Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang werden)

Von: , Frage gestellt am So, 12. Jul 2009

Hallo

damit der untige Thread nicht über lastet wird, fang ich hier nochmal neu an. Außerdem habe ich persönliche Erfahrungen, die das Ganze auch noch mal verkomplizieren.

Zunächst mal meinen Respekt an orangegestreift für den Mut diese Erfahrung hier zu veröffentlichen. Auch wenn wenn etwas schief gelaufen ist (ich weiß nicht wie ich das anders beschreiben soll, es geht ja um ein Menschenleben), um Rat zu fragen ist nicht verkehrt.

Ich habe fast nur positive Erfahrungen mit der Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten, aber eben fast nur.

Bislang musste ich noch nie einen Einsatz bezahlen, aber leider liest man in der Presse zunehnemd, dass der Anrufer im Zweifel zahlen muss. Das wird die Bereitschaft zu helfen ganz sicher nicht stärken.

Meine negativen Erfahrungen:

Ein bewachter Badestrand (eine anerkannte Rettungsorganisation). Ich möchte nach einiger Zeit mal wieder schnorcheln und Kondition aufbauen, also ich schwimme parallel zum Ufer und sehe dann einen Taucher auf der vorgelagerten Sandbank winken.

Ich bin hin, "Ich hab meinen Tauchpartner verloren.", "Kannst Du schwimmen?","Nein", also Rückenlage ab zur nächsten Sandbank.

Da ich lange nicht im Wasser war, war meine Kraft erschöpft, also Seenotsignal gegeben (ganz langsames Winken mit beiden Armen). Die Damen und Herren des Rettungsdiensten haben fröhlich Kaffee getrunken.

Also nächste Sandbank in Richtung Ufer angesteuert, wieder Signal gegeben, keine Reaktion. Doch, von einem Motorboot sprang ein Mann ins Wasser und fragte was los ist. Sie haben dann das Boot gestartet und den zweiten Taucher aus dem Wasser geholt.

Es waren zwei Taucher, die nach langer Zeit mal in der Ostsee tauchen wollten. Sichtweite, kaum Armlänge, keine Bodyline ...

Was hätte geholfen? Eigentlich hätte ich die Besatzung der Station anzeigen müssen. Hab ich nicht. Ich war einfach nur froh, dass alles gut ging.

So zweite Situation.

Ich gehe mit meinem Hund spazieren am frühen Studenten-Morgen, also so ca. 11 Uhr. Auf einer Kreuzung läuft aufgeregt eine Frau hin und her. Als sie auf den Bürgersteig kam, versuchte ich sie anzusprechen, Entfernung ca. 20m, sofort wurde um Hilfe gerufen und die Frau lief wieder in den fließenden Verkehr.

Ich hatte kein Handy bei mir, sah aber, dass jemand mit einem Handy telefonierte und bat darum, es für einen Notruf nutzen zu dürfen.
Ein Polizeiwagen kam, sah die Frau aber nicht aufgrund der Begrüng des Mittelstreifens und fuhr wieder weg.

Beim zweiten Anruf kam die Frage "Ist das ein Frau mit einer violetten Jacke?", "Ja.", ok., da kommen wir nicht, die läuft da immer rum.

Ich hätte die Polizei anzeigen müssen, war aber so verdattert, dass ich mir noch nicht mal das Datum und die Uhrzeit aufgeschrieben habe.

Nochmal zum Abschluss, weitaus mehr positive Erfahrungen und habt Mut zum Hinschauen und wenn ihr nicht selbst helfen könnt, Hilfe holen geht eigentlich immer.

Gruß Volker

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang werd

    Ich muss mich da auch nochmal einschalten:

    Man kann und darf den Leuten keinen Vorwurf machen, die in einer Menge stehen und "einfach nur zusehen", wie jemand vergewaltigt wird/Hilfe braucht, etc, denn sie erliegen (wie wir alle) einem ganz "normalen" Prozess. Diese Menschen alle als "eigennützig, dumm, etc" zu beschreiben und ihnen Schuldgefühle einzureden ist aus meiner Sicht zu einfach. Hier wird die Situation nämlich zu krass unterschätzt!

    Trotzdem wundert es mich, wieso orangegestreift in der Situation, in der er alleine war nicht zumindest die Polizei angerufen hat, einfach um die Verantwortung abzugeben an welche, die damit Erfahrung haben?

    Sei es drum, es ist nunmal passiert und wer weiß, ob die Frau überhaupt gestorben ist...

    • Antwort von nach 6 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

      denn sie erliegen (wie wir alle) einem ganz "normalen" Prozess.
      was soll denn das , bitteschön, für ein "Prozess" sein?
      Und "wie wir alle" stimmt definitiv nicht, denn es gibt Leute, die helfen. Die Mehrheit würde ich fast sagen.

      Aber man kann es sich natürlich auch einfach machen.

