Was, verdammt nochmal, ist das?

Hallo liebe www-ler!

Ihr kennt das sicher: Man ist verliebt, genießt das Zusammensein, Versteht sich, vertaut sich, hilft sich, sieht alles positiv … und das seit annähernd einem Jahr. Alles ist eigentlich bestens. Eigentlich deshalb, weil meine Partnerin manchmal sehr in sich zurückgezogen ist, man kommt nicht an sie heran in diesen Situationen. Sie ist vom Wesen sehr zurückhaltend und still aber das ist dann wirklich sehr krass. Ich weiß nicht, wie ich dann an sie herankommen soll oder kann, weil ich nicht nachbohren will. Ich bin sicher, daß da „etwas“ ist, worüber sie nicht reden kann oder will. Sie ist dann sehr still, sitzt mit hängenden Schultern da, starrt ins Leere, sagt keine Silbe und hat um sich herum eine unsichtbare Mauer, die ich nicht durchdringen kann oder darf. Es könnte so viel mit ihr sein, ich grübel und grübel…und halte es manchmal nicht aus, keine Antwort zu bekommen. (Was bedrückt sie? Hat sie Sorgen? Warum redet sie nicht, wir vertrauen uns doch?! Liegt es an mir? Wenn ja, warum?..usw.) Was ist das? Himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt? Stimmungsschwankungen? Angst zu sagen, was los ist? Angst vor (m)einer Reaktion? Selbstzweifel? Depressionen? Versteckte Bindungsänste?..Am nächsten Tag ist dann wieder alles in Ordnung und sie dann darauf anzusprechen, wirft sie wieder zurück in ihre „Isolation“. Ich weiß mir einfach nicht mehr zu helfen. Ich liebe sie so sehr und es quält mich einfach.
Ich hatte selbst vor Jahren mittelschwere Depressionen, die erfolgreich therapiert wurden. Viele meiner Freunde konnten anfangs damit nicht umgehen, doch ich fand es fair, mich zu outen.
Ich kann nur schwer mit diesen „speziellen“ Situationen umgehen, fühle mich nicht vertrauenswürdig, darf / kann nicht helfen, bin so machtlos…
Diese, ich nenne sie einfach mal, Stimmungsschwankungen, treten nicht allzu häufig auf, aber wenn sie kommen, dann von der einen zur anderen Minute.
Hat jemand von euch eine Idee, wie ich damit umgehen kann?

Toni

Vertrauen und Offenheit:
Hallo antoni,

Ein Vertrauen ist die erste Stufe einer Partnerschaft, und wahre OFFENHEIT beruht auf diesem Vertrauen.
Wenn zwei Menschen sich wirklich OFFEN gegenüber treten, so MÜSSEN sie sich LIEBEN! Es geht gar nicht anders. Denn Offenheit bedeutet, dass ich mein HERZ öffne, also dem Anderen mein INNERSTES SELBST (Seele) zeige.
Da die Seele jedes Menschen GLEICH ist, erkennt sich der EINE im ANDEREN.
Dieses ICH bin DU und DU bist ICH, ist diese Verbundenheit, oder dieses Verbundenheitsgefühl, das Partner zueinander führt, und „verschmelzen“ lässt zur EINHEIT.

Dieses SICH verschmolzen fühlen mit dem Partner, ist die höchste PERSÖNLICHE Liebe.
Doch dann kommt eben das Alltagsleben, und damit auch die ICHvorstellung. Diese ICHvorstellung trennt dann wieder.
Das sind diese läppischen Meinungsverschiedenheiten des Alltags, oder auch grundlegende Meinungen, die der Auffassung des Anderen widersprechen. Sei es nur: Er spielt gerne Schach, Sie hört gerne Musik.

Dadurch fühlt sich der Andere natürlich nicht mehr VERSTANDEN, oder auch vernachlässigt, und weil er sich nicht verstanden fühlt, „schließt er sich ab“. Er schweigt über das, was er wirklich denkt. Auch will er den Anderen nicht verletzen – lass Ihn Schach spielen – lass Sie Musik hören (obwohl ich lieber mit Ihm/Ihr zusammen wäre) Dieses bedeutet weniger OFFENHEIT – zumindest in dieser Beziehung des nicht verstanden werdens, oder des sich nicht verstanden fühlens.

Wenn sich also jemand ABSCHLIESST, so liegt das schlichtweg daran, dass er sich nicht VERSTANDEN fühlt. Wobei es nicht darauf ankommt, ob er verstanden WIRD, sondern darauf ob er GLAUBT verstanden zu werden.

Somit ist für eine langfristige Beziehung wichtig, dass ich mich VERSTANDEN fühle, auch DANN, wenn ich etwas anderes mache, als es mein Partner für richtig hält.
Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt – denn darauf beruht VERSTÄNDNIS für den Anderen.

