Hallo Heidi
Was du beschreibst:
sie bekommt unkontrollierbare Wutanfälle, zerstört
Mobiliar, schlägt, schreit in den höchsten Tönen und
ist durch absolut nichts zu beruhigen. Das geht
manchmal solange, bis sie sich selbst erschöpft hat und
sie hört nur damit auf, weil sie wirklich nicht mehr "kann".
macht schon den Eindruck, daß es sinnvoll sein könnte, einmal in
der Kinderpsychotherapie Rat zu holen - am besten natürlich
irgendwo vor Ort (das kann durchaus auch ein
schulpsychologischer Dienst sein).
...immer dann, wenn an sie die auch
noch so geringste Anforderung gestellt wird.
Was für ein Problem dahinter steckt, läßt sich so auf die
Entfernung nur ahnen - es geht sicher um Leistungsdruck und
damit zusammenhängend um einen Konflikt in der sich allmählich
entwickelnden Handlungsautonomie. Eine Konfliktsituation mit den
Lehrpersonen oder auch mit Klassenkamerad(inn)en mag da auch
eine Rolle spielen: Was weißt du denn aus Gesprächen mit ihren
Lehrerinnen/Lehrern und mit ihren Freudinnen/Freunden (also
Gespräche, die du ja mit Sicherheit bereits geführt hast !?)
..summa sumarum sie tut was sie will.
Ist gar nicht so eine schlechte Idee, Kinder in diesem Alter hin
und wieder auch mal tun zu lassen, was sie wollen (selbst
auf die Gefahr hin, daß vorübergehend die Hausaufgaben
verschlampt werden - gerade deshalb wären diesbezügliche
Beratungen mit den Lehrerinnen wichtig) und sie in
Angelegenheiten, die sie selbst betreffen, nach ihrer Meinung zu
fragen (und diese ggf. zu respektieren). Beispiele: "was willst
du anziehen heute?", "keine Lust, die Hausaufgaben zu machen?",
"wie wärs mir Ins-Bett-Gehen?" - ja ich weiß, daß das
oktroyierenden Erziehungsmethoden, bei denen man immer besser
weiß, was in den Kindern vorzugehen hat, zuwiderläuft... aber in
diesem Fall ist es ja offenbar so, daß du/ihr eben tatsächlich
nicht weißt, was in dem Mädchen vorgeht....
Mich wundert etwas, daß du gar nichts darüber schreibst, wie
deine Tochter denn auf deine Fragen, was in ihr vorgehe, selbst
geantwortet bzw. reagiert hat?
Bestrafungen nützen gar nichts, dann ist es noch schlimmer.
Das ist - besonders unter den von dir beschriebenen Umständen -
absolut selbstverständlich. Sie wird nicht nur in der einzelnen
Situation umso heftiger reagieren, sondern es wird generell
dadurch nur schlimmer - sie wird um so mehr in Panik geraten
(was du beschreibst, sind Panikreaktionen!).
An welche Einrichtung
könnte ich mich richten? Gibt es Beratungsstellen? Oder gleich
zum Kinderpsychologen???
Nach ausführlichen Gesprächen in ihrem Umfeld wäre eine Beratung
in der Kinderpsychologie ratsam. Am besten zunächst einmal, ohne
deine Tochter gleich mitzunehmen. Denn wenn du sie unvorbereitet
gleich zur Psychotherapie schleppst, wird das kaum gehen, ohne
daß sie sich von dir als "krank" deklariert fühlen muß. Das
könnte nach dem oben von mir geschilderten Eindruck von
ihr zusätzlich als "Verrat" empfunden werden...
Wie verhalte ich mich bis dahin, um
einigermaßen Ruhe in die Fam. zu bringen.
Wenn du etwas tust mit dem haupsächlichen Ziel, "Ruhe in
die Familie" zu bringen, und nicht ausschließlich, um mit ihr
gemeinsam ihr Problem zu lösen oder zu beschwichtigen, wird
das ein Rohrkrepierer. Bitte das als bloße Meinung von mir zu
nehmen und dies auch nur aufgrund einer (eigentlich immer
unsinnigen!) "Ferndiagnose".
Wenn ich also nochmal einen Vorschlag machen darf: Sprich mal
vorübergehend (und solange du noch keinen fachkundigen
Rat einholen konntest) mit ihr wie mit einer autonomen und
souveränen erwachsenen Person. Frag sie nach ihrer
Befindlichkeit (ohne mit ihr darüber zu streiten), frag sie nach
ihren Wünschen und ihren Meinungen (und respektiere sie nach
sorgfältiger Abschätzung).
Wenn du fachkundigen Rat bekommen hast, wäre ich dir sehr
dankbar, wenn du mir davon etwas weitergeben würdest.
Auf Wunsch kann ich dir eine Adresse empfehlen, an die du dich
zumindest schriftlich bzw. telefonisch wenden könntest (ist ein wenig weit weg von Leipzig).
Grüße
M.G.