Das Beispiel Lipobay

Hallo Mediziner!

Warum lese ich hier nichts über diese Medizinerkatastrohe? Ich sage bewußt nicht Medizinkatastrophe; denn im Waschzettel des Medikaments steht der Hinweis auf Unverträglichkeiten und Wechselwirkungen drin. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie besser nicht Ihren Arzt und/oder Apotheker? Wen denn?

Wie sorgfältig sind unsere Mediziner noch? Sind die Kassen mit ihren 15-min-Beratungsdeckelungen schuld? Sollte man doch als Patient die alleinseligmachende Wirkung von Pharmaka in Frage stellen? Oder sollte man jede Pille schlucken?

Ich freue mich auf kritische Anmerkungen.
Richard

Hallo Richard,

Wie sorgfältig sind unsere Mediziner noch? Sind die Kassen mit
ihren 15-min-Beratungsdeckelungen schuld?

Was wäre der Effekt einer besseren Beratung? Die Beratung schützt ja nun leider nicht vor Rhabdomyolyse. Ebensowenig wie der Beipackzettel. Da steht die Nebenwirkung übrigens schon seit Jahr und Tag drin. Im Prinzip ist das kalter Kaffee. Genauso als würde man willkürlich irgendeines der vielen Verhütungspillenpräparate wegen Thrombosegefahr sperren.

15 Minuten pro Patient ist übrigens Luxus!

Sollte man doch als Patient die alleinseligmachende Wirkung
von Pharmaka in Frage stellen? Oder sollte man jede Pille
schlucken?

Eine medikamentöse Therapie ist dann indiziert, wenn der Nutzen die Riskiken überwiegt. Ob dies im jeweiligen Fall trifft, solltest Du Deinen Arzt auch ruhig fragen. Natürlich wird er die Frage bejahen, sonst wöllte er Dir das Mittel schließlich nicht verschreiben.

Was Lipobay betrifft: Es hat in den vergangenen Jahren einige zehntausend Menschenleben gerettet. Da sind, auch wenn es euphemistisch klingt, zwanzig Nebenwirkungstode tolerabel. Es ist, auch von einem ethischen Gesichtspunkt her, nicht akzeptabel, wegen jenen Toten zehntausende von Menschen dem Herzinfarkt anheim fallen zu lassen.

Glücklicherweise gibt es Konkurrenzprodukte, die ähnliches leisten können. Sie haben aber auch ähnliche Nebenwirkungen. Das Verbot bringt nichts - es wird in Zukunft genausoviele Rhabdomyolysen geben wie vorher.

Wenn man sich überlegt, wieviele Patienten diese Tage zu ihrem Arzt fahren, um ein neues Medikament zu holen, dann übersteigt die Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle und psychischem Streß aus Nebenwirkungsangst wohl die Zahl aller bisherigen Nebenwirkungstoten um einiges.

Oliver

Was Lipobay betrifft: Es hat in den vergangenen Jahren einige
zehntausend Menschenleben gerettet. Da sind, auch wenn es
euphemistisch klingt, zwanzig Nebenwirkungstode tolerabel. Es
ist, auch von einem ethischen Gesichtspunkt her, nicht
akzeptabel, wegen jenen Toten zehntausende von Menschen dem
Herzinfarkt anheim fallen zu lassen.

Hallo Oliver,

Wie kommst du darauf, dass Medikamente wie Lipobay oder andere
Cholesterinsenker einige zehntausende Menschnleben gerettet haben sollen. Glaubst du etwa auch noch an die Geschichte vom
bösen Cholesterin als Hauptrisikofaktor für den Herzinfarkt?

Crotalus

Hallo Crotalus,

Wie kommst du darauf, dass Medikamente wie Lipobay oder andere
Cholesterinsenker einige zehntausende Menschnleben gerettet
haben sollen. Glaubst du etwa auch noch an die Geschichte vom
bösen Cholesterin als Hauptrisikofaktor für den Herzinfarkt?

