Mutter-Tochter-Beziehung HILFE!

Hallo miteinander,

mein Problem ist recht komplex, sodaß ich hier versuchen werde, die wichtigsten Punkte zu umreißen.
Ich bin fast 30, mein Mann auch unser Sohn ist 18 Monate alt.
Meine Eltern ließen sich scheiden als ich sieben war. Meine Mutter hatte nie wieder eine feste Beziehung, dafür war unsere um so inniger. Ich war quasi der Partnerersatz, wir haben alles besprochen und gemeinsam entschieden. Dann wurde ich eine junge Frau, hatte den ersten Freund und habe nun sogar meine eigene Familie gegründet. Seit diesem natürlichen Abnabeln hat sich das Verhältnis zu meiner Mutter total geändert. Sie fing plötzlich an, mich von oben bis unten wie eine Konkurrentin zu taxieren, gab selbst einmal zu, sich gar nicht so richtig für mein Leben zu interessieren. Sie begann, sich anderen gegenüber negativ über meine Figur oder meinen Charakter zu äußern.
Die Krönung war, als wir ihr sagten, dass sie Oma wird. Da meinte sie:„Das find ich ja nicht gut, sag dass das nicht war ist. Ich wollte nie Oma werden.“ Wenn ich ihr später von unsren Vorbereitungen auf das neue Familienmitglied erzählte, hat sie mich jedesmal regelrecht ausgelacht.
Ich habe gehofft, wenn der Kleine da ist, finden wir wieder eine gemeinsame Ebene, aber es wird eher schlimmer. Ich habe aus Selbstschutz innerhalb der Jahre immer mehr zugemacht, erzähle ihr kaum noch was, damit sie mir nicht weh tun kann. Allerdings habe ich ihr auch immer weniger paroli geboten, bin jedem Konflikt aus dem Weg gegangen, wollte meine kleine heile Welt für mich.
Nun hatten wir vor fast sechs Wochen ein Telefonat, während dem ich ihr berichtete, dass wir das vergangene Wochenende an der Ostsee verbracht hatten. Sie war sauer, dass ich ihr das vorher nicht erzählt hatte.(Ich wollte meine Männer damit überraschen) Sie war so stinkig und unangenehm, dass ich das Gespräch freundlich aber bestimmt beendete. Zum ersten Mal habe ich mir gestattet, auch stinkig zu sein.
Am nächsten Tag zur Mittagszeit rief sie an, und fragte, ob wir uns nicht mal aussprechen müßten. Ich war total offen, habe sofort eingewilligt. Sie fing dann gleich am Telefon an, zureden. Ich sagte ihr, dass ich nicht am Telefon reden möchte und jetzt schon gar nicht, weil der Kleine nach seinem Essen schreit. Sie:" Das verstehe ich. Ich muß mich ja auch erst mal beruhigen." Darauf ich:„Gut, dann beruhige dich, und dann rufst du an, sagst mir wann und wo, und dann reden wir.“
Dann passierte sechs Wochen gar nichts. Und vorhin rief sie an, um zu fragen, wie es uns geht. Ich: „Hast du dich nun also beruhigt?“ Sie:„Ja, schon vor längerer Zeit:“ Ich:" Na, aber du wolltest dich doch melden, damit wir reden?!" Pause Ich:„Willst du nicht mehr reden?“ Sie:" Ist mir jetzt zu heiß." Danach folgte small talk. Ich natürlich total enttäuscht. Sie will sich dann bald mal melden, um mal wieder den Kleinen zu sehen.

Und jetzt meine Fragen:
Was soll ich machen? So wie es ist, tut sie mir nicht gut, will ich sie in meinem Leben nicht mehr haben. Sie hat mir den schwarzen Peter zugeschoben. Bin ich es ihr nicht wert? Wovor hat sie Angst? Soll ich die letzte Tür zu machen?

Hallo Michaela,

ich verstehe Ihr Problem nicht. Wenn mich jemand so behandelt breche ich die Beziehung ab. Selbst Ihrer Mutter gegenüber gibt es für Sie keine Verpflichtung, sich in dieser Form demütigen zu lassen.

Gruß, Hans-Jürgen

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Michaela!

Ich kann gut verstehen, dass Du verwirrt bist.

Die Beziehung „Eltern-Kind“ geht immer so lange gut, wie die Kinder das machen, was die Eltern wollen oder für sich als das Lebensziel (usw.) ausgewählt haben.

