Handel mit Silberschmuck - Vorschriften?

Hallo,

gibt es für den Einzelhandel mit Silberschmuck Vorschriften? Was ist, wenn der Schmuck keine 925er-Prägung hat? Darf man dann behaupten, dass er „aus Silber“ oder „aus reinem Silber“ ist? Gibt es evtl. noch Vorschriften über nicht erlaubte andere Inhaltsstoffe der Legierung (z.B. wegen Nickelallergie o.ä.)?

Danke für die Antworten
Harald

Hallo Harald!

gibt es für den Einzelhandel mit Silberschmuck Vorschriften?

Es gibt das „Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren“ (FeinGehG), siehe http://bundesrecht.juris.de/feingehg/BJNR001200884.html .

Was ist, wenn der Schmuck keine 925er-Prägung hat?

Die so genannte Punzierung ist kein Zwang. Wenn aber eine Feingehalt- Kennzeichnung eingeschlagen ist, muß sie dem o. g. Gesetz entsprechen.

Darf man dann behaupten, dass er „aus Silber“ oder „aus reinem
Silber“

Was der Wahrheit entspricht, darf man natürlich auch sagen. Dabei wäre ich aber mit Aussagen wie „aus reinem Silber“ vorsichtig, weil reines Silber im Schmuckbereich nicht vorkommt. Üblich sind Legierungen aus 925 oder 935 Tausendsteln Silber und 75 bzw. 65 Tausendsteln Kupfer. Sofern es sich wirklich um diesen Werkstoff handelt, ist die Aussage „925er Silber“ korrekt, aber nicht „reines Silber“, weil es eben kein reines Silber ist, sondern eine Legierung.

Gibt es evtl. noch Vorschriften über nicht erlaubte
andere Inhaltsstoffe der Legierung (z.B. wegen Nickelallergie o.ä.)?

Ist mir nicht bekannt. Ich würde abgesehen vom Silbergehalt keine Aussagen über weitere Bestandteile der Legierung machen. Der Rest zu 1000 Teilen besteht weit überwiegend aus Kupfer, aber ob nicht doch im letzten Promillebereich andere Materialien enthalten sind, wird Dir niemand garantieren. Solchen Diskussionen mit dem Kunden geht man aus dem Weg, indem man die Schmuckstücke stempelt http://de.wikipedia.org/wiki/Feingehaltstempel . Die eingeschlagene „925“ ist eine vertrauensbildende Maßnahme und erübrigt in aller Regel hartnäckiges Nachbohren. Der Feingehaltstempel muß natürlich der Wahrheit entsprechen, andernfalls droht schwerer Ärger.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

danke, die Links waren sehr hilfreich. Ich habe verstanden, dass es reines Silber bei Schmuck eigentlich nicht gibt.

Aber was schreibt man nun, wenn man den genauen Silbergehalt nicht kennt. Wäre „aus Silber“ ok? Wobei man dann offenlässt, wie hoch der Anteil ist. Oder vielleicht einfach nur „Silberschmuck“? „Silberlegierung“ hört sich natürlich nicht so toll an, und jeder Kunde würde ja wahrscheinlich auch sofort fragen, was das genau bedeutet.

MfG
Harald

Hallo Harald!

Aber was schreibt man nun, wenn man den genauen Silbergehalt
nicht kennt. Wäre „aus Silber“ ok? Wobei man dann offenlässt,
wie hoch der Anteil ist. Oder vielleicht einfach nur
„Silberschmuck“? „Silberlegierung“ hört sich natürlich nicht
so toll an, und jeder Kunde würde ja wahrscheinlich auch
sofort fragen, was das genau bedeutet.

Du machst mich neugierig, wie es zur Ungewißheit über das verarbeitete Material kommen kann. Silber ist keine Kostbarkeit, die zum Sparen am Material verleitet. Mit gutem Design, handwerklich sauberer Verarbeitung und professioneller Präsentation läßt sich annähernd jeder Preis rechtfertigen. Das bißchen Material geht im Rauschen unter. Die Sache sieht nur im Niedrigpreissegment bei Massenware anders aus. Dabei wird von Kupfer und Messing bis zu Kunststoff-Spritzgußteilen für Zehntelcent alles Erdenkliche galvanisch versilbert. In solchen Fällen darf man nicht von Silberschmuck reden, sondern von versilbert. Wem das zu deutlich ist, verbrämt es mit dem Ausdruck „platet“.

Vor sehr langer Zeit fertigte ich im Zustand hormonell bedingter Unzurechnungsfähigkeit selbst entworfenen Schmuck an - edle Unikate aus eigens dafür gegossenen Platten aus 750er Gold und aus rostfreiem Stahl. Eine grundsolide handwerkliche und feinmechanische Ausbildung habe ich ohnehin und so überredete ich eine Goldschmiedemeisterin, mir eine Ultrakurzlehre in der Schmuckherstellung zu verpassen. Aus dieser Zeit weiß ich u. a., was und in welcher Weise gepunzt wird und daß es so gut wie unmöglich ist, keine Ahnung vom Werkstoff zu haben, den man verarbeitet. Es sei denn, man kauft Schüttware ein, die in Spielautomaten und auf Jahrmärkten ihre Abnehmer findet. Aber sowas würde kein Gold- und Silberschmied angucken, geschweige denn anfassen. Mit welcher druckreifen Bezeichnung solche Stücke gehandelt werden, weiß ich nicht.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

der Hintergrund ist folgender: Wir haben keinen Einfluss auf die Herstellung der Schmuckstücke und auch keine Möglichkeit, das verwendete Material zu prüfen. Es handelt sich um Schmuckstücke, die in Asien in Handarbeit hergestellt werden und auch hauptsächlich in Asien vertrieben werden. Es ist kein billiger Fabrikschmuck, sondern durchaus aufwändiges Design. Da es aber für den asiatischen Markt hergestellt wird, gibt es natürlich keine Stempelung des Feingehalts. Ich gehe davon aus, dass es sich um einen im Schmuckbereich üblichen Silberanteil handelt, aber wenn man diesen Wert (den ich noch nicht genau kenne) den deutschen Kunden garantiert, dann muss man eben auch dafür haften. Und die Haftung an den Silberschmied/Zwischenverkäufer in Asien weiterzuleiten funktioniert natürlich nicht. Deshalb meine Schlussfolgerung, dass man besser „aus Silber“ schreibt, als einen vielleicht nicht so genau ermittelten Silbergehalt in Tausendsteln anzugeben und Ärger zu bekommen.

MfG
Harald