Zu weiche gesetze?

hallo.

hab gestern im radio gehört, dieser schmökel könnte/soll nach geltenden gesetzen wieder in die psychatrie kommen (oder so was ähnliches), anstatt ins gefängnis. er könnte also theoretisch wieder freigang kriegen.
frage:
is die gesetzgebung wirklich so, daß ein wiederholungstäter nach jeder tat so behandelt wird, als wär’s seine erste?
warum gibt sich ein ganzer stab von psychologen usw. mit so einem menschen ab, um ihn zu „heilen“, anstatt ihn spätestens nach den zweiten fehlversuch in ne zelle einzusperren, aus der er nimmer rauskommt?

und es kann doch auch net im sinne von humanität sein, einen unverbesserlichen gewaltverbrecher in die gesellschaft eingliedern zu wollen.
oder is die gesetzgebung streng genug, nur kein richter macht davon gebrauch? wird ja auch von manchen behauptet.

gruß

michael

Wenn jemand in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher kommt (so heißt das zumindest in Ö) dann heißt das überhaupt nicht, dass dieser nicht eingesperrt wird. Es handelt sich aber, sofern der Täter schuldunfähig war, um eine Maßnahme und nicht um eine Strafe. Der Sinn solcher Maßnahmen ist ausschließlich die Gesellschaft zu schützen.

daß die in der anstalt net frei rumlaufen können, is schon klar. aber m.e. sollte man sich in solchen fällen überhaupt nicht mehr um eine therapie kümmern. wozu das führen kann, haben wir im schmökel-fall ja wieder mal gesehen. von nem schutz der gesellschaft kann hier wohl keine rede sein.

gruß

michael

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Es ist nicht so bekannt, weil nicht so populär. Was den Freiheitsentzug anbetrifft ist es weniger schlimm zu einer Freiheitsstrafe verurteilt zu werden, als freigesprochen und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen zu werden. Letzteres ist nämlich die gute Chance, ohne etwas machen zu können wirklich lebenslang eingesperrt zu sitzen.

Im konkreten Fall ist ein Fehler passiert. Das ist klar. Es ist wichtig, alles zu erforschen, damit solches nicht wieder passiert.
Das heißt aber nicht, dass das ganze System falsch ist. Es ist durchaus Vorsicht angebracht beim Lesen diverser Medien, die sich in völliger Unkenntnis über die Strafrechtsordnung und in unermesslicher Sensationslust auf die Strafrechtspflege „einschießen“ und damit Desinformation der Bürger hervorrufen.

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Psychatrie länger als Knast ?
Hallo,

[Halbwissen an]
ist es nicht eher so, dass man aus dem Knast selbst bei Lebenslänglich idR nach 25 Jahren draussen ist, in der Psychatrie aber nur mit unbedenklichkeits Gutachten (o.ä.) wieder rauskommt, und dass Psychatrie in Deutschland die einzige Möglichkeit ist, jemanden wirklich lebenslang wegzusperren?
[Halbwissen aus]

Über fachkundige Korrektur meines Halbwissen wäre ich dankbar.

Arne

Hallo,

[Halbwissen an]
ist es nicht eher so, dass man aus dem Knast selbst bei
Lebenslänglich idR nach 25 Jahren draussen ist, in der
Psychatrie aber nur mit unbedenklichkeits Gutachten (o.ä.)
wieder rauskommt, und dass Psychatrie in Deutschland die
einzige Möglichkeit ist, jemanden wirklich lebenslang
wegzusperren?
[Halbwissen aus]

das kann schon sein, nachdem was tom gesagt hat. aber diese „unbedenklichkeitsgutachten“ sind ja auch oft ne zweifelhafte sache. kein psychologe kann sicher feststellen, wie’s im kopf eines „patienten“ aussieht. ich denke, wer gewaltbereit ist, wird in der psychatrie mit der zeit schon lernen, sich zu beherrschen. aber wenn er dann per „unbedenlichkeitsgutachten“ draußen is…?

gruß

michael

EIN Fehler?!
Hi!