      Anita

      • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

        Moin Anita, was soll denn das , bitteschön, für ein "Prozess" sein?
        Die Frage ist berechtigt. Und "wie wir alle" stimmt definitiv nicht, denn es gibt Leute,
        die helfen. Die Mehrheit würde ich fast sagen.
        Es gibt Leute, die helfen, ja, Polizei, Feuerwehr,
        Rettungsdienste, Ärzte.

        Aber im Bereich "Ich helfe sofort" sieht es eher schlimm aus, sogar der Notruf über das handy ist nicht im blickfeld.

        Ich wünsche jetzt eine ruhige Nacht, ohne Alarmmeldungen.

        LG Volker

        • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

          Ich verweise auf meine Antwort weiter Oben: Der Bystander-Effekt.

      • Antwort von nach 17 Stunden 5 hilfreich
        Re^3: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

        Hallo, was soll denn das , bitteschön, für ein "Prozess" sein?
        es mag nicht wünschenswert sein, aber es gibt ihn; ich glaube, das nennt sich "soziale Hemmung". Wenn mehrere Personen anwesend sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft, denn:

        1. verteilt sich die Verantwortung - bei mehreren Zeugen teilt man subjektiv die Verantwortung auf, bis der eigene Anteil möglicherweise so klein ist, dass er nicht mehr ausreicht, um ein Eingreifen zu motivieren.
        2. hat man negative Vorbilder - wenn die Leute um einen herum zögern, einzugreifen, geht man selbst eher davon aus, dass kein Eingreifen erforderlich ist und denkt vielleicht, dass man selbst die Situation falsch einschätzt, so nach dem Motto: "Wenn es wirklich so schlimm wäre, würden die Leute hier schon etwas tun anstatt rumzustehen."
        3. kommt dazu, dass man, sofern man nicht davon ausgeht, überdurchschnittlich für Hilfe in Notlagen ausgebildet zu sein, Angst hat, sich zu blamieren und vermutet, dass die anderen Anwesenden im Zweifel besser geeignet sind, Hilfe zu leisten.

        Das entschuldigt vielleicht keine Passivität, und es handelt sich auch um eher irrationale Überlegungen, aber es erklärt den beobachtbaren Effekt, dass es, wenn Gruppen Zeuge einer Notlage sind, öfter dazu kommt, dass niemand hilft, als wenn einer alleine so eine Situation beobachtet, weil dann die drei oben genannten Faktoren wegfallen.
        Das war jetzt sicher nicht detailliert genug dargestellt,ich wollte nur verdeutlichen, dass es tatsächlich einen solchen Prozess gibt und man ihn nicht wegreden kann, nur weil man die Effekte nicht mag und glaubt, selbst anders zu handeln.

        Grüße
        Sonja

        • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

          Hallo Sonja,

          Du beschreibst die Situation sehr gut "*".

          Auch ich schaue erstmal ob jemand anderes was tut, "Ist ein Arzt hier?". Aber irgendwann muss jemand die Regie übernehmen, notfalls ich.

          Tja, schaut euch auch mal an wann ihr den letzten Erste-Hilfe-Kurs gemacht habt. Meiner ist mit 4 Jahren auch schon wieder zu alt.

          Gruß Volker

          • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
            Re^5: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

            Auch ich schaue erstmal ob jemand anderes was tut, "Ist ein
            Arzt hier?". Aber irgendwann muss jemand die Regie übernehmen,
            notfalls ich.
            Eben. Und falls man sich selbst unsicher ist oder Angst hat, dann frägt man eben andere Passanten um ggfs gemeinsam was zu machen. Oder setzt einen Notruf ab. Zu letzterem gehört nun wirklich überhaupt kein Mut und es gibt keine Entschuldigung, dass man das nicht macht.

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Was hätte geholfen II ? (Sorry, muss lang we

              Hallo, Eben. Und falls man sich selbst unsicher ist oder Angst hat,
              dann frägt man eben andere Passanten um ggfs gemeinsam was zu
              machen. Oder setzt einen Notruf ab. Zu letzterem gehört nun
              wirklich überhaupt kein Mut und es gibt keine Entschuldigung,
              dass man das nicht macht.
              Stimmt.
              Warum nennst du dich dann "Beobachter"? Gerade du plädierst ja in diesem Thread dafür, das nicht zu sein - und das zu recht.

              Gruß
              Elke

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              OT: Vika

              Warum nennst du dich dann "Beobachter"? Gerade du plädierst ja
              in diesem Thread dafür, das nicht zu sein - und das zu recht.
              Auch ein Jäger ist ein guter Beobachter. Dennoch drückt er im rechten Moment ab und bleibt nicht untätig sitzen ;)
              Mit "Beobachter" meine ich in meiner Vika dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe und nicht, das ich tatenlos zusehe, wenn ich etwas "beobachte", was ich nicht gut heißen kann.



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!