Danke für den Artikel…
…Anke!
Ich bin auch erst vor ca. 1 Jahr ausgezogen (gemeinsam mit meinen Freund).
Und obwohl ich ständig im Clinch mit meiner Mutter lag, was besonders in den letzten Jahren der ‚Abnabelung‘ zunahm, fehlte da etwas.
Um ehrlich zu sein: es war total schrecklich! Und was noch schlimmer war: ich wollte es nicht wahrhaben! Hang ich wirklich so an zu Hause? Weggezogen heisst doch nicht verstorben? Eigene Freiheit? Tun und Lassen?
Ja, es hat Vorteile, und Du vermutest schon richtig, der Kontakt zum Elternhaus wird sich bessern, weil man sich nicht jeden Tag sieht, sich nicht auf der Pelle hockt, sich nicht angiftet.
Und das ist schön, und besonders schön die (wie schon gesagt, in der ersten Zeit besonders häufigen) Besuche, es gibt viel zu erzählen, zu berichten, zu verarbeiten.
Irgendwie, ich habe mich auch sehr lange aufs Ausziehen gefreut, war es aber nicht so spektakulür, wie man es sich erträumte.
Nein, alles verlief in seinen gewohnten Bahnen, und den Alltagstrott hatte man auch schnell wieder drinnen.
An die Behördengänge hat man sich auch gewöhnt, und weiss damit umzugehen. (was auch nicht unwesentlich das Selbstwertgefühl steigert, so ganze alleine ‚da draussen‘ sein Leben zu meistern)
Unsere erste Wohnung war eine Einraumwohnung, schrecklich klein, und die Wohngegend…na ja…ich sag nur Sozialwohnung.
Und eines weiss ich genau: alleine wäre ich nie so ‚schnell‘ ausgezogen! Es hilft ungemein, wenn Dir jemand zur Seite steht (beosnders bei diesen entscheidenden Schritt: der erste Auszug), Deine Sorgen teilt, natürlich auch die Freude; und das erste Essen in der ersten gemeinsamen Wohnung sollte was besonders sein 
Etwas, woran man sich noch in 30 Jahren erinnert.
Und irgendwann, sagen wir in ca. einem halben Jahr, ist es etwas selbstverständliches geworden, und das Leben macht Spass.
Auch das Gefühl , der Familie in der Rücken zu fallen, vergeht. (es sind wirklich blöde, gemischte Gefühle, ich wusste eine zeitlang nicht damit umzugehen; aber dann kam die Abschlussprüfung, und dass war mehr oder weniger willkommene Abwechslung *g*)
Wir haben heute eine Dreiraumwohnung, mit Katze, und Muckerln 
Ja, die Viechters bedeuten mir sehr viel, bin damit aufgewachsen, und wenn man mal ganz alleine zu Hause ist, hat man wen, um den man sich kümmern kann.
Wenn ich mich recht erinnere, ich habt doch Zwergkaninchen?
Dann wirst Du wissen, was ich meine.
Ausserdem wurde mein Lieblingskater (bei den Eltern) überfahren, und das, nach zwei Monaten Auszug…Das war auch nicht leicht.
Während der Umzugsphase, inklusive die Vorbereitung, der ganze Trubel, sind noch meine Grosseltern verstorben, wie die Stimmung da war, kannst Du Dir ja vorstellen.
Den Führerschein habe ich auch noch gemacht zu der Zeit, mein Gott, war das hektisch.
Aber irgendwann kehrt Ruhe ein!
Und die Träume, die man von der eigenen Freiheit als kleines Kind geträumt hat, werden dann auch wahr.
Lass erst mal Gras über Deine aufgewühlte Gefühlswelt wachsen, und lass Dich auch mal treiben; es bringt nichts, die Stimmung künstlich zu heben!
Habt ihr (Dein Freund und Du) euch schon vorher ‚getestet‘?
Das Zusammenleben ist schon etwas anderes als sich bloss jeden Tag einmal zu sehen.
Wir haben vor dem eigentlichen Auszug noch ca. 1 Jahr zusammen bei unseren Eltern gewohnt, mal hier, und mal da ein paar Monate.
Das hat mir viel bedeutet, es haben sich die ‚Fronten‘ besser herausgestellt, man lernte den anderen besser kennen.
Das Beieinanderwohnen war etwas alltägliches, und irgendwann war es mir unmöglich vorzustellen, plötzlich wieder allein zu sein.
Mag sein, wenn ihr das erste mal zusammen zieht, dass die Wucht der Routine, des Alltags euch erstmal umhaut.
Das mal Türen knallen, und der Gedanke ans Elterhaus mehr als einmal zurückkommt.
Aber auch das vergeht!
Mach Dir bloss klar, dass nicht immer alles eitel Sonnenschein ist, das hilft schon etwas, als plötzlich hart auf den Boden der Tatsachen zurück geholt zu werden.
Viel Spass & Glück,
Nicole