Flugangst - wie damit umgehen?

Hallo,

vielleicht geht es jemandem ähnlich?
Da reist man seit Jahren um die halbe Welt, hat vielleicht so 3-8 Kurzflüge und 2-3 Fernflüge im Jahr und plötzlich gerät man bei einem 50minütigem Inlandsflug in absolute Panik…!

Fliegen hat mir nie etwas ausgemacht, wobei ich sagen muß, daß ich mich mit voranschreitender Zeit immer unwohler bei irgendwelchen Turbulenzen fühle. Nun war der kurze Flug vor einigen Tagen so schlimm für mich, daß ich spontan entschlossen habe NIE wieder in ein Flugzeug zu steigen. Zugegeben, nach ein paar Tagen hatte ich mich wieder insofern beruhigt, daß ich einfach zu geizig war das Rückflugticket verfallen zu lassen und mich in den teuren Zug zu setzen. Der Rückflug war auch einigermaßen erträglich, aber die Panik beim Hinflug gibt mir zu denken. Sollte mir so etwas bei einem Fernflug passieren… - kein schönes Gefühl! (Vor allem so kompliziert vom Fernen Osten zu Fuß zurückzureisen:wink:

Nun könnte man sagen, daß der Start beim Hinflug schon keine guten Voraussetzungen für einen bequemen Flug bot (Bayern, erster Ferientag, „Stau“ am Boden und in der Luft, der Pilot beschleunigte - wohl mangels Zeit - verfrüht in der Kurve zur Startbahn, kam ins Schlingern und wackelte dann so hin und her nach oben), aber was ist wenn es wirklich zu erheblichen Turbulenzen mal kommt oder einem Gewitter oder was auch immer?

Obwohl ich mir immer so sicher war, daß mich die hysterischen Meldungen über Flugzeugunglücke in der Boulevardpresse und im Fernsehen inkl. 11. Sept. nicht im geringsten beeinflussen können - mittlerweile (nach vielen Gesprächen mit anderen Leuten) denk ich mir, daß dies unbewußt wohl die meisten von uns doch irgendwie beeinflußt hat.

Hätte ich mehr Zeit (also statt 3-4 Wochen Urlaub immer so 3 Monate) würde ich mich tatsächlich mit andern Verkehrsmitteln auf den Weg zu fernen Zielen machen - dies stelle ich mir wesentlich spannender vor als plötzlich innerhalb von 20 Stunden auf der anderen Seite der Welthalbkugel aus dem Flieger zu steigen. Aber ich habe die Zeit eben nicht…

Wie gehe ich nun beim nächsten Mal mit dieser relativ neuen Flugangst um? Da ich früher immer lange Flüge absolut verschlafen habe (somit auch nie Jetlag hatte) - gibt es Beruhigungsmittel, die die Panik wegnehmen und den Schlaf fördern? Von richtigen Schlafmitteln halte ich nicht viel, da ich mir dies als sehr ungesunden Schlaf vorstelle. Gibt es so etwas wie 1-Tages-Seminare für Flugangst, die tatsächlich Erfolg bringen? Vielleicht hat jemand Erfahrung und kann mir Tips geben?

Viele Grüße,
Christiane

Hallo Christiane,

ja, solche Seminare gibt es, allerdings sind sie furchtbar teuer (ca. 700 Euro für zwei Tage). Weitere Infos und Literaturempfehlungen findest Du unter

http://www.focus.de/D/DR/DRA/DRAS/DRAST/DRASTE/drast…
http://www.wdr.de/tv/service/gesundheit/inhalte/9906… (BTW: die Dornier-Stiftung ist bei Phobien die erste Adresse in Deutschland)

Von Beruhigungstabletten würde ich hübsch die Pfötchen lassen…

Beste Grüße

Tessa

PS. Der Tag an dem ich nicht mehr in einen Flieger steige, ist der, an dem die Blechvögel abgeschafft wurden… *fg*

Hi Christiane,

erkunde Dich doch mal z.B. bei bei Lufthansa. Soweit ich weiß, bieten die solche Seminare gegen Flugängste kostenlos an.

