Hi Dilarah,
eine solche Auszeit hatte ich gerade zwangsläufig.
Ein Teil in mir hat mein Leben lang gegen mich gearbeitet und nun im Mittelbau meines Lebens angekommen, hatte ich nicht mehr die Energie dies mit anderen Bereichen zu kompensieren. In den letzten Jahren ging es bei mir trotz zunehmender Er-Kenntnisse nur noch bergab. Nun war ich also in einer psychosomatischen Klinik.
Möglichst viel wollte ich dort mitnehmen, gleichwohl es in der ersten Woche im Grunde keinerlei Anwendungen gab und in der zweiten Woche auch nicht viele. Gleichwohl es nicht viele Anwendungen waren, waren mir diese schon teilweise zuviel, denn auch wenn die Anwendungen (Fango, Vollbad, Life Therme, Cranisocral, Ergometertraining, Progressive Muskelrelaxion usw. usf.) 10 - 30 Minuten dauerten, war ich in den ersten Wochen schon nach zwei Anwendungen so erschöpft, daß ich schlafen mußte.
Bei der Gelegenheit stellte sich bei einer Sonographie eine Unterfunktion der Schilddrüse und diverse Mangelerscheinungen fest, z.B. 10 % zu wenig Blut. Im Laufe des knapp siebenwöchigen Aufenthalts schlief ich an den ersten Wochenenden immer durch. Erst in der vorletzten Woche meines Aufenthalts begann sich langsam etwas zu verbessern. Wenn auch ich leider an einen Therapeuten geraten war, der mich eher noch runtergezogen hat, hat mir die Zeit dort insgesamt schon was gebracht. Leider habe ich zu spät einen Therapeutenwechsel angesprochen. Naja, beim nächsten Mal verlasse ich mich eher auf mein Bauchgefühl.
Zunächst habe ich wieder mehr körperliche Energie gewonnen und ich hoffe durch den Ausgleich der Spurenelemente nun noch mehr an Energie gewinnen zu können.
Beispielsweise sage ich zwar immer gerne zu schwimmen, doch ich gehe seltenst schwimmen. Dort hatte ich das Schwimmbad im Haus und ich habe es genossen möglichst oft, sofern es meine Energien zuließen, schwimmen zu gehen. Indes ich am Anfang ca. 6 Bahnen nur schaffte, und die auch nur mit Pausen, machte ich am Ende 80 Bahnen. Obwohl ich schwimmen kann, ging ich dort in die Schwimmschule, denn ich wußte, daß etwas mit meinem Schwimmen nicht stimmt. Es war zu anstrengend. In der Tat arbeitete ich zuviel mit den Armen und zuwenig mit den Beinen. Der Hintergrund ist wohl, daß ich zu Wadenkrämpfen neige (Magnesiummangel) und dem gleich im Vorfeld vorbeugen wollte. Allerdings ist Brustschwimmen halt nicht gerade das Wahre für meine ohnedies schon verspannten Schultern.
Tja, und auf einmal erkannte ich, daß das Verkrampfen das ich teils beim Schwimmen an den Tag lege, eine Metapher für mein Leben ist. Ich begann mich mehr und mehr dem Wasser anzuvertrauen, denn ich weiß tief im inneren, ich werde nie ertrinken. Es ist schwer zu erklären, doch ich ging auf einmal im Schwimmbad spielerischer mit dem Wassser und meinem Körper um, und auch im Leben wurde ich lockerer und bin auf andere Menschen wieder mehr zugegangen. Es entstanden gerade gegen Ende des Aufenthalts auch ein paar Kontakte, die ich nun pflegen werde.
Zwar fürchtete ich zu Hause angelangt in ein tiefes Loch zu fallen, da mein Therapeut und Arzt für mich eine Katastrophe war. Und in den ersten Tagen nun zu Hause ging es auch ein Stück bergab. Doch ich „weiß“ nun was mir dort die Zeit gebracht hat, was mir vor allem Schwimmen und Craniosacral gebracht hat. In der letzten Woche lernte ich dort einen Mann kennen. Es war eine der intensivsten Wochen meines Lebens, vielleicht sogar die intensivste Woche meines Lebens.
