Entstehung eines zeitweisen Schwarzen Lochs

Von: , Frage gestellt am Fr, 20. Jul 2001

Hallo!

Ein Gedankenexperiment:

Angenommen, ein stellares Objekt hat an seiner Oberfläche eine Fluchtgeschwindigkeit, die knapp unter der Lichtgeschwindigkeit liegt. Somit handelt es sich bei diesem Objekt nicht um ein Schwarzes Loch.

Nun wird das Objekt durch einen beliebigen Prozess beschleunigt. Nach Einsteins E=mc² erfolgt dabei eine Massezunahme des beschleunigten Objektes. Bei geeigneter Wahl der Parameter müsste sich die Masse soweit durch Energiezufuhr erhöhen lassen, dass das Objekt zu einem Schwarzen Loch wird.
Es werden nun Probekörper in das so entstandene Schwarze Loch fallengelassen.
Anschließend wird der Beschleunigungsprozess wieder gestoppt und das Objekt abgebremst. Dann dürfte es sich nicht mehr um ein Schwarzes Loch handeln.

Nun meine Frage: Was ist mit den Probekörpern passiert? Sie müssten ja wieder auftauchen, da das stellare Objekt kein Schwarzes Loch mehr ist...

Gruß,
Nina

27 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 10 Minuten 0 hilfreich
    Re: Entstehung eines zeitweisen Schwarzen Lochs

    Die Masse des schwarzen Lochs nimmt in dessen eigenen Bezugssystem nicht zu, nur in dem Bezugssystem des ruhenden, nicht mitbeschleunigenden Beobachters.

    Gruß, Moriarty

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Entstehung eines zeitweisen Schwarzen Lochs

      Die Masse des schwarzen Lochs nimmt in dessen eigenen
      Bezugssystem nicht zu, nur in dem Bezugssystem des ruhenden,
      nicht mitbeschleunigenden Beobachters.
      Ja, das weiß ich... das ist ja auch bei den anderen relativistischen Effekten (Längenkontraktion, Zeitdilatation) so - in einem Raumschiff, das mit relativistischen Geschwindigkeiten unterwegs ist, würden die Passagiere auch nichts von den seltsamen Effekten wahrnehmen (für sie würde sich alles außerhalb ihres Bezugssystems ändern).

      Gruß,
      Nina

  2. Antwort von nach 11 Minuten 0 hilfreich
    Ruhemasse


    Hi Nina

    schade - dieses Thema würde im Astronomie- oder Physikbrett
    günstiger aufgehoben sein...

    Dein Gedankenexperiment enthält einen Fehler in der
    Voraussetzung, daher kann man schlecht über Deine eigentliche
    Frage grübeln... Nun wird das Objekt durch einen beliebigen Prozess
    beschleunigt. Nach Einsteins E=mc² erfolgt dabei eine
    Massezunahme des beschleunigten Objektes.

    Die relativistische Massenzunahme gilt nur für das Laborsystem
    (d.h. das externe Beobachtersystem). Im eigenen
    Koordinatensystem des beschleunigten Körpers nimmt die Masse
    nicht zu (sie wird ja gerade deshalb "Ruhemasse" genannnt).

    Daher würden die Probekörper (die ja mitbewegt werden in deinem
    GE) einfach die Ruhemasse des Objekts vergrößern... bis es dann
    irgendwann den Schwarzschildradius überschreitet... und das
    bleibt dann auch so, wenn du es wieder bremst.

    Grüße
    Metapher

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re: Ruhemasse

      Hi Methaper! Daher würden die Probekörper (die ja mitbewegt werden in
      deinem GE) einfach die Ruhemasse des Objekts vergrößern... bis
      es dann irgendwann den Schwarzschildradius überschreitet...
      und das bleibt dann auch so, wenn du es wieder bremst.
      Wieso werden die Probekörper mitbewegt?
      Angenommen, mit einer Rakete (ich weiß, ist ein schlechtes Beispiel) wird das Beinahe-SchwarzeLoch beschleunigt, manövriert in Richtung Mond und "saugt ihn auf".
      Dann wurde doch der Mond nicht mitbewegt, oder?

