Sekt

Von: , Frage gestellt am Di, 21. Dez 1999

Hallo ihr Wissenden,

ist das wirklich war, daß ein Löffel, den man in eine geöffnete und nicht ganz gelehrte Sektflasche mit dem Stiel nach unten steckt, verhindert, das der Sekt seine Kohlensäure verliert, oder diesen Prozess zumindest verlangsamt, und wenn ja, warum ist das so ? Das geht jetzt zwar nicht um 4. und 5. Dimensionen oder gekrümmte Räume, aber diese kleinen Alltagsgeheimnisse oder Gerüchte finde ich auch sehr spannend. Stimmt es z.B., daß nach erfolgreichem Toilettenbesuch läßtige Gerüche durch das Abbrennen eines Streichholzes vernichtet werden können? Ich habe das eben gerade gehört und konnte es noch nicht testen:-) aber vielleicht gibt es ja eine verblüffende, wissenschaftliche Erklärung.

Gruß, Stephan

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: Sekt

    Für diese und andere alltagsprobleme empfehle ich dir die rubrik "Stimmt's" in "Die Zeit", gibts auch als buch und auf der homepage von der zeit.

      • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
        Und hier steht die Antwort

        Von Christoph Drösser

        Stimmt nicht. Die Legende ist ein
        Beispiel dafür, wie hartnäckig sich ein
        Gerücht halten kann, das doch
        eigentlich recht einfach zu überprüfen
        ist. Vielleicht liegt es, wie die
        niederländischen Forscher Geert Jan
        van Oldenborgh und Fernando L. J. Vos
        schreiben, an "der
        Unwahrscheinlichkeit, zwei halbleere
        Flaschen in einer relativ kleinen Region
        der Raumzeit zu haben". Mit anderen
        Worten: Man leert Champagnerflaschen
        nacheinander, so daß immer höchstens
        eine angebrochene übrigbleibt.

        Die beiden Physiker beschlossen 1995,
        die Hypothese wissenschaftlich zu
        testen. Da sie über keinen
        Forschungsetat für derartige Projekte
        verfügten, mußten sie ihr Experiment
        mit Cidre durchführen. Sie glauben
        aber, ihre Ergebnisse auf andere
        moussierende Getränke übertragen zu
        können. Van Oldenborgh und Vos
        leerten zwei Flaschen des Apfelsekts je
        zur Hälfte und ließen sie dann über
        Nacht offen im Kühlschrank stehen -
        eine mit Löffel, die andere ohne. Am
        nächsten Tag mußten zehn Freiwillige
        je fünf Zentiliter aus zwei Plastikbechern
        trinken, die mit den Ziffern 1 und 2
        versehen waren. Nur die beiden
        Forscher wußten, welcher Cidre in
        welchem Becher war. Ergebnis: Die
        Tester konnten keinen Unterschied
        feststellen.

        Während dieser Versuch allein auf dem
        subjektiven Urteil der Probanden
        beruhte, berichtete die lothringische
        Zeitung Le Republicain Lorrain bereits
        am 17. März 1987 von härteren
        wissenschaftlichen Untersuchungen,
        durchgeführt mit einem sogenannten
        Aphrometer, das den Kohlensäuredruck
        in Flüssigkeiten feststellt. Der
        Veranstalter dieses Tests war das
        Komitee für den Wein der Champagne
        in Epernay - ein kompetenteres Institut
        ist also kaum vorstellbar.

        Für diesen Versuch wurden sechs
        Champagnerflaschen geopfert - zwei
        wurden mit einem Korken
        verschlossen, zwei mit einem Teelöffel
        versehen, zwei einfach so in den
        Kühlschrank gestellt, nachdem je ein
        Glas Schampus entnommen worden
        war. Nach 24 Stunden wurde der
        Gasdruck gemessen. Ergebnis: Alle
        sechs Flaschen hatten Druck verloren,
        die verkorkten Flaschen mit Abstand am
        wenigsten. Zwischen den offenen
        Flaschen und denen mit Löffel war kein
        signifikanter Unterschied festzustellen.

        Die Lehre aus diesen Experimenten:
        Man sollte Sekt- und
        Champagnerflaschen am besten leer
        trinken. Wenn wirklich etwas übrigbleibt,
        wirkt nur ein hermetischer Verschluß
        blasenerhaltend. Ein Löffel dagegen
        nutzt gar nichts. Schade eigentlich,
        hätte doch ein Wirksamkeitsnachweis
        nach den Worten der holländischen
        Forscher "zur Reduzierung der
        CO2-Emissionen beigetragen".

        Nachtrag (aus dem Buch "Stimmt's -
        Moderne Legenden im Test"): So weit,
        so negativ. Jetzt hat sich die Redaktion
        der ARD-Quizsendung "Kopfball" noch
        einmal des Themas experimentell
        angenommen - und konnte tatsächlich
        einen Effekt messen. Die
        Fernsehmacher stellten zwei
        angebrochene Flaschen über Nacht in
        den Kühlschrank, je eine mit und ohne
        Löffel. Am nächsten Tag wurde durch
        Erhitzen aus beiden Sektflaschen die
        Kohlensäure komplett entfernt und
        deren Volumen gemessen. "In der
        Silberlöffelflasche war eindeutig mehr
        Kohlendioxid", berichtet der
        WDR-Redakteur Ranga Yogeshwar.
        Die naheliegendste wissenschaftliche
        Erklärung: Die Sache wirkt nur, wenn
        man die bereits warm gewordene
        Flasche auch tatsächlich in den
        Kühlschrank stellt. Der Löffel wirkt dann
        als ein Wärmeleiter, der die Wärme
        schneller aus der Flasche transportiert.
        So kühlt der Sekt schneller ab, und in
        kaltem Sekt bleibt mehr Kohlensäure
        gelöst. Bestätigt wird diese Theorie
        durch ein weiteres Ergebnis der Kölner
        Hobbyforscher: Nach einer Stunde im
        Kühlschrank war die Löffelflasche um
        drei Grad kälter als die andere. Aus
        dieser Erklärung folgt sofort, daß der
        Löffel aus einem Material bestehen
        sollte, das möglichst gut die Wärme
        leitet. Plastiklöffel bringen also gar
        nichts, es muß schon Metall sein - und
        da gehört tatsächlich der oft
        beschworene Silberlöffel zu den
        besseren Leitern.

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Sekt

      Wobei Christoph Drösser allerdings manchmal ein bisschen daneben liegt. (Z.B. mit dem letzten "Stimmt's"). Auf Lanzarote werden schon lange keine Cochenille-Läuse mehr in industriellem Umfang geerntet. Genaueres z.B. unter:
      http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Cochenil...

      Reinhard

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