Selbstwertgefühl
Von: , Frage gestellt am Mo, 23. Feb 2004
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Hallo Mirijam,
Du hast uns leider nur sehr wenig Informationen über Dich geschrieben, so daß ich selbstverständlich nicht weiß, was z.Z. bei Dir los ist, und deshalb auch nicht sagen kann, was am geeignetsten wäre, damit Dein Selbstwertgefühl wieder steigt. Vielleicht braucht es einfach etwas Zeit, damit Du die Ereignisse "verarbeitest", wie man so sagt. Wenn Du von "Übungen" sprichst, dann fallen mir zwar spontan die Übungen eines Selbstsicherheitstrainings ein (siehe [FAQ:1079] und http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...), aber ob das etwas für Dich ist, kann ich wirklich nicht sagen, ohne ein paar Informationen zu Deiner jetzigen Situation zu haben. Vielleicht liest Du Dir einfach die Texte durch, auf die ich verlinkt habe, und entscheidest dann, ob sie auf Dich zutreffen. Wenn nicht, dann wäre es sicherlich gut, wenn Du uns hier im Board noch ein paar Informationen mehr geben könntest, damit wir einen Anhaltspunkt haben.
Grüße,
Oliver Walter
Hallo Oliver,
wie differenzierst du - wenn überhaupt - Selbstvertrauen/Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl?
Meines Erachtens hängt zwar alles eng zusammen, ist aber doch etwas anderes.
Selbstvertrauen, Selbstsicherheit kann man trainieren, das Selbstwertgefühl (bzw. den Selbstwert) muss man sich "erfühlen" bzw. erarbeiten oder bergen.
Siehst du das anders?
Grüße
Irene
Hallo Irene,
spontan habe ich bei Deiner Frage gedacht:
Selbstvertrauen ist die subjektive Sicherheit einer Person, in sozialen Situationen angemessen reagieren zu können.
Selbstwertgefühl ist das Empfinden der Bedeutsamkeit und Akzeptanz der eigenen Person.
Insofern hast Du recht, daß Selbstvertrauen etwas anderes ist als Selbstwertgefühl, wobei die beiden - wie Du auch sagst - zusammengehören.
Ich denke, daß man über die Gewinnung von Selbstvertrauen das Selbstwertgefühl steigern kann. In der kognitiven VT der Depression (geringes Selbstwertgefühl bei Depressiven) wird m.E. auch deshalb oft ein Selbstsicherheitstraining durchgeführt. Bei Depressiven gibt es diese negative Bedingheit (wie ich es jetzt hier nennen will): "Ich bin nichts wert" -> "Ich kann nichts" -> "Ich bin nichts wert" -> "Ich kann nichts". Wenn man das durch klassische VT-Methoden ändert ("Ich kann etwas"), dann hat man diese Bedingtheit an einem Punkt aufgelöst. Den anderen Aspekt (den kognitiven) kann man mit Hilfe von kognitivem Umstrukturieren angehen, indem man die negativen Gedanken erkennt, analysiert und ändert. Beides kann man IMO trainieren und so das Selbstwertgefühl (indirekt) steigern.
Trifft das Deine Vorstellung?
Grüße,
Oliver
Hallo Irene,
Hallo Oliver!
spontan habe ich bei Deiner Frage gedacht:
Selbstvertrauen ist die subjektive Sicherheit einer Person, in
sozialen Situationen angemessen reagieren zu können.
Völlig einverstanden!
Selbstwertgefühl ist das Empfinden der Bedeutsamkeit und
Akzeptanz der eigenen Person.
Ebenfalls total einverstanden.
(nebenbei: ich beneide dich um die Fähigkeit so definieren zu können, bei mir ist das alles im Hirn irgendwie präsent und ich krieg's meist nicht raus *g*).
Insofern hast Du recht, daß Selbstvertrauen etwas anderes ist
als Selbstwertgefühl, wobei die beiden - wie Du auch sagst -
zusammengehören.
Ich denke, daß man über die Gewinnung von Selbstvertrauen das
Selbstwertgefühl steigern kann.
Hier sehe ich es so, dass es auch umgekehrt funktionieren kann.
In der kognitiven VT der
Depression (geringes Selbstwertgefühl bei Depressiven) wird
m.E. auch deshalb oft ein Selbstsicherheitstraining
durchgeführt. Bei Depressiven gibt es diese negative
Bedingheit (wie ich es jetzt hier nennen will): "Ich bin
nichts wert" -> "Ich kann nichts" -> "Ich bin nichts
wert" -> "Ich kann nichts". Wenn man das durch klassische
VT-Methoden ändert ("Ich kann etwas"), dann hat man diese
Bedingtheit an einem Punkt aufgelöst.
Mit der VT habe ich wenig Erfahrung (theoretisch, und praktisch schon gar nicht). Ich muss dir glauben (und tue es auch), dass diese "Rechnung aufgeht", auch wenn ich es mir sehr schwierig vorstelle. Das im Hirn "Ich kann etwas" muss m.E. auch den Weg "ins Herz" finden und sich dort verankern, um gelebt werden zu können.