Ich lese zwischen den Zeilen und glaube, dass Deine Mutter sich als Kind auch stark anpassen musste, also der Rolle wie sie Mädchen aufgedrückt wird: „Du musst so-und-so _sein_, und wenn du das nicht bist, dann… [werde ich aber wütend…usw].“

Das ist zum grössten Teil ein gesellschaftl. Problem.

Wir als Kinder haben _heute_ aber die Chance, diese Art von Teufels-Kreislauf zu unterbrechen! Nämlich indem wir unseren Kindern nicht aufdrücken, was wir eigentlich wollen oder einmal wollten.

Wichtig ist jetzt für Dich (und Deine jetzige Family), dass Du Dir nicht ein Schuldgefühl, Scham oder sonst irgendetwas moralisches aufdrücken lässt. Ansonsten lass Deine Mutter machen, was sie möchte (so lange sie nicht tätlich wird).

Vielleicht ist es heilend für Eure Beziehung, wenn Du ihr sagen kannst, dass Du verstehst, dass sie es als geschiedene Mutter mit Kind schwer hatte. (… wenn Du es so für Dich gefühlsmässig empfindest/nachvollziehen kannst.)

Noch etwas: die meisten Mütter (oder sind es alle?), wollen über ihre Kinder Macht haben. (Das ist natürl. Gift für die Kinder, und irgendwann, wenn die Kinder nicht aufpassen, machen sie es den Alten nach… und eines Tags geben sie es an ihre eigenen Kinder weiter.)

Nach der Auffassung von Eltern (und damit „dem Rest der Welt“):

  • So müssen Mädchen Mädchen sein: sich anpassen, lieb sein, die Vorstellungen von anderen erfüllen usw.
  • Jungen müssen Jungen sein: der Beste, der Schnellste, der Klügste, der Erfolgreichste usw.

Das resultiert alles aus „Konkurrenz-Denken“ und dem Gefühl, nicht genug kriegen zu können.
So also, haben Mädchen dann einen Freund/Mann, werden sie zu Konkurrentinnen der Mütter. Haben Jungen eine Freundin/Frau, verlieren die Mütter ihren Sohn (als sei er tot).

„Alles schrecklich das!“

Und jetzt meine Fragen:
Was soll ich machen?

Nichts, einfach nichts.

So wie es ist, tut sie mir nicht gut,
will ich sie in meinem Leben nicht mehr haben.

Lass sie so, wie sie ist. Und lebe Dein Leben wie Du es willst.

Sie hat mir den
schwarzen Peter zugeschoben.

Wenn Du das so siehst, gib den „Schwarzen Peter“ in dieser Runde noch zurück („Ja, ich kann verstehen, dass es schwer für Dich war…“).

Bin ich es ihr nicht wert?

Stelle Dir diese Frage nicht wieder.
Sondern lieber: „Was bin ich mir wert? Was kann ich tun?“

Wovor hat sie Angst?

Vielleicht, dass Du nicht so bist/wirst, wie sie es sich für ihr Leben ausgedacht hat (aber, siehe oben: resultiert daraus, sich an die Wünsche der (also ihrer) Eltern angepasst zu haben, bei dem gleichzeitigen Gefühl, dem nie vollkommen zu werden.)

Soll ich die letzte Tür zu machen?

Das brauchst Du nicht. Du kannst die Tür für sie offen lassen. Lediglich abgrenzen musst Du Dich.
Bitte besprich das auch mit Deinem Mann, nicht dass er Dir ungewollt in den Rücken fällt, weil er dieses oder jenes sagt oder nicht sagt.

Vielleicht kannst Du ja etwas damit anfangen, was ich Dir schrieb.

Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute!

CU & Have Fun!
DannyFox64 :smile:

Hallo Michaela,

warum Deine Mutter so reagiert, wie sie reagiert kann man nur vermuten.
Du hast geschrieben, dass Deine Mutter nach ihrer Ehe nie wieder eine feste Beziehung hatte. Hast Du sie mal gefragt warum?
Wäre es möglich, dass sie Angst davor hatte, Du könnstest einen neuen Partner nicht akzeptieren?
Es ist durchaus „mütterlich“ auf irgendetwas zu verzichten ( was weder jemand verlangt, noch wünscht )und dann im Nachhinein Dank oder ebenfalls Verzicht zu fordern.
So nach dem Motto: " Ich hab mein Leben für Dich geopfert, hab dir zuliebe auf alles verzichtet. Und was machst Du? Du lässt mich alleine, lebst Dein eigenes Leben."
Ich denke, Deine Mutter ist unzufrieden, weil sie ( selbstauferlegt ) vieles im Leben versäumt hat. Aber vergiss nicht: Es war IHRE Entscheidung!
Was zu tun ist, hast Du ja selbst schon beantwortet.

