Denken

Hallo Psychologen,
Schon lange plage ich mich mit der Frage : Wie denkt ein taub und blind Geborener ? Wir denken ja in Worten oder in Bildern, aber wie kommen die Bilder und wie kommen gedachte Worte als „Träger“ des Denkens in ein solches Gehirn.
Wer-weiss-was oder Literatur darüber ?
Mit Gruss :engelhard

Frage dazu …
Wenn ein Taubstummer einkaufen geht, kann der Taubstumme auf das Produkt, das er erwerben möchte zeigen und erhält es. Aber was macht ein Blinder in der gleichen Situation?

Irgendwie falsches Brett, aber trotzdem gute Frage

Wenn ein Taubstummer einkaufen geht, kann der Taubstumme auf
das Produkt, das er erwerben möchte zeigen und erhält es. Aber
was macht ein Blinder in der gleichen Situation?

Ich denke mal, Blinde werden in den zu fast 100% auf Sehende ausgerichteten, großen Einkaufszentren (bisschen Musik gibt’s ja zumindest) auf eigene Faust in jedem Fall verlohren sein. Das sollte der Grund sein, warum ich noch nie Blinde bei Aldi gesehen habe.

Interessante Frage aber. Gibt es denn keine Einkaufszentren speziell für Blinde? Mit blindenbeschriftetem oder - besser noch - sprechendem Allem? Gänge, Produkte, Wegweiser überall…

Klingt eher unrealistisch…

Aber, mensch, richtig! Da gibt’s ja immer noch diese Läden, in denen die Menschen bedient werden, wo mensch fragen kann und bestellen und so… Und wo der freundliche Gemüseverkäufer manchmal sogar noch fragt: „Was darf’s denn sein? Davon noch etwas mehr?“ … und dann irgendwann deinen Namen kennt und dich mit „Guten Tag, Herr Wieauchimmer, na, wie geht’s denn den kleinen Rackern?“ begrüßt.

Da wo ich einkaufe, ist das schon fast so - aber gut, ist auch ein Bioladen *selbst-out* …

Übrigens, in HCI (Human-computer Interaction, Forschungsgebietsmischung aus Informatik, Psychologie, Ergonomie und Maschinenbau) haben wir mal gelernt, dass Produkte, die mit Hinblick auf Behinderungen entwickelt wurden, oft auch für „normale“ Menschen wesentlich ergonomischer sind. Übertragen auf’s Einkaufen würde das ja bedeuten, dass ein Laden, in dem Blinde leicht einkaufen können auch für Sehende angenehmer ist. Wenn ich das mit dem großen und gut besuchten Einkaufzentrum hier mitten in der Stadt vergleiche, in dem die Gänge fast länger sind als mein morgendlicher Weg zur Bushaltestelle (und es gibt eine Menge Gänge), dann sehe ich mich in dieser Idee durchaus bestätigt…

Liebe Grüße,
Stefan :smile:

Hallo Engelhard,

Schon lange plage ich mich mit der Frage : Wie denkt ein taub
und blind Geborener ? Wir denken ja in Worten oder in Bildern,
aber wie kommen die Bilder und wie kommen gedachte Worte als
„Träger“ des Denkens in ein solches Gehirn.

Menschen repräsentieren ihre Gedanken nicht ausschließlich mit Hilfe eines Sinnes. Viele blinde Menschen haben ein weit besseres Gehör bzw. einen ausgeprägteren Tastsinn als andere. Mag sein dass der eine hauptsächlich auditiv, d.h. hörend denkt (innere Stimme, innerer Dialog, Sprechdenken). Ein anderer erspürt und ertastet seine Welt und denkt vorwiegend kinästhetisch.

Bei den meisten Menschen herrscht zwar ein Sinn vor; ihre Gedankengänge konstruieren sie mit Hilfe von Sinneskombinationen. Und oft gibt es auch kaum benutzte Sinne im Denken (dass sind dann die Leute, die zwar z.B. innere Bilder sehen aber sich kaum Geräusche oder Tastwahrnehmungen vorstellen können - weil sie es ohnehin selten tun).

