Frage an Röntgenarzt

Guten Tag,

ein Angehöriger, 80 Jahre alt war zur Computertomografie.
Die Computertomografie wurde gemacht, weil er mehrmals die Ecke vom Garagentor auf den Kopf bekommen hatte und über Kopfschmerzen klagte.

Man gab ihm die Fotos und einen Kurzbefund mit und sagte, der Hausarzt würde den Befund besprechen.
Ich habe in den Umschlag geguckt, weil ich mir schon länger Sorgen um seine geistige Gesundheit mache und wir eine Veränderung des Charakters und auch in seinem Verhalten bemerkt haben.
Folgende Begriffe wurden im Kurzbrief genannt um deren Übersetzung ich hier bitte.
Ausgeprägte Mikroangiopathien
Kortexvolumen erheblich verringert
Der Hausarzt hat angeblich gesagt es ist alles in Ordnung.
Wir bemerken aber, dass der Angehörige oft durcheinander ist, sehr nervös und ängstlich ist und viele Dinge vergisst und manchmal Dinge erlebt zu haben glaubt, die ganz sicher nicht stattgefunden haben.

Eine Untersuchung beim Nervenarzt lehnt er ab und auch unsere Begleitung zum Hausarzt.

Kann mir hier jemand mit einer verständlichen Erklärung und einem Rat helfen?

Danke
sagt der Wackelpudding

Moin, Wackelpudding,

Ausgeprägte Mikroangiopathien

die kleinen Blutgefäße verstopfen langsam.

Kortexvolumen erheblich verringert

Das Gehirn schrumpft.

Der Hausarzt hat angeblich gesagt es ist alles in Ordnung.

Er hat beinahe recht. Altersbedingt tritt so etwas auf und heißt dann Demenz, anders gesagt, die Hirnleistung lässt nach. Mit dem Anstoßen am Garagentor (mehrmals?!?) hat das aber nichts zu tun.

Wir bemerken aber, dass der Angehörige oft durcheinander ist,
sehr nervös und ängstlich ist und viele Dinge vergisst und
manchmal Dinge erlebt zu haben glaubt, die ganz sicher nicht
stattgefunden haben.

Dann geht zur Beratung. Er merkt jetzt noch, dass sich etwas ändert, weiß aber nicht, was, und das macht Angst.

Demenz ist nicht heilbar, die Angehörigen müssen lernen, dem Patienten das Leiden so erträglich wie möglich zu machen. Ohne Schulung führt das leicht zum Horror für alle Beteiligten.

Eine Untersuchung beim Nervenarzt lehnt er ab und auch unsere
Begleitung zum Hausarzt.

Man kann die Begleiterscheinungen wie Unruhe und Angstzustände mildern. Sprecht mit ihm, solange es noch geht - wenn es ihm mal wurscht ist, wer ihn anschaut, wird das Leben wieder leichter, aber bis dahin will er überzeugt werden.

Gruß Ralf

Das ist einmal das Schrumpfen der Großhirnrinde (Cortex) und das andere mal „Erkrankungen der kleinsten Gefäße“ im Gehirn, genauer: Es kommt zum Verstopfen der kleinsten Blutgefäße im Gehirn.
Das bedeutet, dass kleine Bereiche im Gehirn nicht oder nicht ausreichend mit Blut versorgt werden.

„Alles in Ordnung“? - Nein, in Ordnung ist das nicht, aber durchaus alterstypisch. Gibt es Risikofaktoren wie Diabtes, Bluthochdruck oder Rauchen? Da müsste man gegen angehen. Eine Heilung gibt es nicht, aber ein Verzögern des Fortschritts der Erkrankung.
Die jetzt beginnende Demenz wird sich wohl leider verschlechtern.

Das ist jetzt natürlich ein Schock - aber es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige von Demenzkranken, die Euch und dem Betroffenen helfen werden, damit umzugehen.

Lieber Xstrom und drambeldier,

vielen Dank für Eure Antworten, nun verstehe ich das besser.

Der Hausarzt sagte, es liegt ein ganz leicht erhöhter Zuckerwert vor, muss aber nicht behandelt werden, und wegen auch leicht erhöhtem Blutdruck bekommt er Tabletten.
Mit Demenz haben wir bereits Erfahrung, Schwiegermutter leidet darunter und wir natürlich auch.
Das Schwierige ist, dass er sich weigert einen Facharzt aufzusuchen. Dann könnte man sicher feststellen wie stark die Merkfähigkeit eingeschränkt ist und ihm vielleicht wegen der Ängste mit Tabletten helfen.
Er mag auch schon länger nicht mehr unter Menschen gehen, sagt er ist gern allein. Eigentlich sitzt er aber nur vor dem Fernseher.
Es ist alles ziemlich schwierig.