Man hat beobachtet, daß Patienten mit hohem Cholesterinspiegel wesentlich häufiger an Arteriosklerose erkranken als andere. Das ist zunächst mal nur eine Assoziation, die nichts darüber aussagt, ob das Cholesterin Ursache oder Folge der Arteriosklerose ist. Ähnliche Assoziationen bestehen (mehr oder minder stark) mit Bluthochdruck, Diabetes, Nikotin, Infektionen der Gefäßwand mit bestimmten Erregern, und Erkrankungen wie Lupus und Homocysteinurie.

Die Assoziation mit Cholesterin ist dabei besonders stark. Dies wurde in einer der umfangreichsten Prospektivstudien der Medizingeschichte (sog. „Framingham-Studie“, O’Leary, 1999, s.u.) eindrucksvoll belegt.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob das Cholesterin Ursache oder Wirkung ist. Wäre sie Ursache, so würde man erwarten, daß die Senkung des Cholesterinspiegels Arteriosklerose verhindern müßte. Studien diesbezüglich gibt es (Bjelajac 1996). Sie zeigen sogar eine Besserung einer bereits bestehenden Arteriosklerose gerade unter der Cholesterinsenkung durch Reduktasehemmer, von denen wiederum Cerivastatin der effektivste war.

So, nun Du: Warum meinst Du, Cerivastatin hätte keine Leben gerettet?

Oliver


O’Leary DH; Anderson KM; Wolf PA; Evans JC; Poehlman HW: Cholesterol and carotid atherosclerosis in older persons: the Framingham Study. Ann Epidemiol 1992 Jan-Mar;2(1-2):147-53

We studied the relationship between extracranial carotid atherosclerosis as measured by high-resolution carotid sonography and serum total cholesterol and high-density-lipoprotein cholesterol (HDL-C) levels which were determined at the time of carotid sonography and 8 years previously in 1189 members of the Framingham cohort, aged 66 to 93 years. Among participants, no carotid disease was found in 30%; 1 to 49% stenosis, in 62%; 50 to 74% stenosis, in 5%; 75 to 99% stenosis, in 2%; and 100% stenosis, in 1%. Total cholesterol measured 8 years prior to the carotid examination showed a strong positive association with the occurrence of stenosis in both men and women. There was no association between concurrently measured cholesterol levels and stenosis for either men or women. For women there was a strong association between both the 8-year HDL-C level and the concurrently measured HDL-C level and the degree of carotid stenosis. For men, neither concurrent nor 8-year HDL-C measurements were significantly related to carotid stenosis. These results suggest that there is a time lag between the observation of an elevated cholesterol level and its expression as an increased degree of carotid atherosclerosis.


Bjelajac A; Goo AK; Weart CW: Prevention and regression of atherosclerosis: effects of HMG-CoA reductase inhibitors. Ann Pharmacother 1996 Nov;30(11):1304-15

OBJECTIVE: To review the current literature on the effects of hydroxymethylglutaryl-coenzyme A (HMG-CoA) reductase inhibitors in secondary prevention and regression of atherosclerosis. DATA SOURCES: A MEDLINE and journal search of recent studies evaluating the effects of lipid lowering with HMG-CoA reductase inhibitors on serum cholesterol as well as progression and regression of atherosclerotic coronary or carotid disease in patients with established atherosclerotic disease was conducted. Articles addressing the pathophysiology of atherosclerotic disease were identified by using the same sources. STUDY SELECTION: All available studies evaluating the use of HMG-CoA reductase inhibitors in the progression and regression of coronary and carotid atherosclerosis were reviewed. DATA SYNTHESIS: Lowering of total serum cholesterol, low-density lipoprotein cholesterol, and triglycerides, as well as increasing high-density lipoprotein cholesterol can be achieved with HMG-CoA reductase inhibitors. Aggressive lipid lowering has been demonstrated to alter progression of established atherosclerotic disease and, in some patients, actually induce regression of the atheroma. An unexpected finding of several trials was the early and significant reduction in clinical cardiac events. Other mechanisms by which clinical event reduction may be explained include plaque stabilization and restoration of endothelium vasodilation. CONCLUSIONS: Aggressive lipid-lowering therapy using HMG-CoA reductase inhibitors appears to alter the natural progression and promote regression of atherosclerosis in selected patients with established coronary or carotid atherosclerosis. However, it is unlikely that regression of atherosclerosis alone is responsible for the marked reduction in clinical cardiac events seen in these trials.

