sekundärer Krankheitsgewinn

Hallo ExpertenInnen
sekundärer Krankheitsgewinn. Scheine einen schweren Fall zu haben. Wo gibts Beratung? Interessenkreis oder ähnliches in Süddeutschland?
Gruss
Theo

„Sekundärer Krankheitsgewinn“ ist nicht selbst eine Krankheit, sondern eine psychoanalytische Deutung eines (sekundären) unbewußten oder vorbewußten Motivs für eine somatische Krankheit oder psychische Störung bzw. eines unbewußten oder vorbewußten Motivs des Widerstands gegen die Genesung. Es handelt sich also nicht um etwas Therapierbares oder zu Therapierendes (oder zu Beratendes), sondern um ein Begleitphänomen davon (bzw. dessen Deutung).

Auch andere Psychotherapien haben dieses Motiv übernommen und arbeiten es in den therapeutischen Prozess ein.

Gruß
Metapher

Hallo Metapher,
ich sehe den sekundären Krankheitsgewinn nicht als Widerstand gegen die Genesung, sondern - lass es mich mal ganz salopp ausdrücken - als eine Art Bonbon, das das Er- und Durchleiden einer Krankheit etwas versüßt.
Die Streicheleinheiten ‚ach, du armes Wesen‘ die mitfühlenden Äußerungen, all das tut doch dem kranken Körper in der Seele gut.
Und hilft so auch dem Gesundwerden.
Herzliche Grüße,
Inge

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Bonbons
Hi Inge

…eine Art Bonbon, das das Er- und Durchleiden einer Krankheit etwas versüßt. Die Streicheleinheiten …

Das mit dem Bonbon ist schon ein treffliches Bild, das auch häufig das Verhalten beschreibt. Aber es ist mit diesem Ausdruck mehr gemeint als nur das. Es gibt andere Arten von „Gewinn“.

Als Beispiel sei nur angedeutet: Der Vorteil sich einer Leistungsdruck-Situation nicht aussetzen zu müssen (häufig zu beobachten bei Kindern, die zum Kränkeln neigen). Komplizierter (und paradoxer) wird es dann schon, wenn es darum geht, die Erfüllung eines Selbstanspruchs (bzw. die Realisierung eines Selbstideals) vermeiden zu können. Da kommt man dann schon in die hier häufig besprochenen ADD-Erscheinungen rein…

Und hilft so auch dem Gesundwerden.

Das ist bei einer Influenza sicher manchmal der Fall, wo eine gewisse Traurigkeit zu beobachten ist, wenn der Patient langsam wieder gesund wird… Aber der Ausdruck „Krankheitsgewinn“ ist ja entwickelt worden, um gerade das gegenteilige Phänomen zu deuten: Daß (insbesondere psychische) Störungen nicht aufgelöst werden sollen. Der dahinter liegende Prozess ist meist weniger bewußt, auch unbewußt. Das ist bei dem Genuß des Bedauertwerdens nicht der Fall, der liegt ganz an der Oberfläche des Bewußtseins und läßt sich sehr leicht enttarnen.

Grüße
Metapher

2 „Gefällt mir“

Nachtrag: ein Beispiel
wie komplex soetwas sein kann, haben wir hier im Brett mal diskutiert:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

(besonders das Hauptposting dazu)

Grüße
Metapher

Hallo Metapher,

>>>„Sekundärer Krankheitsgewinn“ ist nicht selbst eine Krankheit, sondern eine psychoanalytische Deutung eines (sekundären) unbewußten oder vorbewußten Motivs für eine somatische Krankheit oder psychische Störung bzw. eines unbewußten oder vorbewußten Motivs des Widerstands gegen die Genesung. >>>Es handelt sich also nicht um etwas Therapierbares oder zu Therapierendes (oder zu Beratendes), sondern um ein Begleitphänomen davon (bzw. dessen Deutung).

Einsicht und Durcharbeiten
Hi Demetrius

Natürlich ist es therapierbar.