Witzigerweise ging ich mit bestimmten Vorstellungen hin, die ich dort an Themen erledigt haben wollte. Wenn auch auf der körperlichen Ebene sich etwas getan hat, so habe ich bei einigen Problemen, z.B. Beruf, keinerlei Unterstützung von meinem Therapeuten erhalten. Er meinte, würde er heute nochmal die Möglichkeit haben, würde er Sprachen studieren.
) Und auf einmal tat sich auf einer ganz anderen Ebene etwas. Ich habe einen Mann kennengelernt, der das was ich fühle in Worte fassen kann. Genau das habe ich an den Männern in meinem Leben immer kritisert, daß sie nie sagen was Sache ist. Dabei habe ich nicht gesehen, daß trotz vieler Worte, viel zu vieler Worte die ich teils mache, ich meine eigene Befindlichkeit auch kaum ausdrücke, ausdrücken kann. Oft fühle ich mich in gewisser Weise autistisch. Ich schätze seine Direktheit und sein großes Einfühlungsvermügen sehr, und im Moment tut er mir sehr gut.
Wie schon oben erwähnt, meine Auszeit war zwangsläufig. Mein Leben lang meinte ich, ich könne und ich müsse auch alles allein schaffen. Doch ich spürte auch tief in mir den Wunsch bzw. die Sehnsucht mich jemanden anvertrauen zu können, mich auf Menschen verlassen zu können, ohne dabei gleich wieder verlassen zu werden. Auch wenn es nicht das gebracht hat, was ich mir gewünscht habe, dazu war es wohl auch zuviel was ich noch aufzuarbeiten habe, brachte mir die Zeit einiges.
Es liegt an jedem Menschen selbst wie er mit einer sogenannten Auszeit umgeht. Zunächst geht es mal darum in eine andere Umgebung zu kommen bzw. einfach mal darum aus seinem Alltag herauszukommen. Soweit nötig, und dies ist es wohl auch öfter, geht es meines Erachtens darum, einerseits wieder körperliche Energien zu sammeln. Mit dem räumlichen Abstand hat man die Möglichkeit in einer anderen Umgebung einfacher neue Verhaltensweisen zu lernen und dies später wieder zu Hause zu integrieren.
Wie ein Mensch solch eine Zeit nutzt oder vergeudet, liegt am Menschen selbst. Dort waren auch Menschen die seit Jahren arbeitslos sind und teils auf die Frührente warten, doch von der BfA dorthin geschickt worden sind, weil diese sich wieder die Arbeitskraft der jeweiligen Menschen wünschten. Einige Menschen waren wohl auch dort, weil sie sich keinen Urlaub leisten können. Bei einigen Menschen habe ich dort festgestellt, daß sie unachtsam mit sich und ihrem Körper umgehen und dort mehr oder minder große Anregungen und neue Sichtweisen gewonnen haben. Dazu mag ich mich auch rechnen. Ein paar Leute hatten auch schwere Erkrankungen, für die es (noch) keine wirkungsvolle Behandlung gibt oder die in dieser Klinik einfach schlichtweg falsch waren.
Die Klinik hat sicherlich einiges angeboten, doch es oblag jedem Menschen selbst, die Anwendungen, die Angebote anzunehmen. Lange Rede - kurzer Sinn. Deine Frage ist nicht allgemeingültig zu beantworten.
Wenn eine Auszeit etwas Harmloses für Dich ist, weshalb denkst Du dann, es ist nur eine Verschiebung der Probleme?
Es liegt wohl immer daran, was für eine Einstellung ein Mensch zu sich und zum Leben hat, wieviel er sich selbst wert ist, was für einen Lebensplan jemand hat und was jemand aus seinen Möglichkeiten macht.
Ich wünsche Dir möglichst viel von Deinen Möglichkeiten nutzen zu können.
Ciao,
Romana