Es ist nicht so bekannt, weil nicht so populär. Was den
Freiheitsentzug anbetrifft ist es weniger schlimm zu einer
Freiheitsstrafe verurteilt zu werden, als freigesprochen und
in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen
zu werden. Letzteres ist nämlich die gute Chance, ohne etwas
machen zu können wirklich lebenslang eingesperrt zu sitzen.

Im konkreten Fall ist ein Fehler passiert.

Nö - da sind MINDESTENS SECHS Fehler passiert - denn genau so oft ist er abgehauen.

Das ist klar. Es ist wichtig, alles zu erforschen, damit
solches nicht wieder passiert.

Ich bin kein Psycho-Profi, aber meiner Meinung nach ist der Kerl nun mal nicht therapierbar!

Das heißt aber nicht, dass das ganze System falsch ist. Es ist
durchaus Vorsicht angebracht beim Lesen diverser Medien, die
sich in völliger Unkenntnis über die Strafrechtsordnung und in
unermesslicher Sensationslust auf die Strafrechtspflege
„einschießen“ und damit Desinformation der Bürger hervorrufen.

Na ja gut - aber zumindest MEINE Meinung geben die meisten dieser diversen Medien wider. Es mag sein, dass sie in Unkenntnis über die Strafrechtsordnung berichten. Aber imho schreiben sie schon das, was der gesunde Menschenverstand produziert (zumindest die meisten).

Gruß
Guido

Hi!

Es ist nicht so bekannt, weil nicht so populär. Was den
Freiheitsentzug anbetrifft ist es weniger schlimm zu einer
Freiheitsstrafe verurteilt zu werden, als freigesprochen und
in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen
zu werden. Letzteres ist nämlich die gute Chance, ohne etwas
machen zu können wirklich lebenslang eingesperrt zu sitzen.

Im konkreten Fall ist ein Fehler passiert.

Nö - da sind MINDESTENS SECHS Fehler passiert - denn genau so
oft ist er abgehauen.

Dann sind sechs Fehler passiert. Aber Psychologen und Juristen sind halt auch nur Menschen. Das heißt noch nicht, dass das System (das du ja überhaupt nicht kennst) falsch ist.

Das ist klar. Es ist wichtig, alles zu erforschen, damit
solches nicht wieder passiert.

Ich bin kein Psycho-Profi, aber meiner Meinung nach ist der
Kerl nun mal nicht therapierbar!

Das heißt aber nicht, dass das ganze System falsch ist. Es ist
durchaus Vorsicht angebracht beim Lesen diverser Medien, die
sich in völliger Unkenntnis über die Strafrechtsordnung und in
unermesslicher Sensationslust auf die Strafrechtspflege
„einschießen“ und damit Desinformation der Bürger hervorrufen.

Na ja gut - aber zumindest MEINE Meinung geben die meisten
dieser diversen Medien wider. Es mag sein, dass sie in
Unkenntnis über die Strafrechtsordnung berichten. Aber imho
schreiben sie schon das, was der gesunde Menschenverstand
produziert (zumindest die meisten).

Das ist richtig. Aber im Prinzip stimmt ja unsere Strafrechtsordnung mit dem gesunden Menschenverstand überein. Das scheint nur nicht so, da die Medien durch unvollständige und falsche Berichterstattung gerne ein unrichtiges Bild über den wahren Sachverhalt liefern. Würde man immer nur sachlich berichten, so wäre ja die pure Sensationsgier, der leider immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft unterliegen, nicht zu stillen.
Wenn jemand eine Straftat begeht und auf Grund einer Geisteskrankheit oder tiefgreifenden Bewusstseinsstörung schuldunfähig ist (also nicht weiss was er tut), so kann er logischerweise nicht bestraft werden (entspricht doch dem Menschenverstand oder?). Dafür wird, wenn für die Gesellschaft Gefahr besteht, eine sogenannte „Maßnahme“ verhängt, wie zB die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher o.ä.
Berichten die Medien jetzt über einen Prozess, indem der Angeklagte mangels Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt keine Strafe bekommt, dafür aber eine Maßnahme verhängt wird, so schreiben die Medien nur von einem Freispruch und das ganze Volk ist empört. Die Tatsache, dass an Stelle einer Strafe eine Maßnahme verhängt wurde, was ein ganzes Leben hinter Gittern bedeuten kann, schreibt dann niemand mehr.
So entsteht das falsche Bild. Nur deswegen, weil etwas schwarz auf weiss in der Zeitung steht oder in den Nachrichten gesagt wird, ist das noch nicht richtig.

