Hi Naseweis,
Atmung und Verdauungsgeräusche, sowie evtl. den Herzschlag der
Schwangeren kann ich mir ja noch vorstellen.
das stimmt und tönt in einer hohen Lautstärke (um die 100 dB!).
Das Ohr ist das erste und, so ich mich recht erinnere (daher unter Vorbehalt) einzige Organ, daß schon vor der Geburt (fast) perfekt ausgebildet ist (andere Organe reifen noch nach der Geburt zur vollen Funktionsfähigkeit heran, wie bspw. das Auge).
Außengeräusche werden gehört, klingen aber im Gegensatz zu den körpereigenen Muttergeräuschen sehr dumpf.
Aber hört das ungeborene wirklich auch etwas von der
Aussenwelt wie Musik, Unterhaltung Verkehrslärm. . .
Im Studium haben wir Aufnahmen aus dem Inneren einer Gebärmutter gehört. Die Aufgabe bestand darin zu erhören, was für Außengeräusche das waren. Fast alle tippten auf eine riesige Diskussionsrunde von Franzosen- der Prof. löste dann auf: es war eine blökende Schafsherde aus dem Innneren einer Schafsgebärmutter aufgenommen.
Musik, Unterhaltung, Verkehrslärm wirken stärker auf indirektem Wege:
Lärm verursacht Streß (auch wenn wir uns dessen nicht permanent bewußt sind, sei es, weil wir uns daran gewöhnt haben oder aus anderen Gründen). Unsere körpereigenen Reaktionen jedoch greifen: bei viel Lärm schüttet das Hirn bspw. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol aus und wirkt im Organismus der Mutter. Hierüber wird der Streßfaktor dann weiter an das Ungeborene geleitet. Ist die Mutter entspannt, genießt ruhige Musik oder führt eine erheiternde Unterhaltung, dann gelangen die Botenstoffe, die im Mutterhirn für ihre eigene gute Stimmung sorgen auch zum Kind.
Es gilt also: es ist weniger der Impulsgeber (Mozart, Tokio Hotel, Nirvana, Verkehrslärm etc.) der Effekte beschert, als vielmehr das, was der Impulsgeber im Mutterhirn bewirkt.
Darüberhinaus gilt aber auch: Außengeräusche die lauter tönen als die gemeinen (bspw. ein lauter Knall u.ä.)sticht für das Ungeborene ebenso wie für Mutterns Ohren aus dem Grundgeräuschpegel hervor.
Und wenn Mutterns Darm und Magen nicht gerade in Aktion sind, also hauptsächlich der Blutfluß und Herzschlag im körperinneren (wie gesagt: um die 100dB) tönen, dann kann ein Ungeborenes durchaus die Verschiedenartigkeit der Töne, deren Zusammensetzung und das generelle Erscheinungsbild von Tonmelodien (bspw. Heavy-Metall vs. Palestrina) erkennen.
Da Menschen so funktionieren, daß unser Herzschlag dazu strebt sich einem Fremdrhythmus anzupassen (ein Effekt der bspw. bei ‚Muzak‘, der sogenannten Kaufhausmusik Anwendung findet), lässt sich dadurch auch eine ruhige Stimmung für das Ungeborene forcieren, wenn Mutter sich einen Lautsprecher auf den Bauch legt aus dem etwas beruhigendes schallt. Das nützt aber nichts, wenn diese Beschallung Muttern selbst nicht zur Entspannung bringt.
Die oftmals propagierte Idee von ‚Kühen die Mozart lauschen geben mehr Milch‘ etc. ist musikalischer Laien Dummheit - es lassen sich durchaus Stimmungen durch Musik forcieren die Effekte auf bestimmte Funktionen verstärken können, aber so platt wie es für die Allgemeinheit von musikalischen Laien(!!!) statuiert wird, ist es nicht. Das Thema führte jetzt aber zu sehr in die Tiefe und wenn ich nicht gleich zum Fensterputzen komme kriege ich nachher Streß mit meinem Weibe, daher schließe ich nun und hoffe etwas dienlich gewesen zu sein. 
Best, Ted