Das ist immer noch mißverstanden - auch wenn Deine Beispiele durchaus zutreffende sind. Es sind aber einfache und leicht (für den Patienten) zu durchschauende Beispiele von der Art, daß durch Krankheit die Bewältigung einer Problemsituation(Konfliktbewältigung, Leistungsdruck usw.) vermieden oder verzögert werden kann. Dazu gehören auch noch wiederum andere Szenarien, in denen eine Krankheit die Rolle eines Auswegs aus einer Problemsituation bilden kann.

Das zu bewältigende (psychologische) Problem ist jedenfalls auch in deinen Beispielen nicht die Tatsache, daß eine Krankheit einen gewinnbringenden Neben zweck hat, sondern vielmehr, warum und wovor eine Vermeidungsstrategie gesucht wird…

Auf ein Beispiel (aus diesem Brett hier), wo das ganz anders liegt und viel komplexer ist, habe ich ja unten in einem Link verwiesen.

… – wenn ich Ihnen begreiflich machen kann, WARUM das so ist, und was die EIGENEN Gedanken und Vorstellungen bewirken.

Das wäre schön (und alle Therapeuten und andere psychologische Berater arbeitslos), wenn Psychotherapie so einfach wäre :smile:
Die sog „Einsicht“ (sc. in den jeweils eigenen vorbewußten Bewußtseins-Prozess) ist erst eine erste Vorstufe, die eine Therapie erreichen kann/soll. Dann aber kommt noch das Entscheidende, nämlich das sog. „Durcharbeiten“ , d.h. die Konsequenzen aus der Einsicht auch in reales Handeln (falls es um ein solches geht - bei anderen Problemen nennt man das andres) umzusetzen. Dabei entscheidet sich erst ggf. der Erfolg einer Therapie.

Das ist auch der Grund, weshalb eine bloße Aussprache und ein Meinungsaustausch, wie es ja in einem Forum wie diesem hier häufig betrieben wird, allein eine ggf. Psychotherapie nicht ersetzen kann.

Gruß
Metapher

Hallo Metapher und die anderen an der Diskussion Beteiligten

Der Theo hat im Grunde ein ganz anderes Problem.
Er hatte dies bereits im Forum „Medizin“ geäußert und ich hatte ihn gebeten, sich beim Psychoforum Rat zu holen.
Es geht wohl darum, dass hier jemand mit Krankheit Zuwendung erpressen will und sich der sekundäre Krankheitsgewinn hier darauf bezieht, das jemand Krankheit benutzt, um in einer Beziehung zu einem anderen Menschen etwas zu bekommen, das er/sie sonst so nicht bekommen könnte.
Vielleicht kann der Theo etwas konkreter werden, damit wir besser wissen, was er meint.
Gruß
Crotalus

ah ja…
… habs inzwischen gesehen.

na dann wollen wir mal auf seine Antwort warten :smile:

Gruß
Metapher

Hallo zusammen!
Einer der mich versteht!
Danke so ist die Situation, wie Crotalus das schildert!
Gruss
Theo

Der Theo hat im Grunde ein ganz anderes Problem.
Er hatte dies bereits im Forum „Medizin“ geäußert und ich
hatte ihn gebeten, sich beim Psychoforum Rat zu holen.
Es geht wohl darum, dass hier jemand mit Krankheit Zuwendung
erpressen will und sich der sekundäre Krankheitsgewinn hier
darauf bezieht, das jemand Krankheit benutzt, um in einer
Beziehung zu einem anderen Menschen etwas zu bekommen, das
er/sie sonst so nicht bekommen könnte.
Vielleicht kann der Theo etwas konkreter werden, damit wir
besser wissen, was er meint.
Gruß
Crotalus

Zuwendungserpressung
Hi Theo

schön, das jetzt zu wissen.

Aber dies hier:

Vielleicht kann der Theo etwas konkreter werden, damit wir besser wissen, was er meint.

wäre dennoch vonnöten, damit man etwas dazu sagen kann.

Es wäre vor allem auch wichtig zu wissen, was die Menschen in der Umgebung dieser Person letztlich wollen - also, ob sie (A) damit umzugehen lernen wollen, ohne sich ihre Nerven zu ruinieren, oder ob sie (B) wollen, daß diese Person das sein läßt (ich gehe mal davon aus, daß die betreffende Person sich nicht freiwillig einer Therapie unterziehen will).

