'endlich' auch bei uns...

Von: , Frage gestellt am Fr, 25. Jan 2002

Dass die Amis nicht ganz dicht im Hirn sind, war mir schon lange klar. Doch jetzt wird es erst ganz deutlich:
Der Sender FOX brachte die erste Folge einer Foltershow!
"The Chamber" nennt sich dieses "Kunstwerk". Ein Mensch wird in eine Kammer gesperrt und festgebunden. Dann wirken Flammenwerfer, Wasserkanone, Kältedüsen, Elektroschocker usw. auf ihn ein. Wärend dem fragt der Moderator Quizfragen ab. Wer es durchhält, bekommt 100000 $.
Christoph Körfer (RTL): "Wir sagen grundsätzlich nicht nein...!"
Wann kommt endlich die Hinrichtungsshow?
Elektrischer Stuhl vor laufender Kamera? Mit Nahaufnahmen der kochenden Augenäpfel?
Oder Hängen lieber? Natürlich auch mit Nahaufnahme der hervorquellenden Zunge.
Sind das die Anzeichen für das Ende der augenblicklichen "Kultur"?
Grüße
Raimund

67 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Minuten 0 hilfreich
    Nichts Neues

    Ach Raimund,

    die Römer hatten eine hochentwickelte Zivilisation UND Brot & Spiele fürs Volk...

    Salve
    Diana

    • Antwort von nach 40 Minuten 1 hilfreich
      Re: Nichts Neues

      Hallo Diana, die Römer hatten eine hochentwickelte Zivilisation UND Brot &
      Spiele fürs Volk...
      ...und rutschten von der Kultur in die Degeneration. Das römischen Reich zerfiel von innen heraus.

      Dazu fällt mir ein: "Amerika ist der direkte Weg von der Barbarei in die Degeneration ohne den Umweg über die Kultur."

      (unbekannt)

      Oliver

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        so what?

        Hallo Oliver,

        im Wandel der Zeiten ist noch jede Kultur aufgestigen, hat ihre Blütezeit und ihren anschließenden Niedergang erlebt, um von anderen Kulturen abgelöst zu werden...wozu also das Geschrei vom "Untergang des Abendlandes"?

        Grüsse
        Diana

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^2: Nichts Neues

        ...und rutschten von der Kultur in die Degeneration. Das
        römischen Reich zerfiel von innen heraus.

        Die USA gibt es erst seit 225 Jahren. Das Römische Reich gab es länger ... Dazu fällt mir ein: "Amerika ist der direkte Weg von der
        Barbarei in die Degeneration ohne den Umweg über die Kultur."

        Das Resentiment hinter diesem Spruch basiert meiner Meinung nach auf dem Teilaspekt der amerikanischen Kultur, der aus Amerika nach Europa 'importiert' wurde und somit auf dem, was in EUROPA populär ist. (McDonalds, Hollywood-Filme, etc.)

        Kultur ist laut Brockhaus die
        "Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschl. Gesellschaft in Sprache, Religion, Wiss., Kunst u. a"
        Es gibt eine Menge angesehener Amerikanischer Autoren und Künstler, nirgends anders auf der Welt gibt es soviele verschiedene Religionen und in den USA leben und arbeiten mit Abstand die meisten Nobelpreisträger.

        Dass die USA keine 3000 Jahre alte Kultur haben ist klar, aber die alten Römer und Griechen waren z.B. auch keine Deutschen ;-)

        Peace,
        Kevin.

        • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
          Re^3: Nichts Neues

          Hallo Kevin,

          ich habe viel zu lange in den Staaten gelebt, um irgedwelche Resentiments zu hegen. Schließlich hatte ich eine gute Zeit dort. Was mich aber nicht davon abhält, obigem Zitat (Korrektur meinerseits: Es heißt nicht "Degeneration" sondern "Dekadenz") zuzustimmen. Betrachte hierzu einfach mal die Lebensweisen des Durchschnittsmenschen in den USA im Vergleich zu einem Europäer: Die kulturellen Äußerungsformen sind diesseits des Teiches erheblich vielfältiger.

          Aber das ist jetzt off-topic. Mir geht es mehr darum, daß ich Fernsehshows, wie sie Raimund beschreibt, einfach für abstoßend und unethisch halte. Bedenke, was im Fernsehen vorgelebt wird, wird häufig in den Alltag übernommen.