Somit ist in einer Partnerschaft auf Dauer ein Verständnis des Anderen nötig, obwohl man vielleicht nicht der gleichen Meinung ist. Das ist diese FREIHEIT, die man jedem geben muß, und die man sich auch für SICH bewahren muß.
Man muß erkennen, dass diese ICHfreiheit, (individuelle Entfaltung) die man sich nimmt, weil man eben einmal diese Überzeugung hat, NICHTS mit der PERSÖNLICHEN Beziehung zum Partner aus dem SELBST zu tun hat.

Denn eine WAHRE Beziehung zum Partner beruht auf dem SELBST und nicht auf dem ICH.

So kann ICH meine Individualität ausleben, und gleichzeitig aus dem SELBST eine ideelle Beziehung zum Partner führen, ohne den Partner auf Grund von individueller Auffassung AUSZUSCHLIESSEN.

So kann ich OFFEN bleiben, auch dann, wenn der Partner eine andere Meinung oder Auffassung vertritt

Denn das wichtigste ist die OFFENHEIT ohne Angst, nicht verstanden zu werden. Denn NUR die Angst (und das Gefühl: Der versteht mich nicht) verleitet den Menschen dazu, sICH gegenüber dem Anderen ABZUSCHLIESSEN.

Offenheit (aus dem SELBST) führt zur EINHEIT, Abgeschlossenheit (aus dem ICH) führt zur TRENNUNG.

Mit freundlichen Grüßen

Demetrius

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hallo Toni,

hast du sie schon darauf angsprochen?
Hast du sie schon gefragt, was los ist?
Hast du ihr schon angeboten, ihr zuzuhören, ihr tragen zu helfen?

So wie du es beschreibst, könnte es sein, daß sie irgendwas, das sie mal erlebt hat, noch nicht verarbeitet hat. Ich würde das nicht gleich als mangelndes Vertrauen interprätieren.
Vielleicht kann sie einfach noch nicht darüber reden. Vielleicht braucht sie Zeit. Wenn sie wirklich noch nicht darüber reden kann dann versuch doch, ihr trotzdem zu zeigen, daß du für sie da bist. Wenn sie sich zurückzieht kümmere dich um sie. Koch ihr einen Tee, nimm sie in den Arm… Aber dränge sie nicht. Gib ihr einfach das Gefühl, nicht allein zu sein, das Gefühl angenommen und geliebt zu sein. Wenn es nicht anders geht, dann schweige mit ihr. Sei einfach da zum anlehnen auch wenn du nicht weißt, wsa genau los ist.
Ich muß hier klar sagen, daß ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, aber ich kann mir vorstellen, daß du so am ehesten die Basis dafür schaffen kannst, daß sie sich eines Tages dir anvertrauen kann.
Ich kann mir vorstellen, daß es für dich nicht leicht ist aber wenn da wirklich etwas ist, dann darfst du ihr Schweigen nicht auf dich beziehen.

Viel Glück für euere Beziehung.
Grüßle,
Sandra

ansprechen: Bleib bei Dir.
Hallo Toni,

was „das“ ist, werden wir Dir hier nicht sagen können. Das kann Dir nur Deine Freundin sagen.
Ich berichte Dir aber mal gern, wie ich früher war - das kam mir nämlich gar nicht mal so unbekannt vor, als ich das gelesen habe.

Frag mich nicht wieso, aber früher konnte und/oder wollte ich über manche Sachen nicht sprechen. Ich war um die 20 - und wenn mich etwas in der Beziehung gestört hat oder mich mein Freund mit irgendwas geärgert hat (auch wenn er es nicht wusste), dann hab ich den Rolladen runtergelassen: Mieses Gesicht gemacht, nichts mehr geredet.

So, und jetzt kommt das Ätzende: Wenn er JETZT gefragt hat, was los ist und versucht hat, rauszubekommen, warum ich plötzlich einen auf Mauer mache und „was ist“, dann hat das für mich die Sache nur noch verstärkt! (Der arme Kerl, tut mir Rückblick noch ganz leid *g*)
Denn dann war es für mich doppelt: Nicht nur war da die Ausgangssache, die mich geärgert/verletzt/gestört o. ä. hat, NEIN, diese Sache, die für mich offensichtlich war, hat er offenbar gar nicht mal wahrgenommen (!). WAAAAAH!

Es kam, wie es kommen musste. Meine Antwort war: „Nichts.“
Wobei klar war, dass was war, hat man ja nur in mein Gesicht schauen und sich den Ton von „Nichts“ anhören brauchen.