Oft schlägt sich das auch in der Sprache nieder. Einer „sieht“ die Dinge schon vor seinem inneren Auge, für den nächsten klingen sie stimmig und der dritte hat dabei ein gutes Gefühl im Bauch. Alle meinen sie dasselbe.

Letzendlich sind gedachte Bilder, Geräusche usw. neurologisch das Gleiche: Biochemisch erzeugte elektrische Signale, die nach komplexen Regeln im Gehirn umherwandern und dort zu Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen führen, wodurch diese Eindrücke entstehen.

(SEHR vereinfacht ausgedrückt - die Neurologen hier mögen es mir verzeihen…)

Gruß,

Guido Strunck

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Letzendlich sind gedachte Bilder, Geräusche usw. neurologisch
das Gleiche: Biochemisch erzeugte elektrische Signale, die
nach komplexen Regeln im Gehirn umherwandern und dort zu
Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen führen, wodurch diese
Eindrücke entstehen.

(SEHR vereinfacht ausgedrückt - die Neurologen hier mögen es
mir verzeihen…)

Gruß,

Guido Strunck

Hallo Guido,
Danke - hab’s ungefähr begriffen. Aber eben : Die gedachten Bilder? Wenn im Mutterleib nie ein Bild gesehen wurde, wie kann denn im „Bildareal“ eines erzeugt werden. Mit welcher Vorlage im Erinnerungs-Areal?
Mit Gruss : engelhard

Hallo Engelhard,

Danke - hab’s ungefähr begriffen. Aber eben : Die gedachten
Bilder? Wenn im Mutterleib nie ein Bild gesehen wurde, wie
kann denn im „Bildareal“ eines erzeugt werden. Mit welcher
Vorlage im Erinnerungs-Areal?

Hmmmm … gute Frage, nächste Frage!

Nein, im Ernst - ich weiß es nicht. So viele visuell orientierte Menschen, die von Geburt an blind sind, kenne ich nicht. Gelesen habe ich auch noch nichts drüber.

Ich nehme an, dass diese Menschen das Konzept „Bild“ gedanklich entweder gar nicht oder sehr stark von unserer Vorstellung abweichend konstruieren.

Vor kurzem las ich allerdings einen Artikel, der dazu im Widerspruch steht.

Ein von Geburt an blinder Mensch war verunglückt und landete im Krankenhaus. Exitus und Reanimation. Er überlebte und berichtete von einem Nahtodeserlebnis. Er hatte sich und die Ärzte die ihn reanimierten dabei von außen beobachtet. Und er konnte exakt die Einrichtung des Raumes, das Aussehen von darin befindlichen Gegenständen sowie die Farbe der Kleidung der anwesenden Personen beschreiben. Und zwar zutreffend!

Und das obwohl es in seinem Hirn keinerlei Referenzerfahrungen zu optischen Eindrücken geben sollte.

Gruß,

Guido Strunck

Hi Gunter

Kann das sein dass Du damit eher auf einen Scherz anspielen möchtest?

Frage: Taubstummer kommt in ein Tabakgeschäft und will Zigaretten kaufen. Wie macht er sich everständlich?

Ja, genau, mit einer Handbewegung die das Rauchen andeutet.

Blinder kommt in ein Zoogeschäft und möchte einen Hund kaufen.
Wie macht der sich jetzt verständlich?

Hier sagen viele Leute: Wau wau! Und kommen sich dabei fürchterlich schlau vor (bin auch drauf reingefallen:wink:)

Aber er sagt natürlich einfach:
„Ich möchte einen Hund kaufen“.

Die Antwort darauf, warum dieser Trick so gut funktioniert,
will ich mal den Berufspsychologen überlassen.

Grinsende Grüsse

Pamela

Bingo (o.w.T.)
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