'Sprachverstehstörung'

Hallo Experten,

in den letzten Wochen tritt bei mir vermehrt ein etwas lästiges Problem auf: Ich verstehe meinen Gesprächspartner nicht mehr! Wohlgemerkt: Mein Gehör wurde vor 2 Monaten getestet und ist sogar besser als normal.

Was passiert ist Folgendes: Plötzlich gehen die Worte des Gesprächspartners in einer Wolke von Umgebungsgeräuschen unter. Ich verstehe kein Wort mehr! (Das hat auch nichts damit zu tun, dass mir die Schwiegermutter vom letzten Kaffeekränzchen erzählen will oder so).

Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als den Gesprächspartner um Wiederholung zu bitten, konzentriert auf die Lippen zu schauen und Umgebungsgeräusche mit den Händen an der Ohren abzuschirmen. Dass sieht bescheuert aus!

Nach kurzer Zeit bessert sich das wieder und ich höre wieder normal.

Was das denn? Stress?

Gruß
Stefan

Hallo Stefan,

begleiten Dich dabei irgendwelche Innenohrgeräusche (im Fachschwätz Tinnitus genannt)?

Wenn ja, dann schleunigst zum HNO-Arzt, der sollte eine entsprechende Terapie beginnen, wenns denn dann nicht zu spät ist.

Wenn nein, kann es ein sog. Ableitungsproblem sein, was bedeutet, daß Dein Hörnerv die Signale nicht ordentlich weiterleitet. Was ich allerdings am ehesten vermute (das wäre allerdings die übelste Variante) ist, daß die „Übergabe“ der Signale ins oder weitere Verarbeitung der Signale im Gehirn nicht ordentlich funktionieren. Um das abzuprüfen macht Dein HNO ein Art EEG um zu sehen ob und wenn ja wie gut der Hörnerv arbeitet. Ist das OK ist ein Gang zum Neurologen angesagt, der testet, ob Dein Hirn die Signale vernünftig verarbeitet (das Übel dabei ist, daß rel. einfache Geräusche wie das Piepen bei der Prüfung der Hörschwelle gut verarbeitet werden, komplexere wie Sprache zu einem Brei verschwimmen). Aber so was ist sehr aufwendig und viele Kassen zahlen das nicht. Zudem ist ein solcher Schaden nicht therapierbar, leider weiß ich wovon ich spreche, weil ich schwerhörig bin, einen Tinnitus habe und zudem besagte Probleme mit der Signalverarbeitung habe.

Aber hoffen wir daß es nicht so schlimm ist, so was ist nicht sehr häufig.

Viel Glück

Andreas

Als Schwerhöriger und Tinnitusbetroffener kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Hörtests oft mit Vorsicht zu genießen sind. Ich z.B. habe Schwierigkeiten, die eingespielten Töne von meinem Tinnitus zu unterscheiden. Das führt dann dazu, dass die Hörtests oft nicht so aussagekräftig sind, wie sie eigentlich sein könnten. Falls Du zum Zeitpunkt des Hörtests Ohrgeräusche gehabt haben solltest, solltest Du noch mal einen anderen zur Kontrolle machen lassen. Denn es ist durchaus möglich, dass es sich bei Deinem Problem um eine Schwerhörigkeit handelt, die wegen des Tinnitus nicht aufgefallen ist. Aber solange das Hören selbst (nicht zu verwechseln mit dem Verstehen) noch gut funktioniert würde ich nicht in Panik geraten. Das kann man ganz gut ausgleichen.

Viele Grüße!

Christoph

Kein Tinnitus, gutes Gehör
Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für die Antworten.

Also: Tinnitus habe und hatte ich (Gott sei Dank) noch nie. Ich hatte zwar mal dumpfe Geräusche im Ohr, dass war aber nur ein Ohrschmalz-Pfropf.

Mein Gehör ist nicht nur im Labor überdurchschnittlich, sondern auch in der „Praxis“: Ich höre z.B. herankommende Fahrzeuge immer bevor es andere tun. (Liegt vielleicht daran, dass ich nie in meinem Leben in einer Disco war?! :smile:)

Das Problem mit dem Sprachverstehen ist auch nicht, dass die Sprache so leise ist, sondern das alles andere so laut ist. Das klingt dann wie bei einem Radio, bei dem man mindestens 10 Sender gleichzeitig hört.

Ich habe aber inzwischen mal selber etwas im I-Net geforscht. Es gibt dafür wohl den Fachausdruck(?) „Cocktail-Party-Effekt“.

Gruß
Stefan

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