Denkmalschutz -- Umbaueinschränkungen

Von: , Frage gestellt am Di, 4. Jan 2005

Hallo Experten,

wenn ein Haus unter ,Denkmalschutz' steht, inwieweit darf man dann trotzdem Umbauten daran vornehmen? Gibt es da eine Liste mit Dingen die geändert werden dürfen oder nicht oder ist das alles Objektspezifisch festgelegt?


etwas ratlose Grüße
Jens / Flitzefisch

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 14 Minuten 0 hilfreich
    Re: Denkmalschutz -- Umbaueinschränkungen

    Hallo,
    Bauordnung und Denkmalschutz ist Ländersache. Geb bitte Dein Bundesland an.
    Ulf

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Denkmalschutz -- Umbaueinschränkungen

      Hallo,
      Hessen
      Jens / Flitzefisch

  2. Antwort von nach einer Stunde 3 hilfreich
    Re: Denkmalschutz -- Umbaueinschränkungen

    Hallo Jens! wenn ein Haus unter ,Denkmalschutz' steht, inwieweit darf man
    dann trotzdem Umbauten daran vornehmen?
    ...oder ist das alles :objektspezifisch festgelegt?
    Es kommt darauf an, was genau geschützt ist. Es kann z. B. nur die Fassade eines Gebäudes sein, dann natürlich unter Einschluß von Fenstern und Haustüren, es kann aber auch die Garten- und Parkanlage beinhalten oder die Gestaltung innerhalb des Gebäudes.

    Du mußt Dich mit der unteren Denkmalbehörde in Verbindung setzen. Aber keine Sorge: Die zeitgemäße Nutzung eines Baudenkmals ist ein wesentliches Anliegen des Denkmalschutzes. Vieles ist verhandelbar, wobei die Denkmalschutzleute in der Hauptsache darauf achten, daß Baudenkmäler nicht verschandelt und durch unsachgemäße Baumaßnahmen zerstört werden. Das ist auch unbedingt nötig, weil manche Eigentümer überhaupt keinen Sinn für die schützenswerte Substanz haben, Baumarktfenster und Alu-Türen in prächtige Gründerzeit-Fassaden bauen, das Auge schmerzende, ungeeignete Dacheindeckungen verwenden und kunstvolles Sichtmauerwerk mit Ortgangsteinen und Verkleidungen verschandeln. Gerade gestern sah ich nahe Hagenow ein ehemals wünderschönes Schloß, das von irgendwelchen Prolls nach allen Regeln der Kunst versaut wurde. Da hat der Denkmalschutz nicht aufgepaßt.

    Wer nur Kosten pro Kubikmeter umbauten Raums oder den niedrigen Kaufpreis sieht, nicht die Bereitschaft mitbringt, sich mit Feinheiten des Baustils zu beschäftigen und zu Geschmacksverirrungen neigt, wird vorhersehbar ernsthafte Probleme mit dem Denkmalamt bekommen und sollte besser die Finger von einem Baudenkmal lassen.

    Wer sich aber in die Schönheit der alten Substanz verguckt hat und diese erhalten möchte, findet in den Denkmalämtern sachkundige Baufachleute und Berater. Und das auch noch kostenlos! Dabei kann es durchaus heftige Meinungsverschiedenheiten geben, wobei man aber als zahlender Bauherr gute Karten hat, wenn man die eigene Sicht der Dinge fachlich untermauern kann. Für die strittige Diskussion um die Gestaltung und erforderliche Veränderung von Fassadendetails muß man schon mal mit der Fotokamera durch die Gegend fahren, sich mit einschlägiger Literatur, den Eigenheiten zeitgenössischer Architekten und alten Plänen beschäftigen, um den Nachweis zu führen, daß die geplanten Veränderungen im Bereich des früher regional Üblichen liegen. Wenn das Denkmalamt mitbekommt, daß sich jemand über sein Tun Gedanken macht, letztlich am gleichen Strang zieht, wenn auch mit unterschiedlicher, aber vertretbarer Auffassung, hat man weitgehend freie Hand.
    Es gibt im Denkmalschutz immer wieder Diskussionen um eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit: Von einigen Denkmalschützern wird die Auffassung vertreten, man müsse beschädigte oder verloren gegangene Substanz in genau der ursprünglichen Weise wieder herstellen. Es gibt aber auch die Auffassung, die alte Substanz mit heutigen Methoden und Materialien zu ergänzen. So kann eine modern zeitgemäß gestaltete Haustür durchaus zu einer alten Fassade passen. Allerdings kann man sich dabei schwierige Gratwanderungen einhandeln, wenn man sich keine häßlichen Verirrungen leisten will. Dafür sind im Vorfeld Fotomontagen und Simulationen am PC unumgänglich. An solchen Sachen und den sich anschließenden Diskussionen mit dem Denkmalschutz muß man Spaß haben oder die Finger vom Baudenkmal lassen. Außerdem gehört die Bereitschaft dazu, für ein Fenster oder eine Tür schon mal mehrere tausend Euro hinzublättern und das Wort Baumarkt aus dem Wortschatz zu streichen.

    Noch ein Aspekt: Wer in der Lage ist, Abschreibungsmöglichkeiten zu nutzen, hat mit einem Baudenkmal Möglichkeiten, die es anderweitig nicht gibt.

    Gruß
    Wolfgang

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