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Es lebe Medline
Sternchen, Olli.

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gekonnt geklaut ist besser als dumm gestorben ot

Gewissen oder Geld?
Hallo Oliver,

Bayer hat ja das Medikament freiwillig vom Markt genommen, es gab kein Verbot. Ein Konzern wie Bayer tut das schon sehr ungern, nicht nur der Aktionäre wegen oder der 6 Toten in Deutschland schon lange nicht. Als Insider kennen sie die medizinischen Gepflogenheiten unseres Gesundheitssystems ohnehin. Mit Gewissen hat das offenbar wenig zu tun.

Aber was ist mit den 30 Toten in USA? Wie teuer können die werden mit dem US-Rechtssystem, wo ganz andere Schadensersatzforderungen möglich sind wie bei uns? Bayer kann rechnen, das steht fest: 30 + X mal 1-100 Millionen US-Dollar = Finanzkrise, und die Anwälte verdienen auch noch kräftig mit, ganz zu schweigen von dem Immageverlust und der werblichen Irradiation auf andere Bayerprodukte.
Solche Überlegungen (und die jetzt folgende Entlassungswelle) haben wohl weniger mit Gewissensbissen wegen der Toten zu tun als mit Profitängsten.

Was wäre der Effekt einer besseren Beratung? Die Beratung
schützt ja nun leider nicht vor Rhabdomyolyse. Ebensowenig wie
der Beipackzettel. Da steht die Nebenwirkung übrigens schon
seit Jahr und Tag drin. Im Prinzip ist das kalter Kaffee.

Oha, Beratung ist kalter Kaffee? Die Beratung sollte auf die Wechselwirkung zu anderen Mitteln u.a. hinweisen. Die Kassen können ein Lied davon singen, wie häufig gerade gelangweilte Hausfrauen andere Praxen aufsuchen und die vorherige Medikamentation verschweigen. Dann weiß der Arzt A nicht von dem Kollegen B und prompt passiert’s: mit Beratung wäre das nicht passiert.

Genauso als würde man willkürlich irgendeines der vielen
Verhütungspillenpräparate wegen Thrombosegefahr sperren.

Mir ging es um die Wechselwirkung mit anderen Präparaten (s.o.)

Was Lipobay betrifft: Es hat in den vergangenen Jahren einige
zehntausend Menschenleben gerettet. Da sind, auch wenn es
euphemistisch klingt, zwanzig Nebenwirkungstode tolerabel. Es
ist, auch von einem ethischen Gesichtspunkt her, nicht
akzeptabel, wegen jenen Toten zehntausende von Menschen dem
Herzinfarkt anheim fallen zu lassen.

Naja, Du bist wohl Mediziner, aber kein Prophet, oder?

Glücklicherweise gibt es Konkurrenzprodukte, die ähnliches
leisten können. Sie haben aber auch ähnliche Nebenwirkungen.
Das Verbot bringt nichts - es wird in Zukunft genausoviele
Rhabdomyolysen geben wie vorher.

Ein Medikament wird in dem Fall wohl auch nicht heilen, sondern eher lindern können. Da sollten die pillengläubigen Mediziner auch mal andere Aspekte in Erwägung ziehen, wie z.B. eine Ernährungsumstellung. Aber das wäre ja leider Medizin ohne Rezeptblock.

Wenn man sich überlegt, wieviele Patienten diese Tage zu ihrem
Arzt fahren, um ein neues Medikament zu holen, dann übersteigt
die Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle und psychischem Streß
aus Nebenwirkungsangst wohl die Zahl aller bisherigen
Nebenwirkungstoten um einiges.