Ciao,
Romana

Hi Christiane,

der letzte Tag vor meinem ersten Flug war das reine Desaster. Ich fuhr zu meiner Oma die angeblich im Sterben lag und derweil sie nur mal wieder besonders ihre Zuwendung einforderte. Dann hatte ich den Schlüssel in der Wohnungstüre stecken lassen. Irgendwo in der Pampa sollte ich dann den letzten Zug versäumt haben, und das bei zwei Gleisen, stand ich am falschen. Dann kam eigenartigerweise doch noch ein Zug, bei dem ich x-mal umsteigen mußte. So kam ich dann gegen 1 Uhr nach Hause und um vier sollte ich aufstehen, denn die Koffer sollten ja auch noch gepackt werden. Na, an dem Tag war noch einiges mehr. Doch ich habe mir überlegt, ob ich mich mit dieser Scheiße nicht zugeknallt habe, damit ich meine Angst nicht spüren muß. Als der Flieger losrollte, ich saß glücklicherweise nicht ganz am Fenster, meinte ich so lässig zu mir, och, das macht mir ja gar nix aus. Doch als der Flieger Gas gab begann ich mich zwischen die Sitze zu pressen und wollte das Aufsteigen des Fliegers abbremsen. Naja… träumen darf man ja. Am liebsten hätte ich mit dem Kind vor mir um die Wette geschrien. Doch der Druck in den Ohren und das Schamgefühl haben das unterdrückt. In Marrakesh saß ich dann direkt am Fenster und jedesmal wenn sich der Flügel bewegte, bewegte sich mein Magen mit. Nagut, das war der erste Flug mit Zwischenlandung. Beim zweiten Flug war ich schon etwas ruhiger. Außerdem gab mir ein Kumpel einen Tip: ich solle von Reinhard Mey das Lied „Über den Wolken singen“ und das hat es voll gebracht. So kommen die Wolken richtig gut. Beim dritten Flug, ich hatte in Wien (20 Minuten Flugzeit) den Anschluß nach St. Petersburg nicht geschafft, bekam ich dann etwas mehr Service. Das heißt, ich trank den ganzen Flug über Prosecco. Der Flug erschien mir ziemlich kurz und beschwingt. Mittlerweile bin ich schon wesentlich entspannter beim Fliegen, kann es sogar teils gut genießen. Mir scheint, es ist einfach auch eine Vertrauensübung, sich hier auf ein fremdes Gefährt und auf das Know How und die Kompetenz eines Fremden (Piloten) hier einzulassen.

Ciao,
Romana

Hi Romana,

Mir scheint, es ist
einfach auch eine Vertrauensübung, sich hier auf ein fremdes
Gefährt und auf das Know How und die Kompetenz eines Fremden
(Piloten) hier einzulassen.

Deine Geschichte versteh ich recht gut und wie es nun scheint, ist es so, daß je öfter Du fliegst, desto „furchtloser“ bist Du.

Aber was mich bei mir selbst so erstaunt ist die Tatsache, daß ich seit frühester Kindheit gewöhnt daran bin zu fliegen, besonders in den letzten 15-20 Jahren sehr viel reise und mit größter Selbstverständlichkeit auch lange Flüge auf mich nehme, wobei ich wie gestern schon erwähnt, diese in den letzten Jahren immer verschlafen habe. Sobald am Boden die Motoren brummten war ich eingeschlafen und habe nicht einmal den Start mitbekommen. Kaum nach manchmal 10-15 Stunden gelandet, wache ich auf (klar, wenn’s gutes Essen gab hab ich mir dies nicht entgehen lassen)und war im Gegensatz zu meinen Mitreisenden bestens ausgeschlafen - war immer eine sehr praktische Art den Jetlag zu vermeiden. Aber diese leichte Panik fing bereits vor 2-3 Jahren an und erreichte eben vor ein paar Tagen ihren Höhepunkt. Jetzt denk ich mir, wenn ich tatsächlich demnächst keinen Flieger mehr besteigen könnte, wäre das bei meiner Reiselust und meinem Interesse für andere Kulturen und Länder doch eine sehr, sehr große Einschränkung in meinem Leben.

Viele Grüße,
Christiane

Hallo Tessa,

ja, solche Seminare gibt es, allerdings sind sie furchtbar
teuer (ca. 700 Euro für zwei Tage).

Puhhh! Wirklich teuer! Das wär ja umgerechnet locker ein Ticket nach Mumbai oder Singapur:wink:) Vielleicht schau ich lieber mal, was Romana mit kostenlosen Seminaren von der Lufthansa meinte?!

http://www.focus.de/D/DR/DRA/DRAS/DRAST/DRASTE/drast…
http://www.wdr.de/tv/service/gesundheit/inhalte/9906…
(BTW: die Dornier-Stiftung ist bei Phobien die erste Adresse
in Deutschland)

Danke! Hab da gleich mal reingeschaut!

Von Beruhigungstabletten würde ich hübsch die Pfötchen
lassen…

Na ja, ich dachte da an was relativ harmloses, gibt’s dafür nicht so ein Kava-Dingsda-Zeug? (ich kenn mich da überhaupt nicht aus, aber werd mich gleich mal via Suchmaschine erkundigen)

PS. Der Tag an dem ich nicht mehr in einen Flieger steige, ist
der, an dem die Blechvögel abgeschafft wurden… *fg*

Hmm, oder der Tag nach meinem Lottogewinn, wo ich mich nach meiner Kündigung dann mit einem kleinen Rucksack und einem großen Tagebuch ausgerüstet, zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Zug o.ä. Richtung Asien auf den Weg machen würde:wink:

Beste Grüße zurück,
Christiane

Hallo,

Na ja, ich dachte da an was relativ harmloses, gibt’s dafür
nicht so ein Kava-Dingsda-Zeug? (ich kenn mich da überhaupt
nicht aus, aber werd mich gleich mal via Suchmaschine
erkundigen)

Es gibt Kava-Kava. Einen Versuch ist es sicher wert.

