Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

Von: , Frage gestellt am Mo, 2. Okt 2000

Irgendwie verstehe ich die Physik nicht richtig. E=0.5*m*v^2 also bei doppelter Geschwindigkeit vierfache Energie. Soweit so gut. Klappt ja auch sehr schön auf der Autobahn. Eine Rakete jedoch benötigt immer die selbe Energie um eine bestimmte Geschwindigkeitsdifferenz zu erzielen (so wie ich mir das bisher vorgestellt habe). Ich kann ja schliesslich das Bezugssystem frei wählen und muss mich nicht an der Strasse abstossen, sondern stosse mich mit und an den eigenen ausgestossenen Gasen ab.
Ich will jetzt gar nicht an c heranbeschleunigen sondern nur langsam fliegen. Ist schon schwer genug.... Die Energie der Geschwindigkeit auf die Erde bezogen steigt aber immer noch quadratisch. Wo ist mein Denkfehler?
Stefan

17 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

    Hi Stefan,

    Du mußt berücksichtigen, daß "E = 1/2 m v^2" und mithin der Spruch "doppelte Geschwindigkeit hat vierfache Energie zur Folge" nur bei konstanter Masse m gilt. Bei Autos ist das
    näherungsweise sehr gut erfüllt (vernachlässigt man die Paar Gramm Sprit, die ein Beschleunigungsvorgang von z. B. Null auf 100 km/h benötigt), bei Raketen jedoch nicht: Diese verlieren durch die Beschleunigung einen erheblichen Teil ihrer Masse. Somit ist das m in der Gleichung W = 1/2 m v^2 nicht konstant. Eine Rakete mag zwar eine gewisse Zeit nach dem Start z. B. 500 km/h und später vielleicht dreimal so schnell sein, aber sie hat dann nicht die 9-fache Energie, sondern z. B. nur die 2-fache.

    Raketen könnten sogar überhaupt nie große Höhen erreichen, wenn sie nicht einen sehr großen Teil ihrer Startmasse "abgeben" würden. Man kann ausrechnen, daß es für einen Flug zum Mond nicht mal reichen würde, wenn die Rakete "nur" praktisch ihren gesamten Treibstoff loswird, sondern sie muß darüberhinaus noch Teile ihrer selbst – nämlich ausgebrannte Stufen – abstoßen, um das m möglichst klein zu halten (am v kann man ja nicht drehen, denn um das Schwerefeld der Erde zu verlassen, muß man nun mal 7.9 km/s schnell sein). Ein Mondflug ist (mit der heutigen Antriebstechnik) nur mit einer Mehrstufenrakete möglich.

    Mit freundlichem Gruß
    Martin

  2. Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
    Re: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

    Hallo Stefan,
    ich glaub du verwechselst einfach Kraft mit Energie. Um das mal klarzustllen: das, was die Rakete und das Auto beschleunigt, ist die angreifende Kraft. Beim Auto ist das die Kraft mit der sich die Räder auf der Straße drehen; bei der Rakete ist es die Rückstoßkraft der ausströmenden Raketengase und diese Kräfte sind in jedem Bezugssystem die gleichen!
    Die kin. Energie, die die Dinge dann aufgrund ihrer Geschwindigkeit haben, ist natürlich vom Bezugssystem abhängig (anderes Bezugssystem --> andere Geschwindigkeit ---> andere kin. Energie)

    Was dich beim Auto bestimmt verwirrt, ist daß das Auto leichter von 10kmh auf 20kmh beschleunigt als von 160kmh auf 170kmh. Aber das liegt nicht an der Formel für die kin. Energie W=1/2*mv^2, sondern an der Tatsache, daß bei der hohen Geschwindigkeit, die bremsende Wirkung der Rollreibung und die des Luftwiderstandes ansteigt und man eine erheblich größere Kraft auf die Straße aufbringen muß, weil eben ein großer Teil davon dazu benötigt wird Luftwiderstand und Rollreibung zu kompensieren! Aber wenn man soviel Gas gibt, daß die Beschleunigung in beiden Fällen gleich ist, dann ist auch die effektive(!) Kraft in beiden Fällen gleich.
    Ich hoffe, du siehst die ganze Sache jetzt klarer!