Sehr schöner Denkansatz: In Künfte werde ich mir überlegen, einen Arzt aufzusuchen, ich könnte ja durch einen Verkehrsunfall noch viel kranker (oder gar tot) werden. Also helfe ich mir selbst :wink:

Richard

Hallo Richard,

Bayer hat ja das Medikament freiwillig vom Markt genommen, es
gab kein Verbot.

Ja, stimmt natürlich.

Mit Gewissen hat das offenbar wenig zu tun.

Bestimmt nicht. Wie Du sagst: Die hatten Angst um ihr Image. Ich denke aber nicht, daß sie ein schlechtes Gewissen haben brauchen, von wegen daß sie mit einem Medikament Geld gemacht hätten, daß mehr Schaden als Nutzen gehabt hätte. Für schwere Fälle der Hyperlipidämie wäre es auch weiter gut einsetzbar gewesen. Ich weiß nicht, ob ich an Bayers stelle nicht lediglich Warnungen herausgegeben und die Indikation auf besagte Fälle eingeschränkt hätte. Damit wären sie zumindest aus den Schlagzeilen draußen geblieben, sowas passiert nämlich öfters.

Aber was ist mit den 30 Toten in USA? Wie teuer können die
werden mit dem US-Rechtssystem, wo ganz andere
Schadensersatzforderungen möglich sind wie bei uns?

Stimme ich zu, das wird bestimmt teuer. Für McDonalds war es ja auch sehr teuer, als mal eine Frau ihre heiße Schokolade über den Schoß geleckert hatte. Heute steht deswegen „Vorsicht, heiß“ auf den Bechern. Sowas. Eine Schokolade, und dann auch noch heiß. Tststs… *g*

Bezüglich des Arzneimittels standen die zur Diskussion stehenden Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel, die Patienen waren so gesehen aufgeklärt. Wenn den Richtern dies nicht ausreichen sollte, so werden wir in Zukunft für jedes einzelne Medikament eine unterschriebene Einverständniserklärung des Patienten benötigen. Und die Medikamentenentwicklung würde das ganze nicht voranbringen. Das erinnert so ein bißchen an den Staat New York in den frühen 90ern, wo die Leute bei (nun mal in der Natur der Sache liegenden) Geburtszwischenfällen extrem klagewütig waren, auch wenn der Doc gar nichts dafür konnte. Trotzdem wurden die Ärzte regelmäßig schludig gesprochen. Folge dieses kranken Systems: Es gab über Jahre hinweg kaum Gynäkologen, weil die Versicherungsbeiträge absolut unbezahlbar wurden.

Tja. Die Bevölkerung bekommt die Medizin, die sie verdient, sag ich immer :wink:

Solche Überlegungen (und die jetzt folgende Entlassungswelle)
haben wohl weniger mit Gewissensbissen wegen der Toten zu tun
als mit Profitängsten.

Um die zu entlassenden Leute tuts mir am meisten Leid. Ich sehe sie ein Stückweit als Kampagnenopfer gegen ein gar nicht so schlechtes Medikament.

Oha, Beratung ist kalter Kaffee?

Nein. Ich meinte damit die schon längst bekannte Nebenwirkung des Medikaments, nicht die Aufklärung darüber.

Die Beratung sollte auf die Wechselwirkung zu anderen Mitteln
u.a. hinweisen.

Sollte sie natürlich schon. Aber da kommen dann halt verschiedene finanzielle Zwänge ins Spiel.
Tip: Wenn Du meinst, nicht komplett beraten worden zu sein, dann drohe dem Doc damit, daß Du das Medikament nicht nehmen wirst. Das sollte helfen :wink: Aber er wird Dir halt auch nichts anderes erzählen als das, was auf dem Waschzettel steht.

Was Lipobay betrifft: Es hat in den vergangenen Jahren einige
zehntausend Menschenleben gerettet.

Naja, Du bist wohl Mediziner, aber kein Prophet, oder?

Habe weiter unten dargelegt, warum ich das denke. Zehntausend ist übrigens noch sehr moderat geschätzt.