          Sofern jemand schicht kalt "so what" sagt, wenn Menschen in irgendwelchen Röhren mit Flammenwerfern traktiert werden, zu dem wird auch "so what" gesagt werden, wenn er sich im Alltag in einer weit weniger schwierigen Situation befindet ("soziale Dekadenz", es reicht ja schon, wenn das Auto nicht anspringt und man braucht Starthilfe usw.).

          Ich nehme von solchen Shows deswegen Abstand, da sie diese Entwicklung mindestens katalysieren. Mein eigenes Leben und das meiner Mitmenschen verdient nun mal (schon schlicht aufgrund seiner bloßen Existenz) eine gewisse Würde.

          Peace zurück ;-)

          Oliver

          • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
            Re^4: Nichts Neues

            ich habe viel zu lange in den Staaten gelebt, um
            irgedwelche Resentiments zu hegen. Schließlich hatte ich eine
            gute Zeit dort. Was mich aber nicht davon abhält, obigem Zitat
            (Korrektur meinerseits: Es heißt nicht "Degeneration" sondern
            "Dekadenz") zuzustimmen. Betrachte hierzu einfach mal die
            Lebensweisen des Durchschnittsmenschen in den USA im Vergleich
            zu einem Europäer: Die kulturellen Äußerungsformen sind
            diesseits des Teiches erheblich vielfältiger.

            Tendenziell magst Du Recht haben, aber eine Kultur so pauschal abzuurteilen halte ich für zu weitgehend.

            Es kommt immer darauf an, mit was für Leuten man es zu tun hat. Auf'm Dorf ist es hier in Deutschland wahrscheinlich auch nicht viel besser. Aber das ist jetzt off-topic. Mir geht es mehr darum, daß ich
            Fernsehshows, wie sie Raimund beschreibt, einfach für
            abstoßend und unethisch halte.

            Ich auch.

            Ausserdem ist sowas ähnliches schon mal dagewesen und untergegangen. Ich erinnere mich an diese Ulla-Kock-am-Brink-Show, wo jemand sich Dartpfeile in den Rücken werfen lassen hat.
            (Fand ich auch geschmacklos)


            Peace, Kevin.

            • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
              Re^5: Querverweis

              Hallo Kevin,

              zum Thema USA läuft gerade ein Thread im Brett "Auslandspolitik", vielleicht magst ja mitmachen ;-)

              Oliver

          • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
            Vom Wandel der Zeiten

            Hallo Oliver,

            Sofern jemand schicht kalt "so what" sagt, wenn Menschen in
            irgendwelchen Röhren mit Flammenwerfern traktiert werden, zu
            dem wird auch "so what" gesagt werden, wenn er sich im Alltag
            in einer weit weniger schwierigen Situation befindet ("soziale
            Dekadenz", es reicht ja schon, wenn das Auto nicht anspringt
            und man braucht Starthilfe usw.).

            Ich nehme von solchen Shows deswegen Abstand, da sie diese
            Entwicklung mindestens katalysieren. Mein eigenes Leben und
            das meiner Mitmenschen verdient nun mal (schon schlicht
            aufgrund seiner bloßen Existenz) eine gewisse Würde.


            verwechselst Du hier nicht etwas? Das ethische Handeln des Individuums und die Frage nach der allgemeinen Entwicklung der Zivilisation?

            Als Individuum innerhalb einer Gesellschaft kann ich natürlich gemäß dem Diktum Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde leben und handeln. Oder aber, grob vereinfachend gemäß dem anderen Extrem "Auge um Auge, Zahn um Zahn".

            Soweit dazu. Die Frage, die sich stellt, ist jedoch die Frage nach der Signifikanz o.g. Shows: Sind sie Indikator für die allgemeine Verrohung unserer Zivilisation? Und wenn ja, welche Folgen hat die allgemeine Verrohung unserer Zivilisation?

            Mag sein, daß sie den Untergang dieser Kultur zur Folge hat - wobei die Frage nach dem kausalen Zusammenhang bisher noch nicht abschließend beantwortet wurde.

            Daß Kulturen nicht ewig Bestand haben, ist aber der Punkt, dem mein "so what?" gilt - wie sagt schon Brecht?

            Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt

            Grüsse
            Diana

            • Antwort von nach 16 Stunden 3 hilfreich
              Re: Vom Wandel der Zeiten

              Moin Diana,
              verwechselst Du hier nicht etwas? Das ethische Handeln des
              Individuums und die Frage nach der allgemeinen Entwicklung der
              Zivilisation?
              Das letztere bedingt auch immer das erste. Diesen Einfluss merkt man spätestens dann, wenn man versucht eigenen (anderen) ethischen Maßstäben zu folgen, die denjenigen der Entwicklung der Zivilisation entgegenlaufen, falls jemand überhaupt in der Lage ist, sich soweit zu reflektieren und diese Manipulation wahrzunehmen. Der Einfluß der Medien wird hier meiner Meinung nach viel zu sehr unterschätzt. Als Individuum innerhalb einer Gesellschaft kann ich natürlich
              gemäß dem Diktum Handle nur nach derjenigen Maxime, durch
              die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz
              werde
              leben und handeln. Oder aber, grob vereinfachend
              gemäß dem anderen Extrem "Auge um Auge, Zahn um Zahn".
              Das sind keine zwei Extreme. Das eine schließt das andere nicht aus. Warum soll jemand nicht wollen, dass "Auge um Auge, Zahn um Zahn" allgemeines Gesetz wird und er auch persönlich danach handelt ? Soweit dazu. Die Frage, die sich stellt, ist jedoch die Frage
              nach der Signifikanz o.g. Shows: Sind sie Indikator für die
              allgemeine Verrohung unserer Zivilisation?
              Zumindest sind Fernsehshows ein Indikator für Art der jeweiligen Zivilisation. Sie spiegeln einen gewissen Mainstream wieder, der sich durchaus auch im Alltagsleben zeigt. Ich behaupte mal, wenn das literarische Quartett soviele Zuschauer hätte, wie dies Gameshows, sähe auch unsere Gesellschaft anders aus.

              Und wenn ja, welche Folgen hat die allgemeine Verrohung unserer Zivilisation?
              Ich würde mal sagen, auf jeden Fall ein Niedergang an Fähigkeiten. In der Entwicklung von Zivilisation baut normalerweise eins auf das andere auf. Fähigkeiten gehen nicht verloren, sondern werden weiterentwickelt. Hier gibt es schon den ersten Bruch in unserer Zeit. Viele handwerkliche Arbeiten wären zum Beispiel heutzutage gar nicht mehr ausführbar, weil es niemanden mehr gibt, der sie beherrscht. Insgesamt betrachtet ist der Mensch ein Wesen mit vielen Fähigkeiten und Anlagen. Diese zu fördern sollte das Ansinnen einer Zivilisation sein, um sich weiterzuentwickeln.

              Wenn solche Gameshows ein Spiegel der Verrohung unserer Zivilisation sind, dann kann es nur bedeuten, dass Gewalt als Mittel der Durchsetzung wieder gesellschaftsfähig wird. Also Pech für die kleinen Dünnen mit viel Grips. Nur hat Gewalt selten etwas aufgebaut, manchmal etwas erhalten können, meistens nur zerstört. Fahr mal in eines der Länder der ehemaligen UdSSR in denen jetzt seit langen jahren Chaos und Bürgerkrieg herrscht oder red mit Leuten, die öfters dorthin fahren. Du wirst sehen, Zivilisation kann sich auch zurückentwickeln. Wo früher Straßen, Infrastruktur, medizinische Versorgung, Schulen, Energieversorgung etc. war, wächst heute nur noch Gras. Sowas sollte uns zu denken geben. Mag sein, daß sie den Untergang dieser Kultur zur Folge hat -
              wobei die Frage nach dem kausalen Zusammenhang bisher noch
              nicht abschließend beantwortet wurde.
              Gesellschaftliche Entwicklung ist nie monokausal, jedoch ist es in vielen Fällen möglich Trends aufzuzeigen und zurückzuverfolgen. Gleichermaßen ist es möglich Parallelen und Vergleiche zu ziehen, man muss nur in der Lage sein, die Augen etwas zusammenzukneifen, damit das Bild unscharf wird :-) Daß Kulturen nicht ewig Bestand haben, ist aber der Punkt, dem
              mein "so what?" gilt - wie sagt schon Brecht?

              Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt
              Klar, aber in welche Richtung die Reise gehen soll, darauf kann man durchaus Einfluss nehmen.

              Gruss
              Marion



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