Eure Erfahrungen mit psychosomatischen Kliniken?

Hi,

natürlich kann man im Internet und in Broschüren einiges über z.B. psychosomatsiche Kliniken nachlesen. Doch das geschriebene Wort hat nicht unbedingt immer viel mit der Realität zu tun. :smile: Was sind Eure Erfahrungen mit psychosomatsichen Kliniken? Welche könnt’ Ihr empfehlen und warum bzw. von welchen Kliniken würdet Ihr gar abraten und warum? Was haben sie Euch konkret geholfen und in welchem Zeitraum?

Ciao,
Romana

Hi Romana,

ich war mit meiner Tochter (damals 5 Jahre) über 3 Monate in einer solchen.

Da die Sache aber speziell für Kinder und Eltern gedacht war,
nützt Dir es vielleicht weniger. Also Kinder und Eltern wurden
getrennt therapiert. Ich erzähl Dir mal, wie das bei den
Eltern ablief.

Das erste, was mir sauer aufstieß, waren Verbote, Verbote, Verbote. Damals war ich nur begleitend für die Tochter mit, sollte aber an den Veranstaltungen teilnehmen. Also:

Jeden Morgen fand ein Gruppengespräch statt. Dort wurde fest-
gelegt, was wer für Behandlungen u.ä. bekommen sollte, Pläne
hingen zwar aus, so daß ich dies für den morgendlichen Streit
auslegte. Jeder hatte an jedem irgendwas zu bemängeln, grauenhaft!
Auch tgl. gab ein eine psychologische Runde, wo Rollenspiele
gespielt wurden, autogenes Training, Meditation etc.
Zusätzlich erhielt man auf Wunsch u. ärztl. Rat Massagen, Kneipkuren, Sauna, Sport 2 x /Woche. Das war das erträglichste und schönste daran.
Für die Psyche gab es dann noch die s.g. Einzelgespräche. Sprich jeder hatte einen/e PsychologenIn. Dort durftest Du dann reden oder eben nicht. Letzteres war meine Methode, die Sache schnell hinter mich zu bringen…*gg*, aber wie gesagt, ich hatte damals keinerlei Probleme und nach allem was ich dort so mitbekam, war ich anschließend sogar davon überzeugt, auch mein Kind war ganz
„normal“.
Die verschiedenen Leute erhielten praktisch jeder seine psychol.
Hilfsperson. Was für die Bedürftigen auch eine große Hilfe war,
da diese Psychologen auch Nachtdienste machten, also es war immer Hilfe in der Nähe und m.E. wurde die auch recht häufig
in Anspruch genommen.

Freizeit war nachmittags möglich, allerdings strenge Heimkehrzeiten und Ein- und Austragen im Hausbuch war Bedingung.
Abends wieder Gruppengespräche *gähn*.
Ärztliche Untersuchungen fanden 2 x Woche statt, was für viele
auch nötig war. Gleichzeitig wurde auf ungewürzte Mahlzeiten
(langsam wurde dies dann gesteigert, um die Geschmacksnerven erst zu neutralisieren) Gewicht gelegt. Das fand ich sogar gut,
denn danach konnte ich wieder richtig schmecken.

Ob Du es glauben magst, oder nicht, viele der Mütter und Väter wollten dort nach einer Zeit gar nimmer weg, so gut hat ihnen
die Hilfe, die sie dort erfahren haben getan.

Aber ich hasse nun mal Gruppenzwang, hinter mir hast Du nur noch ne Staubwolke gesehen und die Freundschaften, die ich dort
gezwungenermaßen eingegangen bin, hab ich mit Ausfahrt aus der
Klinik auch sofort im Kopf gestrichen.
Das ist subjektiv, will nur sagen, wie ich es erlebt habe.
Heute würde ich sicher mehr Nutzen draus ziehen, als damals.

Tja, so hab ich es erlebt.
Ach ja, die Einrichtung war in der Fränkischen Schweiz; Unter-
leinleiter heißt der Ort, wunderschöne Gegend, landschaftlich
sehr entspannend. Hab dort so viel geschrieben, wie nie!
Ob diese Klinik noch existiert, oder sich auf andere Sachen spezialisiert hat, weiß ich leider nicht.

Viele Grüße
d.

Hi Dilarah!

Ich war zwar noch nicht Patient in solchen Kliniken (toi toi toi), dafür aber Therapeut in einer Fachklinik *g*. Deshalb gebe ich mal meinen ganz persönlichen Senf dazu, wie Deine Beschreibung auf mich wirkt.