Da sollten die pillengläubigen Mediziner auch mal andere
Aspekte in Erwägung ziehen, wie z.B. eine Ernährungsumstellung.
Aber das wäre ja leider Medizin ohne Rezeptblock.

Ernährungsumstellung ist immer Therapie der ersten Wahl. Steht in so ziemlich allen Lehrbüchern, die ich bisher in der Hand hatte. Da ist übrigens eine Beratung ohne Zweifel sinnvoll. Oder zumindest mal ein Merkblatt o.ä.

Dem Medizinereinkommen schadet ein pillenloser Patient nicht unbedingt, im Gegenteil: Der Cholesterinspiegel muß eher intensiver als sonst überwacht werden. Zudem lebt ein Patient unter Diät meist (gesundheits-)bewußter (bzw., das ist die Voraussetzung für eine Diät), und er geht daher vielleicht öfters zum Arzt als sonst. Soweit ich weiß, gibt es für das Medikamenteverordnen selbst ohnehin kaum Geld (Therapiefreiheit).

Sehr schöner Denkansatz: In Künfte werde ich mir überlegen,
einen Arzt aufzusuchen, ich könnte ja durch einen
Verkehrsunfall noch viel kranker (oder gar tot) werden.

Na, ich hoffe Du wirst zumindest nur dann zum Arzt fahren, wenn es auch Sinn macht, und nicht weil etwa die Medien im Sommerloch wieder Nebenwirkungsangst verbreiten :wink:

Oliver

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Hallo Oliver,

Deine Behauptung, dass Cholesterinsenker tausende von Leben retten, halte ich für eine unbewiesene Behauptung.
Trotz der massenweisen Verordnung dieser Pharmaka nehmen die
Herz und Kreislauferkrankungen eher zu.
Bezüglich der Langzeitwirkung von Lipidsenkern gibt es weltweit sehr viele Studien, die aber nicht alle gleiche Ergebnisse zeigen. Bei starker Senkung des Cholesterinspiegels nimmt in einigen Studien die Sterblichkeit sogar zu. Auch ist aufgefallen,
dass bei pharmakologisch deutlich gesenktem Chol.Spiegel Depressionen und Suizidalität zunehmen. Einige andere Studien zeigen, dass bei Langzeitmedikation nach einer bestimmten Zeit die Sterblichkeit eher wieder zunimmt.
(frag mich jetzt bitte nicht nach den Quellen, die habe ich nicht zur Hand)
Cholesterin in essentiel und die Grenzwerte recht willkürlich.
Arteriosklerose ist bekanntlich multifaktoriell ( Ernährung, Stress, Nikotin, Homocystein etc. etc.) Gefährlich wird Cholesterin auch erst dann, wenn es oxidiert. (Minderversorgung mit Antioxidantien )
Bei extrem hohen Chol.Werten kann ich einen Einsatz von Lipidsenkern gerade noch nachvollziehen; den massenhaften Einsatz bei auch geringer Hyperlipidämie (hat ja fast jeder)
halte ich allerdings für sehr bedenklich. Die Fixierung mancher Ärzte auf den Cholesterinwert (selber erlebt) ist einfach lächerlich und die Cholesterinhysterie dient wohl eher den Aktionären der Pharmaindustrie.
Ich habe also weiterhin sehr starke Zweifel, ob Lipidsenker
Menschenleben retten können.
Die unterschiedlichen Ergebnisse der Studien bestärkten mich auch in meinem Mißtrauen, das ich mittlerweile gegenüber Studien entwickelt habe (oft gefälscht, Orientierung am Interesse der Auftraggeber etc.)
Gerade heute gibt es bei Netdoktor.de eine Nachricht über Fälschungen in der Krebsforschung, die in Göttingen aufgedeckt wurden; solltest du dir mal ansehen.

Crotalus

Hallo Crotalus,

Bezüglich der Langzeitwirkung von Lipidsenkern gibt es
weltweit sehr viele Studien, die aber nicht alle gleiche
Ergebnisse zeigen.