Gruss
Enno

PS: Evtl. als Kombi :wink:

http://leda.lycaeum.org/Trips/An_Interesting_Kava_Ex…

Hi Romana,

erkunde Dich doch mal z.B. bei bei Lufthansa. Soweit ich weiß,
bieten die solche Seminare gegen Flugängste kostenlos an.

Kostenlos??? Neeee Du. So’n LH-Seminar kostet glatte 700 Euro… Infos gibt es (logisch, gell?) unter

http://www.flugangst.de

Beste Grüße

Tessa

hallo,

das grösste potential liegt in deiner schon bewiesenen fähigkeit, die angst erfolgreich zu unterdrücken und tatsächlich den rückflug anzutreten. DAS hast du gut gemacht! angst und panikattakken, wenn sie auftreten, dauern übrigens längstens 10-20 minuten, anschliessend sorgt die körperchemie immer für ausgleich. einen langstreckenflug wirst du also auch noch riskieren können, falls es überhaupt nochmal passiert. kein kava-kava nehmen, es hat schwere, sogar tödliche leberschäden gegeben! fliege, sooft es geht und suche die beunruhigenden ereignisse zu finden „die kiste schlingert, au backe gleich passiert xy!“ und durch gegensätz auszutauschen, „so wie das hier wackelt sieht man, welche extrembelastungen ein flieger aushält -tolle technik!“

gute flüge!

Drüber reden
Hallo Christiane,

es hilft schon enorm, über seine Ängste zu reden. Probiere es doch einmal aus und sprich einfach ungeniert jemanden an, der neben Dir sitzt im Flugzeug: „Au Mann, das schliggert ja heute ganz schön!“ - Du wirst sehen, schon bald unterhaltet Ihr Euch ganz nett und die Angst vergeht. Ich gebe Dir den Tipp, weil ich selber keien Flugangst habe, aber immer Menschen anspreche, die ängstlich neben mir im Flieger kauern. Mit einem Gespräch lässt sich das ganze wirklich sehr entspannen! Und man lernt interessante Menschen kennen.

Ich wünsche Dir alles Gute.
Grüsse :smile:
Anna

Hi alpha,

das grösste potential liegt in deiner schon bewiesenen
fähigkeit, die angst erfolgreich zu unterdrücken und
tatsächlich den rückflug anzutreten. DAS hast du gut gemacht!

Danke für das Lob, aber es gebührt mir nicht! Nichtsdestotrotz hat übrigens auch meine chronische Geldknappheit gesiegt:wink:)
Die Angst bei mir entsteht nicht VOR dem Flug, sondern während des Fliegens. Ich hab meine Panik nicht so genau geschildert, weil es mir eh schon megapeinlich ist (früher hab ICH die „Angsthasen“ im Flieger getröstet). Sie ist vollkommen irrational und tritt folgendermaßen auf: Die Motorengeräusche werden plötzlich ganz langsam immer lauter und lauter, bis es irgendwann nicht mehr lauter werden kann und ich quasi nur noch einen Knall erwarte, ich selbst bin schweißgebadet und dann beginnt das ganze nach 3 Minuten von neuem. Die eigentlich lächerlichen 50 Min. waren wirklich die Hölle. Ich hätte nie gedacht, daß die Psyche mir so einen Streich spielen kann.

angst und panikattakken, wenn sie auftreten, dauern übrigens
längstens 10-20 minuten, anschliessend sorgt die körperchemie
immer für ausgleich. einen langstreckenflug wirst du also auch
noch riskieren können,

Hoffentlich hast Du recht!

kein kava-kava nehmen, es hat schwere, sogar tödliche
leberschäden gegeben!

O. k., das wußte ich nicht. Da ich nie was nehme, laß ich es also…

fliege, sooft es geht

Das mach ich doch gerne! Danke Dir für Deine Ratschläge!

Ciao,
Christiane

Hallo Anna,

es hilft schon enorm, über seine Ängste zu reden. Probiere es
doch einmal aus und sprich einfach ungeniert jemanden an, der
neben Dir sitzt im Flugzeug: „Au Mann, das schliggert ja heute
ganz schön!“ - Du wirst sehen, schon bald unterhaltet Ihr Euch
ganz nett und die Angst vergeht.

Stimmt, das hilft bestimmt. Bei diesem von mir geschilderten Flug saß leider in der ganzen Reihe niemand, also weder neben mir noch gegenüber vom Gang. Wär da irgendjemand gewesen bzw. eine Stewardess vorbeigekommen, hätt ich es garantiert getan.
Beim Rückflug hatte ich es fest vor, dann saß da so ein megacooler (auch noch unsympathischer) Typ neben mir und mir war es echt zu blöd (eigentlich war ich zu feige) ihn anzuquatschen.
Nächstes Mal reiß ich mich halt zusammen und trau mich:wink: Danke Dir!

Gruß,
Christiane