Antwort von
nach einer Stunde
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Re: Abfindung? Warum denn?
Hallo Stefan,
bestimmt gibt es einen Arbeitsvertrag, in dem sinngemäß steht: "... das Arbeitsverhältnis kann beiderseits mit einer Frist von soundsoviel zum soundsovielten gekündigt werden". Von Abfindung steht da ganz bestimmt nichts.
Wenn der Chef einer Firma die Mannschaft verkleinern will oder muß, kann er trotzdem nicht willkürlich einen vielleicht mißliebigen Kollegen "ausmustern". Sofern Arbeit vorhanden ist, muß er versuchen, den Mitarbeiter umzusetzen. Wenn das Unternehmen aber umstrukturiert wird und Arbeit außer Haus erledigen läßt, ist dagegen nichts zu machen. Außerdem hat das Unternehmen soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Das ist aber oft eine schwierige Abwägung unterschiedlicher Interessen. Wer ist denn nun eher "dran", der alleinverdienende Ernährer einer 4köpfigen Familie oder die alleinerziehende Mutter eines behinderten Kindes?
Oft werden Abfindungen um des lieben Friedens willen gezahlt. Eine Abteilung eines großen Unternehmens wird geschlossen und ehe man sich mit den Mitarbeitern herumzankt, wird eine Abfindung für die Unterschrift unter den Aufhebungsvertrag gezahlt. Oder das Unternehmen wird verschlankt und es werden Freiwillige gesucht, die gegen Abfindung den Arbeitsplatz räumen. Oder es soll verjüngt werden und man möchte/muß gerade nicht nach den sozialen Gesichtspunkten, sondern nach anderen Kriterien entscheiden. Auch dann ist eine Abfindung ein Weg, die Sache ruhig durchzuziehen. Andernfalls müßte das Unternehmen vielleicht den ledigen Leistungs- und Know how-Träger an die Luft setzen und einen innerlich vergreisten kollegen, der schon ein paar Tage länger im Unternehmen ist, behalten. Oder ein Mitarbeiter hat eine sehr lange Kündigungsfrist von z. B. einem Jahr. Wahrscheinlich wird er nach Erhalt der Kündigung kein besonders produktiver und motivierter Mitarbeiter mehr sein. Da ist die Zahlung einer Abfindung für das Unternehmen häufig sogar der billigere Weg. Billiger jedenfalls, als noch endlos Gehalt für nichts zu zahlen.
Aber in einem kleinen Unternehmen, das für einen bestimmten Mitarbeiter keine Arbeit mehr hat, beißt Du auf Granit. Für den Inhaber ist jeder motivierte, erfahrene, langjährige Mitarbeiter ein wichtiger Teil des Unternehmens. Wenn er sich davon trennen will, wird er seine Gründe haben, auch wenn fehlende Arbeit vielleicht nur der vorgeschobene Grund ist. Wenn das Unternehmen unmittelbar nach der Kündigung für den gleichen Job einen neuen Mitarbeiter einstellt, sehe ich eine Chance, noch etwas Geld aus der Sache zu machen - vorausgesetzt, man kann das nachweisen.
Also vergiß es; die Kündigung von welcher Seite auch immer, ist normaler Bestandteil eines jeden Arbeitsvertrages - und zwar ohne Abfindung.
Gruß
Wolfgang