'Augenringe' und Schlafverkürzung

Hallo Experten,
meine erste Frage:
Kann mir jemand erklären, warum man dunkle „Ringe“ unter den Augen bekommt, wenn man zu wenig geschlafen hat? Stehen diese dunklen Verfärbungen wirklich in Zusammenhang mit einem Schlafdefizit oder ist dies nur ein weitverbreiteter Trugschluß?

Meine zweite Frage bezieht sich auf die Auswirkungen von dauerhaften Schlafverkürzungen. Ich habe kürzlich über eine Studie gelesen, in der festgestellt wurde, dass eine Schlafreduktion auf 5.5 Stunden pro Nacht keine leistungsmindernden Auswirkungen hatte auf die Ergebnisse von Stimmungs-, Gesundheits- und Leistungstests. Lediglich leichte Defizite wurden bei einem Test zur akustischen Daueraufmerksamkeit festgestellt. Weiter stand geschrieben, dass Probanden, die eine ganze Nacht wach blieben keinerlei Einbußen bei einer Reihe Tests für abstraktes Denken, Raumorientierung und logisches Denken und Verständnis zeigten. Lediglich, wenn es sich um Tests handelte, die lange Perioden ungeteilter Aufmerksamkeit verlangten, wirkte sich der Schlafentzug negativ auf die Resultate aus.
Letztendlich zog der Autor das Fazit, dass 5.5 Stunden Schlaf pro Nacht eigentlich ausreichend seien, denn erstens könnten die meisten Menschen ohne Schwierigkeiten ihren Schlaf auf diese Dauer reduzieren und zweitens nähme die Qualität eines Nachtschlafes nach 5.5 Stunden drastisch ab(z.B. mehr REM-Schlaf).
Das Fazit fand ich eher erstaunlich, denn 5.5 Stunden Schlaf erscheinen mir persönlich eher nicht ausreichend und ich bin davon ausgegangen, dass es ein interindividuell unterschiedliches Schlafbedürfnis gibt.
Mich würde interessieren, ob es auch Studien mit gegensätzlichen Ergebnissen gibt. Denn viele Leute beklagen sich über schlechte Laune, mangelnde Konzentration, Kopfschmerzen etc. wenn sie zu wenig geschlafen haben.
Ich würde mich über eure Meinung und weitere Informationen zu diesem Thema freuen.
Viele Grüße
Kirsten

Hallo Kirsten,

es gibt Selbstverständlichkeiten, die man nicht erst per Studie erkennen kann. Dazu gehört das individuelle Schlafbedürfnis. Das Schlafbedürfnis ist z.B. von den Lebensumständen abhängig. Schon deshalb ist es unsinnig, eine bestimmte Schlafzeit zur Norm zu erklären. Wenn sich jemand ausläßt, daß der verkürte Schlaf keine Auswirkungen mit sich bringt, dann aber folgt die Einschränkung in der Form „… lediglich bei längerer ungeteilter Konzentration…“ ist mit dem Schlafentzug eben doch eine ganz erhebliche Einschkänkung verbunden. Oder ist etwa Autofahren, das Bedienen einer Maschine, kreative Arbeit möglich, wenn die Konzentration nach kurzer Zeit nachläßt?

Auch ohne Studie kann ich Dir folgendes sagen: Ein geforderter Mensch (nicht etwa ein 70-jähriger Rentner) braucht zur dauerhaften Aufrechterhaltung seiner Leistungsfähigkeit täglich etwa 8 Stunden ungestörten Schlaf. Mit individueller Schwankungsbreite wird der Schlafbedarf eine Stunde länger oder kürzer sein, wenn eben nicht solche merkwürdigen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit hingenommen werden können.

Auch die Folgen einer durchmachten Nacht in allgemeiner Form darzustellen, halte ich für unsinnig. Das kann jeder an sich selbst beobachten, wiederum ganz ohne Studie. Es gibt eben Tage, da kann man nach durchmachter Nacht wie aufgedreht weitermachen und zu anderer Gelegenheit ist man völlig am Ende und kann im Stehen einschlafen, wenn der Tag nur wenig länger wurde.

Diese Art von Studien erinnert mich an die „wissenschaftliche Begleitung“ eines Modellversuchs des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie unter Minister Riesenhuber. Die Neugründung technologieorientierter Firmen wurde durch „Berater“ begleitet. Nach ein paar Jahren wurde ausgewertet, wieviele Firmen überlebt hatten, pleite gegangen waren oder ihre Tätigkeit eingestellt hatten. Ergebnis (so stand es tatsächlich im Abschlußbericht): „Eine erfolgreiche Beratung ist eher zu erwarten, wenn der Berater Branchenkenntnisse besitzt“. Darauf wäre ich ja in meinen kühnsten Träumen nicht gekommen! Für diese Erkenntnis wurde ein 7stelliger Betrag (!) ausgegeben.

Wie degeneriert muß man sein, um für solche Erkenntnisse eine Studie zu brauchen?

