Hallo,
ich habe den Eindruck, die meisten der hier Antwortenden lesen gar nicht richtig, was der Urprungsposter schreibt, sondern reagieren ausschließlich auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen automatisch. Wie ein bedingter Reflex: Reiz - Angst vor Alkohol, und als Reaktion so etwas wie Sei froh, daß du diese Angst hast....
Tune, soweit ich es verstanden habe, geht es Dir zum einen um diese Angst und ihre körperlichen Symptome, und zweitens darum, daß Du fürchtest, diese Angst vor Alkohol könnte verhindern, daß die Gleichaltrigen Dich akzeptieren.
Ich versuche, das Wenige, was ich über Angst weiß, hier darzulegen. Angstvolle Erlebnisse werden in der Amygdala gespeichert, einer Struktur im Gehirn, die als "Alarmsystem" fungiert. Das Besondere an dieser Speicherung in der Amygdala ist, daß die Inhalte nicht mehr gelöscht werden. Sie bleiben, und das entspricht der bekannten Tatsache, daß intensive, vor allem angstvolle Erlebnisse ihre Spuren im Leben hinterlassen.
Viele Bahnen gehen von der Amygdala zur Großhirnrinde, deshalb beeinflußt die Angst das bewußte Handeln so stark. Nur wenige Bahnen gehen von der Großhirnrinde zur Amygdala, deshalb ist es zwar nicht ganz unmöglich, aber sehr schwer, gegen die Angst zu handeln.
Die Amygdala ist, wie gesagt, ein Alarmsystem, manchmal auf Leben und Tod. Es ist auf ein möglichst rasches automatisiertes Reagieren ausgelegt, und nicht auf ein differenziertes Agieren von Fall zu Fall - was nur durch bewußtes Überlegen möglich wäre.
Verhaltenstherapie bewirkt, daß der Weitertransport von Signalen der Amygdala (auf einen bestimmten Angstreiz hin) zur Großhirnrinde gehemmt wird - die Angst wird nicht mehr bewußt (obwohl die Amygdala noch immer "anspringt"), und es kommt zu keiner Beeinträchtigung mehr im Erleben und Handeln - "normales" Leben wird möglich. Dieses Ergebnis muß nicht unbedingt völlig stabil sein - dies entspricht aber auch einer bekannten Tatsache. Keine Therapie auf der Welt kann etwas ungeschehen machen, sie kann statt dessen ermöglichen, daß daraus keine Beeinträchtigung mehr entsteht.
Nun noch zum anderen Punkt, der soziale Anerkennung durch die Anderen. Die spielt nun einmal im Alter von 16 eine andere und wichtigere Rolle als später im Erwachsenenalter. Schaut bitte daher nicht so aus der Vogelperspektive eines 30-, 40-, oder 50jährigen hinunter, als ob solche Probleme eines Jugendlichen unbedeutend wären. Natürlich ist es wichtig, eine gewisse Unabhängigkeit von der (vermuteten) Meinung der Anderen zu entwickeln. Aber dies ist erstens ein Entwicklungsprozeß, und zweitens gegenüber der Notwendigkeit, die Angst zu behandeln, erst einmal eher nachrangig.
Ihr habt es sicherlich alle gut gemeint. Dennoch zeugen die meisten Antworten meiner Meinung nach von einem mangelnden Respekt gegenüber dem subjektiven Erleben eines anderen Menschen.
Grüße,
I.