Das ist tatsächlich so. Das Problem stellt sich allerdings wirklich, dass es sehr schwierig ist, korrekte psychologische Gutachten zu erstellen. Daher passieren immer wieder Fehler. In den Medien stehen allerdings auch immer nur die Fehler und nicht das, was das System an Gutem hervorgebracht hat. Good news are no news bad news are news.

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Genau das ist das Problem!

Hallo noch einmal!

Im konkreten Fall ist ein Fehler passiert.

Nö - da sind MINDESTENS SECHS Fehler passiert - denn genau so
oft ist er abgehauen.

Dann sind sechs Fehler passiert. Aber Psychologen und Juristen
sind halt auch nur Menschen. Das heißt noch nicht, dass das
System (das du ja überhaupt nicht kennst) falsch ist.

Ich hätte nix (na gut, etwas schon…) dagegen, wenn sechs „harmlose“ Fehler geschehen würden, aber de fakto war es sechs mal der selbe!

Das System an sich bezeichne ich ja auch nicht als FALSCH - ich stelle mal seine Wirksamkeit im Bereich Zivilschutz in Frage. Es gibt tausende schwer Kriminelle die in irgendwelchen Psychatrien sitzen. Gemessen an der Zahl der reinen „Knackis“ entkommen mir nur zu viele aus diesen Institutionen - und was mir auffällt ist halt, das diese meist MEHRFACH abhauen (können). Da dies nicht der erste Fall war, und da dies schon seit Jahren immer wieder mal vorkommt, muss man mir zugestehen, dass ich an der Konsequenz des geltenten Rechts zweifel.

Na ja gut - aber zumindest MEINE Meinung geben die meisten
dieser diversen Medien wider. Es mag sein, dass sie in
Unkenntnis über die Strafrechtsordnung berichten. Aber imho
schreiben sie schon das, was der gesunde Menschenverstand
produziert (zumindest die meisten).

Das ist richtig. Aber im Prinzip stimmt ja unsere
Strafrechtsordnung mit dem gesunden Menschenverstand überein.

Sorry für meine Polemik, aber das erinnert mich irgendwie an Radio Eriwan: Im Prinzip schon - in der Regel nicht…

Wie gesagt: Das war pure Polemik und extrem überzogen, aber vieleicht verstehst Du mich, wenn ich Dir sage, dass ich ein kleines Kind habe und mich bei solchen Vorfällen immer ein wenig mehr um den Zwerg sorge…

Das scheint nur nicht so, da die Medien durch unvollständige
und falsche Berichterstattung gerne ein unrichtiges Bild über
den wahren Sachverhalt liefern. Würde man immer nur sachlich
berichten, so wäre ja die pure Sensationsgier, der leider
immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft unterliegen, nicht
zu stillen.

Ich denke Du pauschalierst da jetzt etwas zu sehr. Es gibt noch andere medien als die BILD, den EXPRESS und RTL! (Aber da ich in meiner Erregung über diesen Fall unser Sytem pauschal schlecht gemacht habe, kann ich das gut akzeptieren)

Wenn jemand eine Straftat begeht und auf Grund einer
Geisteskrankheit oder tiefgreifenden Bewusstseinsstörung
schuldunfähig ist (also nicht weiss was er tut), so kann er
logischerweise nicht bestraft werden (entspricht doch dem
Menschenverstand oder?). Dafür wird, wenn für die Gesellschaft
Gefahr besteht, eine sogenannte „Maßnahme“ verhängt, wie zB
die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme
Rechtsbrecher o.ä.
Berichten die Medien jetzt über einen Prozess, indem der
Angeklagte mangels Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt keine
Strafe bekommt, dafür aber eine Maßnahme verhängt wird, so
schreiben die Medien nur von einem Freispruch und das ganze
Volk ist empört. Die Tatsache, dass an Stelle einer Strafe
eine Maßnahme verhängt wurde, was ein ganzes Leben hinter
Gittern bedeuten kann, schreibt dann niemand mehr.
So entsteht das falsche Bild. Nur deswegen, weil etwas schwarz
auf weiss in der Zeitung steht oder in den Nachrichten gesagt
wird, ist das noch nicht richtig.

