Bei mir wurde vor einer Woche ein Leistenbruch festgestellt. Bis auf eine ganz kleine Delle, die ab und zu zu sehen ist, habe ich außer gelegentliche Berührungsempfindlichkeit keine Probleme. Seit mir der Chirurg am Hoden herumdrückte, tun diese manchmal etwas weh. Der Chirurg empfahl mir, den Bruch innerhalb des nächsten halben Jahres operieren zu lassen. Er riet zu der herkömmlichen Methode mit Aufschneiden und Vernähen. Da ich die Entscheidung über die Methode aber selbst treffen soll, habe ich mich erstmal im Internet belesen und bin nun wesentlich ängstlicher und verunsicherter als zuvor. Ich neige schon dazu, mich gedanklich von meinem bisherigen angenehmen Leben zu verabschieden, da vielfach von Komplikationen und Schmerzen auch Monate bzw. Jahre nach der OP berichtet wird. Ein kürzlich erschienener Bericht des NDR schreibt, dass sich nur ein drittel aller weltweiten Chirurgen überhaupt die Mühe machen, während der Leistenbruch-OP die gefährdeten Nerven und Blutgefäße zu suchen. Daher leider jeder zehnte Patient hinterher an Schmerzen in dieser Region. Weiterhin heißt es, die Chirurgen würden nun umdenken. Eine Studie soll zeigen, welche OP-Technik dies möglichst verhindern kann. Da der Bericht vom Juni 2009 ist, muss ich vielleicht damit rechnen, an einen Chirurgen zu geraten, der dies noch nicht beherzigt.
… Nun möchte ich fragen, ob ich das alles vielleicht aus der Angst heraus zu negativ betrachte ? Sind die Lichtblicke vielleicht doch zahlreicher als ich befürchte ? Welche Erfahrungen habt ihr ? Kann mir jemand einen Tipp oder Rat geben, den richten Weg zur finden?
Ich danke Ihnen!
Guten Tag
Kann deine Angst sehr gut verstehen. Da du kein Profi in Sachen Medizin bist, kommt es leicht zu Verunsicherungen. Auch in meiner Familie fällt es mir oft auf, dass sich viele Gedanken gemacht werden wenn es um Medizinische Dinge geht. Es gibt leider auch viele Schauermärchen die einem hier und dort zu Ohren kommen. Es ist nichts so heiß wie es gegessen wird.
Kann dir also nur empfehlen, dich schlau zu machen. Erkundige dich über das durchführende Krankenhaus. Lass dir vom Chirurgen die verschiedenen OP- Methoden erklären. Schau dir den veröffentlichten Qualitätsbericht des Krankenhauses an.(Findest du auf deren HO oder hier http://www.kliniken.de/kliniksuche/kliniken.jsp ) Dort findest du Infos dazu wie oft diese OP jedes Jahr durchgeführt wird und wie oft welche Komplikationen in diesem Krankenhaus aufgetreten sind. Da es bei dir nicht so akut ist, nutze dir Zeit um dich zu Informieren. Drücke dir die Daumen und hoffe, dass dir die Angst genommen wird.
Hi,
rein zufällig arbeite ich in einem Hernienzentrum. Wir haben täglich bruchoperationen.
Grundsätzlich muss man sagen dass brüche individuell operiert werden sollten. D.h. dein arzt rät sir zu dem verfahren, das für dich am geeignetsten scheint.
Prinzipiell gibt es zwei methoden. Die offene und die laparoskopische (mittels bauchspiegelung).
Tatsächlich gibt es bei der offenen methode einen gewissen grad an patienten, die danach schmerzen haben, weil der betreffende nerv durch narbenbildung in diesem breich gereizt wird. I.d.R wird der nerv dargestellt und geschont. Er ist nicht so wahnsinnig wichtig, versorgt aber sensibel die haut der leistenregion. Dennoch versucht man ihn zu schonen und nimmt eben die 10%ige möglichkeit der schmerzen in kauf. Sollte es aber offensichtlich sein, dass der patient schmerzen hat, kann man den nerv schon in der OP „stillegen“. Erkauft dies aber eben durch geringe sensibilitätsausfälle.
Sollte man schmerzen haben lässt sich dieser schritt in einer weiteren kleinen op nachholen.
Insgesamt machst du dich selbst verrückt, da du etwas zu schwarzmalst.
Ein bruch ist ein bruch und gehört operiert.
Man sollte auch bedenken, dass auch 10% mittel- bis langfristig zu einem rezidiv tendieren. Dennoch, mach dich nicht verrückt und such dir einen guten chirurgen auf dem gebiet, den du aber wahrscheinlich in jedem krankenhaus finden wirst, da leistenbrüche in der chirurgie tägliches geschäft sind.
Lg Alex:smile: