Tipps zu US-Amerikanisches Recht

Von: , Frage gestellt am Di, 3. Jun 2003

Hallo Rechtskundige,

immer wieder ließt man von Urteilen in den USA Im Witzebrett ist mal wieder solch eine Liste zu lesen), durch die den Klägern exorbitante Summen zugesprochen werden, z.T. in dreistelliger Millionenhöhe.
Sind das rechtskräftige Urteile, oder nur solche von vorgeschaltetetn Instanzen, die von höheren Instanzen wieder 'kassiert' werden?
Die US-Wirtschaft müßte doch eigentlich längst pleite sein, oder?

fragt sich

Gandalf

14 Antworten zu dieser Frage

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          punitive damages

          Hallo Jürgen,

          nochmal ganz deutlich fuer mich: "punitive damages" gehen also prinzipiell an den Staat?

          Ansonsten ist die Diskussion ueber das amerikanische Rechtssystem nicht nur von diesen Urteilen gepraegt, sondern auch von Alley McBeal, The Practice und frueher LA Law. Unterhaltsam. Aber halt TV.

          Tschuess, Elke

          • Antwort von nach 21 Stunden 1 hilfreich
            Re: punitive damages

            Hallo Elke, nochmal ganz deutlich fuer mich: "punitive damages" gehen also
            prinzipiell an den Staat?
            Das ist für mich genauso wie in Deutschland:

            Es gibt zum einen Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld (im genannten Fall 160 TDollar), das natürlich an den Betroffenen geht (ob das angemessen ist für Verbrennungen 3.(!) Grades?).

            Darüber hinaus gibt es eine Strafzahlung, die an die Staatskasse geht (hier 2,7 Mio Dollar)

            Nebenbei: Was für Deutsche sehr ungewöhnlich am amerikanischen Rechtssystem ist, dass es kaum Gesetze gibt, sondern Urteile vor allem über Präzendenzfälle aus der Vergangenheit gefällt werden.
            Weiterhin kann nahezu beliebig zwischen den Parteien gehandelt werden, d.h. ein Kompromiss ist wichtiger Bestandteil des Rechtssystems.
            Das sagt mir zumindest meine Cousine, eine Juristin, die für 1 Jahr in den USA praktiziert hat.

            Grüße
            Jürgen

            • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
              Whooooaaaah ...

              Hi zusammen :o)

              In aller Deutlichkeit: Punitive damages werden dem Kläger zugesprochen, nicht dem Staat. Ich will euch nicht mit Gesetzestexten langweilen, aber aus http://www.toolkit.cch.com/text/P12_8995.asp geht das ziemlich eindeutig heraus, oder ? Ich zitiere: "a party may seek punitive damages, as an alternative way to effectively recover attorney's fees and related costs. Punitive damages can allow a plaintiff to bring an action that otherwise would not be economically justified. Punitive damages can more than offset a plaintiff's outlay for attorney's fees and related costs." Nebenbei: Was für Deutsche sehr ungewöhnlich am amerikanischen
              Rechtssystem ist, dass es kaum Gesetze gibt, sondern Urteile
              vor allem über Präzendenzfälle aus der Vergangenheit gefällt
              werden.
              Nein, auch falsch. Case law bedeutet grob gesagt lediglich, dass die Gerichte in der Auslegung der Gesetze an Vorentscheidungen gebunden sind. Selbstverständlich muss sich ein Urteil auf eine Gesetzesverletzung beziehen.

              Und dass es in den US of A kaum Gesetze gibt .. °kicher°

              Schau dir mal http://www.uspto.gov/web/offices/pac/mpep/consolidat... an .. das ist United States Code Title 35 .. das US-Patentgesetz

              Als kleinen Hintergrund empfehle ich http://www.law.cornell.edu/topics/legal_research.html Weiterhin kann nahezu beliebig zwischen den Parteien gehandelt
              werden, d.h. ein Kompromiss ist wichtiger Bestandteil des
              Rechtssystems.
              Ach ? Und ein gerichtlicher Vergleich ist in Europa unbekannt ???

              °wink°

              Tiger

    • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
      trotzdem so nicht

      Hallo Jürgen,

      gegen angemessene Strafen sagt ja keiner was. Aber wenn die Strafen schlichtweg den Konkurs und die Zwangsveräußerung von Unternehmensvermögen wie Produktionsanlagen beinhalten, so ist das über jedes Maß hinaus.

      Außerdem finde ich es ziemlich daneben dass man in den USA so ziemlich gegen alles klagen kann was jedem bekannt sein müsste... z.B. dass man keine Tiere in der Mikrowelle trocknen kann usw. Die Warnhinweise erschlagen einen dort.

      Gruß ivo

      • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
        warum?

        Hallo Ivo, gegen angemessene Strafen sagt ja keiner was. Aber wenn die
        Strafen schlichtweg den Konkurs und die Zwangsveräußerung von
        Unternehmensvermögen wie Produktionsanlagen beinhalten, so ist
        das über jedes Maß hinaus.
        Wie kommst Du darauf, dass Gesellschafter einer juristischen Person, die schwerwiegende Verbrechen wie (fahrlässige) Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen o.ä. begangen hat, ohne Vermögensschäden bestraft werden sollen? Eine Privatperson, die solche Verbrechen begeht, wird mit ganz massiven Vermögenseinbußen rechnen müssen, warum also nicht auch eine jurist. Person (bzw. deren Gesellschafter)? Außerdem finde ich es ziemlich daneben dass man in den USA so
        ziemlich gegen alles klagen kann was jedem bekannt sein
        müsste... z.B. dass man keine Tiere in der Mikrowelle trocknen
        kann usw. Die Warnhinweise erschlagen einen dort.
        Wieso, auch in Dtl. kannst Du beinahe jeden Schrott vor Gericht bringen. Das kostet halt nur irgendwann ziemlich viel Geld (die Kosten beziehen sich ja auf den Streitwert).
        Der Unterschied in Amerika ist nur, dass Rechtsanwälte am Ausgang beteiligt werden und dementsprechend bei halbwegs günstiger Prognose die event. Kosten für den Kläger übernehmen. Dass das bei risikobereiten, sensationsgeilen Anwälten natürlich zu Auswüchsen zumindest bei der Klageerhebnung führt, ist denke ich klar.
        Und große Summen kommen einfach durch die Möglichkeit der Sammelklage zu stande...

        Nebenbei, viele der häufig zitierten "Urteile" sind Hoaxe.

        Grüße
        Jürgen



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