Zumindest in den Blättern, die ich lese (zumindest dann, wenn ich mich INFORMIEREN und nicht UNTERHALTEN will, steht das schon erkennbar drin! Ich finde den Punkt der von Dir erwähnten Massnahme ja auch absolut korrekt, aber mir scheint es nun mal, als wären diese Kliniken nicht sicher (und wenn es nur ein paar Ausnahmen sind!).

Meiner Meinung nach entspricht der gesunde Menschenverstand in erster Linie dem Schutz der Allgemeinheit - erst dann interessiert mich (wenn überhaupt) der Täter. Es wird in der Bundesrepublik immer ein Heidenaufstand um den Täter gemacht - die Opfer werden darunter begraben, und es redet kein Mensch mehr über sie - ganz zu schweigen von evtl. Hilfe.

Mal zusammengefasst: Ich verstehe das geltende Recht (soweit es für den Laien nachvollziehbar ist), und ich stehe auch zum deutschen Reht. Aber ich bin der Überzeugung, dass gerade in diesem Bereich noch starke Verbesserungen möglich sind.

Lieber Gruß
Guido, der hier nichts und niemanden angreifen wollte - nur seiner Sorge etwas Ausdruck verleihen!

P.S. Mich würde interessieren, ob Du im Bereich des Vollzugs oder der forensischen Psychatrie arbeitest. Du hast hier so wehement Stellung für das System bezogen…

Ich arbeite nicht in der forensischen Psychiatrie, ich bin Student der Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg im letzten Semester.

Ich habe deswegen für unser Strafrechtssystem gesprochen, weil ich es für gut durchdacht, modern und gerecht halte (was nicht heißt, dass es ideal oder fehlerfrei ist!!->ich kenne durchaus genug Fehler und Ungerechtigkeiten im Gesetz, zB dass sich groß angelegte Wirtschaftskriminalität meistens ganz gut auszahlt oder dass es in Ö merkwürdigerweise Vernehmungen im Vorverfahren gibt, bei denen kein Verteidiger (!) zugelassen ist)

Wenn man genau aufpasst, richtet sich deine Kritik ja nicht gegen das gesetzliche System, sondern gegen den mangelnden Vollzug der Gesetze, denn genau das ist ja das Problem, wenn Straftäter flüchten können. Denn wenn die Praxis von der Theorie des Gesetzes abweicht, so liegt der Fehler nicht im rechtlichen System des Straf- und Strafprozess- und Strafvollzugsrechts, sondern in der Gesetzesvollziehung. Gesetzgebung und Vollziehung sind zwei Paar Schuhe, wobei sie insofern miteinander verknüpft sind, als die Gesetzgebung darauf aufpassen muss, dass die Gesetze in der beschlossenen Form vollziehbar sind. In diesem Punkt sollte vielleicht die Kritik ansetzen und die Forschungen beginnen, was am Gesetz zu ändern ist, um das Gesetz wirklich vollziehen zu können.
Weiters wäre zu prüfen, welche Dinge bei der Exekutive und Iudikative selbst zu ändern wären, um einen Gesetzesvollzug zu sichern.
Soweit teile ich deine Kritik. Ich habe ja nicht gesagt, dass es richtig ist, dass solche Straftäter entwischen können.
Jedes Gesetz ist halt immer nur so gut, wie es auch vollzogen wird.

So ziemlich…
…genau das war es, was ich eigentlich sachlich mit meinem Eintrag sagen wollte. Meine Emotionen haben das ganze dann wohl etwas weniger sachlich aussehen lassen!

Gruß
Guido

Daher ist es wichtig, wenn man miteinander sachlich diskutiert. Oft liegen die tatsächlichen Meinungen näher beieinander, als man glaubt.

Thomas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]