Es ist noch immer nicht vorbei, denn er konnte auch jetzt nicht mehr gewinnen:
Entweder er hat nachgebohrt, dass natürlich was ist, sieht man doch … und mich nicht in Ruhe gelassen -> schlimm
oder
Er hat mir geglaubt, dass nichts ist und ist zur Tagesordnung übergegangen -> auch schlimm

Grauenhaft, gell?

Übrigens brauchst Du nicht glauben, dass das für mich in der Situation gleichzeitig einfach war. Ich hab ja auch darunter gelitten: unter der Sache, unter meinem Verhalten, unter dem vermeintlichen Unverständnis meines Freundes.

Keine Ahnung, ob das schließlich der Auslöser war - jedenfalls hat mein Freund was Gutes gemacht: Er hat nämlich (und das rate ich Dir hiermit auch) aufgehört, zudrängeln, dass ich doch sagen solle, was ist.
Dafür hat er mir gesagt, wie es ihm damit geht, wenn ich so bin. Und damit hat er mir vor Augen geführt, dass ich ihm keine Chance gebe, wenn ich ihm nicht sage, was ist. Und - noch wichtiger - wie schlecht es ihm geht, wenn ich ihn anschweige und ein mieses Gesicht dazu mache (und gleichzeitig „nichts“ proklamiere).

Ob’s nur das war, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hat es dann Klick gemacht bei mir. Denn ich wollte ihn ja nicht verletzen oder wehtun mit meinem Gehabe.

Ab da hieß es dann Training für mich. Und das war gar nicht mal so leicht. Ich seh mich viele Male dasitzen und innerlich proben, was und wie ich es jetzt sage (dabei ging es überhaupt nicht um irgendwelche schwierigen Themen oder so, ich wusste einfach nicht, wie’s geht, Dinge offen anzusprechen) - und nach einiger innerlicher Probe konnte ich es nicht mehr sagen, weil es mir schon „alt“ vorkam).

Jedenfalls hab ich Stück für Stück Fortschritte gemacht und tatsächlich dann innerhalb kürzester Zeit gelernt, auch offen zu sagen, was Sache ist (war nicht einfach, aber wenn man mal anfängt, dann geht’s leichter).

Jetzt im nachhinein schüttel ich selbst den Kopf.
Ich sag Dir das, weil es sein kann, dass es bei Euch einfach ähnlich ist.

Letztlich geht es wieder um eine Grundregel in der Kommunikation: Bleib bei Dir. Ich kann Dir nur empfehlen: Wenn Du Deine Freundin ansprichst, dann sag ihr, wie’s Dir geht und wie Sie bei Dir ankommt, wenn sie so ist.
Anstatt rumzupopeln und zu drängeln, was los ist.

Hoffe, ich konnte Dir paar Anregungen geben.

Viele Grüße
Gitte

HI, Toni,

ich kenn das auch von meinem Mann und mir (bin auch ich die, die manchmal schweigt und traurig und sauer ist).
Mir hilft es immer, wenn er mich dann nicht mit Fragen löchert/nervt, sondern mich einfach in den Arm nimmt und mir Halt gibt und mich vielleicht auch einfach mal drauflosheulen lässt. Wir haben irgendwann mal darüber gesprochen, er sagte mir, dass er sich n solchen Situationen so hilflos fühlt und nicht weiß, wie er sich dann verhalten soll. Mir tat es unendlich gut, dass er nicht wissen wollte, was dann mit mir los war, sondern einfach nur für mich da sein wollte auf eine Art und Weise, die mir guttut. Irgendwann konnte ich dann mit ihm auch mal drüber sprechen, was mich so niederdrückte, aber einfach nur, dass er da war, mir Halt und Stütze war, ohne dass ich begründen musste, wieso ich das gerade brauchte, war richtig toll für mich. Hat auch was mit Vertrauen zu tun, jemanden zu trösten, ohne zu wissen, warum genau. Es hat uns noch mehr zusammengebracht, weil ich immer noch weiß, dass ich auch mal zu ihm gehen und mich von ihm trösten und halten lassen kann, ohne dass ich Gründe dafür angeben muss. Und manchmal erreichen Frauen einfach so einen Tiefpunkt - stimmungsmäßig - ohne dass sie es selbst verstehen oder erklären können (zumindest die meisten, die ich kenne, und ich auch), und dann ist es gut, wenn jemand da ist, bei dem man auch diese irrationalen Gefühle einfach mal loswerden kann.