Zum ersten Mal
habe ich mir gestattet, auch stinkig zu sein.

Ihr spielt schon ewig das selbe Spiel. Deine Mutter AGIERT soundso und Deine REAKTION ist soundso.
Sie weiß ( vielleicht nichtmal bewusst )was ihre Bemerkungen in Dir auslösen. Du bist verletzt, traurig, fühlst Dich schuldig. Und obwohl sie damit nicht glücklich ist, will sie dass Du Dich so fühlst.
Und dieses eine Mal hast Du nicht reagiert, wie Du immer reagierst. Du hattest den Überraschungseffekt auf Deiner Seite, bist nur leider inzwischen wieder in Dein altes Muster gefallen.
Frag Dich nicht, ob Du es IHR wert bist. Du solltest es DIR wert sein, glücklich zu sein.
Du hast KEINE Schuld an dem Leben das Deine Mutter gewählt hat und ihrer Unzufriedenheit darin. Sie wäre nicht zufriedener, wenn Du keinen Mann und kein Kind hättest.
Verabschiede Dich von Deinen alten Mustern. Du bist kein Kind mehr.
Versuche neu an die Situation ranzugehen, so als ob ihr keine Vergangenheit hättet. Und entscheide für DICH, wie es weitergehen soll.
Wenn Du keine Lust auf Small-Talk hast, dann sag ihr das. Wenn Du keine Lust hast, sie zu sehen bevor ihr nicht miteinander geredet habt, dann sag ihr das. Sag ihr, wie Du Dich fühlst und dass Du so keine Lust mehr auf sie hast. Sag ihr das!
Wenn Du keine Lust auf den schwarzen Peter hast, dann hör auf schwarzer Peter zu spielen.

Ich wünsch Dir viel Kraft und alles Liebe!

Tanja

Habt vielen Dank für Eure Zeilen zu meinem Problem.
Ihr habt recht, mein Leben muß mir am wichtigsten sein. Und ich möchte glücklich sein. Mit meiner kleinen Familie bin ich sehr glücklich und werde mir das von meiner Mutter nicht vermiesen lassen.
Ich habe auch nochmal ausführlich mit meinem Mann darüber gesprochen.
Wenn meine Mutter wieder anruft, um mir zu sagen, dass sie dann und dann mal wieder vorbeischauen möchte, werde ich ihr sagen, dass ich das nicht möchte, bevor wir nicht miteinander gesprochen haben. Entweder, wir verabreden uns dann oder nicht. Wenn wir reden, und sie zeigt sich total von der ablehnenden und unschuldigen Seite, hat sie auch verspielt. Ich sehe das als letzte Chance für sie. Sonst ist Funkstille, damit ich in Frieden leben kann.

Nochmals Danke an Euch. Es tut gut, mal die Meinung Unbeteiligter zu hören. Michaela

Hallo Michaela,

Wenn meine Mutter wieder anruft, um mir zu sagen, dass sie
dann und dann mal wieder vorbeischauen möchte, werde ich ihr
sagen, dass ich das nicht möchte, bevor wir nicht miteinander
gesprochen haben. Entweder, wir verabreden uns dann oder
nicht. Wenn wir reden, und sie zeigt sich total von der
ablehnenden und unschuldigen Seite, hat sie auch verspielt.
Ich sehe das als letzte Chance für sie. Sonst ist Funkstille,
damit ich in Frieden leben kann.

was Du vor hast, finde ich gut. Aber lass Deine Mutter nicht im Unklaren über die verschiedenen Szenarien, die Du Dir zurecht gelegt hast. Sie weiß nicht, dass ein evtl. stattfindendes Gespräch für sie „die letzte Chance“ ist. Wenn Du es ihr also nicht schon zu Beginn Eures Gespräches sagst, wenn Du nicht gleich Klartext redest, Ihr Deine Prioritäten und Entscheidungen mitteilst, nimmst Du Ihr vielleicht die Möglichkeit, den Ernst der Lage tatsächlich zu erkennen und sich bewusst zu machen, was sie im Begriff ist zu verlieren.

Ihr Verhalten ist nicht ok, aber es ist, wie es ist. Und ich weiß nicht, ob Du mit einem totalen Bruch so ganz ohne - wenn auch später - aufkommende Schuldgefühle klarkommen würdest.

