Die erste eigene Wohnung

Hallöchen!

Vielleicht kennt dieses Gefühl jemand von euch und kann mir sagen, wie ich damit umgehen sollte!

Ich träume schon wirklich ewig von einer eigenen kleinen Wohnung, weg von daheim, Eigenständigkeit usw.
Jetzt ist es passiert. Ich ziehe in 2 Wochen mit meinem Freund zusammen in unsere eigene kleine Welt. Darauf freue ich mich wirklich total wahnsinnig, sehe es aber doch mit gemischten Gefühlen!

Diesen Artikel zu schreiben fällt mir auch wahnsinnig schwer, weil ich einfach nicht weiß, wie ich es ausdrücken soll, weil es ein Gefühl ist! Ein Gefühl, das ich nicht richtig beschreiben kann und das mich deshalb verrückt macht!

Auf der einen Seite bin ich froh, dass ich endlich ausziehe (2 jüngere Brüder, Mama und ich oft Krach wg. nichts und wieder nichts), dass sich dadurch das Verhältnis zu meiner Mutter bessert, weil man nicht ständig aufeinander sitzt.

Auf der anderen Seite denke ich, dass mir meine Brüder (trotz Krach mit dem jüngsten - 10 Jährchen jünger) und Eltern fehlen werden, dass ich nimmer die „Große Schwester“ bin, die ich jetzt bin, dass ich alle nicht mehr so oft sehe, dass ich nimmer sagen kann „ich bin jetzt daheim“. Ich bin im Moment auch nicht viel zu Hause, aber ausziehen ist doch etwas endgültiges…

Ist es normal, dass man mit gemischten Gefühlen an die Sache geht, weil es einfach ein neuer Lebensabschnitt ist, vor dem man Angst hat (so „richtig“ Erwachsen werden), weil man nicht weiß, was kommt, oder seh ich das alles viel zu verbissen?

Vielleicht könnt ihr mir schildern, wie das bei euch abgelaufen ist, oder mir Tipps geben und mich beruhigen, DASS es normal IST!?

Danke euch!

Gruß
anke *komischesGefühlistdas*

Auch Hallöchen,

also zuerst einmal: Du bist nicht allein. Das geht vielen so.
Damit bist Du auch nicht „verrückter“ als der Rest der Welt.

Denn letztendlich ists das gleiche Problem mit allen „großen“ Entscheidungen: Man weiß nie obs richtig entschieden ist und Garantien gibt Dir keiner. Wobei „groß“ bei einer Entscheidung sehr, sehr subjektiv ist. Wo die eine strahlenden Mutes einen Job in Fernost antritt ist der andere schon bei einer simplen Kaufentscheidung „schwer am Denken“.

Und das ist auch gut so, denn nur so kann eine gewisse Stabilität im Leben bewahrt bleiben, die für längerfristiges Planen (z. B. Familie, Karriere) unabdingbar ist. Da ist natürlich jeder verschieden, da zeigen sich dann die Unterschiede von phlegmatisch bis Sponti…

Aus eigener Erfahrung: Mir gings auch so. Endlich die eigene Bude, Freiheit alles zu tun, was bisher nicht so einfach war … jaja, die Mädchen… Und die ganze Verantwortung, das selber machen müssen, das abends mal alleine sein HILFE!!!
So gings dann schon zwischen Aufbruchstimmung und ein bißchen heulendem Elend hin und her. Was man tun kann: nicht viel, außer daß man sich das „Neue Leben“ soweit wie möglich selbst einrichtet und gestaltet, sich selbst dabei Fehler zugesteht und erlaubt.
Jede Braut (und Bräutigam) kennt das Gefühl, vielleicht wars beim „ersten Mal Sex“ bei Dir ähnlich: das Wollen, das Sehnen, die Freude… und die Zweifel: Mit dem ?, soll ich wirklich ?, tuts weh? … Naja, Männer (Jungs) sind in dem Punkt anders gestrickt :smile:)

Daß Du auch an Deine Familie denkst ist ganz normal und gut so - Du fürchtest Dich auch ein bißchen, diese Geborgenheit (samt ihren Nachteilen) aufzugeben. Und Deine Mutter wird nicht die erste und nicht die letzte Mutter sein, die ihrem Kind mit feuchten Augen nachwinkt. Das Verhältnis wird aber wahrscheinlich besser werden, da hast Du recht.

