Sinn und Unsinn von Vitamin- und Mineralzusätzen

Mich würde hier mal die allgemeine Meinung über Vitaminpräparate interessieren.

Ich habe bis jetzt solchen Präparate nie benutzt weil ich eigentlich gut auf meine Ernährung achte und keinerlei Bedenken habe, was Mangelerscheinungen betrifft.
Außerdem gibt es inzwischen immer mehr Studien, die behaupten oder beweisen (da weis ich zuwenig um beurteilen ob es nur Behauptungen oder Beweise sind), dass es sehr fraglich ist, ob eine zusätzliche Einnahme von Mineralien und Vitaminen überhaupt der Gesundheit förderlich ist, oder, dass es sogar gesundheitsschädlich ist, auch in geringen Mengen.
Es gibt Studien, dass nur natürlich gewonnene Vitamine und Mineralien gesund sind und dass sogar die künstlichen Vitamine gesundheitsschädlich, sogar das Krebsrisiko steigern können.
Über was sich aber anscheinend alle Studien einig sind: Einem Personenkreis ist der Konsum von Mineral- und Vitaminzusätzen sehr förderlich; und das ist die Pharmaindustrie!

Zum Nachdenken bin ich gekommen, da mir jetzt in meiner Schwangerschaft ein Präparat mit Vitaminen und Mineralien angeboten wurde, obwohl bei mir keinerlei Mangelerscheinungen oder Ähnliches bekannt sind. Mein Eisenwert ist ausgezeichnet, immer zwischen 15-16 (was das auch immer für ein Wert sein soll).
Ich habe eine Probepackung von diesem Präparat erhalten und habe es, nachdem ich die Inhaltsangaben gelesen habe, das ganze im Mülleimer entsorgt! *g*
Ich war total geschockt als ich auf der Packung gelesen habe, welche Tagesdosis ich mit diesem Präparat eingenommen hätte; einige Vitamine und Mineralien lagen bei 900% RDA, also bei 900% der allgemein empfohlenen Tagesdosis. Das kann doch nicht mehr gesund sein!!! Auch nicht bei einer Schwangeren, bei der sich der Bedarf an bestimmen Mineralien und Vitaminen stark erhöht, aber dieser Bedarf erhöht sich doch sicher nicht um 900%!!!

Ich würde Mineralien oder Vitamintabletten wirklich nur im „Notfall“ einnehmen. In meinem Fall wahrscheinlich, wenn der Arzt wegen des Eisenwertes Alarm schlagen würde.

Ich bin schon gespannt auf eure Meinung,
Grüße,
Monika

Mich würde hier mal die allgemeine Meinung über
Vitaminpräparate interessieren.

Überflüssiges Zeug

Ich habe bis jetzt solchen Präparate nie benutzt weil ich
eigentlich gut auf meine Ernährung achte und keinerlei
Bedenken habe, was Mangelerscheinungen betrifft.

Damit liegst Du im allgemeinen auch richtig. Mangelerscheinungen, vor allem spezifisch eine Substanz betreffend, treten m.E. nur auf wenn

  • eine Stoffwechselstörung vorliegt
  • eine einseitige Diät wie „Low carb“, Kohlsuppe, Ananas und wie der ganze Blödsinn heißt, gemacht wird
  • sich generell sehr ungesund mernährt wird, z.B. nur mit fast (= beinahe) food etc.

Ich würde Mineralien oder Vitamintabletten wirklich nur im
„Notfall“ einnehmen. In meinem Fall wahrscheinlich, wenn der
Arzt wegen des Eisenwertes Alarm schlagen würde.

Und damit liegst Du goldrichtig. Nimm´ die Kohle, die die Pillen kosten würden und kaufe damit auf dem Wochenmarkt frisches Obst und Gemüse, ergänze das mit einigen Milchprodukten, gutem Getreide und etwas Fleisch und fertig ist. Ansonsten höre auf deinen Körper, Heißhungerattacken auf bestimmte Lebensmittel dürfen ruhig ab und zu mal ausgelebt werden.

Gruß
BeLa

Hallo,

zus. zu dem, was BeLa schon geschrieben hat, will ich noch anmerken:

In Nord/Mitteleuropa ist lt. einiger Studien die Versorgung mit Folsäure (eins der B-Vitamine) zwar ok, aber grenzwertig. Es _kann_ sein, dass Schwangere, die nachgewiesen einen erhöhten Folsäurebedarf haben, diesen mit normaler Ernährung nicht mehr decken können, was folgen für den Fötus hat (-> Missbildungen, insb. Neuralrohrdefekte). Immerhin werden in Deutschland jährlich um die 600 Kinder mit Neuralrohrdefekten geboren. Es ist belegt, dass die Supplementierung mit Folsäure während der frühen Schwangerschaft das Risiko dieser Fehlbildungen deutlich reduziert.

