Hi Olli,
es sei Dir unbenommen Deinen persönlichen Frust über mangelhafte Bewerbungen auszudrücken, und in manchem, was Du schilderst, kann ich auch nachvollziehen daß man sich wundert welche Vorstellungen manche Menschen von einer Bewerbung haben.
Trotzdem möchte ich auch einmal eine andere Sichtweise beleuchten, die genauso zum deutschen Arbeitsmarkt gehört und die mir bei Deinen Schilderungen durch den Kopf geht.
Ich frage mich nämlich welchen Fehler Du machst wenn von 200 Bewerbungen gerade mal 2 zum Vorstellungstermin langen. Ich frage mich welche Ansprüche Du hast oder wie nötig Du Mitarbeiter suchst wenn Du nur 3 von 250 Bewerbern näher in Augenschein nimmst und am Ende niemanden einstellst…?
Wenn ich mir die üblichen Stellenanzeigen z. B. in Zeitungen ansehe frage ich mich wie abgehoben nicht nur manche, sondern fast alle Unternehmen in Deutschland inzwischen sind - da wird der 20jährige, mit Auslands- und 30jähriger Berufserfahrung gesegnete Allround-Mitarbeiter gesucht und dann wundert man sich später daß kaum Bewerber da sind die die geforderten Bedingungen erfüllen.
Daß viele keine Zeugnisse beilegen - oder wenn, dann nur die guten - finde ich auch sehr nachvollziehbar. Anstatt sich ein Bild davon zu machen ob der Bewerber ins Unternehmen paßt, ob er lernwillig und engagiert erscheint und ob auch einfach „die Chemie stimmt“ wird auf 10 Jahre alten Zeugnissen herumgeritten - dieses Problem ist also „hausgemacht“. Nach dem Prinzip daß jeder erstmal vor seiner eigenen Türe kehren sollte kannst Du ja mal überlegen was Du - oder andere Leute, die über Einstellungen entscheiden - falsch machst daß es zu diesem Trend überhaupt erst gekommen ist.
30 % der Bewerber brachten bei weitem nicht die deutlich
geforderten Anforderungen mit, gut das kommt vor. Man kanns ja
trotzdem versuchen, doch ich persönlich halte dies für
Papierverschwendung. Kein Personalchef stellt jemanden ein,
der nicht entsprechend qualifiziert ist.
20 % aller Bewerbungen erreichte mich in einem normalen
Fensterbriefumschlag, statt im DIN A4-Umschlag. Aussortiert !
Wie gut daß ich mich nicht bei Dir beworben habe… Ich hätte auch ehrlich gesagt keine Lust bei einem Unternehmen zu arbeiten, bei dem nicht meine Lern- und Arbeitsbereitschaft oder mein Engagement, sondern derartige „Äußerlichkeiten“ zählen.
Wie ich schon weiter oben geschrieben habe kannst Du ja so dringend nicht auf Mitarbeiter angewiesen sein wenn unter 250 Bewerbern gerade mal 3 waren die potentiell in Frage gekommen wären und Du am Ende dann doch ganz auf eine Einstellung verzichtet hast.
Selbst wenn man mal die wirklich unverschämten „Bewerbungen“ außen vor läßt kann ich mir nicht vorstellen daß unter den übrigen 150, 200 Bewerben nicht ein einziger war, der sich bei genauerem Hinsehen und Darüber-Hinwegsehen daß die Bewerbung nicht komplett perfekt war (Fensterbriefumschlag…) nicht als geeignet erwiesen hätte.
Viele Bewerber ließen einfach Zeugnisse weg … warum die
schlechten zeigen, wenn es gute gibt ?! Weil es ehrlich wäre
!!!
Unehrliche Leute stell ich auf jeden Fall nicht ein.
Vielleicht ist es nicht Unehrlichkeit, sondern schlichtweg Angst daß man mit Zeugnissen, die einen nicht als Klassenstreber ausweisen, sowieso gleich unten durch ist?
Nächstes Manko: Die deutsche Sprache … schwierige Sprache.
Dabei ist es so einfach, zumindestens die Rechtschreibprüfung
von Word mal durchlaufen zu lassen … oder ?
Da gebe ich Dir allerdings Recht. Solche Bugs darf eine Bewerbung nun wirklich nicht haben.
Nichtsdestotrotz: Dein Text hier hat auch einige Rechtschreibfehler; darunter mehrere, die keine Flüchtigkeitsfehler beim Tippen waren sondern die zeigen daß Du entsprechende Satzzeichen-Regeln nicht kennst. Das ist zwar insofern nicht schlimm als wir hier nicht im Deutschunterricht sind, aber wenn Du Bewerbern Rechtschreibfehler vorwirfst obwohl Du selber durchgängig welche machst, dann kommt mir das ein wenig grotesk vor.