Dazu möchte ich jedenfalls dieses Posting hier (wie oben schon) nochmal dringend empfehlen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
da ist gewißt zuerst mal etwas an Verhaltensmöglichkeiten zu finden.

Trotzdem bleibt es dabei: Nicht dieser „Krankheitsgewinn“ selbst ist etwas zu Therapierendes, sondern die Tatsache, daß diese Person dieses Mittel meint anwenden zu müssen - aber das hast Du ja vielleicht auch gemeint.

Die Psychotherapie dieser Verhaltensstörung (im weiteren Sinne) würde sich dann vor allem auch mit den speziell „ausgesuchten“ Krankheiten (egal, ob sie tatsächlich vorliegen oder nicht) beschäftigen. Sie enthalten dann nämlich mit Sicherheit eine sog. „Symbolisierung“ des eigentlich alldem zu Grunde liegenden psychischen Syndroms.

Unbesehen darf man aber auch schon darauf hinweisen, daß solche Phänomene sich immer im direkten Wechselwirkungskontext mit der Umgebung (Familie u.a.) entwickeln. D.h. die Umgebung trägt auf irgendeine Weise (durch ihre Art der Reaktion) aktiv zu der Entwicklung dieses Verhaltens bei. Das wäre bei der therapeutischen Arbeit zu berücksichtigen.

Das wäre das, was man ohne genauere Kenntnis zunächst dazu sagen kann. Vielleicht magst Du ja noch etwas deutlicher werden.

Gruß
Metapher

Hi Methapher,

wäre dennoch vonnöten, damit man etwas dazu sagen kann.

also, ob sie (A)

damit umzugehen lernen wollen, ohne sich ihre Nerven zu
ruinieren, und

(B) wollen, daß diese Person das sein

läßt (ich gehe mal davon aus,

richtig!
daß die betreffende Person sich

nicht freiwillig einer Therapie unterziehen will).

Trotzdem bleibt es dabei: Nicht dieser „Krankheitsgewinn“

selbst ist etwas zu Therapierendes, sondern die Tatsache, daß
diese Person dieses Mittel meint anwenden zu müssen - aber das
hast Du ja vielleicht auch gemeint.

Ja das habe ich gemeint!

Die Psychotherapie dieser Verhaltensstörung (im weiteren
Sinne) würde sich dann vor allem auch mit den speziell
„ausgesuchten“ Krankheiten (egal, ob sie tatsächlich vorliegen
oder nicht) beschäftigen. Sie enthalten dann nämlich mit
Sicherheit eine sog. „Symbolisierung“ des eigentlich alldem zu
Grunde liegenden psychischen Syndroms.

Das ist verständlich.

Im vorliegenden Fall fühlte sich der Patient(83) unwohl(Übelkeit). Es wurde ein „Gewächs“ auf der Niere vermutet. Der Medizinmann meinte dann noch dazu, dass man da nicht helfen könne. Da der Patient seit 50 Jahren behauptet er hätte Krebs und davon seit min.20 Jahren Valium konsumiert und dazu irgendwelche anderen Pillen nimmt, war das wie eine Bestätigung.(Patient war vor der o.g. Diagnose mindestens 8 Jahre nicht beim Medizienmann)
Jetzt eskalierte das Ganze und der Patient legt sich ins Bett! Seit 4 Monaten. Die Übelkeit scheint sich offensichtlich gebesssert zu haben.
Die „Symbolisierung“ liegt offensichtlich im sich versorgen lassen- Aufmerksamkeit/ Zuwendung gewinnen.

Wechselwirkungskontext
Auch das ist logisch und führte nach meiner Einschätzung zur Reaktion des Patienten.
Die Andeutung ins Ausland zu ziehen und nicht mehr für den Patienten sofort zur Verfügung zu stehen, trug bestimmt einen teil zum Verhalten des Patienten Bei.
So nun genug Details!
WO gibt es eine Erfahrungsgruppe- Beratungs- Austauschmöglichkeiten mit diesm Phänomen besser fertig zu werden??
Geeignete Massnahmen auszuprobieren, die Situation zu verbessern!
Das war und ist mein Anliegen an das Boaerd!
Gruss vom Bodensee
T.