Ist es normal, dass man mit gemischten Gefühlen an die Sache
geht, weil es einfach ein neuer Lebensabschnitt ist, vor dem
man Angst hat (so „richtig“ Erwachsen werden), weil man nicht
weiß, was kommt …?

Yepp, exakt das ist es, Du hasts kapiert, nun muß das nur noch vom Kopf ins Herz (und den Bauch) runtersickern.

Liebe Grüße
und viel Spaß !
Bernd

Hallo Anke,

Ist es normal, dass man mit gemischten Gefühlen an die Sache
geht, weil es einfach ein neuer Lebensabschnitt ist, vor dem
man Angst hat (so „richtig“ Erwachsen werden), weil man nicht
weiß, was kommt, oder seh ich das alles viel zu verbissen?

ich kann dich gut verstehen, bei mir war es ähnlich. Die erste Zeit wirst du wohl auch den Kontakt zum „alten Zuhause“ intensiv halten, dann aber mit der Zeit wirst du in der neuen Umgebung, die dir zunächst natürlich fremd ist und vor allem einsam erscheint, besser zurechtkommen. Richte dich vielleicht auf ein halbes Jahr gemischter Gefühle ein. Ansonsten ist alles in Ordnung.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Anke,
ich kann mich eigentlich meinen Vorrednern nur anschliessen. Als
ich von zu Hause ausgezogen bin (von einer mittelgrossen
Kleinstadt in eine Grossstadt) war ich zuerst total euphorisch -
hurra, endlich selbstaendig, endlich ein eigenes Leben, endlich
„richtig“ erwachsen! Aber schon nach ein paar Wochen hatte ein
furchtbar schlechtes Gewissen. Ich hatte das Gefuehl, ich haette
meine Eltern allein gelassen, wuerde keine Dankbarkeit und Liebe
zeigen fuer all die Jahre, die sie fuer mich gesorgt haben usw.
Und dann kommen auch die ganzen finanziellen Neuheiten
dazu…und bei meinen Eltern jammern wollte ich auch nicht,
nachher machen die sich noch Sorgen!
Thomas hat recht, es hat etwa ein halbes Jahr gedauert, bis ich
damit durch war. Meine Eltern waren gar nicht enttaeuscht,
sondern fanden es eigentlich sogar spannend, haben mich sehr
unterstuetzt, und Freunde habe ich auch schnell gefunden. Das
mulmige Zwiespaltgefuehl geht also vorueber.
Bei dir koennte das sogar noch etwas einfacher ablaufen, denn du
ziehst ja mit deinem Freund zusammen (auch wenn das sicher auch
eine Umstellung ist!), hast also jemanden, bei dem du dich
ausheulen kannst, wenn es dir mies geht. Ihr teilt auch die
Verantwortung fuer das neue Leben. Ausserdem haben deine Eltern
noch deine Geschwister im Haus. Vielleicht wohnt ihr noch in der
gleichen Stadt? Also, keine Sorge: gemischte Gefuehle sind
normal und vermutlich sogar gut, denn so nimmst du die neue
Situation aus allen Perspektiven wahr und nicht nur durch die
rosarote Brille!
Viel Spass im neuen Haus und alles liebe,
baw

Danke euch!
Danke für eure lieben und aufmunternden Worte!

Ist wirklich schön zu sehen, dass man damit nicht alleine ist!