    Oliver

  3. Antwort von nach 22 Stunden 1 hilfreich
    Re: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

    Irgendwie verstehe ich die Physik nicht richtig.
    Eine Rakete jedoch benötigt immer die selbe Energie um eine
    bestimmte Geschwindigkeitsdifferenz zu erzielen.
    Stefan
    Hier liegt schon ein elementarer Denkfehler. Die Energie die erforderlich ist um ein bewegtes System von einer Geschwindigkeit Vo auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen ist bei gleichem Geschwindigkeitszuwachs um so höher je höher Vo ist. Schau mal in der Fachliteratur nach warum man bei Satelliten- Bahnmanövern den Homann-Übergang wählt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Berresheim

    • Antwort von nach 23 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

      Irgendwie verstehe ich die Physik nicht richtig.
      Eine Rakete jedoch benötigt immer die selbe Energie um eine
      bestimmte Geschwindigkeitsdifferenz zu erzielen.
      Stefan
      Hier liegt schon ein elementarer Denkfehler. Die Energie die
      erforderlich ist um ein bewegtes System von einer
      Geschwindigkeit Vo auf eine höhere Geschwindigkeit zu
      beschleunigen ist bei gleichem Geschwindigkeitszuwachs um so
      höher je höher Vo ist.
      Bist du sicher? Wenn ich mir die Raketengleichung
      delta_v = c*ln(m0/m)
      ansehe (wobei c die Ausströmgeschwindigkeit der Gase, m0 die Masse der Rakete VOR und m die Masse NACH der Beschl. ist), dann ist doch der Geschwindigkeitszuwachs unabhängig von der Anfangsgeschwindigkeit und somit auch der Energieverbrauch!

      Oliver

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

        Hallo Oliver. Bist du sicher? Wenn ich mir die Raketengleichung
        delta_v = c*ln(m0/m)
        ansehe (wobei c die Ausströmgeschwindigkeit der Gase, m0 die
        Masse der Rakete VOR und m die Masse NACH der Beschl. ist),
        dann ist doch der Geschwindigkeitszuwachs unabhängig von der
        Anfangsgeschwindigkeit und somit auch der Energieverbrauch!

        Nein. Da bin ich mir sicher. Richtig ist, daß der Geschwindigkeitszuwachs unabhängig von Vo ist. Z.B. bei einer Mehrstufenrakete addieren sich die Einzelgeschwindigkeiten. Aber das ist nicht der Punkt. Der Zuwachs an kinetischer Energie der Rest-Raketenmasse (also ohne die ausgestossenen Gase mit einzubeziehen) ist proportional (Ve² - Vo²). Und der Energieaufwand um dieses delta-V zu erreichen ist um so höher je höher Vo ist. In der Schubenergiegleichung erscheint ein Term der zeigt daß der Wirkungsweg mit Vo wächst. Der Hohmann-Übergang nutzt den kleinstmöglichen Energieaufwand aus um Bahnänderungen herbeizuführen. Und das ist z.B. der Fall im Apogäum, wo die Tangentialkomponente der Bahn am niedrigsten ist.
        Mit freundlichen Grüßen
        Alexander Berresheim

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re^4: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

          Hallo Alex, Der Zuwachs an kinetischer
          Energie der Rest-Raketenmasse (also ohne die ausgestossenen
          Gase mit einzubeziehen) ist proportional (Ve² - Vo²). Und der
          Energieaufwand um dieses delta-V zu erreichen ist um so höher
          je höher Vo ist.
          Aber, wenn ich die Rakete betrachte, wie sie frei durch den Weltraum fliegt, dann hängt doch v0 von meiner eigenen Relativgeschwindigkeit ab und damit ergibt sich je nach dem wie schnell ich mich bewege, unterschiedliche Werte für den Energieaufwand. Der Rakete ist es aber egal wie schnell ich mich bewege, wenn sie ihre Geschw. erhöht und desshalb darf der Energieaufwand doch gar nicht von irgendwelcher (willkürlich wählbarer) Anfangsgeschwidgkeit abhängen.
          Dazu kommt noch, daß die Rakete immer leichter wird und deshalb sollte eine spätere Erhöhung der kin. Enrgie sogar zu einem größerem delta_v führen. In der Schubenergiegleichung erscheint ein
          Term der zeigt daß der Wirkungsweg mit Vo wächst.
          v0 im Bezug zu was?? Das würde mich mal interressieren...