Den anderen Aspekt (den
kognitiven) kann man mit Hilfe von kognitivem Umstrukturieren
angehen, indem man die negativen Gedanken erkennt, analysiert
und ändert. Beides kann man IMO trainieren und so das
Selbstwertgefühl (indirekt) steigern.
Hier geht es, wenn ich das richtig verstehe, schon mehr "ans Eingemachte". Wenn ich die negativen Gedanken erkenne und diese analysiere, dann komme ich mir schon viel näher, kann die Gedanken hinterfragen, aus einem anderen Blickwinkel betrachten und meine Einstellung dazu ändern.
Trifft das Deine Vorstellung?
Ja, es macht mir wieder einmal bewusst, dass es viele Wege gibt und dass unter'm Strich das gleiche dabei herauskommt (wenn es gelingt!).
Um es ganz einfach auszudrücken: in der Existenzanalyse geht man den anderen Weg - Selbstwert heben und dadurch ergibt sich dann das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit.
Was ich so mitbekommen habe, ist VT der vordergründig raschere Weg und die Erfolge stellen sich schneller ein. Für die Tiefe braucht's dann aber sicher auch noch einige Zeit, wenn ich das richtig sehe?
Und im Endspurt sind wir wieder Kopf an Kopf.
Vielen Dank wieder einmal und Grüße
Irene
Hallo Irene,
Hier sehe ich es so, dass es auch umgekehrt funktionieren
kann.
ja, durchaus möglich.
Mit der VT habe ich wenig Erfahrung (theoretisch, und
praktisch schon gar nicht). Ich muss dir glauben (und tue es
auch), dass diese "Rechnung aufgeht", auch wenn ich es mir
sehr schwierig vorstelle. Das im Hirn "Ich kann etwas" muss
m.E. auch den Weg "ins Herz" finden und sich dort verankern,
um gelebt werden zu können.
Es geht bei vielen VT-Techniken weniger darum, dem Patienten "einzureden" oder mit Worten zu überzeugen, daß er "etwas kann", sondern ihn lernen zu lassen, daß er etwas kann. Das Lernen ist kein Pauken auf der Schulbank, sondern ein Üben von konkreten, praktischen Verhaltensweisen (z.B. für jemanden, der unter sozialer Angst leidet: lernen, ein defektes Gerät im Laden umtauschen zu können, indem er eine Verkäuferin anspricht). Über den Erfolg bei der Anwendung der Fertigkeiten in kleinen Schritten überzeugt sich der Patient von selbst, daß er etwas kann. Lange Reden braucht man da gar nicht.
Hier geht es, wenn ich das richtig verstehe, schon mehr "ans
Eingemachte". Wenn ich die negativen Gedanken erkenne und
diese analysiere, dann komme ich mir schon viel näher, kann
die Gedanken hinterfragen, aus einem anderen Blickwinkel
betrachten und meine Einstellung dazu ändern.
Ja, das ist die kognitive Seite der kognitiven VT.
Ja, es macht mir wieder einmal bewusst, dass es viele Wege
gibt und dass unter'm Strich das gleiche dabei herauskommt
(wenn es gelingt!).
Genau.
Um es ganz einfach auszudrücken: in der Existenzanalyse geht
man den anderen Weg - Selbstwert heben und dadurch ergibt sich
dann das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit.
Wie hebt ihr denn den Selbstwert konkret?
Was ich so mitbekommen habe, ist VT der vordergründig raschere
Weg und die Erfolge stellen sich schneller ein.
Exakt ("vordergründig" streichen wir, oder?).
Für die Tiefe
braucht's dann aber sicher auch noch einige Zeit, wenn ich das
richtig sehe?
Wieso? Wenn der Patient erlebt, daß er tatsächlich etwas kann, dann braucht es nicht mehr lang oder kurz, denn er ist ja schon am Ziel.
Und im Endspurt sind wir wieder Kopf an Kopf.
Das ist doch kein Wettstreit, oder? :-)
Herzliche Grüße,
Oliver
Hallo Oliver!:
Es geht bei vielen VT-Techniken weniger darum, dem Patienten
"einzureden" oder mit Worten zu überzeugen, daß er "etwas
kann", sondern ihn lernen zu lassen, daß er etwas kann. Das
Lernen ist kein Pauken auf der Schulbank, sondern ein Üben von
konkreten, praktischen Verhaltensweisen (z.B. für jemanden,
der unter sozialer Angst leidet: lernen, ein defektes Gerät im
Laden umtauschen zu können, indem er eine Verkäuferin
anspricht). Über den Erfolg bei der Anwendung der Fertigkeiten
in kleinen Schritten überzeugt sich der Patient von selbst,
daß er etwas kann. Lange Reden braucht man da gar nicht.
Verstanden!
