta) angesprochen und hier überwiegt dann die alpha-Rezeptor-Wirkung. Ergo: es kommt zur Gefäßengstellung.
Und nun kommt das ins Spiel, worüber ich schon im vorherigen Artikel schrieb, damit es eben DOCH zur Weitstellung der Gefäße kommt :wink:

Offtopic:

Tja, der Lernstoff wird nicht weniger :wink:

Wem sagst du das!!
Ich hatte mir mal zur Examensvorbereitung alte Fragensammlungen geholt, die die Fragen aus den Jahren 1985-95 enthielten. Beim beantworten schaffte ich locker ohne viel zu lernen Spitzennoten und dachte, wenn ich nun noch ein bißchen lerne, dann ist die „Eins“ in jedem Fach sicher!
Tjooo… und dann bearbeitete ich die neueren Fragen der letzten Jahre *heeeuuuul* - ich war gute 2-3 Noten schlechter!
Die Fragen sind in den letzten Jahren in der Tat wesentlich schwerer geworden! -.-

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon, hallo Axel,
euch beiden herzlichen Dank.
CU Peter