männlich oder weiblich? Ein Blick reicht -- warum?

Hallo an alle,
Ich habe mich schon immer gefragt, woran es liegt, daß man bei (fast) allen Leuten beim ersten Blick ins Gesicht erkennt, ob sie männlich oder weiblich sind. Das funktioniert schließlich auch bei Kindern, d.h. bevor irgendwelche „sekundären Geschlechtsmerkmale“ zu sehen sind, also unabhängig von Bart oder Nichtbart, unabhängig davon, ob jemand geschminkt oder nicht geschminkt ist, und unabhängig von der Frisur, d.h., auch bei Leuten, die keine „geschlechtstypische“ Frisur haben. Ist es nicht sogar so, daß man das Geschlecht einer Person auf einem Bild erkennen kann, auch wenn man dieser Person die Haare retuschiert hätte. Also, was macht „männlich“ oder „weiblich“ eigentlich aus? Die, die jetzt mit dem Argument der „weicheren Gesichtszüge bei Frauen“ kommen, möchte ich fragen: was verleiht einem Gesicht einen „weichen Zug“? Oder anders herum gefragt: Was ist bei den Leuten, bei denen man mindestens zweimal hinschauen muß, um das Geschlecht zu erkennen, eigentlich „anders“? Ab welchem Alter eines Säuglings/Kleinkinds kann man die Unterscheidung männlich/weiblich anhand des Äußerlichen eigentlich treffen? Ich freue mich schon auf Eure Antworten/eine rege Diskussion.
Grüße aus München
Dirk Häfner

Oder anders herum
gefragt: Was ist bei den Leuten, bei
denen man mindestens zweimal hinschauen
muß, um das Geschlecht zu erkennen,
eigentlich „anders“? Ich
freue mich schon auf Eure Antworten/eine
rege Diskussion.

Die gesamte Erscheinung: Gesicht, Frisur, Kleidung, Gang, Körperbau.
Das trifft zumindest auf mich zu (ich werde oft mit „junger Mann“ angesprochen).

Viele Grüße

Tanja

Aber was umfaßt der eine Blick…

Hallo,

eine eindeutige Unterscheidungsoption, wie Du sie vielleicht suchst, gibt es nicht. Es sind jedoch die Dutzende und Aberdutzende von kleinen Details z.B. im Gesicht kulturgebunden mit bestimmten Geschlechtern assoziiert: z.B. lange seidige Augenbrauen wirken weiblich, ein breites Kinn maskulin etc.etc. - schon früh lernt der Mensch, diese Eindrücke auf unbewußter Ebene wahrzunehmen und zuzuordnen, weil die Geschlechtszugehörigkeit (wohl einer der wenigen Kulturuniversalismen) in absolut jeder Kultur eines der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale darstellt. Es gibt auch Merkmale, die kultur- und zeitgebunden sind; wer mich z.B., weil ich nunmal eine Pferdeschwanzfrisur habe, von hinten automatisch mit „Frollein“ anredet, beweist mir damit nur, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein.
Je mehr eindeutig zuordnungsfähige Einzeldetails aus dem Gesicht (dem Körper, der Motorik) „entfernt“ werden, desto androgyner und „ungeschlechtlicher“ wirkt ein Gesicht - siehe Michael Jackson, dem Soundtrack aller Geschlechtslosen.

Übrigens ist es bei der Alterszuordnung ähnlich, denn das Alter eines uns unbekannten Menschen schätzen wir ebenfalls an einer ganzen Liste von uns in der Regel nicht bewußten Details ab; ist die Mehrzahl dieser Details nicht aussagekräftig oder irreführend, gelangen wir zu einem Fehlschluß. So wirken Frauen ohne ausgeprägte sekundäre Geschlechtsorgane leichter mal „kindlich“, Menschen mit Fältchen eher mal älter, als sie sind usw.

hendrik

Hallo an alle,
Ich habe mich schon immer gefragt, woran
es liegt, daß man bei (fast) allen Leuten
beim ersten Blick ins Gesicht erkennt, ob
sie männlich oder weiblich sind.