Das erste, was mir sauer aufstieß, waren Verbote, Verbote,
Verbote.

Verbote würde ich das nicht nennen: Es sind Regeln. Die Regeln dienen nicht nur einem mehr oder minder reibungslosen Ablauf des Klinikalltags, sondern auch dazu, daß in der Klinik Behandlung möglich wird. Schließlich ist so eine Klinik nicht für einen Urlaub gedacht, sondern für Therapie - was aus meiner Sicht heraus mit Arbeit verbunden ist. Was glaubst Du, wieviele sich vor den mehr oder minder anstrengenden Behandlungen drücken würden, wenn da Laissez-faire angesagt wäre? .

Jeden Morgen fand ein Gruppengespräch statt. Dort wurde fest-
gelegt, was wer für Behandlungen u.ä. bekommen sollte, Pläne
hingen zwar aus, so daß ich dies für den morgendlichen Streit
auslegte. Jeder hatte an jedem irgendwas zu bemängeln,
grauenhaft!

Es ist kein Wunder, daß die Leute ´was zu meckern haben. Mehrere Menschen, mehrere Meinungen! Und wenn die Patienten psychische Probleme haben, dann ist es auch nicht verwunderlich, wenn die im sozialen Umgang nicht ganz so pflegeleicht sind.

Auch tgl. gab ein eine psychologische Runde, wo Rollenspiele
gespielt wurden, autogenes Training, Meditation etc.

Klar.

Zusätzlich erhielt man auf Wunsch u. ärztl. Rat Massagen,
Kneipkuren, Sauna, Sport 2 x /Woche. Das war das erträglichste
und schönste daran.

*kicher*
Das dachte ich mir. In der Fachklinik, in der ich das Vergnügen hatte zu therapieren, war´s genauso. Die Patienten nahmen am liebsten an den „Veranstaltungen“ teil, in denen sie nicht mit ihren Problematiken konfrontiert wurden. Höchst verständlich! Aber so leicht wollen wir es ihnen nicht machen, daß sie sich nur das herausgreifen können, was ihnen Spaß macht. Wie gesagt: Therapie bedeutet Arbeit.

Bei mir saßen Leute in der Gruppentherapie, die später zugaben, anfangs nur hingekommen zu sein, weil sie sich dadurch vor einer anderen Veranstaltung drücken konnten. Nachdem sie aber mit den Gruppenregeln, die ich konsequent durchgesetzt habe, Bekanntschaft gemacht hatten, ging die Arbeit (sprich Therapie) los und nach ein paar Sitzungen waren sie dankbar, daß sie teilnehmen durften.

Für die Psyche gab es dann noch die s.g. Einzelgespräche.

Na, die Gruppentherapie ist auch ´was für die „Psyche“! Meine Meinung ist zumindest, daß Kaffeekränzchen und ein schöner Plausch noch nicht zur Therapie qualifizieren.

Freizeit war nachmittags möglich, allerdings strenge
Heimkehrzeiten und Ein- und Austragen im Hausbuch war
Bedingung.

Und in der Fachklinik, in der ich wirkte, gab´s extra scharfe Kontrollen. Mit nächtlichem Wecken u.ä.! Das lag aber daran, daß es sich um eine Suchtklinik handelte und sich manche Damen und Herren halt abends hin und wieder einen gönnten. Also wecken und ins Röhrchen pusten! Im ungünstigsten Fall gab´s die schlimmste Bestrafung: Entlassung aus disziplinarischen Gründen (auch Rausschmiß genannt!). Du kannst Dir vorstellen, wie unterschiedlich die Reaktionen auf solche Rausschmisse waren.

Abends wieder Gruppengespräche *gähn*.

Hm …

Ob Du es glauben magst, oder nicht, viele der Mütter und Väter
wollten dort nach einer Zeit gar nimmer weg, so gut hat ihnen
die Hilfe, die sie dort erfahren haben getan.

Siehst Du! Was einem in einer Klinik auch nicht alles so abgenommen wird … Da kann man sich daran gewöhnen!