Liebe Grüße
anke *diestattssternchenlieberbussisaufdiewangevergebenhätte* :wink:

Räume durchschreiten
Hallo Anke,

das Gedicht mag ich so gerne:

Stufen
wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zur ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
zu andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf´um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zum Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
von Hermann Hesse

viele Grüße
Claudia

Hallo Grilla,

das Gedicht ist wirklich schön, und sooo wahr…

Hättest du das selbst geschrieben, könntest du Heidi Dilarah Konkurrenz machen (war NICHT böse gemeint!)

viele Grüße

Dito
anke

Danke für den Artikel…
…Anke!
Ich bin auch erst vor ca. 1 Jahr ausgezogen (gemeinsam mit meinen Freund).
Und obwohl ich ständig im Clinch mit meiner Mutter lag, was besonders in den letzten Jahren der ‚Abnabelung‘ zunahm, fehlte da etwas.

Um ehrlich zu sein: es war total schrecklich! Und was noch schlimmer war: ich wollte es nicht wahrhaben! Hang ich wirklich so an zu Hause? Weggezogen heisst doch nicht verstorben? Eigene Freiheit? Tun und Lassen?

Ja, es hat Vorteile, und Du vermutest schon richtig, der Kontakt zum Elternhaus wird sich bessern, weil man sich nicht jeden Tag sieht, sich nicht auf der Pelle hockt, sich nicht angiftet.
Und das ist schön, und besonders schön die (wie schon gesagt, in der ersten Zeit besonders häufigen) Besuche, es gibt viel zu erzählen, zu berichten, zu verarbeiten.

Irgendwie, ich habe mich auch sehr lange aufs Ausziehen gefreut, war es aber nicht so spektakulür, wie man es sich erträumte.
Nein, alles verlief in seinen gewohnten Bahnen, und den Alltagstrott hatte man auch schnell wieder drinnen.
An die Behördengänge hat man sich auch gewöhnt, und weiss damit umzugehen. (was auch nicht unwesentlich das Selbstwertgefühl steigert, so ganze alleine ‚da draussen‘ sein Leben zu meistern)

Unsere erste Wohnung war eine Einraumwohnung, schrecklich klein, und die Wohngegend…na ja…ich sag nur Sozialwohnung.

Und eines weiss ich genau: alleine wäre ich nie so ‚schnell‘ ausgezogen! Es hilft ungemein, wenn Dir jemand zur Seite steht (beosnders bei diesen entscheidenden Schritt: der erste Auszug), Deine Sorgen teilt, natürlich auch die Freude; und das erste Essen in der ersten gemeinsamen Wohnung sollte was besonders sein :smile:
Etwas, woran man sich noch in 30 Jahren erinnert.

Und irgendwann, sagen wir in ca. einem halben Jahr, ist es etwas selbstverständliches geworden, und das Leben macht Spass.

Auch das Gefühl , der Familie in der Rücken zu fallen, vergeht. (es sind wirklich blöde, gemischte Gefühle, ich wusste eine zeitlang nicht damit umzugehen; aber dann kam die Abschlussprüfung, und dass war mehr oder weniger willkommene Abwechslung *g*)

Wir haben heute eine Dreiraumwohnung, mit Katze, und Muckerln :smile:
Ja, die Viechters bedeuten mir sehr viel, bin damit aufgewachsen, und wenn man mal ganz alleine zu Hause ist, hat man wen, um den man sich kümmern kann.
Wenn ich mich recht erinnere, ich habt doch Zwergkaninchen?
Dann wirst Du wissen, was ich meine.
Ausserdem wurde mein Lieblingskater (bei den Eltern) überfahren, und das, nach zwei Monaten Auszug…Das war auch nicht leicht.
Während der Umzugsphase, inklusive die Vorbereitung, der ganze Trubel, sind noch meine Grosseltern verstorben, wie die Stimmung da war, kannst Du Dir ja vorstellen.

Den Führerschein habe ich auch noch gemacht zu der Zeit, mein Gott, war das hektisch.

