Huhuu Fabienne
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Gruppenkuscheln ist Casriel-Arbeit sicher nicht. In diesen Kliniken entsteht durch die gemeinsame Therapie zwischen den Patienten sehr viel emotionale Nähe, die sich auch durch körperliche Nähe in Form von Kuscheln äußert und übrigens zwar nicht explizit zur Therapie gehört, nichts desto trotz aber diese sehr unterstützt, denn die Menschen, die in diese Kliniken kommen, durchweg viel zu wenig Liebe und Nähe in ihrer Kindheit erfahren haben, und hier einiges nachholen können. Die Casriel-Arbeit hat aber herzlich wenig mit „Kuscheln“ zu tun. Es ist eine sehr intensive Therapieform und wird auch therapeutisch begleitet. Wenn da tatsächlich Täter und Opfer in einer Casriel-Gruppe gelandet sind, dann stimme ich Dir absolut zu, daß das nicht sehr gut ist. Und daß das Konzept nicht unbedingt für jeden tauglich ist, das auch. Gegen Deine Aburteilung der A-Gruppen-Sitzungen muß ich aber protestieren
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Nö, im Ernst. Es stimmt zwar, daß in den Gruppen keine Diskussionen statt finden und auch keine direkten Ratschläge erteilt werden. Wir bemühen uns zumindest darum. Aber daß Betroffene da keine Hilfe finden, überhaupt keine Antwort bekommen, das stimmt so nicht. Wir antworten durchaus, aber nicht so, wie man es vielleicht von „draussen“ gewohnt ist. Furchtbar schlaue Ratschläge, an die der andere sich ja sowieso nicht halten kann, denn sonst hätte er/sie sein/ihr Problem ja längst gelöst. Aber wir reden von unseren Erfahrungen. Wenn jemand von seinen Problemen und Schwierigkeiten erzählt, gibt es (fast) immer jemanden in der Gruppe, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, und dann erzählt, was er/sie gemacht hat, um sie zu lösen, welchen Weg er/sie gegangen ist, um aus dem Schlamassel raus zu kommen. Der Spiegel wird nicht zwangsweise vor die Nase gehalten, aber wenn man den anderen aufmerksam zuhört, dann wird man an allen Ecken und Enden Hunderte von Spiegeln sehen. MIR gehts zumindest so. Ich erkenne mich in sehr vielem wieder, was die anderen erzählen. Ich bin aber frei, zu entscheiden, ob das etwas für mich ist, oder nicht. Niemand zwingt mir seine Meinung auf. Niemand spielt sich als der oberschlaue Ratgeber auf und schiebt mir damit rüber, daß er sich für viel besser hält, als mich.
Diese Art des Umgangs miteinander ist durchaus gewöhnungsbedürftig, das gebe ich zu und weiß ich aus eigener Erfahrung. Mir gings ja am Anfang ähnlich. Aber jede/r der/die sich mal dran gewöhnt hat, möchte diese Form des Sprechens nicht mehr missen. Sie ist viel viel wirksamer, denn dadurch, daß niemand mir Vorschriften macht, bin ich viel eher bereit, es auch zu probieren. Ich hasse Ratschläge. Ratschläge sind auch Schläge. Und ich habe nicht die geringste Lust, dem Folge zu leisten. Wenn ich aber zuhören kann, wie andere es gemacht haben, daß es ihnen besser geht, daß sie ein suchtfreies Leben führen können, dann werde ich neugierig und will es auch probieren. Ich bin übrigens Grönenbach äußerst dankbar dafür, daß sie mich angehalten haben, in die Gruppen zu gehen. Ich würde heute wahrscheinlich nicht mehr leben, wenn ich nicht seither regelmäßig in die Gruppen gegangen und dadurch ein abstinentes Leben für mich erreicht hätte.
Und noch was. Daß Du Begriffe wie Zuckersucht, Weißmehlsucht, etc. nicht nachvollziehen kannst, das ist verständlich. Ein Nicht-Süchtiger kann Sucht nicht verstehen. Denn Sucht ist eine Krankheit, die ziemlich verrückt ist und sich nicht verstehen läßt, wenn man es nicht am eigenen Laib erfahren hat, was es heißt, dieses oder jenes nicht tun, nicht essen, nicht trinken zu wollen, und es trotzdem tun zu müssen, auf grund irgendeines inneren Zwangs, als sei man ferngesteuert. Natürlich passiert es auch immer mal wieder, daß alles zur Sucht erklärt wird. Wie überall wo in irgendeiner Art und Weise psychomäßig gearbeitet wird. Die Versuchung, alles zu pathologisieren, ist gegegeben. Aber Zuckersucht, Weißmehlsucht, etc. gibt es wirklich. Ich bin zuckersüchtig. Und es ist nahezu nichts anderes als Alkoholismus (Zucker und Alkohol sind übrigens in der chemischen Zusammensetzung sehr ähnlich!). Die geringste Menge führt bei mir zu absolutem Kontrollverlust und ich kann ebenso wie ein Alkoholiker nicht mehr aufhören, bis ich völlig vollgefressen und bewegungsunfähig in der Ecke liege. Die einzige Möglichkeit, suchtfrei also abstinent leben zu können, ist, diese Droge absolut aus dem Speiseplan zu verbannen. Gott sei Dank habe ich durch diese Gruppen seit 1,5 Jahren das Geschenk erhalten, daß dieser Wahnsinn von mir genommen ist und ich die Kraft bekommen habe, auf mein Suchtmittel, dem Zucker, zu verzichten. Allein hätte ich das niemals geschafft. Ich würde sonst vermutlich nicht mehr leben, ich hätte mich zu Tode gefressen.
greetings, Nena