Warum weint ein Mensch?

Was wird durch weinen artikuliert? Der körperliche Schmerz ist nicht gemeint.

Grüsse

Im prinzip nur ein Augen-Reinigungs-System…

o)

Im prinzip nur ein Augen-Reinigungs-System…

Naja, Bernd, ich weiß nicht,
warum muß ich mir denn dann bei traurigen Filmen permanent die Augen reinigen? Ich denke dass da schon ein Bezug zu seelischen Vorgängen auch eine Rolle spielt.
Eine etwas tiefer gehende Erklärung würde mich auch interessieren.
Gruß Eckard.

Hallo Eckard,

ich fand diesen Erklärungsversuch - hier nur ein kurzer Auszug - sehr interessant, wie übrigens den gesamten Artikel:

„…Es gibt auch ein Weinen, das mit grundsätzlich positiven Ereignissen verbunden ist. Zum Beispiel bei gewissen Erlebnissen in der Natur: Ein Sonnenuntergang, eine einzelne Blüte im Abendlicht berühren uns nicht nur, sondern können uns überwältigen. Sogar die blosse Erinnerung an ein Erleben, das vielleicht nur einige Augenblicke gedauert, aber sich unvergesslich eingeprägt hat, berührt im Nachhinein (immer wieder?) zutiefst: ein kleines Kind, das auf uns zuläuft, man hat jemanden verloren und findet ihn wieder, eine Melodie, die sich mit einem bestimmten Erlebnis verbindet.

Solches Weinen, das einen oft ganz plötzlich und oft sogar in der Scheinwirklichkeit des Kinos oder Theaters überkommt, scheint schwer erklärbar, weil es sich ja in Augenblicken des Glücks, der Schönheit, der Harmonie ereignet. Weshalb verbindet sich dieses Ergriffensein mit dem Weinen, das heisst auch immer mit einem Gefühl der leisen Trauer oder Wehmut und nicht etwa mit einem glücklichen Lachen?

Ist es, weil dieses Weinen vielleicht doch keine Äusserung fraglosen Glücks ist, sondern vor dem Hintergrund unseres Wissens geschieht, dass die Welt meistens und normalerweise ganz entschieden nicht so ist, wie wir sie gerade empfunden haben? Mischt sich in das Erleben des Schönen das Wissen um das baldige Entschwinden von allem Beglückenden?..“
aus: http://www.franzdodel.ch/texte/weinen_lachen.htm

Gruss
Eve*

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Liebe Eve*
Ja, sowohl Deine Antwort als auch der Artikel beschreibt recht ausdrück- und führlich den Vorgang und seine Auslöser. Danke dafür.
Wieso aber bei „emotionaler Commotion“ ausgerechnet die Tränendrüsen in verstärkte Tätigkeit treten, darüber ist nichts gesagt.
Welche physiologischen Gründe gibt es dafür?

Gut, vermehrter Speichelfluß beim Anblick oder Geruch leckeren Essens ist durch Pawlows Versuche hinreichend dokumentiert und Speichelproduktion hat ja auch unmittelbar mit Nahrung zu tun.
Auch dass das Geräusch plätschernden Wassers Harndrang auslösen kann, habe ich selbst bereits festgestellt, und auch da ist mir das Zusammenspiel - die Assoziation - erklärlich.

Mit fehlt jedoch der Zusammenhang zwischen Emotion und Tränensekretion. Vielleicht sollte man die Frage aber auch lieber im Bio-Brett stellen.

Gruß Eckard

Lieber Eckhard,

danke für die ausführliche Antwort. Stimme Dir zu, dass ich da nicht ganz richtig lag. Ist jedoch ein sehr interessantes, wenn wohl auch sehr schwer zu erklärendes Thema der Emotionsforschung.
Bin auch mal gespannt, ob es da evtl. aus dem Bereich Biologie noch Meldungen gibt:wink:

Bin jedoch auf ein interessantes Buch gestossen:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3828450024/o/q…

Gruss
Eve*

Wieso aber bei „emotionaler Commotion“ ausgerechnet die
Tränendrüsen in verstärkte Tätigkeit treten, darüber ist
nichts gesagt.
Welche physiologischen Gründe gibt es dafür?

Dafür gibt es eine recht profane Erklärung. Erregungszustände wie z.B Glück oder Trauer werden durch Ausschüttung von Hormonen im Gehirn ausgelöst. Diese Hormone werden zwar langsam wieder abgebaut, aber wenn ihre Konzentration so groß wird, daß sie die Funktion des Gehirns in gefährlicher Weise behindert, dann müssen die Hormone auf dem schnellsten Wege abtransportiert werden. Die Tränendrüse bietet sich hier geradezu an. Weinen ist also eine Gefühlsbremse.

Der Tränenfluß wird übrigens selbst durch Hormonausschüttung ausgelöst. Verantwortlich ist dafür das Hormon Prolactin, von dem Frauen deutlich mehr produzieren, als Männer (weshalb Frauen auch fünfmal häufiger weinen).

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Vielen Dank, Mr. Stupid,
so finde ich endlich mal Gelegenheit mich persönlich für Deine oft sehr interessanten und (für mich) lehrreichen Beiträge zu bedanken!

Abtransport von überschüssigen Hormonen ist mir vollkommen einleuchtend.
Grüße
Eckard.

Hallo,

das Weinen unterscheidet den Menschen vom Tier.

Durch Weinen symbolisiert eine Person Verzweiflung, Aufgabe…
Jeder andere Mensch kann diese Geste deuten und reagiert dementsprechend. Es ist ein Teil unserer Körpersprache, welche die verbale Artikulation in ihrer Intension übersteigt, da sie international verständlich ist.

Wieso wir auch bei eigentlich weniger bedrückenden Situationen weinen?

Weil wir uns in die betroffene Situation (Theaterstück) hineinversetzen, spielt auch unsere Physe mit.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen

Gruß

Desperado