Siehe dazu auch bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article…

Also: Die Supplementation mit Folsäure in der frühen(!) Schwangerschaft ist sinnvoll und schadet auf keinen Fall.

Außerdem ist Deutschland noch ein „Jodmangelland“. Etwa 30% haben vergrößerte Schilddrüsen, knapp 9% sogar Knoten, was durch eine chronische Jod-Unterversorgung bedingt ist. Hier hilft es schon, grundsätzlich jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch Seefische enthalten viel Jod. Eine schädliche Überdosierung durch die grundsätzliche Verwendung von jodiertem Speisesalz ist nicht möglich (eher erkrankt man an „Übersalzung“). Jod ist zwar ein Mineralstoff und kein Vitamin, aber hier besteht ein mangel, der durch Supplementation einfach (und billig!) verhindert werden kann.

LG
Jochen

Ich habe bis jetzt solchen Präparate nie benutzt weil ich
eigentlich gut auf meine Ernährung achte und keinerlei
Bedenken habe, was Mangelerscheinungen betrifft.

Richtig so, die Präparate sind dazu da, einen Mangel oder erhöhten Bedarf zu decken.

Außerdem gibt es inzwischen immer mehr Studien, die behaupten
oder beweisen (da weis ich zuwenig um beurteilen ob es nur
Behauptungen oder Beweise sind), dass es sehr fraglich ist, ob
eine zusätzliche Einnahme von Mineralien und Vitaminen
überhaupt der Gesundheit förderlich ist, oder, dass es sogar
gesundheitsschädlich ist, auch in geringen Mengen.

Das meiste, was man zu viel aufnimmt gibt man über die Ausscheidungsorgane wieder ab. Eine Intoxikation durch zu hohe Zufuhr ist bei normaler Dosierung unwahrscheinlich.

Es gibt Studien, dass nur natürlich gewonnene Vitamine und
Mineralien gesund sind und dass sogar die künstlichen Vitamine
gesundheitsschädlich, sogar das Krebsrisiko steigern können.

Das halte ich für etwas, das ich als „Greenpeace-Propaganda“ (meist haltlose und nicht bewiesene, teils nicht zu beweisende Äusserungen von Personen, auf deren Spezifikationen oder Beweggründe ich nicht eingehen werde) bezeichne. Vom chemischen Aspekt her sind die künstlichen Vitamine mit den natürlichen identisch. Einzig die Zusatzstoffe in den Präparaten könnten bei Nichtverträglichkeit eine krankmachende Wirkung haben, allerdings nicht in den Ausmassen, die Du nennst. Krebs hat auch nicht bloss eine einzige Ursache.

Über was sich aber anscheinend alle Studien einig sind: Einem
Personenkreis ist der Konsum von Mineral- und Vitaminzusätzen
sehr förderlich; und das ist die Pharmaindustrie!

Vielleicht Bayer, aber uns (Roche) nicht, wir führen keine Vitaminpräparate mehr. *g*

Zum Nachdenken bin ich gekommen, da mir jetzt in meiner
Schwangerschaft ein Präparat mit Vitaminen und Mineralien
angeboten wurde, obwohl bei mir keinerlei Mangelerscheinungen
oder Ähnliches bekannt sind. Mein Eisenwert ist ausgezeichnet,
immer zwischen 15-16 (was das auch immer für ein Wert sein
soll).

Interessiert es Dich, was der Wert bedeutet?

Ich habe eine Probepackung von diesem Präparat erhalten und
habe es, nachdem ich die Inhaltsangaben gelesen habe, das
ganze im Mülleimer entsorgt! *g*

Je nach dem, was so drauf steht, hätt ich’s nicht anders gemacht…

Ich war total geschockt als ich auf der Packung gelesen habe,
welche Tagesdosis ich mit diesem Präparat eingenommen hätte;
einige Vitamine und Mineralien lagen bei 900% RDA, also bei
900% der allgemein empfohlenen Tagesdosis. Das kann doch nicht
mehr gesund sein!!! Auch nicht bei einer Schwangeren, bei der
sich der Bedarf an bestimmen Mineralien und Vitaminen stark
erhöht, aber dieser Bedarf erhöht sich doch sicher nicht um
900%!!!

