Antwort von
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Re^3: Bakteriophagen X Antibiotika
Hallo Abraham,
Phagen dürten durchaus Nebenwirkungen haben. Nur allzu wahrscheinlich ist, daß i.v. applizierte Phagenantigene sich in den Nierenfiltermembranen verfangen könnten und eine Glomerulonephritis verursachen würden. Oder: Phagen könnten Antigendeterminanten besitzen, die zufällig auch auf körpereigenen Zellen ebenfalls vorkommen. Die vom Immunsystem als Antwort auf die Phageninfektion gebildeten Antikörper würden sich also gegen Körperzellen richten (Autoimmunphänomen). Ein Antibiotikum kann man bei Nebenwirkungen einfach absetzen. Bei einem Phagen, der sich ja im Körper in Gegenwart der von außen laufend ersetzten Bakterien selbst repliziert, geht das nicht :-(
Ein weiteres Problem ist, daß bei vielen Infektionen der Keim eigentlich ein ganz "braver" Keim ist, der aber aufgrund einer lokalen Immunschwäche überhand nimmt. Wenn man jetzt den Keim z.B. auf den Schleimhäuten mittels Phagen *irreversibel* auslöscht (neue Bakterien werden ja sofort wieder vom Phagen getötet), so wird deren Platz eben von anderen Spezies eingenommen - das Problem geht also wieder von vorne los. Noch schlimmer, der neue Keim könnte ein ungünstiger sein, wie z.B. Clostridium difficile, der in der Darmflora überhand nehmen kann, wenn man gewisse Antibiotika einnimmt, welche die anderen Darmkeime abtöten. Aber wie gesagt, das Antibiotikum kann man dann noch absetzen, den Phagen nicht.
Ein paar Keime gibt es, die auf gesunden Schleimhäuten nicht vorkommen (z.B: Tuberkulose). Für andere Spezies (Tiere) sind die Keime aber vielleicht (?) notwendig zum Überleben, und wenn sich dann der selbstreplizierende Phage von diesem Mensch dann auf diese Spezies überträgt...
Du siehst, wir können nicht ohne Bakterien. Keine gute Idee, sie auszulöschen. Antibiotika tun dies nicht, sie drängen sie nur vorübergehend zurück, wenn sie im Körper zu invasiv werden.
Also, gute Idee, aber Du siehst, da gibts recht viele Probleme, die letztendlich kaum zu lösen sind.
Grüßle,
Oliver