      (Oder meintest du das relativistisch gesehen so, dass man weder sagen kann das eine noch das andere bewegt sich, weil man ja vom Bezugssystem ausgehen muss?)

      Gruß,
      Nina

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re^2: Ruhemasse

        Hi Nina

        in diesem Falle ist es einfacher zu überlegen, ja.

        Dann siehst du das Resultat besser, wenn du die Beobachtungsperspektive wechselst: Nicht von dem System aus, in dem ein schnellbewegtes Fast-BH auf eine ruhende Masse stößt (denn in deisem Beobachtersystem würde der Probekörper das BH gar nicht erreichen, sondern nur asymptotisch auf den Horizont zufallen), sondern vom Eigensystem des bewegten Fast-BH aus.

        Dort trifft dann eine relativistisch erhöhte Masse des Probekörpers ein... und der erhöht dann die Masse des Fast-BH, das dann auch gemäß deiner Überlegung kollabieren wird... Dem BH ist es egal, wie schnell es sich bewegt...

        Gruß
        Metapher

  3. Antwort von nach 17 Minuten 0 hilfreich
    Re: Entstehung eines zeitweisen Schwarzen Lochs


    Bin zwar kein Physiker aber geb mal meinen Senf dazu:
    Sobald das Objekt (durch welchen Prozeß auch immer) zu einem Schwarzen Loch wird, kollabiert die Masse zu einem "Punkt". Jegliche Materie die dann eingesaugt wird wird also "gecrunscht". Meiner Meinung nach ist dieser Prozeß nicht reversibel, d.h. du kannst ein Schwarzen Loch nicht wieder in eine unterkritischen Masse umwandeln, sondern höchstens in Energie (Strahlung). Die einzige Möglichkeit ist zu warten bis das SL zerstrahlt ist, dann liegt die Materie eben als Strahlung vor...

    Andi

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Teilchenbeschleuniger

      Hi!

      Mal ein anderer Ansatz:

      Wenn in einem Teilchenbeschleuniger ein Proton beschleunigt wird, so nimmt seine Masse zu.
      Wenn das Proton wieder abgebremst wird, dann nimmt doch seine Masse wieder ab, oder?

      Also müsste es doch bei dem Schwarzen Loch genauso sein – wenn es wieder abgebremst wird, dann nimmt seine Masse wieder ab? Oder?!

      Gruß,
      Nina

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Laborsystem

        Wenn in einem Teilchenbeschleuniger ein Proton beschleunigt
        wird, so nimmt seine Masse zu.
        Wenn das Proton wieder abgebremst wird, dann nimmt doch seine
        Masse wieder ab, oder?
        Ja, aber nur im sogenannten Laborsystem (das, von dem du aus deien Aussage machst). Im Eigensystem des Protons passiert bzgl. seiner eigenen Masse nichts.

        Gruß
        Metapher

        • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
          Re: Laborsystem

          Wenn in einem Teilchenbeschleuniger ein Proton beschleunigt
          wird, so nimmt seine Masse zu.
          Wenn das Proton wieder abgebremst wird, dann nimmt doch seine
          Masse wieder ab, oder?
          Ja, aber nur im sogenannten Laborsystem (das, von dem
          du aus deien Aussage machst). Im Eigensystem des
          Protons passiert bzgl. seiner eigenen Masse nichts.
          Dann müsste es aber stimmen, dass von einem beschleunigten Körper andere Objekte stärker angezogen werden als von einem ruhenden Körper?!

          Folgendes: Der Körper wird auf einer Kreisbahn beschleunigt, in deren Zentrum sich ein Probekörper befindet. Dann ist doch die Anziehungskraft zwischen den Objekten größer, als wenn der Körper an einem Punkt der Kreisbahn ruhen würde!?


          Gruß,
          Nina



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