Hallo an alle!
„Werkzeug“ und „Farbe“ stellen zwei Kategorien in unserem Denken dar. Es gibt verschiedene Theorien über den Aufbau von Kategorien. Eine Theorie besagt z.B., daß Kategorien durch so genannte Prototypen repräsentiert werden. Der Prototyp stellt so etwas wie ein ideales Element der Kategorie dar, das am wahrscheinlichsten genannt wird, wenn nach einem Element der Kategorie gefragt wird.
Wenn man durch andere Denkaufgaben wie Rechenaufgaben beansprucht ist und dann schnell ein Element einer Kategorie nennen soll, dann nennt man mit großer Wahrscheinlichkeit das prototypische Element. Weil die meisten von uns in der gleichen Kultur aufgewachsen sind, nennen die meisten von uns das gleiche.
Werkzeug - Hammer
Farbe - rot
Für die interessierten Leser hänge ich noch ´was aus der Kognitionspsychologie dran.
Grüße,
Oliver Walter
Kategorisierungen
Bei der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung werden viele den Menschen erreichende Reize nicht berücksichtigt. Vielmehr werden unter den ankommenden Reizen gezielt diejenigen ausgesucht, die relevant für den Menschen erscheinen. Die Begrenzung der relevanten Informationen geschieht durch:
· Auswahl,
· Rigidität und
· Vereinfachung.
Ein Mittel zur Vereinfachung ist die Kategorisierung , wobei Kategorie meist gleich „Begriff“ gesetzt wird. Eine Kategorie ist eine Zusammenfassung von mindestens zwei unterscheidbaren Objekten, die als gleich behandelt werden. Zweck der Kategorisierung ist nach Rosch (1975) die Ökonomisierung des Denkens, nach Bruner et al. (1956) das Hinausgehen aus der Information und nach Osherson & Smith (1981) die Bildung von komplexen Begriffen (Abstraktion). Die Kategorisierung ist von elementarer Bedeutung für das Denken, da das Leben ohne Begriffe sonst einem Chaos gleichkommt (Smith & Medin, 1981).
Theorien über den Aufbau von Kategorien
Bruner et al. (1956):
Kategorien sind durch die notwendigen und hinreichenden Attribute der Objekte in ihnen festgelegt. Dabei kann man genau festhalten, welche Objekte in welche Kategorien gehören und welche nicht. Es gibt feste Grenzen. Die Kategorien sind allerdings willkürlich festgelegt und hängen von Kultur und Sprache ab. Innerhalb einer Kategorie werden alle Objekte gleich behandelt.
Rosch (1978), Medin (1981):
Nach Untersuchung natürlicher Kategorien wurde Bruners Konzept in Zweifel gezogen, besonders die strenge Abgrenzung zwischen den Kategorien. Vielmehr wird angenommen, daß Objekte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in eine Kategorie gehören und daß es ein Gefälle vom typischsten zum untypischsten Objekt in einer Kategorie gibt. Ein Objekt kann demnach nach dem Grad seiner Repräsentativität für die Kategorie eingestuft werden. Dabei wurde das Konzept des Prototypen eingeführt, der einen Mittel- oder Idealwert für die Kategorie darstellt. Die Prototypen werden bei der Kodierung gebildet. Die Grenzen zwischen Kategorien werden als fließend angenommen.
Estes (1986), Hintzman (1986):
Kategorien werden als „Exemplare“ verstanden, der Begriff als Gedächtnisspuren spezifischer Beispiele. Die Prototypenbildung findet während des Abrufs von Informationen aus dem Gedächtnis statt und nicht während der Kodierung. Allerdings ist es schwierig, daß Kategorierungskonzept von Estes und Hintzman von dem von Rosch und Medin abzugrenzen, da Kategorien wieder als Gruppen ähnlicher Objekte definiert sind.
Smith (1988, 1990), Medin & Smith (1981):
Nach dieser Konzeption wird zwischen Prototyp und Kern einer Kategorie unterschieden. Der Prototyp stellt ein typisches Beispiel für die Objekte der Kategorie dar, während der Kern die essentielle Definition umfaßt. So hat die Kategorie „Großmutter“ möglicherweise als Prototypen die eigene Großmutter einer Person mit den Eigenschaften Mutter eines Elternteils und ältere Person. Der Kern beschränkt sich aber auf alle Objekte, die nur Mutter eines Elternteils sind, während das Alter keine Rolle spielt. Der Prototyp sorgt für eine schnelle und grobe Einteilung von Objekten in Kategorien, der Kern dagegen für eine „diagnostische Feinarbeit“ und stellt den essentiellen Teil der Kategorie dar, der sich aus Alltagspsychologie und naiven Theorien entwickelt hat.
Unterschiedliche Arten von Kategorien
natürliche : Sie enthalten alle Objekte, die unabhängig von der Existenz des Menschen sind. Beispiele: Tiere, Pflanzen, Mineralien, Sterne, Elemente.
künstliche : Sie umfassen alle vom Menschen geschaffenen Objekte wie z.B. Haushaltsgegenstände, Geld, Kunstwerke, Fahrzeuge, Waffen.
soziale : Soziale Kategorien enthalten Begriffe zur Einteilung von Menschen und ihrem Verhalten wie z.B. Beruf, Geschlecht, Religion.
Man erkennt an den Beispielen, daß die Unterscheidung von Kategorien schwierig ist: Die Kategorie „Geschlecht“ wurde als soziale Kategorie aufgefaßt. Dennoch ist das Geschlecht von der menschlichen Existenz unabhängig, so daß es auch eine natürliche Kategorie darstellt. „Religion“ ist etwas vom Menschen Geschaffenes, so daß sie auch als künstliche Kategorie gelten kann.
In sozialen Kategorien sind Prototyp und Kern genauso vorhanden wie in den anderen Kategorien. Rothbart & Taylor (1992) sehen die Kerne so angelegt, daß im Prinzip unabhängige Kategorien bei Betrachtung der Kerne als unvereinbar miteinander angesehen werden. Kerne geben den willkürlichen Kategorien ihre Berechtigung im Sinne naiver Theorien. Prototypen entsprechen demnach Stereotypen.
_Gründe für die Einteilung von Objekten in die gleiche Kategorie:
· gemeinsames Auftreten von Objekten,
· funktionelle Gleichheit der Objekte ( Kugelschreiber und Bleistift ) und
· Ursache-Wirkungs-Prinzipien.
Das Konzept des gemeinsamen Merkmals führt zur Kohärenz der Kategorie, wenn es auf Vernunft begründet ist. Aus Sicht von naiven Theorien bestehen Kategorien jedoch auf den angenommenen Zusammenhängen zwischen den Objekten einer Kategorie._