Mehrarbeit

Hallo
in meinem Arbeitsvertrag, den ich noch nicht unterschrieb steht eine Klausel: Mehrarbeit ist mit dem Gehalt abgegolten. So will ich das Ding nicht unterschreiben, da zwar aussertariflich aber das Gehalt nicht wahnsinnig. Welche Formulierungen, andere Vorschlaege kann ich machen. setzt man ein prozentuales Limit, oder in Stundenform? Oder was wisst ihr?

danke
Kate

Hallo Kate,

wenn ich Deine Frage richtig verstehe, geht es nicht um einen Job, bei dem Du eine bestimmte Zeit an der Kasse bei Aldi zu sitzen hast. Es geht bei der Anstellung wohl auch nicht darum, im Akkord eine betimmte Anzahl von Handgriffen pro Stunde zu schaffen. Vielmehr hast Du bei Deinem zukünftigen Brötchengeber eine leitende Funktion auszufüllen. Und da ist es durchaus üblich, daß keiner der Beteiligten die Stunden so ganz genau zählt. Du wirst eben nicht nach Stunden bezahlt, sondern dafür, daß Du Deinen Kopf zur Verfügung stellst. Wenn Du abends unter der Dusche noch eine Idee hast, deshalb mitten in der Nacht nochmal schnell in den Betrieb fährst, dann wirst Du trotzdem die Stempeluhr betätigen. Aber nur deshalb, um bei einem Unfall auf dem Rückweg nachweisen zu können, daß das ein Arbeits(Wege-)unfall war.
Laß’ Deinen Job eine Weile laufen, bringe Dich, Deinen Kopf und Deine ganze Arbeitskraft ein und beurteile selbst nach ein paar Monaten Deine Arbeitsergebnisse und den von Dir getriebenen Aufwand. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem Du u. U. um erhöhte Sonderzahlungen oder eine Aufbesserung Deines Jahresgehalts feilschen kannst.
Die Erwartungshaltung, mit der Du Deinen Job siehst (oder zumindest sehen solltest) und mit der das Unternehmen Dich sieht, ist eine andere als bei einem Stundenlöhner.
Das gilt nicht nur bei der Bemessung des Gehalts. Auch bei Arbeitskämpfen erwartet das Unternehmen von Dir in aller Regel eine andere Haltung als von den Leuten, die fähnchenschwenkend mit mit roten Gewerkschaftsjacken Parolen grölen.

Wenn einem das nicht paßt, muß man sich auf Stundenlohnbasis anstellen lassen. Daran ändert sich auch dadurch nichts, daß es jetzt von allen Seiten möglicherweise erbosten Widerspruch hagelt.

Gruß

Wolfgang

Hallo Kate,

wenn ich Deine Frage richtig verstehe,
geht es nicht um einen Job, bei dem Du
eine bestimmte Zeit an der Kasse bei Aldi
zu sitzen hast. Es geht bei der
Anstellung wohl auch nicht darum, im
Akkord eine betimmte Anzahl von
Handgriffen pro Stunde zu schaffen.
Vielmehr hast Du bei Deinem zukünftigen
Brötchengebe

aber auch hier kommt es doch ein wenig auf die hoehe desgehgaltes an, oder? ich finde mit meiner verguetung, die ich bekommen soll, moechte ich eigentlich nicht drei monate am stueck zu 60h in der woche verpflichtet sein!

Und da ist es durchaus

üblich, daß keiner der Beteiligten die
Stunden so ganz genau zählt. Du wirst
eben nicht nach Stunden bezahlt, sondern
dafür, daß Du Deinen Kopf zur Verfügung
stellst. Wenn Du abends unter der Dusche
noch eine Idee hast, deshalb mitten in
der Nacht nochmal schnell in den Betrieb
fährst, dann wirst Du trotzdem die
Stempeluhr betätigen. Aber nur deshalb,
um bei einem Unfall auf dem Rückweg
nachweisen zu können, daß das ein
Arbeits(Wege-)unfall war.
Laß’ Deinen Job eine Weile laufen, bringe
Dich, Deinen Kopf und Deine ganze
Arbeitskraft ein und beurteile selbst
nach ein paar Monaten Deine
Arbeitsergebnisse und den von Dir
getriebenen Aufwand. Das ist dann der
Zeitpunkt, an dem Du u. U. um erhöhte
Sonderzahlungen

da koennte sich der ag aber dann auf keine diskussion einlassen wollen wg vetrag ist vertrag, meine ich!

oder eine Aufbesserung

Deines Jahresgehalts feilschen kannst.
Die Erwartungshaltung, mit der Du Deinen
Job siehst (oder zumindest sehen
solltest) und mit der das Unternehmen
Dich sieht, ist eine andere als bei einem
Stundenlöhner.
Das gilt nicht nur bei der Bemessung des
Gehalts. Auch bei Arbeitskämpfen erwartet
das Unternehmen von Dir in aller Regel
eine andere Haltung als von den Leuten,
die fähnchenschwenkend mit mit roten
Gewerkschaftsjacken Parolen grölen.

