Re: Wem gehört also der Staat?
Hallo Uwe,
Ich habe doch eigentlich gar nicht kritisiert, sondern
zunächst mal ein paar unvoreingenommene Fragen gestellt, da
ich mich wundere. Warum meinst Du denn, daß "diese Sache"
"etwas kritisch zu sehen ist"?
nun, wenn der Aufkauf von eigenen Staatsanleihen zur gängigen Praxis wird, wäre das insoweit kritisch, als der betreffende Staat eine Art geldpolitischen Freifahrtschein genösse. Notenbanken werden meist mit Bedacht dem politischen Tagesgeschäft entzogen (siehe das wie gesagt weitgehend unabhängige ESZB) - könnte sich ein Staat darauf verlassen, dass ihm die Notenbank jeden Monat Staatsanleihen abkauft, könnte er das Geld auch gleich selbst drucken - mit den bekannten (Inflations)gefahren.
In der EWU haben wir noch ein spezielles Problem. Welche Staatsanleihen sollte die EZB kaufen? Dieses Problem ist ein Grund dafür, dass sich die EZB nicht an den beschriebenen Aktivitäten anderer Notenbanken beteiligt. Viele haben jetzt in der Krise vorgeschlagen, sie solle griechische Papiere kaufen, um den Staat, dem der Bankrott droht, wieder zu stabilisieren. Die Kritiker halten indes dagegen, dass das Ziel der EZB, die auf Geldwertstabilität achten soll, nicht sein kann, marode Mitgliedsstaaten auch noch aktiv Liquidität zur Verfügung zu stellen.
Fakt ist, dass der Kauf von fremden Staatspapieren durch Notenbanken gang und gäbe ist. Deshalb wird auch immer wieder davon gesprochen, dass die ostasiatischen Länder eine so große Macht über die USA haben. Japan und China halten massenweise US-Staatspapiere und geben den USA so erst die Möglichkeit zur Aufnahme hoher Schulden.
Grüße,
John L.