Das Beste noch sind Äußerungen im Anschreiben wie …
„ich hab mich über Ihr Unternehmen sehr genau informiert …
genau der richtige Beruf für mich … denn auch in meiner
Freizeit repariere ich gerne Computer und schreib schon selbst
Programme“
So, oder ähnlich steht dies in 90% aller Bewerbungen auf die
Azubistellen hin. Warum ich mich darüber aufrege ?? Weil wir
überhaupt keine Computer reparieren !!! Das heißt 90% der
Bewerber hat sich noch nicht mal mit den verschiedenen
Fachrichtungen dieses
ja recht neuen Berufes befasst, geschweige denn sich über
unser
Unternehmen informiert. Wobei es ein Leichtes gewesen wäre, da
in der Stellenausschreibung auch unsere I-Net-Adresse
angegeben ist.
Das scheint aber wieder ein Fall von „alles bewußt negativ auslegen“ zu sein. Eine Formulierung wie „Interesse daran Computer zu reparieren“ kann man unter Umständen auch so auslegen daß der Bewerber sein Interesse an der Materie verdeutlichen will. Er kann ja schlecht schreiben daß er schon alles kann was er in Deinem Betrieb erst lernen soll, oder?
Der nächste schickte mir ne Mail nachdem er mir eine Bewerbung
schickte mit folgendem Inhalt
„Hi, wollt mal fragen ob ich den Job nun krieg. Sunstormer.“
So etwas ist natürlich indiskutabel, da gebe ich Dir Recht…
Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterreden … auf jeden
Fall werden wir dieses Jahr dann wohl doch keine Azubi`s
einstellen können. Denn auch da gilt, das gewisse
Grundvoraussetzungen erfüllt sein müßten. Und bevor ich den
oder die Falsche einstelle, stell ich niemanden ein.
Vielleicht überlegst Du nochmal und gehst etwas wollwollender an die Bewerbungen heran. Weder Dir noch einem Azubi in spe, der nun doch keine Stelle bekommt, ist damit geholfen wenn man die Kriterien so eng steckt daß am Ende kein Bewerber übrig bleibt und alle durch’s Raster fallen. Willst Du einen vielleicht ansonsten geeigneten Kandidaten nur deswegen aussortieren weil z. B. die Bewerbung in einem Fensterbriefumsschlag steckte? Wenn jemand sich bis auf einen solch kleinen Lapsus als möglicherweise geeignet entpuppt würde ich an Deiner Stelle schauen ob es nicht doch eine Überlegung wert ist denjenigen oder diejenige zum Vorstellungsgespräch einzuladen.
Auch wenn wir davon in Deutschland inzwischen Lichtjahre entfernt sind: ich empfinde es immer noch so daß ein Bewerber auf eine Azubi-Stelle hoffnungsvolle Anlagen und Interesse mitbringen muß, aber nicht unbedingt schon das perfekte Wissen.
Ich vergesse nie die Erzählungen meines Opas, der mit Bewerbern früher einfach zu Mittag gegessen hat. Wer zugelangt hat und es sich hat schmecken lassen war für ihn ein geeigneter Erntehelfer, wer nicht ordentlich gegessen hat erschien nicht geeignet für die Landwirtschaft. Es mag nicht die perfekte Einstellungsuntersuchung gewesen sein, aber zumindest lag das Schwergewicht dabei auf dem persönlichen Eindruck und nicht auf den Formalia.
Dabei ist es so einfach mit einer anständigen und durchdachten
Bewerbung das Herz des Personalchef`s zu erobern.
Komisch, gerade diesen Eindruck habe ich genau nicht…
Mein Browser hat übrigens keine Rechtschreibprüfung … bevor
da noch dumme Kommentare kommen 
„Wasser predigen – Champagner trinken“ - oder wie? Den Hinweis auf eigene Rechtschreibfehler mußt Du dir schon gefallen lassen, auch wenn das hier „nur“ ein Forum und keine Bewerbung ist. Denn wie ich weiter oben ausgeführt habe hast Du nicht nur Tippfehler, sondern auch mehrfach gleiche Satzzeichen-Fehler eingebaut. Wie kann man mit solchen Schwächen eine Firma leiten?
Sei mir nicht böse, aber Deiner Empörung wollte ich eine ebenso emotionale und manchmal vielleicht auch nicht ganz sachliche Antwort entgegensetzen.
Schönen Gruß,
MecFleih