          Handzumgruß
          Oliver

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            Re^5: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

            Hallo Alex, Der Zuwachs an kinetischer
            Energie der Rest-Raketenmasse (also ohne die ausgestossenen
            Gase mit einzubeziehen) ist proportional (Ve² - Vo²). Und der
            Energieaufwand um dieses delta-V zu erreichen ist um so höher
            je höher Vo ist.
            Aber, wenn ich die Rakete betrachte, wie sie frei durch den
            Weltraum fliegt, dann hängt doch v0 von meiner eigenen
            Relativgeschwindigkeit ab und damit ergibt sich je nach dem
            wie schnell ich mich bewege, unterschiedliche Werte für den
            Energieaufwand. v0 im Bezug zu was?? Das würde mich mal interressieren...

            Hallo Oliver.
            Meinen, auf die grundsätzlichen Zusammenhänge verkürzten Darstellungen, liegen die drei Newtonschen Axiome zugrunde. Die beziehen sich in erster Linie auf Bezugssysteme in denen sich beobachtendes Subjekt und bewegtes Objekt gleichzeitig aufhalten. Wechselt eines der beiden Beteiligten das Bezugssystem, gelten andere Zusammenhänge, und es werden Transformationen erforderlich. Also, wenn Du und Deine Rakete während der GANZEN Beobachrungszeit im gleichen Bezugssystem bleiben, gelten meine Aussagen.

            Mit freundlichen Grüßen
            Alexander Berresheim

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

      Alexander:Die Energie die erforderlich ist um ein bewegtes System von einer
      Geschwindigkeit Vo auf eine höhere Geschwindigkeit zu
      beschleunigen ist bei gleichem Geschwindigkeitszuwachs um so
      höher je höher Vo ist.
      Raketengleichung von Oliver : delta_v=c*ln(m0/m)

      Hier genau liegt mein Verständnisproblem
      wie Oliver gegen Alexander aufzeigt.
      bei höherem v0 ist der zurückgelegte Weg während der Beschleunigungsphase grösser. Die aufzuwendende Energie berechnet sich mit Kraft*Weg(W=Fds). Der Weg ist aber länger bei grösserem v0. Die Raketengleichung von Oliver lässt aber die Länge des Weges (bzw.v0) völlig unberücksichtigt.

      Danke schon mal ich glaube ich komme der Sache langsam näher.

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Energiebetrachtung bei Raketenbeschleunigung

        Hier genau liegt mein Verständnisproblem
        wie Oliver gegen Alexander aufzeigt.
        bei höherem v0 ist der zurückgelegte Weg während der
        Beschleunigungsphase grösser. Die aufzuwendende Energie
        berechnet sich mit Kraft*Weg(W=Fds). Der Weg ist aber länger
        bei grösserem v0. Die Raketengleichung von Oliver lässt aber
        die Länge des Weges (bzw.v0) völlig unberücksichtigt.
        Ich glaube ich verstehe jetzt was du meinst... ich kann dazu nur sagen, daß die kin.Energiedifferenz tatsächlich von der Geschwindigkeit abhängt, d.h. daß bei einer Erhöhung von großen v0 auf v0+dv der Zuwachs der kin. Energie größer ist als bei kleinem v0.
        Aber: der Zuwachs der kin. Energie hat nichts mit der Energie zu tun, die in den Antrieb hineingesteckt wurde. Das ist doch klar, da die kin. Energie vom Bezugssystem abhängt, von der aus die Sache beobachtet wird und man deshalb auch bei anderen Bezugssystemen andere Werte für die Änderung der kin. Energie erhält.

        Oliver



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!