Ratgeber zu Befindlichkeiten

Von: , Frage gestellt am So, 26. Jun 2005

Hallo erstmal

Ich hab kurz überlegt, ob ich dies hier im Brett "deutsche Sprache" schreibe, aber es ging mir nicht um sprachlich-formale oder etymologische Begriffsbestimmung, sondern um Inhaltliches dabei.

Mir fällt in letzter Zeit auf, dass das Wort "BEFINDLICHKEITEN"
1. öfter gebraucht wird (auch von Politikern) und
2. immer polemisch, also im Sinne einer negativen Bedeutungs-Veränderung; so nach dem Motto: "Da stellt sich jemand an, weil ihm ein Furz quer sitzt" oder "Die sind da so verwöhnt, denen geht es nur um ihre Befindlichkeiten, die sollen doch mal in der Sahil-Zone tagelang nach Wasser suchen" o.ä.

Ich habe also den Eindruck, dass es sich mit dem polemischen Gebrauch von "Befindlichkeiten" um eine Abqualifizierung des subjektiven menschlichen Empfindens handelt, insbesondere, was die seelischen Empfindungen betrifft.
Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der "kleine Mann" soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine Bedürfnisse betrifft. Er soll sich "nicht so anstellen", soll Verzicht leisten.
Die ganze Geschichte hat also eine psychisch-politische Dimension, nach meinem Dafürhalten.
Was denkt Ihr arüber?
fragt
Branden

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 1 hilfreich
    Re: finden, nehmen, halten

    Hallo, Branden,
    in meinem philosophischen Übereifer und mit Hilfe des philosophischen Quartetts bin ich zu folgenden Überlegungen gekommen. Da gibt es das Verhalten des Löwen, der ein weiter Verwandter von uns ist und 23 Stunden herumdöst, nur eine Stunde jagt, weil die Steppe sehr übersichtlich ist und er keine Feinde außer dem Menschen hat. Für ihn gibt es eigentlich nur die Tätigkeiten Finden, Nehmen und Halten. Er findet, dass er nach langem Dösen wieder Hunger hat, nimmt sich in der Steppe etwas Fleisch und muss es natürlich festhalten, bevor er es verspeisen kann. Das funktioniert jetzt schon seit Millionen Jahren. Der heutige Mensch jedoch findet nicht einfach etwas, nimmt es sich und behält es. Er findet viel mehr, findet manches falsch, einiges richtig. Er nimmt auch nicht einfach, er benimmt sich laut Knigge, manchmal falsch, auch mal richtig. Und dann hält er nicht einfach etwas in der Hand. Er behält es für sich, verhält sich oft daneben, behält sich etwas vor, findet das sogar in Ordnung, wenn er sich daneben verhält. Jedenfalls entstehen alle Sorgen aus der Unübersichtlichkeit des Lebens. Wir sollten wieder zurück in die Natur.
    Benedikt

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Befindlichkeiten

    Hi Branden & Freunde,

    Sprache wurde und wird als Machtinstrument ge- und missbraucht - das ist nicht neu. Wenn Tatsachen nicht (mehr) geleugnet oder widerlegt werden können, dann wird es schnell und oft persönlich (Kinder neigen z. B. dazu jemand dann einfach für doof zu erklären).

    Durch Ge- oder Missbrauch werden Begriffe neu "belegt" - wer erwartet beim eigentlich positiven Wort "Reform" heute noch was Gutes? Statt "entlassen" oder "rausschmeissen", wird heute "freigesetzt". Ähnlich wird es (im politischen Sprachgebrauch) vielleicht den "Befindlichkeiten" ergehen ?!

  3. Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
    Re: Befindlichkeiten

    Ganz kurz, lieber Branden,

    mich hat mal ein Psychiater gefragt: "Wie ist denn das werte Befinden?" So im Nachhinein finde ich das auch irgendwie leicht spöttelnd ;-). Hängt aber doch einfach damit zusammen, mit welcher Begrifflichkeit man "verheiratet" ist.

    Gruß

    Hermann



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