Gruß
Wolfgang

Wie degeneriert muß man sein, um für solche Erkenntnisse eine
Studie zu brauchen?

Die Leute wollen halt beschäftigt sein und wie Du lesen kannst,
gibt es auch solche Fragen und ein neuer Berufszweig (Studien-
designer) ist auch noch drin…wirkl. besch****, wobei es noch
viel „sinnlosere“ Studien gibt. Nur leider gibts auch genug
degn. Menschen, denen dadurch noch weniger Zwang auferlegt wird, etwa ihr Gehirn zu nutzen, es kann ja alles nachgelesen werden. Und wiss. Studie, das klingt doch nach was, was dort
„studiert“ wurde, muß ja stimmen.

Herzl. Gruß
H.-D.

Hi Kirsten,

Meine zweite Frage bezieht sich auf die Auswirkungen von
dauerhaften Schlafverkürzungen. Ich habe kürzlich über eine
Studie gelesen, in der festgestellt wurde, dass eine
Schlafreduktion auf 5.5 Stunden pro Nacht keine
leistungsmindernden Auswirkungen hatte auf die Ergebnisse von
Stimmungs-, Gesundheits- und Leistungstests. Lediglich leichte
Defizite wurden bei einem Test zur akustischen
Daueraufmerksamkeit festgestellt. Weiter stand geschrieben,
dass Probanden, die eine ganze Nacht wach blieben keinerlei
Einbußen bei einer Reihe Tests für abstraktes Denken,
Raumorientierung und logisches Denken und Verständnis zeigten.
Lediglich, wenn es sich um Tests handelte, die lange Perioden
ungeteilter Aufmerksamkeit verlangten, wirkte sich der
Schlafentzug negativ auf die Resultate aus.
Letztendlich zog der Autor das Fazit, dass 5.5 Stunden Schlaf
pro Nacht eigentlich ausreichend seien, denn erstens könnten
die meisten Menschen ohne Schwierigkeiten ihren Schlaf auf
diese Dauer reduzieren und zweitens nähme die Qualität eines
Nachtschlafes nach 5.5 Stunden drastisch ab(z.B. mehr
REM-Schlaf).
Das Fazit fand ich eher erstaunlich, denn 5.5 Stunden Schlaf
erscheinen mir persönlich eher nicht ausreichend und ich bin
davon ausgegangen, dass es ein interindividuell
unterschiedliches Schlafbedürfnis gibt.
Mich würde interessieren, ob es auch Studien mit
gegensätzlichen Ergebnissen gibt. Denn viele Leute beklagen
sich über schlechte Laune, mangelnde Konzentration,
Kopfschmerzen etc. wenn sie zu wenig geschlafen haben.
Ich würde mich über eure Meinung und weitere Informationen zu
diesem Thema freuen.
Viele Grüße
Kirsten

Ich kenne auch Studien aus diversen Schlaflaboren, die besagen, dass eine Schlafreduktion auf 5 bis 6 Stunde ohne negative Einfluesse auf Konzentration sowie Geistige und Koerperliche Leistungsfaehigkeit moeglich ist. Aber wie Wolfgang schon richtig gesagt hat, das Schlafbeduerfniss haengt auch stark von den individuellen Lebensgewohnheiten ab. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass fuer mich 6 Stunden Schlaf pro Nacht ausreichend sind. Ich spuere keine negativen Einfluesse auf meine Geistige Leistungsfaehigkeit und Konzentration. Da ich in einer Branche mit sehr hohen Arbeitszeiten (15 bis 16 Stunden pro Tag) beschaeftigt bin, was auch ein hohes Konzentrationsbeduerfniss nach sich zieht, kann ich die Parellen wohl ganz gut ziehen :smile:. Wenn Du allerdings von 7 bis 8 Stunden Schlaf auf 5 bis 6 Stunden reduzierst, wirst Du natuerlich in der ersten Zeit negative Auswirkungen auf Konzentration etc. bemerken, dies wird sich allerdings, wenn sich der Koerper an den verkuerzten Schlaf gewohent hat, wieder aendern.

Liebe Gruesse

Katja

Hallo Wolfgang,
vielen Dank für deine Antwort.

Wenn sich jemand
ausläßt, daß der verkürte Schlaf keine Auswirkungen mit sich
bringt, dann aber folgt die Einschränkung in der Form „…
lediglich bei längerer ungeteilter Konzentration…“ ist mit
dem Schlafentzug eben doch eine ganz erhebliche Einschkänkung
verbunden. Oder ist etwa Autofahren, das Bedienen einer
Maschine, kreative Arbeit möglich, wenn die Konzentration nach
kurzer Zeit nachläßt?

Genau dies ist mit beim Lesen der Zusammenfassung dieser Studienergebnisse auch durch den Kopf gegangen.

