Hallo,
Bundesautobahnen haben den höchsten "Rang" was unsere Straßen angeht. Sie sind als erstes und durchgängig durch den Winterdienst von Eis und Schnee zu befreien.
Da man dem überörtlichen Verkehr freie Fahrt bieten "will" - ist es undenkbar für eine "stinknormale" Baustelle die Autobahn zu sperren.
Ich rede hier nicht von Erfordernissen aufgrund von Unfällen und ähnlichem.
Nehmen wir mal als Beispiel die A 2 - da fahren innerhalb von 24 h ca. 100.000 Fahrzeuge in bestimmten Abschnitten. Nun stell dir bitte vor, die müssten jeden Tag für 3 Monate oder länger durch dein Heimatdorf fahren, weil Autobahn gesperrt und die Umleitung über Bundes- oder Landesstraßen führt. Ganz zu schweigen von den Kilometern die jedes Fahrzeug mehr fährt und das auf die Anzahl hochgerechnet.
Es wird stets versucht, wenn an Autobahnen etwas gemacht werden muss, den Verkehr so wenig wie möglich zu unterbrechen. Das heißt, wenn eine Richtungsfahrbahn komplett erneuert wird zB., dann wird auf der anderen Richtungsfahrbahn eine 4+0 oder 5+0 Verkehrsführung mit verengten Fahrstreifen eingerichtet.
Kann man die Bauarbeiten in der Breite beschränken, sind auch 3+1 Verkehrsführungen oder ähnlich denkbar.
Das wird vorher bedacht, wie und wann und was man da macht. Das richtet sich nach der Belastung (DTV) in 24 h auf dem Abschnitt und dem Schwerverkehrsanteil. Es wird versucht wenn möglich die vorher vorhandene Anzahl an Fahrspuren auch während der Bauzeit (eben mit verringerten Breiten) einzurichten, sodass der Verkehr zwar nicht mehr mit 130 km/h oder unbegrenzt fahren kann, sondern mit 60 oder 80 km/h - Geschwindigkeit richtet sich auch nach vorhandenen Fahrstreifenbreite und Verkehrsmenge, aber dass man trotzdem LKWs auf der Hauptfahrspur fahren lassen kann (rechts) und der Personenverkehr überholen kann.
Je mehr Fahrzeuge jedoch zu einem gewissen Zeitpunkt auf der Straße sind, desto höher ist die Gefahr, dass durch zu ängstliche oder zu forsche Autofahrer sich Staus bilden. Ja, ein dämlicher Überholvorgang, bei dem der ankommenden Hintermann behindert wird, kann einen Stau verursachen bei entsprechender Fahrzeugmenge.
Von denen, die dann noch gaffen müssen, wie gearbeitet wird und dabei auf den Vordermann auffahren mal gar nicht gesprochen.
Bezüglich des Hinweisschildes welches du als "großzügige Beigabe" bezeichnest, gibt es Vorgaben und Richtlininen durch den BMVBW, wie die Schilder auszusehen haben, welche Grüße, Farbe, Text etc. Dies geschieht nicht aus Langeweile, sondern um die Fahrer zu informieren, dass man sich ein Bild machen kann, wielange noch mit Behinderungen zu rechnen sein wird.
Wie angesprochen wurde, ist es tatsächlich so, dass vor der WM 2006 mehr Baustellen - auch gerade auf den Autobahnen - vorhanden sind. Das ist keine Täuschung, denn man ist bestrebt, den Gästen zur WM ein gut funktionierendes Verkehrsnetz zur Verfügung zu stellen. Das heißt keine riesigen Schlaglöcher und damit verbundene Geschwindigkeitsbeschränkungen und eben dann auch keine Baustellen mehr. Es werden tatsächlich Baumaßnahmen so geplant, dass wir während der WM keine Behinderungen durch Baustellen haben. In wieweit das 100% durchzusetzen sein wird, wird sich dann zeigen, wenn es so weit ist. Und jede dann noch bestehende Baustelle wird zu 90% das Verschulden des jeweiligen Bauunternehmers sein, der bei Angebotsabgabe behauptet, er schafft alles wie gefordert und wenn der Auftrag dann erteilt wird, feststellt, dass es doch nicht so einfach ist.
Dass du auf der beschriebenen Baustelle im Moment nur 2-3 Hanseln siehst, liegt zum einen an der Witterung, denn jetzt ist nichts mehr mit Asphalt oder Beton einbringen. Oder es liegt an der Firma, welche dann anstatt ihre Leute da einzusetzen, sie woanders hinschickt.
Man mag schimpfen wie man will, wenn man in dem Stau steht, aber es ist zum großen Teil das Problem der Verzögerung und Nachträge stellen etc.
Dass aus den 140 mio nun über 200 mio € geworden sind, kann an vielen Dingen liegen. Nehmen wir mal das Beispiel des Untergrundes. Vor Ausschreibung einer Maßnahme werden Bodengutachten erstellt aufgrund von zB Bohrkernen. Nun kann man schwer aller 2 m einen Bohrkern ziehen, sondern rechnet die ausgewerteten Daten hoch auf die Strecke. Stellt sich nun aber heraus, dass zB im Verlauf eines km der Untergrund schlechter geworden ist, dann sind entsprechende Verbesserungsmaßnahmen erforderlich. Oder man hatte zB vor lediglich eine neue Trag- und Deckschicht aufzubringen (Hocheinbau). Nun stellt sich im Verlauf der Arbeiten heraus, dass die vorhandenen Steifigkeiten des Unterbaus nicht ausreicht und alles erneuert werden muss.
Und du kannst nur allein für 1 m² Autobahn-Aufbau ca. 50 € rechnen - ohne Probleme. Wenn ich mich recht erinnere kann bei einem km Autobahn pi mal Daumen mit ca. 5 mio € gerechnet werden und eine Brücke kannst du pro m² Brückenfläche zwischen 1000 und 3000 € rechnen. Je nach Bauwerk auch viel teurer zB eine Talbrücke.
Festpreise wären hier vielleicht ein Ansatz, aber wenn sich Massenänderungen herausstellen, kannst du es nicht anders abarbeiten.
Aber es gibt Überlegungen dazu, dass man Verträge mit den Unternehmen schließt, welche nicht nur über die Bauzeit und die Gewährleistungsfrist laufen sondern ein paar Jahre länger. Sodass die Unternehmer dafür gerade zu stehen haben, dass vernünftige und haltbare Arbeit abgeliefert wird. Schau mal ob du was zu Funktionsbauverträgen findest.
Nervig sind die allemal die Baustellen, aber ohne die Bauarbeiten kannst du in ein paar Jahren keine Autobahn mehr so befahren, wie du es zur Zeit gewöhnt bist.
Teufelchen