nochmal thema 'Zuhören'

Von: , Frage gestellt am So, 10. Dez 2000

nachdem ich weiter unten was zum thema geschrieben hab, stellt sich für mich die eigentliche frage ...

eine gute bekannte kann mir für meinen geschmack oft recht schlecht zuhören ... sie redet gern und viel über sich selbst ... ich kann ganz gut zuhören und ihre erzählungen sind auch oft sehr interessant ... allerdings vermisse ich "meinen raum" bei unseren treffen ... bislang scheue ich mich, das thema einmal auf den tisch zu bringen, weil ich insgeheim meine, dass ein gespräch (ne freundschaft) gegenseitiges geben & nehmen sein sollte ... mit anderen worten: ich möchte das geben freiwillig bekommen und es nicht "einklagen" müssen ... andererseits hat mein nicht-drüber-reden mittlerweile zur folge, dass ich an weiteren treffen nicht sehr interessiert bin ...
was meint ihr dazu?
gruß
CatX

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 5 hilfreich
    Re: nochmal thema 'Zuhören'

    Hi Cat,

    ebenfalls mit Bezug auf das, was ich weiter unten unter "zuhören können" schrieb muß ich Dir völlig recht geben.
    Ich halte es fast für eine Art von "Faustregel": wer wirklich Interesse an DIR hat, der FRAGT Dich und - er läßt Dich vor allem dann auch reden. Und umgekehrt: Wer nicht fragt - und dich dann ausredenläßt - der hat nicht wirklich Interesse an DIR.
    Denn viele haben zwar die seltsame Eigenschaft, nach etwas zu fragen, aber - meist noch bevor du überhaupt zuende geredet hast - übernehmen sie wieder das Gespräche und reden dann über sich selbst. Etwa in der Art: "was sagst du zu xyz...?" und dann fallen sie dir ins Wort: "also ICH sehe das so....". ... ich kann ganz gut zuhören und ihre erzählungen sind auch
    oft sehr interessant ... allerdings vermisse ich "meinen raum"
    bei unseren treffen
    das wird es sein: DU bist eine GUTE Zuhörerin, und SIE nutzt das aus. Vielredner allgemein, und vor allem solche, die über sich selbst vielreden, vergessen tatsächlich, daß sie enorm viel "Raum" in Anspruch nehmen... genauer gesagt: sie nehmen einem den "Raum" weg. Und damit kann man dieses Verhalten geradezu als eine Art von Gewaltanwendung ansehen. Es zeigt sich darin ein ungeheuerer Egoismus und Egozentrismus. ... bislang scheue ich mich, das thema
    einmal auf den tisch zu bringen, weil ich insgeheim meine,
    dass ein gespräch (ne freundschaft) gegenseitiges geben &
    nehmen sein sollte ... mit anderen worten: ich möchte das
    geben freiwillig bekommen und es nicht "einklagen" müssen ...
    Die Erfahrung zeigt, daß es bei solchem Verhalten mit großer Wahrscheinlichkeit zum Streit kommt (der auch die Beziehung gefährden kann), wenn Du das als separates Thema auf den Tisch bringst. Es erfordert höchste Vorsicht und Sensibilität. Denn dieses Verhalten ist diesen Personen fast nie ein bewußt, sie wird im gegenteil der Meinung sein, daß eure gespräche doch immer sehr angenehm sind und wird es leugnen, daß Du nie zu Wort kommst.

    Es gibt aber eine Reihe von rhetorischen Techniken, mit denen Du Dir Deinen "Raum" zum Reden freischaufeln kannst: je nach Geduld gibt es vorsichtige, "höfliche" Einwendungen z.B.
    "laß mich das grad mal zuende sagen...."
    "nein ich will auf was anderes hinaus..."
    "warte mal, ich bin noch nicht fertig..."
    oder "deutliche" Formen, mit denen Du Dir den Freiraum VORAB herstellst z.B.
    "ich möchte Dir mal was von mir erzählen, aber ich will es erst zuende sagen - OK??"
    "jetzt möchte ich mal MEINE Meinung dazu sagen, und das ist folgende..."
    und wenn die Geduld nicht mehr reicht, gibt es noch die Möglichkeit, mit dem Zaunpfahl zu winken:
    "hey - laß mich doch mal ausreden!"
    "du hast jetzt genug gesagt, jetzt bin ich dran"
    "hallo, jetzt brems mal! ich will auch mal was dazu sagen!"