Wenn einem das nicht paßt, muß man sich
auf Stundenlohnbasis anstellen lassen.
Daran ändert sich auch dadurch nichts,
daß es jetzt von allen Seiten
möglicherweise erbosten Widerspruch
hagelt.

ich glaube auch ohne auf konfrontationskurs zu gehen kann man doch fuer bessere bedingungen im av kaempfen, oder?

oder hast du keine familie, die dich gerne mal zuhause sieht???

gruesse
kate

Gruß

Wolfgang

Hallo Kate,

Du mußt wirklich wissen, was Du willst. Willst Du eine Funktion ausfüllen, dafür finanziell und häufig auch zeitlich viele Freiräume genießen, andererseits auch mal bis zum Abwinken Einsatz zeigen - oder willst Du geregelte Arbeitszeiten von 7 bis 16 Uhr?
Natürlich kann es da manchmal Konflikte mit privaten und familiären Interessen geben. Das ist der Preis, den Du zeitweise für Deinen AT-Vertrag zu zahlen hast. Natürlich können da auch zeitweise 60 Wochenstunden nötig sein - nicht auf die Dauer, aber wenn die Umstände es erfordern, hast Du das zu leisten.
Frag’ Dich einmal selbst, wie das anders gehen soll. Wenn es hohes Arbeitsaufkommen beim Zuzammenschrauben irgendwelcher Teile gibt, kann das Unternehmen Zeitarbeiter oder Aushilfskräfte beschäftigen. In leitenden oder kreativen Funktionen geht das aber häufig schlicht nicht. Du kannst einem Ingenieur in der Entwicklung nicht zusichern, daß er nur bis Schlag vier nachzudenken hat und der Kollege denkt dann weiter. Da gibt es etliche Beispiele unteilbarer Aufgaben. Immer dann, wenn es nicht um reine Sachbearbeitung kurzer, in sich abgeschlossener Vorgänge geht, sind die Tätigkeiten schwer teilbar. Wenn man nicht gerade in einer Behörde beschäftigt ist (da bleibt der Vorgang schlicht liegen), hat man die wirtschaftlichen Sachzänge des Unternehmens zur Kenntnis zu nehmen.
Viele Leute können mit ideologischer Brille nicht einsehen, daß es unteilbare Jobs gibt, für die dennoch nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht. Wer so eine Stellung ausfüllen will, braucht auch den Rückhalt in der Partnerschaft und in der Familie. Wer deshalb privaten Krieg in Kauf zu nehmen hat, wird die Leistung kaum auf Dauer bringen können.

Auf manche Selbstverständlichkeiten wirst Du verzichten (müssen und auch wollen). Wenn Du Dir im Skiurlaub den Haxen brichst, wirst Du mit Gehgips erscheinen, weil Deine Stellung und Deine Arbeit ein Vierteljahr auskurieren nicht vertragen. Wenn Du krank im Bett liegst, wirst Du Dich auf dem Laufenden halten und Dir zur Not Akten nach Hause bringen lassen. Wenn irgend möglich, wirst Du eine Fortbildung aufs Wochenende legen, wenn es sein muß, Deinen Urlaub unterbrechen und für eine Dienstreise den Sonntag als Anreisetag einplanen. Das alles wird von Dir letzten Endes im Bedarfsfall erwartet und als Metapher steht da was von „abgegoltener Mehrarbeit“.

Trotzdem: Laß’ es laufen und probiere es aus, bevor Du vor lauter Befürchtungen die Chance sausen läßt.
Du weißt doch noch nicht, wie sich der Alltag wirklich gestalten wird. Eine Zusicherung über bestimmte Maximalarbeitszeiten wird Dir niemand geben können und wollen. Sehr wahrscheinlich wird es regelmäßig mit mehr oder weniger normalen Arbeitszeiten getan sein. Und wenn es sein muß, hast Du zur Verfügung zu stehen und nicht auf die Uhr zu sehen.

Kein Unternehmen kommt auf die Dauer ohne den Einsatz solcher Zugpferde aus. Statt Hafer bekommst Du eben Geld - mehr Geld, als der überwiegende Rest der Belegschaft. Und Du bist gestaltend tätig. Du bestimmst in irgendeiner Weise mit, wohin der Karren fährt, den Du ziehst.

Gruß

Wolfgang

Hi Kate,
das Problem des Familienlebens leuchtet schon ein, aber hilft Dir das Mehr an Geld darüber wirklich hinweg? Ein Freund von mir stand vor einigen Jahren vor dem gleichen Problem: Das Unternehmen hat ihm nach etwa einem 3/4-Jahr signalisiert, daß mehr Zeiteinsatz einfach verlangt wird für diese Funktion. Um Streitereien vor dem Arbeitsgericht zu vermeiden, hat man sich am Ende über einen Aufhebungsvertrag einvernehmlich getrennt. Ohne Einzelheiten zu kennen, Branche, Funktion, Gehalt, Nebenleistungen usw., kann man aus der Ferne nicht beurteilen, ob eine solche Forderung
möglich ist oder eventuell die Verhandlung zum Scheitern bringt.
DD

Hi Kate,

ich teile Deine Einstellung: Wenn man als GeschäftsführerIn oder mit Prokura zum (anständig hohen) Fixgehalt eingestellt wird, ist das ok. Da Dein Gehalt offenbar eher nicht in dieser Größenordnung liegt, solltest Du die Mehrarbeit GENAU regeln, sonst malochst Du wie eine Pferd bei Pony-Futterration!!!

Laß´ Dir nix vormachen, wenn Du das „blanco“ unterschriebst, wette ich, dass Mehrarbeit die Regel ist und Dein umgerechneter Stundenlohn rapide sinkt.

Schlage doch vor, entweder die Mehrarbeit in freizeit auszugleichen oder aber eine Vergütung, wenn Ausgleich innerhalb einer Frist nicht möglich. An der Antwort des Chefs erkannst Du unschwer, was er wirklich will.

Munter bleiben

Hubert

P.S.: Höre nicht auf moderne „Unterthanen“, die mit vorauseilendem Gehorsam dem Chef zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Diensten sind - auch die werden noch lernen (müssen), dass man auf den „`Dank des Vaterlandes“ (oder hier des Chefs) vergebens wartet.