Grüße und Danke sagt
der Wackelpudding

antwort von krankenschwester :o)

hey wackelpudding,
das verhalten läßt mich sofort an DEMENZ denken! vorallem, dass der mann ängstlich+nervös ist, läßt darauf schließen, dass er (noch) mitbekommt das etwas mit ihm nicht stimmt. kannst du noch weitere symptome feststellen? wie vergesslichkleit, verlust des kurzzeitgedächnis, wortfindungsstörungen, motorische schwierigkeiten, gewichtsabnahme, störung des tag-nacht-rhytmus, unruhe, zeitliche,örtliche orientierungsschwierigkeiten…

in frühstadien kann man medikamente nehmen (antidementiva: memantine, cholinesterasehemmer, ginko, kupfer…). es ist sehr wichtig diese medikamente von anfang an der krankheit zu nehmen, danach ist es zu spät! die medikamente könnten den krankheitsprozess verlangsamen, aber nicht komplett aufhalten. zum nervenarzt würde ich auch nicht wollen, eher zum neurologen, ich bin ja nicht verrückt ;] schade, dass der hausarzt nicht unternimmt…
demenz kann mit einfachen kognitiven tests festgestellt werden =mini-mental status. oder guckst du hier: http://www.die-forschenden-pharma-unternehmen.de/ges…

ein weiters problem ist außerdem, dass die patienten sich immer mehr zurück ziehen (hobbys nicht mehr ausüben, wichtige angelegenheiten den kinder übertragen, ausreden für dinge, die sonst immer spaß gemacht haben…). das verhalten fördert das fortschreiten der demenz, besser wäre natürlich denksport und auch etwas körperliche bewegung.

nun denn trotzdem viel glück!

Hi,

zum nervenarzt würde ich auch nicht wollen, eher zum neurologen, ich :bin ja nicht verrückt ;]

Du gehst bestimmt auch lieber zum Gynäkologen statt zum Frauenarzt? :wink:)

Ne, mal ernsthaft: Unterscheiden sich Nervenarzt und Neurologe irgendwie?

Danke und Gruß
D.

hey,
ich gehe auf jeden fall lieber zum frauenarzt als zum höhlenforscher %-) nee spaß bei seite, ich finde immer wenn man „nervenarzt“, „irrenarzt“, „psychodoc“ oder ebensolche ähnlichen sachen sagt, ist man schon immer so abgestempelt und will da erst recht nicht hin. hast recht, neurologe= facharzt für erkrankungen des nervensystems.
lieber gruß

Nervenarzt Neurologe Unterschied
Der Nervenarzt wird nicht mehr „vergeben“. Nervenärzte sind Ärzte für Neurologie und Psychiatrie, als die beiden Fächer noch zusammengehörten. Mittlerweile kümmert sich der Neurologe um Krankheiten des Nervensystems, der Psychiater um die seelischen Erkrankungen. Überschneidungen gibt es dennoch.

pp

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der Psychiater um die
seelischen Erkrankungen. Überschneidungen gibt es dennoch.

Servus pp,

eine dieser Überschneidungen ist häufig der Patient :wink:

Gruß

Kai

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Hi,

würde auch sagen dass das nach Demenz klingt.
ABER man muss unbedingt abklären um welche Art es sich handelt.
Die Mikroangiopathien sprechen für eine Multiinfarktdemenz und die kann behandelbar sein!
Es handelt sich hier um Durchblutungsstörungen und nicht wie bei der Alzheimerdemenz eine Erkrankung der Nervenzellen selber.
Aber egal welche Art von Demenz vorliegt ist es wichtig so früh wie möglich zu therapieren. Die Medikamente zur Behandlung der Alzheimerdemenz wirken am besten im frühen Stadium der Krankheit.

Leider gibt es Ärzte denen bei der Diagnose „Demenz“ der Kuli aus der Hand fällt…
Versucht ihn dazu zu bringen einen Neurologen aufzusuchen…das Fortschreiten der Krankheit kann hinausgezögert werden.
Eine gute Informationsquelle zum Thema Demenz
http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html

viele Grüße
Susanne

wir waren beim Hausarzt
Guten Tag,

nachdem ihr mir hier so gute Tips gegeben habt war ich beim Hausarzt des Verwandten und habe erzählt, was wir schon länger bemerken.
Es scheint so als wenn er sich bei den Terminen in der Praxis immer sehr zusammenreisst und dort nicht den Eindruck macht, als sei er durcheinander. Aber eine Veränderung im Wesen hat auch der Hausarzt bemerkt. Nun will der verstärkt darauf achten und ihm vielleicht auch ein Mittel wegen der Depression aufschreiben und versuchen ihn zu einem Nervenfacharzt zu schicken.

Nochmal allen danke für die Antworten
der Wackelpudding

Hallo Klugscheisser!

Du liegst falsch! Man kann heute immer noch Nervenarzt werden. Im Sinne der Übergangslösung ist das bis 2011 möglich!
Erst nachdenken dann klugscheissen!

Anja :wink:

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