Damit kenne ich mich nicht aus, ich bin weder in Gynäkologie noch in Neonatalogie ausreichend bewandert. Interessant wäre es schon zu wissen, um wieviel sich die ETD welcher Vitamine, Mineralien und Spurenelemente erhöht… Wenn da 900% stand, war das wohl auf die ETD einer erwachsenen Frau ausserhalb einer Schwangerschaft bezogen, also schon mal von Grund auf recht unprofessionell. Hätt ich ganz ehrlich auch gekübelt.

Ich würde Mineralien oder Vitamintabletten wirklich nur im
„Notfall“ einnehmen. In meinem Fall wahrscheinlich, wenn der
Arzt wegen des Eisenwertes Alarm schlagen würde.

Selbst da könnte man mit einer Ernährungsanpassung noch gegenlenken.

Ich bin schon gespannt auf eure Meinung,
Grüße,
Monika

Meine Meinung, mach so weiter wie bisher. Mit einer ausgewogenen Ernährung führst Du Deinem Körper alles zu, was er braucht, damit werden die Pillen überflüssig.
Dennoch gilt es zu sagen, dass mir kein Fall bekannt ist, dass Aufbaupräparate bei normaler Dosierung gesundheitliche Schäden angerichtet hätten. Wenn man die ganze Packung auf einmal leert, dann könnt es problematisch werden. Dosis sola facit venenum.

Grüssle Pascal

Danke für Deine Antwort!
Hallo Pascal!
Danke für Deine Antwort!

Mein Eisenwert ist ausgezeichnet,

immer zwischen 15-16 (was das auch immer für ein Wert sein
soll).

Interessiert es Dich, was der Wert bedeutet?

Ja, sag mal was das zu bedeuten hat…

Folsäure und Jod
Hallo Jochen!
Gerade die beiden Mineralien, die Du angesprochen hast sind ein interessantes Thema.
Man kann schon viel mit Folsäure erreichen, aber wenn die genetische Veranlagung zu Neuronaldefekten vorliegt, nutzen auch zusätzliche Folsäuregaben nichts. Ich arbeite selbst im Behinderten-Bereich und kenne zwei Familien, bei denen das erste Kind mit Spina Bifida auf die Welt kam. Es wurde keine besondere Ursache dafür entdeckt, werder bei Kind noch Eltern. Beide Familien hatten sich für noch ein Kind entschieden und haben schon vor und während der Schwangerschaft mit Folsäuretabletten nachgeholfen. Leider waren beide Kinder wieder von Spina Bifida betroffen, allerdings nicht so schwer wie die älteren Geschwister.
Ich bin trotzdem der Meinung, dass es besser ist, den Folsäurebedarf durch gesunde Ernährung zu decken, als durch Pillen, auch wenn man schwanger ist.
Wenn die Schwangerschaft nicht geplant war und schon vorher nicht auf die Ernährung geachtet hat, dann bringen die Folsäuretabletten hinterher auch nicht mehr viel.

Überalle ist Deutschland nicht „Jodmangelland“, jedenfalls nicht an den deutschen Meeresküsten! :wink:
Aber wenn man schon immer mit Jodsalz würzt, ein mal in der Woche See-Fisch isst (Ich esse inzwischen 2x Seefisch in der Woche seitdem ich schwanger bin) glaube ich auch nicht, dass es notwendig ist hier Pillen einzuschmeißen.
Hier könnte man schon wieder neu ansetzten, ob es denn gsund ist Fisch zu essen, da der so oft mit Giftstoffen belastet ist. :wink:

Noch mal vielen Dank für Deine Antwort!!!

Grüße,
Monika

Hallo Moni!

Man kann schon viel mit Folsäure erreichen, aber wenn die
genetische Veranlagung zu Neuronaldefekten vorliegt, nutzen
auch zusätzliche Folsäuregaben nichts.

Es behauptet niemand, mit Folsäuregabe könne man in allen Fällen die Spina bifida verhindern, sondern in einigen.

Ich arbeite selbst im
Behinderten-Bereich und kenne zwei Familien, bei denen das
erste Kind mit Spina Bifida auf die Welt kam. Es wurde keine
besondere Ursache dafür entdeckt, werder bei Kind noch Eltern.
Beide Familien hatten sich für noch ein Kind entschieden und
haben schon vor und während der Schwangerschaft mit
Folsäuretabletten nachgeholfen. Leider waren beide Kinder
wieder von Spina Bifida betroffen, allerdings nicht so schwer
wie die älteren Geschwister.