Sie zeigen überwiegend positive Ergebnisse. Zudem: Es gibt zum einen Studien, die durch Hobbydoktoren in zweifelhaften Journals publiziert werden, und zum anderen Publikationen, die eine ganze Heerschar von guten Wissenschaftlern über Jahre hinweg beschäftigt haben. Ich habe nicht zuletzt vor diesem Hintergrund die Framingham-Studie zum einen und einen Review (= Übersichtsartikel über die gesamten bisherigen Forschungsergebnisse, also kein Einzelbericht) zum andern zitiert.

(frag mich jetzt bitte nicht nach den Quellen, die habe ich
nicht zur Hand)

Genau das wäre aber meine nächste Frage gewesen.

Cholesterin in essentiel und die Grenzwerte recht willkürlich.
Arteriosklerose ist bekanntlich multifaktoriell ( Ernährung,
Stress, Nikotin, Homocystein etc. etc.)

Schon. Die Konsequenz daraus ist aber nicht, wie Du es forderst, die Therapie des Cholesterins aufzugeben, sondern die Therapie auf die anderen Ursachen auszudehnen. Wenn eine klinische Studie z.B. die Effektivität von Antioxidantien wie Vitamin E oder von Antibiotikakuren aufzeigt, so werden diese Teil der Standardtherapie werden. Dies aber zusätlich zur Cholseterinsenkung.

Die Fixierung mancher Ärzte auf den Cholesterinwert (selber
erlebt) ist einfach lächerlich und die Cholesterinhysterie
dient wohl eher den Aktionären der Pharmaindustrie.

Krotalus, Krotalus, wie hoch ist Dein Cholesterin? Ich entsinne mich an einen Heilpraktiker mit Harnwegsinfektion, der die Antibiotikatherapie abgebrochen hatte und ein paar Tage später ganz verzweifelt ein Posting ob seines sich verschlechternden Allgemeinzustandes schrieb :wink:)

Ich habe also weiterhin sehr starke Zweifel, ob Lipidsenker
Menschenleben retten können.

Du hast aber nun die besten Beweise, die Du Dir wünschen kannst. Mehr kann ich auch nicht machen.

Gerade heute gibt es bei Netdoktor.de eine Nachricht über
Fälschungen in der Krebsforschung, die in Göttingen aufgedeckt
wurden; solltest du dir mal ansehen.

Da ich das System kenne, weiß ich auch, wie extrem schwierig, gefährlich und zeitaufwendig es ist, Daten zu erfinden. Es geht schneller wenn man das Experiment tatsächlich durchführt. Und schon anhand des zu geringen Rechnungen für Material und Reagenzien fliegt man früher oder später auf.
Wissenschaftler sind Idealisten, die für ein Appel und ein Ei arbeiten. Sie sind nicht daran interessiert, für Geld ihre Ideale zu verkaufen. Sonst hätten sie ja von Anfang an eine gut bezalte Karriere in der Pharmaindustrie angestrebt.

Oliver

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Hallo Crotalus,

Da ich das System kenne, weiß ich auch, wie extrem schwierig,
gefährlich und zeitaufwendig es ist, Daten zu erfinden. Es
geht schneller wenn man das Experiment tatsächlich durchführt.
Und schon anhand des zu geringen Rechnungen für Material und
Reagenzien fliegt man früher oder später auf.
Wissenschaftler sind Idealisten, die für ein Appel und ein Ei
arbeiten. Sie sind nicht daran interessiert, für Geld ihre
Ideale zu verkaufen. Sonst hätten sie ja von Anfang an eine
gut bezalte Karriere in der Pharmaindustrie angestrebt.

Oliver

Hallo Oliver,
da habe ich letztens (genaues Datum und Uhrzeit kann ich Dir leider nicht mehr mitteilen) auf Deutschlandfunk (sowieso meist sehr interessant) einen Bericht über solche Studien gehört, der das Gegenteil von Deinem Argument enthielt. Als Beispiel diente die fragwürdige Wirkung des Lachöls auf die Gesundheit des Herzens. Diese Studie wurde von einem Lachskonzern/ Fabrik oder wie auch immer in Norwegen in Auftrag gegeben und eben auch finanziert, da wohl die Nachfrage an Lachs nachgelassen hatte.
Natürlich ist Lachs nun nicht ungesund, aber der Rest des Ergebnisses wurde hinzugedichtet /„hinzufinanziert“.