Um es ganz einfach auszudrücken: in der Existenzanalyse geht
man den anderen Weg - Selbstwert heben und dadurch ergibt sich
dann das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit.
Wie hebt ihr denn den Selbstwert konkret?
siehe Ende des Textes
Was ich so mitbekommen habe, ist VT der vordergründig raschere
Weg und die Erfolge stellen sich schneller ein.
Exakt ("vordergründig" streichen wir, oder?).
Selbstverständlich! Ich habe ein falsches Wort gewählt. Und mir fällt das passende jetzt auch nicht ein.
Und im Endspurt sind wir wieder Kopf an Kopf.
Das ist doch kein Wettstreit, oder? :-)
Um Gottes Willen, nein! Ungeschickter Vergleich. Der eine geht Route A, der andere Route B und das letzte Stück treffen sich die Wege wieder.
Heben bzw. Bergen des Selbstwertes :
Aufspüren und wahrnehmen der eigenen Fähigkeiten.
Wo (bei wem) habe ich gespürt, dass es gut ist, dass ich bin?
Wo, an welchem Ort, war es gut zu sein?
Gibt es keinen realen Ort, einen Ort in der Phantasie aufsuchen, an dem ich sein möchte und an dem ich mich wohl fühle.
Wo und bei wem konnte (kann) ich so sein wie ich bin?
Wo und bei wem wurde (werde) ich in meinem So-Sein wahrgenommen und angenommen?
Auffinden von Ressourcen - was ist möglich? Was ist MIR möglich? Was kann ich in meinem Leben (noch) tun? Worauf bin ich in meinem Leben stolz, was ist mir gelungen?
Situationen und Personen in Erinnerung rufen, wo ich mich geborgen und geliebt gefühlt habe.
Wann und bei wem durfte ich nicht SO sein? Wie wurde mir das vermittelt?
(Häufig gemachte Aussagen bei Kindern: Wenn du SO bist, mag ich dich aber nicht mehr. Wenn du nicht ANDERS wirst, dann wirst du nie etwas!Du musst dich schon ändern, wenn du gemocht werden willst!)
Diese Aussagen überprüfen - wir wirkten sie damals, wie wirken sie heute? Spüre ich Trauer?
Wann und von wem wurde ich in meinem Wert verletzt oder nicht wahrgenommen? Wurde ich belogen? War ich die Wahrheit nicht wert?
Trauer darüber spüren und zulassen.
Den eigenen Wert spüren, wieviel bin ich mir Wert?
Hervorheben, dass Wert nicht gleich Leistung ist.
Musste ich mich über meine Leistung als Wert definieren?
Bin (fühle) ich (mich) nur Wert, wenn ich etwas leiste?
Was ist, wenn ich nichts mehr leisten kann?
Habe ich Wert oder bin ich wert?
Bin ich gut zu mir, bin wenigstens ICH gut zu mir?
Unterstützt durch einige Übungen für den Grundwert:
Spüren auf der Körperebene (Wärme, Weichheit, Nähe, Behaglichkeit, Pflege, Bäder, Imaginationen)
Zuwendung zu sich, Dialog mit sich (Liebevoller Ton mit sich, Trost, Lächeln für sich, sich selbst in den Arm nehmen).
Genießendes Erleben (Naturerleben, Lebendigkeit um mich, leibliche Genüsse)
Guttuende Aktivitäten (Hobbies, sich selbst etwas schenken, sich mit Menschen umgeben, die gut für einen sind).
Betonen möchte ich, dass ich nur für den "gesunden Bereich" sprechen kann. Ist dieser Dialog nicht möglich (schwere Selbstwertstörungen bis hin zu sämtlichen Störungen, die in den klinischen Bereich fallen) liegt dies außerhalb meiner Kompetenzen und darüber kann ich selbstverständlich nichts aussagen.
Ich hatte ursprünglich vor, dir dies per E-Mail zu schicken, weil es dich persönlich interessiert hat, aber ich denke, man kann durchaus auch selbst mit sich so sprechen und vielleicht ist es ja für den einen oder anderen Mitleser deshalb ebenfalls interessant.
Liebe Grüße
Irene
...
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Hallo Olli,
PMFJI,
Für die Tiefe
braucht's dann aber sicher auch noch einige Zeit, wenn ich das
richtig sehe?
Wieso? Wenn der Patient erlebt, daß er tatsächlich etwas kann,
dann braucht es nicht mehr lang oder kurz, denn er ist ja
schon am Ziel.
Nee, nee, so einfach ist das nicht. Aus Patientensicht kann IMHO die VT nur bewirken, daß ich eine gweisse Situation unter gewissen Rahmenbedingungen in den Griff bekomme. Mit einem engagierten Therapeuten ist es eine vielschichtige Matrix von Rahmenbedingungen und Situationen. Aber tiefenpsychologisch hat man, das vermute ich jetzt aber nur, doch sicherlich zumindest die Chance, daß Problem grundsätlich abzuwenden.
Gruß, AndyM