Liebe Grüße
Birgit

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Hallo Michaela, es verwundert mich dass hier nicht mal jemand vom FAch sich der Sache angenommen hat. Mir ist aufgefallen, dass Du nicht einmal versucht hast, den Standpunkt Deiner Mutter zu erkennen. Sicher bist Du auch für Sie das liebste was ihr blieb, dies musste sie nun erst mit Deinem Mannund dann auch noch mit junior teilen. Noch dazu macht Oma sein einem das Gefühl unheimlich alt zu sein (eine ehemalige klassenkameradin von mir macht ihre Mutter mit unter 40 zur Oma, die war darüber tief geknickt.)Ich vermute, dass nicht nur die Kommunikation zwischen Euch gestört ist, sondern evtl. Deine Mutter mit der Situation, dass Du erwachsen geworden bist noch nicht klargekommen ist. Daher wurde ich dir vorschlagen, beim Gespräch mit deiner Mutter einen Mediator, der Neutral die Fronten im Auge behält hinzuzuschalten. Schlag ihr das doch beim nächsten Telefonat vor. Auch die ein oder andere Sitzung „FAmilienaufstellung nach HEllinger“ kann diese Funktion übernehmen, dabei werden in Rollenspielen zB. auch mal die Rollen getauscht um die Position des anderen zu erkennen, oder falsche Annahmen a la „das muss sie doch wissen das sie mir damit weh tut“ werden aufgedeckt, denn sie beruhen meist auf Missverständnissen.Auch die Rolle des fehlenden Vaters wird evtl. probeweise ersetzt, oder die Rolle die Deine Großeltern bei der Entwicklung deiner Mutter und damit indirekt auch bei Dir spielten.So kann geklärt werden, warum ihr so reagiert wie ihr reagiert und wieso ihr voneinader glaubt was ihr glaubt, und inwieweit dies zutrifft oder nicht.

Der Abbruch jeglicher Kontakte sollte der letzte Weg sein, denn damit nimmst Du Junior auch die Oma. das mag jetzt vielleicht noch nicht so schlimm sein, aber wenn er in den Kiga kommt schon eher. Es bringt ihn in Erklärungsnot, und mit der Zeit wird er Fragen haben, die sich nicht mit einem „DAs verstehst Du nicht“ abstellen lassen, allenfalls äusserlich.

Schöne Grüsse Susanne

Hallo Susanne,
hallo Michaela,

es verwundert mich dass hier nicht mal jemand
vom FAch sich der Sache angenommen hat.

(Ich musste feststellen, dass das auf w-w-w in diesen und ähnlichen Brettern wohl schwierig ist; zudem jetzt noch Sommer-Urlaubszeit.)

Auch die ein oder
andere Sitzung „FAmilienaufstellung nach HEllinger“ kann diese
Funktion übernehmen, dabei werden in Rollenspielen …

Rollen_spiel_ ist nicht ganz der richtige Ausdruck, das würdigt nicht so ganz den Ernst der Sache. – Aber in den anderen Punkten hast Du vollkommen Recht:

…zB. auch
mal die Rollen getauscht um die Position des anderen zu
erkennen, oder falsche Annahmen a la „das muss sie doch wissen
das sie mir damit weh tut“ werden aufgedeckt, denn sie beruhen
meist auf Missverständnissen.Auch die Rolle des fehlenden
Vaters wird evtl. probeweise ersetzt, oder die Rolle die Deine
Großeltern bei der Entwicklung deiner Mutter und damit
indirekt auch bei Dir spielten.So kann geklärt werden, warum
ihr so reagiert wie ihr reagiert und wieso ihr voneinader
glaubt was ihr glaubt, und inwieweit dies zutrifft oder nicht.

Ja, gut!

Ich habe so um die 120 Aufstellungen nach Hellinger erlebt und dran teilgenommen, nicht nur dass es beeindruckend wäre, ES bringt in die Wahrheit. - In der Tat vielleicht genau das Richtige für Michaela!

Dazu vielleicht x zwei Links:

http://www.familien-aufstellung.de/
(diesen Therapeuten habe ich einmal persönl. kennengelernt, arbeitet mit einer hervorragenden Tiefe und Ruhe)

http://www.familienaufstellung.de/
(kenne ich nur aus dem Netz, macht imho auch Aufstellungen in Berlin)

Der Abbruch jeglicher Kontakte sollte der letzte Weg sein,
denn damit nimmst Du Junior auch die Oma. das mag jetzt
vielleicht noch nicht so schlimm sein, aber wenn er in den
Kiga kommt schon eher. Es bringt ihn in Erklärungsnot, und mit
der Zeit wird er Fragen haben, die sich nicht mit einem „DAs
verstehst Du nicht“ abstellen lassen, allenfalls äusserlich.

So ist es!

Lasst es Euch gut gehen.

DannyFox64