Nach Enlow (1982; zitiert nach Shepherd, 1989) gehen die bei Erwachsenen vorhandenen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gesichtern wesentlich auf die größeren Nasen der Männer zurück. Die größere Nase führt er auf deren größeren Sauerstoffbedarf zurück (mehr Körpermasse - größere Lunge - größere Nase). Wie dem auch sei: Mit der größeren Nase geht auch ein ausgeprägterer Brauenbereich und eine stärker zurückweichende Stirn einher, die Augen wirken dadurch tiefer liegend. Weibliche Gesichter wirken runder, unter anderem durch die Form der Wangen, die einen höheren Anteil von Fettgewebe aufweisen, als die von Männern.

[…]

Ab welchem Alter
eines Säuglings/Kleinkinds kann man die
Unterscheidung männlich/weiblich anhand
des Äußerlichen eigentlich treffen?

Hildebrandt & Fitzgerald (1977, 1979; wieder nach Shepherd, 1989) haben die Fähigkeit von Studenten untersucht, das Geschlecht von Kleinkindern anhand deren Gesichter zu bestimmen. Dabei soll es bereits für unter Einjährige überzufällige Trefferquoten gegeben haben. Als Merkmale scheinen die Breite der Wangen und ‚cuteness‘ (Niedlichkeit) besondere Berücksichtigung gefunden zu haben.

So, die Quellen abzutippen ist mir jetzt zu mühsam; falls sich jemand dafür interessiert, kann ich sie aber gern nachreichen.

Gruß
Michael

Hallo an alle,
Ich habe mich schon immer gefragt, woran
es liegt, daß man bei (fast) allen Leuten
beim ersten Blick ins Gesicht erkennt, ob
sie männlich oder weiblich sind.

Hallo Dirk,

man kann es sogar einem Computer beibringen, das zu unterscheiden. Habe mal im Fernsehen einen Bericht gesehen (weiß leider nicht mehr, wie die Sendung hieß *Haarerauf*) Der Computer wurde erst mit unzähligen Frauen- und Männerfots trainiert, und dann war er selbst in der Lage, mit erstaunlich guter Trefferquote eine Entscheidung nach Männlein oder Weiblein zu treffen. Es ging da nur reinweg um die optische Zuordnung. Die, wo er Probleme hatte, waren auch für den Menschen schwer zu entscheiden (nur nach einem Foto)

Tschüssi
Cora

Compi antwortet nicht :frowning:
Blöd ist nur, daß der Compi keine Auskunft darüber geben kann, wie er das macht (genauso wenig, wie wir dies in der Regel können). Solche Systeme, wie Du sie beschreibst, benutzen lernfähige Neuronale Netze, die durch Training bestimmte Regelmäßigkeiten der Eingabemuster „abstrahieren“. Welche das sind, läßt sich aber nicht (oder allenfalls auf experimentellem Wege - wieder wie beim Menschen) feststellen.

Gruß
Michael

Ich glaube, das ist alles noch einfacher: Die Geometrie machts. Das heißt,unser Gehirn hat eine gewisse Geometrie des Gesichts gespeichert, die dann unbewußt verglichen und zugeordnet wird.
Dabei geht es um die Relationen der ganzen Punkte (Kinnform, Nasenform) die hier auch schon angesprochen wurden.
Auf dem gleichen Weg wurde auch mal die „schönste Frau“ der Welt „errechnet“: Man hat einfach die Geometrie verschiedener Models „zusammengerechnet“ und Testpersonen die Fotos vorgelegt. Die haben dann auch zu ichweißnichtmehrwieviel Prozent dieses „errechnete“ Gesicht als schön bezeichnet.

Vielen Dank an Euch alle! (kein Text)

hi,
da war auf arte eine sendung, bei der eine firma vorgestellt wurde, die mittels pc gesichter zu erkennen versucht. das interessanteste dabei war ein mann, den sie zu testzwecken in die firma geholt haben. der braucht wegen einer störung im gehirn bis zu 5 sekunden um seinen eigenen vater zu erkennen. das erkennen scheint also ein hochkomplexer vorgang im kopf zu sein, der teilweise antrainiert wird, aber andererseits durch eine festgelegte „verschaltung“ im hirn ausgelöst wird.
cu, wh

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