Freundliche Grüße,

Oliver

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Hi Oliver,

Du hast völlig Recht mit allem was Du sagst, nur bitte versteh,
ich war dort nicht der Patient, sondern nur Begleiter, also
in keinster Weise therapiebedürftig. Deshalb kann ich nur meine
Meinung des Erlebens (was sehr interssant war) wiedergeben.
Nur das die Therapeuten versucht haben, mir irgendein Problem
anzudichten (hatte ich damals wirklich noch nicht, da die
Erkrankung meiner Tochter längst nicht soweit fortgeschritten
war wie es jetzt 6 Jahre später der Fall ist) fand ich z.T.
amüsant. Schließl. einigte man sich darauf, mein Gewicht zu erhöhen und lt. Fragebogen war ich auch noch eine pessimistische
Persönlichkeit. Hab ich gern über mich ergehen lassen.
Und ich hab ja gesehen, wie sehr die Therapeuten dort hilfreich
waren. Sie haben sehr gute Arbeit geleistet. Waren alle noch relativ jung und unheimlich engagiert. Was manch einer dort durchmachte von den Patienten, da hatte ich öfter Bedenken, sie nicht einfach einzuweisen in eine geschlossene Abteilung (einschl. manches der Kinder).

PS: Aber mein Masseur war unglaublich…*feix*
Du verstehst, was ich sagen will.

und noch ein PS: als meine Tochter allerdings ne Blinddarmentzündung bekam, mußte ich die Psychologen beruhigen und hab höchstpersönlich den Notarzt aus der näher gelegenen Stadt gerufen…*nochmal feix*

Liebe Grüße
von einer, die sowas jetzt nötig hat!

Hi Romana,

Ich habe mit psychosmatischen Kliniken nur gute Erfahrungen gemacht.

natürlich kann man im Internet und in Broschüren einiges über
z.B. psychosomatsiche Kliniken nachlesen. Doch das
geschriebene Wort hat nicht unbedingt immer viel mit der
Realität zu tun. :smile:

Wie willst du das beurteilen, wenn du noch nicht in der Klinik warst?

Was sind Eure Erfahrungen mit

psychosomatsichen Kliniken? Welche könnt’ Ihr empfehlen und
warum bzw. von welchen Kliniken würdet Ihr gar abraten und
warum? Was haben sie Euch konkret geholfen und in welchem
Zeitraum?

  1. Haardtwaldklinik II in Bad Zwesten. Sehr ausgefeiltes Konzept.
  2. Tagesklinik Gütersloh. Absolute Spitzenklasse.
  3. Hans-Peter-Kitzig-Institut Gütersloh. Absolute Spitzenklasse.

zu 1. 8 Wochen
zu 2. 6 Wo, dann nochmal 6 Monate
zu 3. 1 Jahr.

Es gibt wahrscheinlich massenweise Kliniken. Und insbesondere Erfahrungen von psychisch Kranken, lassen sich nicht verallgemeinern oder übertragen. Die Klinik kann immer nur so gut sein, wie der Patient bereit ist, sich auf die Angebote einzulassen.

Merke: Nicht der Arzt dort operiert dich oder legt dir Verbände an, oder macht irgendetwas, dich zu heilen. Alles was zu deiner Gesundung beitragen soll, kann nur von dir kommen. Die Klinik gibt dir höchstens den Rahmen und die Unterstützung.

gruss
winkel

Hi Dilarah!

Ich verstehe, wenn Du schreibst, daß Du nicht Patientin, sondern Begleiterin warst und keinen Bedarf an Therapie hattest. Ich stelle es mir auch amüsant bis nervig vor, wenn man mir versuchen würde, Probleme anzudichten, die ich nicht hätte. Daß junge, übereifrige Psychologen (Ist das eine Anspielung? *g*) so etwas manchmal versuchen, kann ich mir vorstellen. Allerdings wundert es mich auch nicht, wenn in einer Mutter-Kind-Klinik Bedingungsfaktoren für eine Verhaltensauffälligkeit des Kindes bei der Mutter gesucht werden. Könnte ja sein, daß Verhalten der Mutter auch etwas mit dem Verhalten des Kindes zu tun hat. Aber das ist allgemein gesprochen und bezieht sich nicht in erster Linie auf Deine damalige Situation.

Freundliche Grüße,

Oliver

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Hi Oliver,

Daß junge, übereifrige Psychologen (Ist das eine

Anspielung? *g*) so etwas manchmal versuchen, kann ich mir
vorstellen.

…ähm…ja *kleinlaut*, meine es aber durchaus respektvoll.

Allerdings wundert es mich auch nicht, wenn in

einer Mutter-Kind-Klinik Bedingungsfaktoren für eine
Verhaltensauffälligkeit des Kindes bei der Mutter gesucht
werden. Könnte ja sein, daß Verhalten der Mutter auch etwas
mit dem Verhalten des Kindes zu tun hat.

Klar, so haben sie es mir damals auch erklärt, NUR dann hätte
Vater und Bruder der Kleinen halt auch dahin gehört. Na, wie
auch immer, es war eine interessante Erfahrung.

Herzl. Grüße
d.