Gruß, die Elbin

hallo antoni,

ich kann dir gut nachfühlen, wie es dir manchmal geht. auch ich habe phasen, in denen ich meinen partner nicht richtig verstehe, weil er sich ähnlich wie deinen frau/freundin verhält. dieses nicht-wissen, was los ist, kann ganz schön frustrierend sein, besonders, wenn diese situationen so plötzlich kommen. aber ganz wichtig erscheint mir, genau dann NICHT nachzufragen, WAS los ist, sondern einfach dazusein. es fällt schwer, weil auch ich den grund zuerst bei mir suche. wenn ich nachfrage, bekomme ich keine antwort und habe das gefühl zu drängen (was ich nicht will) und den druck damit bei ihm zu erhöhen. das bringt bestimmt nichts. ich versuche, ihn zu nehmen und zu sehen, wie er ist, auch wenn ich mich unsicher fühle. aber ich wünsche mir, daß er von sich aus selbst mal darüber reden kann, wenn er meint, daß die zeit richtig ist.
meiner erfahrung nach haben menschen mit stimmungsschwankungen oft selbst nicht die leiseste ahnung, was eigentlich los ist. und dann noch mit fragen bedrängt zu werden, verbessert den zustand bestimmt nicht. „machtlos“ ist ein gutes stichwort:…man will so gerne helfen/verstehen und kann/darf nicht! natürlich könnte man sagen:„komm, laß üns drüber reden!“ doch genau das ist schwierig, weil die gefahr des ZERredens besteht.
aber vielleicht oder wahrscheinlich hilft es am meisten, einfach für den partner da zu sein, halt zu geben, ihn in den arm nehmen und gemeinsam zu schweigen (und ihm nicht das gefühl zu geben, sich für irgendetwas rechtfertigen zu müssen). deine partnerin verhält sich bestimmt nicht so, um dich zu ärgern! einerseits unbefriedigend, weil das WARUM unbeantwortet bleibt, andererseits sehr schön, halt zu geben und einfach da zu sein.
(vielleicht sollten wir endlich aufhören, uns ständig gedanken zu machen und versuchen, die menschen zu anzunehmen, WIE SIE SIND!)

grüße
claudi

‚anders‘
Hi Toni

den zahlreichen feinfühligen und klugen Antworten, die Du schon bekamst, gibt es nichts hinzuzufügen. Solche Situationen, Szenen (vielleicht auch im psychologischen Sinne „Episoden“) sind für den Partner aktuell sehr schwierig, und daran läßt sich nichts ändern - es ist nur etwas, das ausgehalten werden muß.

Hier wird offenbar bei Deiner Partnerin jeweils etwas (Vergangenes) aktuell, das selbst in einer vertrauensvoll intimen Partnerschaft nicht zur Sprache kommen kann/soll/will. Hier müssen - und das ist sehr wichtig - einfach Verschmelzungswünsche respektvoll halt machen.

Genau wie bei der Beziehung zwischen weniger psychisch sensiblen Persönlichkeiten beginnt die „Begegnung mit dem Anderen“ genau da, wo wir den Anderen als anders als uns selbst erleben.

Eine Möglichkeit, die Konfliktsituation für Dich und möglicherweise für sie etwas zu erleichtern, läge darin, daß Du ihr in einer Phase, wo sie sich nicht so, wie von dir beschrieben, verhält, einmal sagst, daß es Dich irritiert und Du nicht weißt, wie Du damit umgehen sollst, wie Du Dich dann ihr gegenüberverhalten sollst. Bitte sie, Dir Vorschläge für solche Situationen zu machen.

Sie wird Dir vermutlich vorschlagen, sie dabei ganz in Ruhe zu lassen, nicht weiter über sie nachzudenken, und ihr die Sicherheit zu geben, daß sie sich nicht ihrerseits obendrein noch Gedanken über DICH machen muß …

Danach kannst Du Dir dann Deinerseits sicher sein, daß sie Dein gleich_mütiges_ Verhalten nicht als Gleich_gültigkeit_ deutet …

Grüße

Metapher

hallo,

…Du machst dir offentsichtlich zuviele gedanken über eure beziehung. Meistens haben frauen das problem mit verschlossenen männern.
Du kennst diese situation bestimmt schon auswendig… also warte erstmal bis deine „liebe“ wieder aus ihrem versteck kommt.
Mit zwang/druck/noch mehr liebe etc… wirst du vermutlich nichts ändern können… also warte ab! Manchmal hilft es wenn man einfach weiterlebt und den partner possitiv mitzieht. Wenn sie mal wieder richtig gut drauf ist… dann frag mal nach und sag ihr, daß du dir gedanken machst… schuld bei dir suchst… --schütte einfach mal dein herz aus— was dir so alles durch den kopf geht wenn sie schlechte laune hat. In solch possitiven situationen ist man selbst auch etwas entspannter und nicht so emotional geladen.
Wenn sie sich dann nicht dazu äußert wirst du das problem in dieser beziehung wohl nicht lösen können.
good luck
rüdl