Hallo!
Winkels NLP-istischem Wahrnehmungsbegriff will ich widersprechen:
Der psychologische Begriff der Wahrnehmung bezeichnet ausdrücklich das integrierende Zusammenspiel der verschiedenen Sinne (die die NLPler durchaus richtig wiedergeben - olfaktorisch ist der fehlende). Wenn jemand einen Apfel wahrnimmt dann hat bereits eine Integration stattgefunden von
a) direkt gegebenen Sinneseindrücken (Geruch, Form, Farbe,…) und
b) von Gedächtnisinhalten (Geruch, Gebrauchseigenschaften (einen Apfel kann man essen oder werfen), er schmeckt säuerlich, er wächst bei Oma im Garten,…)
Die Wahrnehmung „Apfel“ ist ganzheitlich, d.h. sie umfasst mehrere Sinnesgebiete gleichzeitig, und umfaßt sowohl gegenwärtig Gegebenes als auch Sachverhalte, die im Moment nicht sichtbar/riechbar… sind, sie umfaßt eben den gesamten Begriff „Apfel“ mit vielen Facetten.
Der Gegensatz dazu ist im psychologischen (!) Jargon die „Empfindung“: eine sensorische Elementar qualität, z.B. der Eindruck im Auge, den die roten Lichtstrahlen hervorrufen oder der Geruchseindruck, der entsteht… Aber: noch bevor (!) man sagt „Ah, es riecht nach einem Apfel!“ In diesem Moment hat die Integration bereits stattgefunden, handelt es sich um eine Wahrnehmung.
Ich hab das so ausgeführt, um deutlich zu machen, daß Wahrnehmung automatisch auch visuelle Eindrücke einbezieht.
Wenn Du in der Lage bist, das gelbe Ding am nächtlichen Himmel als Mond zu deuten, oder aber eine Birne aufzumalen oder ein Auto zu skizzieren, dann hast Du auch ein visuelles Gedächtnis. Deine Behauptung, Du hättest „keine“ visuellen Erinnerungen ist also übertrieben.
Dennoch
Winkel hat recht, daß Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind, der eine eben stärker visuelle Reize benötigt/verarbeitet, ein anderer Bewegungen oder Klänge besser aufnehmen/speichern kann.
Diese Unterschiede sind nicht unbedingt extrem.
Ich deute Dein „Manko“ deshalb als typisches Phänomen gerichteter Aufmerksamkeit: Beim Betrachten von Bildern fallen Dir alle möglichen andern Dinge ein, von denen Du Dir kein „Bild mehr machen“ kannst. Ich behaupte, daß Du bald über Dein fehlendes Musikgedächtnis klagen würdest, wenn jemand einige Lieder aus der Schulzeit vorstellen würde und Dich nach den restlichen fragen würde. Die meisten sind in der Zeit verschütt gegangen.
Und wer als Ossi heute Schlagersüßtafel kostet, hat Schwierigkeiten zu vergleichen, ob sie wieder so schmeckt wie damals.
(Der Effekt wird vielleicht noch durch das wiedholte Bildbetrachten verstärkt, bei dem ja die Erinnerung immer wieder verstärkt wird, was die nicht auf Bildern vorhandenen Eindrücke erst recht nach hinten drängt.)
Und Gefühle?
Gefühle sind Begleiterscheinungen vieler Situationen/Wahrnehmungen. Sie stellen sozusagen eine Bewertung des Sachverhalts dar: gut schlecht? gefährlich nützlich? wichtig unwichtig?..
Auch Gefühle werden gespeichert. Und Gefühle haben einen Einfluß auf die Speicherung. Dinge, für die wir keine Gefühle hegen, sind gleichsam unbedeutend. Da ist es sinnvoll, sie nicht unnötig abzuspeichern.
So ist logisch, daß man sich besonders an die gefühlvollen Dinge (ob positiv oder negativ) erinnern kann.
Ist Deine Frage beantwortet?
[:Sind Erinnerungen nur Gefühle?]
Erinnerung und Gefühl sind zwei verschiedene Dinge.
Die Beziehung besteht darin, daß Gefühle die Abspeicherung beeinflussen und auch selbst abgespeichrt werden können.
Man speichert neben gefühlen auch viel mehr, auch visuelle Eindrücke oder anderes.
Zwar gibt es zwischen den Menschen Unterschiede, aber die sind nicht so gravierend, wie Du es formulierst.
Tschuess, Sven.
ich mach mir schon seit einiger Zeit Gedanken darüber, daß ich
keine visuellen Erinnerungen an meine Vergangenheit, auch die
jüngste, habe, außer Gefühle.
naja, „keine, außer Gefühle“ glaub ich Dir nicht
Und auch da „erinner“ ich mich nur an bestimmte Ereignisse, wo ich starke Gefühle wie
Enttäuschung, Zuneigung und besonders Abneigung/Hass hatte.
genaus so ist das meistens!