Das Grundsätzliche
Hi Chris,
wenn ich dich mit meinem Posting persönlich gekränkt haben sollte, dann tut es mir Leid. Aber dir als Arzt sollte klar eigentlich klar sein, dass das nicht mein Interesse war.
Nuja, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen resp.
Erfahrungen hast,
Das habe ich unten beschrieben.
aber zur Ausbildung eines jeden Mediziners
gehört auch der Umgang mit Depressionen.
Aber nicht jeder Mediziner - ich möchte behaupten, dass es die wenigsten sind - kümmert sich wirklich um diese Sparte.
Es stehen Vorlesungen
zur medizin. Psychologie und zur Psychiatrie auf dem
Stundenplan. Es dürfen sogar 1,5 Jahre Psychiatrie auf die
Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin angerechnet
werden. Deshalb würde ich in diesem Bezug nicht vom Feld-
Wald- und Wiesen… sprechen.
Das ist gar kein Vorwurf gewesen - auch wenn du das so verstehst. Spezialisierung ist eben Spezialisierung. Mehr habe ich nicht gesagt. Und meine Erfahrungen mit Allgemeinmedizinern … naja, ich bleibe höflich und schweige.
Du mußt die Gefahr schon benennen, bevor Du so laut
lospolterst, Philosoph! Sonst läufst Du Gefahr selbst nicht
ernst genommen zu werden, aber in Sachen Argumentation
solltest Du Dich ja eigentlich besser auskennen (sind da
solche platte & hohle Formulierungen nötig?).
Erster Irrtum: Ich habe die Gefahr benannt.
Zweiter Irrtum: Du hast meine Antwort (auch) nicht richtig gelesen.
Dritter Irrtum: Nur weil jemand eine andere Ausbildung hat und pro forma Laie ist, muss er noch lange nicht nichts von der Materie verstehen (was ich aber auch gar nicht behauptet habe).
Vierter Irrtum: Ich habe weder losgepoltert, noch platte und hohle Formulierungen benutzt, sondern ich habe eine ernsthafte Sorge vorgetragen.
Den Rest schenke ich mir und setze dort wieder ein, wo du ernst sein möchtest.
Jetzt mal im Ernst: ich habe diesen Link gesetzt, weil Bert
imho sich scheinbar nicht sicher ist/war, ob er sich mit
seiner schlechten Laune nicht irgendwo Hilfe holen kann.
Das impliziert für mich, daß Bert einerseits einem gewissen
Leidensdruck ausgesetzt ist, andererseits scheint er soweit
stabil und introspektionsfähig, aus eigener Kraft nach
Alternativen zu suchen. Mit schwerer Depression isses wohl
also nicht sehr weit her (wohl aber, wie gesagt, mit
Leidensdruck), deshalb scheint es mir angebracht,
Hilfestellung zur eigenen Orientierung zu geben. Nicht mehr
und nicht weniger wollte ich damit tun und das habe ich auch
deutlich zum Ausdruck gebracht.
Du unterschätzt die Tatsache, dass sich viele Menschen gewisse Dinge auch einreden können.
Weiterhin sollte sich jeder, der eine Frage an dieses Brett
stellt, im Klaren darüber sein, daß man hier keine
allgemeingültigen Antworten erwarten darf, resp. daß es den
Haus- oder Facharzt bzw. Heilpraktiker oder sonstwen, der
professionell medizinische Hilfe zu leisten imstande ist,
ersetzen kann. Wohl aber kann es Hilfe zur Selbsthilfe geben.
Natürlich. Aber solch ein Link ist eben keine Hilfe, sondern allenfalls ein Spass - im besten Fall. Es ist mitnichten der Fall, dass man immer davon ausgehen kann, dass jeder weiß, wohin er sich wenden muss und was ihn dort erwartet. Warum gehen denn so viele Leute zu Kurpfuschern? (Damit sind jetzt nicht die Ärzte gemeint!)
Ich halte es deshalb für erstrebenswert, daß jemand, der
Fragen hat, möglichst umfassend und unvoreingenommen
informiert wird. Bert hat nicht gefragt: „Wie bringe ich mich
am besten um?“ - dann ist es in der Tat gefährlich,
entsprechende Links zu setzen.
Ferndiagnosen gehören zu den gefährlichsten Dingen in der Medizin. Das ist Stoff des 1. Semesters. Du bist sicher schon weiter.
)) (Ich gebe zu, das war böse, aber du lässt mir keine Wahl - sorry!) Fazit: Je mehr Ferndiagnose - desto mehr Vorsicht ist angebracht. Daran hälst du dich anscheinend nicht.
Bert will sein Problemlösung
durch Information finden (s. Psychologielehrbuch, Stichwort
„Coping“)
Nicht jede Psychologie ist eine gute Psychologie. Und auch nicht jede Psychologie sollte vertreten werden - etwa nur weil sie in einem Lehrbuch steht. Oder arbeitest du mit Akupunktur, weil darüber etwas in irgendeinem medizinischen Lehrbuch steht? Oder mit Hypnose? Und ob Bert eine Problemlösung mit Hilfe dieses Links erhält, halte ich für mehr als zweifelhaft.
und ich lasse mir von niemand erzählen, daß es
Sch… ist, ihm dabei zu helfen.
Das habe ich auch nicht behauptet. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Aber ich halte dir zugute, dass du dich in deiner medizinischen Ehre gekränkt fühlst und deshalb ein bisschen aggressiver reagierst, als es eigentlich angebracht wäre.
Ich finde, es ist schon etwas merkwürdig, dass du meine Sorge, die ich - wie ich meine - überhaupt nicht aggressiv vorgetragen habe und die für berechtigt halte, als Angriff auf deine Person wertest. Das spricht eher dafür, dass es dir gar nicht um die Sache, sondern um etwas anderes geht. Ich kenne das: Wenn man bestimmte Mediziner kritisiert, dann ist das einzige wirkliche Argument dasjenige, dass sie ihre Sache ja schließlich studiert haben - und dann haben solche minderwertigen Kreaturen wie Philosophen ja nichts mehr zu melden. Das ist der falsche Weg.
Wenigstens sind wir uns darin einig, dass man ihm helfen sollte. Das ist doch auch schon was.
Um weniger Aggressivität und ein wenig mehr Sachlichkeit in der Diskussion bittend schließe ich jetzt und gehe zu Bett.
Herzliche Grüße von einem Nicht-Mediziner, der nicht behauptet, Mediziner zu sein, der aber auch davon überzeugt ist, dass nicht alle Mediziner schon im Studium die Weisheit mit Löffeln zu sich nehmen.
Thomas Miller