Auch ohne Studie kann ich Dir folgendes sagen: Ein geforderter
Mensch (nicht etwa ein 70-jähriger Rentner) braucht zur
dauerhaften Aufrechterhaltung seiner Leistungsfähigkeit
täglich etwa 8 Stunden ungestörten Schlaf. Mit individueller
Schwankungsbreite wird der Schlafbedarf eine Stunde länger
oder kürzer sein, wenn eben nicht solche merkwürdigen
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit hingenommen werden
können.

Das denke ich eigentlich auch und ich finde, dass es recht vernünftig klingt. Schließlich geben die meisten Menschen (zumindest in meinem Umfeld) an, dass sie nach sieben bis neun Stunden relativ ausgeschlafen sind.

Diese Art von Studien erinnert mich an die „wissenschaftliche
Begleitung“ eines Modellversuchs des damaligen
Bundesministeriums für Forschung und Technologie unter
Minister Riesenhuber. Die Neugründung technologieorientierter
Firmen wurde durch „Berater“ begleitet. Nach ein paar Jahren
wurde ausgewertet, wieviele Firmen überlebt hatten, pleite
gegangen waren oder ihre Tätigkeit eingestellt hatten.
Ergebnis (so stand es tatsächlich im Abschlußbericht): „Eine
erfolgreiche Beratung ist eher zu erwarten, wenn der Berater
Branchenkenntnisse besitzt“. Darauf wäre ich ja in meinen
kühnsten Träumen nicht gekommen! Für diese Erkenntnis wurde
ein 7stelliger Betrag (!) ausgegeben.

Hier muss ich sagen, dass ich persönlich die Forschung im Bereich Schlaf nicht als ganz so unsinnig und überflüssig empfinde, wie die „Forschung“ in dem von dir genannte Beispiel. Das hat sicherlich auch etwas mit persönlichem Interesse zu tun, aber ich finde die Vorstellung, dass man in der Woche 14 bis 20 Stunden mehr Zeit – durch weniger Schlaf - frei zur Verfügung hat schon recht faszinierend. Jedenfalls wenn dies angeblich problemlos und ohne schwerwiegende Folgen ginge. Da ich davon bisher nicht überzeugt war/bin, finde ich wissenschaftliche Beiträge zu diesem Thema schon sehr interessant.
Immerhin gibt es ja auch einige Menschen, die behaupten, dass sie mit sehr wenig Schlaf auskämen, weil sie sich daran gewöhnt hätten, wenig zu schlafen. Da ist der Standpunkt, schlafen sei wie Essen (man nimmt immer mehr als man eigentlich braucht) für mich schon eine kritische und fundierte Betrachtung wert; nicht zuletzt weil er von dem weitverbreiteten Alltagsverständnis abweicht.
Viele Grüße
Kirsten

Das denke ich eigentlich auch und ich finde, dass es recht
vernünftig klingt. Schließlich geben die meisten Menschen
(zumindest in meinem Umfeld) an, dass sie nach sieben bis neun
Stunden relativ ausgeschlafen sind.

Dass liegt aber wohl daran, dass diese Menschen immer 7 bis 9 Stunden schlafen. Wenn sie dann mal eine oder mehrere Naechte nur 6 Stunden Schlafen, ist es ganz logisch, dass sie sich dann unausgeschlafen fuehlen resp. die bekannten Negativen Aspekte auftreten. Wenn sie sich generell auf 6 Stunden umstellen wuerden, wuerden diese Probleme mit groesster Wahrscheinlichkeit nicht mehr auftreten.

Hier muss ich sagen, dass ich persönlich die Forschung im
Bereich Schlaf nicht als ganz so unsinnig und überflüssig
empfinde, wie die „Forschung“ in dem von dir genannte
Beispiel. Das hat sicherlich auch etwas mit persönlichem
Interesse zu tun, aber ich finde die Vorstellung, dass man in
der Woche 14 bis 20 Stunden mehr Zeit – durch weniger Schlaf

  • frei zur Verfügung hat schon recht faszinierend. Jedenfalls
    wenn dies angeblich problemlos und ohne schwerwiegende Folgen
    ginge. Da ich davon bisher nicht überzeugt war/bin, finde ich
    wissenschaftliche Beiträge zu diesem Thema schon sehr
    interessant.

Sind sie auch, aber es wird immer Beitraege geben die fuer und wider der These sind. Deshalb liegt es an Dir, fuer Dich selbst herauszufinden wie viel Schlaf Du brauchst.

Immerhin gibt es ja auch einige Menschen, die behaupten, dass
sie mit sehr wenig Schlaf auskämen, weil sie sich daran
gewöhnt hätten, wenig zu schlafen. Da ist der Standpunkt,
schlafen sei wie Essen (man nimmt immer mehr als man
eigentlich braucht) für mich schon eine kritische und
fundierte Betrachtung wert; nicht zuletzt weil er von dem
weitverbreiteten Alltagsverständnis abweicht.

Ich gehoere wohl zum ersten Teil. Es gibt auch viele Menschen die sogar mit 4 oder 5 Stunden auskommen, darunter beruhemte Menschen wie Churchill, Napoleon etc.

Gruss

Katja