Aber irgendwann kehrt Ruhe ein!
Und die Träume, die man von der eigenen Freiheit als kleines Kind geträumt hat, werden dann auch wahr.

Lass erst mal Gras über Deine aufgewühlte Gefühlswelt wachsen, und lass Dich auch mal treiben; es bringt nichts, die Stimmung künstlich zu heben!

Habt ihr (Dein Freund und Du) euch schon vorher ‚getestet‘?
Das Zusammenleben ist schon etwas anderes als sich bloss jeden Tag einmal zu sehen.
Wir haben vor dem eigentlichen Auszug noch ca. 1 Jahr zusammen bei unseren Eltern gewohnt, mal hier, und mal da ein paar Monate.
Das hat mir viel bedeutet, es haben sich die ‚Fronten‘ besser herausgestellt, man lernte den anderen besser kennen.
Das Beieinanderwohnen war etwas alltägliches, und irgendwann war es mir unmöglich vorzustellen, plötzlich wieder allein zu sein.

Mag sein, wenn ihr das erste mal zusammen zieht, dass die Wucht der Routine, des Alltags euch erstmal umhaut.
Das mal Türen knallen, und der Gedanke ans Elterhaus mehr als einmal zurückkommt.
Aber auch das vergeht!
Mach Dir bloss klar, dass nicht immer alles eitel Sonnenschein ist, das hilft schon etwas, als plötzlich hart auf den Boden der Tatsachen zurück geholt zu werden.

Viel Spass & Glück,
Nicole

Hallo Anke,

ich habe jetzt die anderen Postings nur so überflogen, wenn ich also etwas schreibe, was Du schon von anderen gelesen hast => sorry. Aber ich fange erstmal an:

ich habe mit 19 meinem warmen Nest den Rücken gekehrt. Und ich bin auch mit meinem Freund zusammen gezogen. Meine Güte - das war vielleicht ein Chaos! Wir sind in den nächsten Ort gezogen und waren beide lediglich 3 km von daheim weg. Jederzeit konnte ich meine Eltern besuchen und habe das auch gern getan. Plötzlich wurde alles besser: mein Vater und ich konnten plötzlich auch mal miteinander reden, ohne dass wir uns angegiftet haben. Er hat sogar mit Mutti geschimpft, wenn ich zu Besuch war und sie ihn nicht sofort vom Mittagsschlaf aufgeweckt hat.

Mit meinem Freund lief dann alles schief, oh, es war echt hektisch und wir passten überhaupt nicht zusammen. Nach meiner Ausbildung habe ich ihm dann gesagt, dass ich nach Oldenburg ziehe. Das war immerhin schon 50 km von zuhause weg. Aber ganz oft bin ich am Wochenende zu meinen Eltern gefahren und auch sie haben mich besucht. Das war dann die so ziemlich schönste Zeit meines Lebens: wunderschöne Singlewohnung in einer Kleinstadt, ganz, ganz viel Zeit für mich. Niemand, der nervt, weil noch nicht abgewaschen wurde oder die Wäsche mal wieder gemacht werden musste. Ja, ich trauere den 2 Oldenburg-Jahren noch ziemlich hinterher, denn ich konnte in dieser Zeit tun und lassen was ich wollte. In Oldenburg wurde ich selbständig.

Tja, jetzt bin ich hier in Saarbrücken, muss 7 Stunden fahren, wenn ich meine Eltern besuchen möchte und leide schon sehr darunter. Vor allem, weil die allerbeste Freundin der Welt auch noch in Norddeutschland wohnt und wir nur noch telefonieren oder mailen können. Mir fehlt ihre Wärme, ihr Duft, ihre weiche Haut (bei den Umarmungen) und die Abende mit ihr. Das ist wirklich sehr schlimm für mich. Aber auch das schaffe ich.

Ich drücke Dir die Daumen, dass alles so läuft, wie Du es dir vorstellst.

Alles Gute,
Reggi