Das sind Einzelfallbeobachtungen und keine wissenschaftliche Statistik. Wie gesagt, in einigen Fällen (z.B., wenn die Veranlagung zu Neuralrohrdefekten nicht so stark ist) hilft Folsäurezugabe, in anderen leider nicht.

Ich bin trotzdem der Meinung, dass es besser ist, den
Folsäurebedarf durch gesunde Ernährung zu decken, als durch
Pillen, auch wenn man schwanger ist.

Sicher, das ist aber nicht immer möglich. Es gibt auch Medikamente, die den Folsäurespiegel senken. In diesem Fall kommt die Frau ohne Zusätze nicht auf die empfohlene Dosis. Aber auch ohne diese Medikamente: Laut Wikipedia verdoppelt (!) sich der Folsäurebedarf bei schwangeren Müttern, zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten werden zusätzliche 100 µg empfohlen. Ich stelle es mir schwierig vor, dies ohne Zusätze zu erreichen, v.a., weil Folsäuremangel auch bei manchen Nicht-Schwangeren schon vorliegt. Hier zwei Zitate aus Wikipedia (Hervorhebungen von mir):

„Die empfohlene Tagesdosis nach RDA beträgt 400 µg. Die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 1. Auflage 2001 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., empfehlen […] 800 µg für Schwangere und für stillende Mütter. Zur Vorbeugung eines Neuralrohrdefektes sollten Frauen, die schwanger werden wollen, zusätzlich 100 µg aufnehmen.“

„Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von ca. 400 Mikrogramm Folsäure (Frauen mit Kinderwunsch perikonzeptionell 600 Mikrogramm). Doch etwa zwei Drittel der erwachsenen Frauen und Männer kommen nicht einmal auf 300 Mikrogramm pro Tag. ‚Neuere Untersuchungen zeigen, dass erst ab einer täglichen Einnahme von 800 µg Folsäure und weiteren B-Vitaminen die Zahl von Neuralrohrdefekten sowie angeborenen Herzfehlern deutlich reduziert werden kann.‘ (Quelle: Ärzte Zeitung.)“

Und noch eins:

„In den USA und in Kanada ist ein Folsäurezusatz in Mehl gesetzlich vorgeschrieben. Da fast alle Menschen täglich Brot, Kekse und andere mehlhaltige Produkte zu sich nehmen, hat sich in diesen Ländern die Versorgung mit diesem Vitamin enorm verbessert. Messbar ist das an der Zahl der Kinder, die mit einem Neuralrohrdefekt zur Welt kommen, wie beispielsweise einer Form von Spina bifida, einer Anenzephalie oder einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Seit man dem Mehl obligatorisch Folsäure zusetzt, werden in diesen Ländern nur noch etwa halb so viele Kinder mit derartigen Fehlbildungen geboren.“

Da, wieder laut Wiki, in Deutschland jährlich 800 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt zur Welt kommen (Abtreibungen aus diesem Grund nicht mit eingerechnet), würde eine Folsäuresupplementierung also die Anzahl der Spina bifida-Kinder auf jährlich 400 verringern! Unter diesen Umständen stehe ich einer Folsäure-Supplementierung positiv gegenüber.

Grüße,
Anja

Erklärung Eisenwert
Hallo Moni.

Keine Ursache.

Also, Dein Eisen liegt bei 15-16 mmol/L oder ca 93 µg/dL. Normalwerte sind 7-29 mmol/L oder 45-160 µg/dL. Die ETD liegt bei 10-15 mg, wovon der Körper jedoch nur etwa 10% verwertet.
Eisen ist ein wesentliches Element für die Oxidationsabläufe in der Zelle und kommt u.a. in Myoglobin (Sauerstoffspeicher) und Hämoglobin (Sauerstofftransport) vor. Nichtgebundenes Eisen ist giftig!
Eisen wird vor allem in Leber, Milz und Knochenmark gelagert. Bei Mangel werden normalerweise nach Normalisierung des Blutgehalts eine Zeit lang weiter Eisenpräparate verabreicht, um die Speicher wieder zu füllen.
Mangelerscheinungen können u.a. bei unzureichender Zufuhr über die Nahrung (v.a. bei Vegetariern), bei Blutverlust, Alkoholmissbrauch, chronischen Entzündungen und bei Tumoren auftreten. Zu hohe Eisenkonzentrationen sind selten und können u.a. bei Blut- und Lebererkrankungen auftreten.

Hoffe ich hab das einigermassen verständlich hinbekommen.

Grüssle Pascal