    aber, wie gesagt, das sind nur Beispiele. andererseits hat mein nicht-drüber-reden mittlerweile zur
    folge, dass ich an weiteren treffen nicht sehr interessiert
    bin ...
    Das wäre sicher schade, wenn Dir der Faden reißen würde. Dann hilft nichts, dann muß das Thema doch auf den Tisch!
    Aber das kann man auch wieder auf verschiedene Weise einleiten,
    so, daß es garantiert schief geht oder so, daß es wahrscheinlich Erfolg hat. Aber ich möchte Dich hier nicht mit Vorschlägen behämmern, nach denen Du nicht explizit gefragt hattest - sonst kommst Du am Ende wiederum nicht zu Wort *lächel*

    Viel Erfolg und Gruß
    M.G.

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: nochmal thema 'Zuhören'

      sonst kommst Du am Ende wiederum nicht zu Wort *lächel*
      *lach* :)) .. bei den meisten menschen habe ich damit keine probleme .. wohl weil es die sind, die ich über die jahre gesucht und gefunden habe, weil es eben passt ...
      die schwierigkeit liegt in diesem fall wahrscheinlich darin, dass ich die frau übers internet kennengelernt hab ... beim chatten tritt das problem natürlich nicht auf, weil die messages abwechselnd hin- und hergeschickt werden .. real kann das dann anders aussehen, wie oben geschildert ...
      ich werds wohl ansprechen, selbstverständlich mit den bewährten "ich empfinde"-botschaften und nicht "du redest aber zuviel ..." ;)
      mal sehen, ist zumindest eine person, mit der ich das "ansprechen" üben kann, weil ich einen evtl. verlust, wenns nach hinten losgeht, verschmerzen könnte.
      danke für deine tipps.
      CatX

      • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
        Re^3: nochmal thema 'Zuhören'

        mal sehen, ist zumindest eine person, mit der ich das
        "ansprechen" üben kann, weil ich einen evtl. verlust, wenns
        nach hinten losgeht, verschmerzen könnte.
        danke für deine tipps.
        CatX
        Hallo CatX,

        wenn Du den Verlust verschmerzen kannst, dann mach das mit dem "ansprechen". Denn letztendlich hast Du sowieso nichts zu verlieren. Entweder, der Mensch interessiert sich für Dich, also wird er oder sie Dir auch Raum geben. Interessiert sich jemand heute nicht für Dich, wird er oder sie das auch morgen nicht tun - es sei denn, es gibt auf einmal was zu holen bei Dir.

        Ich kenne das von Dir geschilderte Problem auch. Bei Menschen, von denen ich weiß, dass ein kleiner Hinweis von mir sie dazu bringt umzudenken, spreche ich das Thema an. Am Ende tut es ihnen leid, und es ändert sich dann auch etwas. Andere Menschen, von denen ich mehrmals in der Hinsicht enttäuscht worden bin lasse ich dann einfach sein und suche ihre Gesellschaft nicht mehr. Denn ich bin mir zu schade, eine Bühne für andere Menschen zu sein, auf der sie sich austoben können. Geben und nehmen . . .

        Laß Dich nicht aussaugen!

        Viele Grüße,
        Iris

        • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
          Re^4: nochmal thema 'Zuhören'

          Hallo CatX!

          Ich sehe das auch so. Du kannst andere Menschen nicht wirklich
          ändern aber Du solltest Dich deren Macken auch nicht bis zur
          Selbstaufgabe anpassen. Wenn 'darüber reden' nichts an der
          Situation ändert mußt Du für Dich entscheiden, ob DIr das
          Problem nicht so wichtig ist oder ob Du Dich von einer Bekannten
          trennst.

          Gruß
          Tommes [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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