Ist zwar keine genaue Angabe, aber so genau weiss ich´s jetzt auch nicht mehr, Fazit war auf jeden Fall, dass bei solchen Studien auch oft gemurkst wird- wer kriegt´s denn schon gross mit, wenn was nicht stimmt, der Placebo-effekt ist ja meist vorhanden, und der Verkauf zählt!

schönen Abend noch,
p.shockscrew

Hallo Schockscrew,

Als Beispiel diente die fragwürdige Wirkung des Lachöls auf die
Gesundheit des Herzens.

Kommt zunächst mal offensichtlich nicht von Schulmedizinern. Gerade die würden sich sinnvollerweise eher mit einem Medikament befassen.

Natürlich ist Lachs nun nicht ungesund, aber der Rest des
Ergebnisses wurde hinzugedichtet /„hinzufinanziert“.

Eben… Da sieht man mal, aus was für einer Ecke so etwas für gewöhnlich kommt.

Das ist letztendlich das, was ich meinte: Studie ist nicht gleich Studie.

Wie stellst Du Dir denn einen Betrug in der Framingham-Studie konkret vor? Die Daten wurden von dutzenden verschiedenen Wissenschaftlern erhoben und langen bei der Auswertung hunderten von Leuten vor. Die müßten sich ja alle mal zusammengesetzt haben, um die Daten zu frisieren. Wenn nur einer nicht dichthält, so würde das ganze auffliegen.

Ähnlich der zweite Artikel: Er hat die gesamte zur Verfügung stehende Literatur ausgewertet, das heißt jeder, der bisher zu dem Thema etwas geschrieben hat, müßte betrogen haben, nur dann wäre der Übersichtsartikel auch falsch. Es sind eher die „Ausscherer“, die betrugsverdächtig sind, und das sind im Falle von Cerivastatin diejenigen Artikel, die von einer negativen Wirkung berichten. Das sind eben jene Artikel im Fischöl-Stil.

Oliver

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Hallo Oliver,

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, im Google die Suchbegriffe
„Medizin Studien Fälschung“ einzugeben.
Es hat selbst mich überrascht, was dann alles erscheint.
Schau dir das doch auch mal an; vielleicht wird dann dein schon fast rührend naiver Glaube an sogenannte wissenschaftliche
Studien etwas erschüttert.
Ich behaupte weiterhin, das viele Studien gefälscht sind.
Wenn Wissenschaftler z.b. bei der Untersuchung des Liebeslebens
von irgendwelchen Insekten ihre Ergebnisse frisieren, dann ist das ärgerlich, aber relativ ungefährlich.
Bei dem Göttinger Fall, der bei NetDoktor.de, gestern beschrieben wurde ging es um Grundlagenforschung in der Onkologie. Auf Basis der gefälschten Ergebnisse wurden Krebstherapien entwickelt, die natürlich bei den Patienten keine Erfolge zeigen konnten. Das ist natürlich eine riesige Sauerei, weil hier skrupellos Menschenleben gefährdet werden.

Crotalus

Hallo Crotalus,

„Medizin Studien Fälschung“ = rund 20 *nichtredundante* Hits. Bei 40000 Studien pro Jahr: Quote 0,006%

"Naturheilkunde Studien Fälschung) = rund 5 *nichtredundante* Hits. Das, obwohl die Naturmediziner fast keine Studien machen. Bei einer Anzahl von 1000 Stück: Quote 0,5%.

Also eine um den Faktor hundert höhere Fälschungsquote in der Naturheilkunde!

Dieser Schuß ging wohl nach hinten los :wink:

Oliver

P.S.: Dieses Posting ist nicht wirklich ernst gemeint :wink:

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